29.10. Tarifa – Martil
Die Nacht war wieder stürmisch.
Nach dem Frühstück, reihten wir uns zu einem Konvoi auf, um gemeinsam nach Algeciras zu fahren und die Fähre nach Tanger Med zu erreichen. Dort kamen wir 2 Stunden vor dem Ablegen an. Dann ging es auf die Fähre. Die Überfahrt dauert 1,5 Stunden. Während der Überfahrt muß man zur Paßkontrolle und sich die notwendigen Einreisestempel mit der wichtigen Einreisenummer abzuholen. Also reihten wir uns nach 30 Minuten in die Schlange ein. Und dann begann das Desaster, dass bis zum Abend dauern sollte. Man konnte auch sagen: Willkommen in Afrika.


Für alle Pasagiere hatten sie einen Grenzer für die Passformalitäten eingesetzt. Das hatte zur Folge, dass wir längst in Tanger Med angelegt hatten und immer noch Hundert Leute auf die Abfertigung warteten. Das hatte wiederum zur Folge, dass kein Auto die Fähre verlassen konnte, da die Ausfahrten von Fahrzeugen der nicht abgefertigten Passagieren blockiert waren. Nachdem wir mehr als 2 Stunden gewartet hatten, vergrößerte man die Abfertigungsmannschaft um 2 auf 3. Sie teilten sich aber den einzigen Stempel und konnten die Eingabe in den Computer nur mit 2 Fingern und langem Suchen der Buchstaben bewerkstelligen. Dazu kam, dass die Bediensteten der Fähre noch einen Nebenjob hatten, das geschmierte Vordrängeln. Wer Geld bot, wurde an der Schlange vorbei ganz nach vorne geführt. Dies wiederum führte zu tumultartigen Szenen, da die geduldig in der Schlange Wartenden versuchten, das Vordrängeln zu verhindern.
Irgendwann waren wir durch und hatten jetzt als nächste Herausforderung, den Zoll, mit dem Einführen der Wohnmobile vor uns. Wir füllten Formulare aus und folgten jedem Winken der Polizei. Nachdem ich meine Papiere abgegeben hatte und auf die Zollabnahme wartete, wurde der ganzen Gruppe mitgeteilt, dass sie zurück zu einem bestimmten Punkt mußte, da sie sich bei der Polizei nicht gemeldet haben sollte. Also wieder mit 11 Wohnmobilen gewendet und zurück. Dort passierte nichts. Man ließ uns warten. Unsere Reiseleitung versuchte Beamte zu motivieren, uns abzufertigen aber es dauerte wieder mindestens 2 Stunden bis wir dann doch einreisen durften.
Es war mittlerweile 18:30 Uhr abends und die erste Tagesetappe in Marokko lag ja noch vor uns. Geplant war die Einreise für 13:30 Uhr und unser nachmittägliches Briefing um 17:30 Uhr auf dem Campingplatz. Unmittelbar nach der Grenze tauschten wir noch Geld und ich kaufte noch für 20 € eine marokkanische SIM Karte, mit der ich, alle telefonischen und internetmäßigen Ausgaben für die nächsten 30 Tage beglichen haben sollte. Für Interessierte, meine marokkanische Tel.-Nr. lautet: 00212 633230958. Utes Tel.-Nr. ist geblieben.
Wir sind dann individuell gestartet und ich war froh, als ich merkte, dass wir der eingestellten Route, dank des Navis und Utes Anweisungen aus dem Roadbook, gut folgen konnten. Allerdings hatten wir gleich am Anfang darartigen Nebel in den Bergen, dass ich nur im 2. Gang langsam fahren konnte um überhaupt auf der Strasse zu bleiben.
Auf der Küstenstrasse war dann wieder alles ok und wir haben den Campingplatz, wie auch alle anderen Mitfahrer, gefunden.

30.10. Martil – Quezzane
Die Nacht war ok, nach den gestrigen Strapazen hatten wir gut geschlafen. Gut war auch, dass wir von gestern auf heute 2 Stunden gewonnen hatten durch die Zeitverschiebung, eine von Spanien nach Marokko und eine weitere in der Nacht zum 30.10. So konnten wir trotz ausgiebigem Ausschlafen schon um 9 Uhr starten. Die heutige Etappe betrug 170 km, natürlich ohne Autobahn.
Vorher ging es aber noch in den Marjane Supermarkt zum Einkaufen. Die Marjane Supermarktketten gehören Kataris, sind sehr gut sortiert, allerdings ohne Alkohol, was uns ja nicht stört.
Danach erleben wir eine traumhaft schöne Fahrt durch das Rif Gebirge, mit schönen Blicken auf den Atlantik oder in die Felsformationen. Fahrerisch war die Strasse ein Traum, ich liebe Serpentinen und steile An-bzw. Abstiege.

In Chefchaouen konnten wir am dortigen Campingplatz unser Wohnmobil parken und zu Fuß über Treppen in die Medina gelangen. Die Gebäude der Medina sind in hellblau und weiß gehalten. Sie war sehr interessant zu besichtigen. Dort haben wir zu Mittag gegessen und sind dann mit dem Taxi wieder zurück zum Wohnmobil gefahren.


Jetzt lagen noch 75 km vor uns. Wieder ging es in die Berge. An einem Fotostop, sprach uns plötzlich ein Deutscher an. Er war bei Siemens beschäftigt und baut in der Nähe eine Fabrik zur Herstellung von Windkraftanlagen, die zu 80 % exportiert werden sollen. Das Projekt soll 4 Jahre dauern. Er hatte frei, da Sonntag war und zeigte seinem Vater und seinem Onkel, die bei ihm zu Besuch waren, die schöne Umgebung.
Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf 30 Grad C. Um 16:30 Uhr erreichten wir unseren Campingplatz in Quezzane und hatten noch Zeit, bis zum allabendlichen Briefing, zu duschen.
Abends gab es das erste marokkanische Gruppenessen, Suppe, Couscous und Obst.
31.10. Quezzane – Fes
Gott sei dank hatte es sich in der Nacht schön abgekühlt und wir konnten sehr gut schlafen.
Wir sind die ersten bei der Abfahrt um 8:30 Uhr. Die heutige Etappe betrug 150 km. Und wird für die nächsten 4 Tage die letzte Fahretappe sein. Wir werden von Fes aus verschiedene, organisierte Ausflüge und Besichtigungen machen.
An den marokkanischen Verkehr habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Er erfordert schon mehr Aufmerksamkeit als der deutsche. Es kommen einem Fahrradfahrer auf der eigenen Spur entgegen, Fußgänger benutzen die Fahrbahn, allerlei Tiere, wie Esel, Schafe, Hunde oder Ziegen können plötzlich auftauchen.
Die heutige Fahrt war nicht so spektakulär, wie die gestrige aber viel entspannter. An einem weiteren Marjane Supermarkt haben wir in einem angeschlossenen Restaurant sehr lecker zu Mittag gegessen und kamen schon am frühen Nachmittag in Fes an. Der Nachmittag diente dann der Entspannung.
1.11. Fes
Heute ist der erste von 3 Tagen, an denen wir selbst nicht fahren.
In gemieteten Bussen und einem deutschsprachigen Reiseleiter fuhren wir zunächst nach Mecknes, der ersten Königsstadt, die wir besuchen. Sie besitzt 3 Stadtmauern. Die äußere hat eine Länge von 23 km. Die zweite schützte die priviligierte Bevölkerung, wie Beamte oder die Königsgarde. Die innere schützte den Königspalast.
Interessant war, dass wir einen Blick in den inneren Bereich werfen konntenund waren erstaunt, dass sich der König dort einen Golfplatz leistet.

Die Medina ist für europäische Augen immer wieder spannend zu besuchen.





Nach dem Mittagsessen ging es nach Volubilis, die am besten erhaltene Ausgrabungsstätte aus dem römischen Reich in diesem Teil Nordafrikas, mit vielen kunstvollen Mosaiken. Es gehört seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Den Abschluß des Tages bildete der Besuch von Moulay Idris, der wichtigsten Pilgerstätte Marokkos für Moslems. Sie besuchen das Mausoleum von Idris I, dem Gründer der Stadt. Da sich viele Marokkaner den im Islam erwünschten Besuch von Mekka nicht leisten können, und früher eine Reise nach Mekka 3 Jahre dauerte, ist ein 7facher Besuch von Moulay Idris gleichrangig, wie der Besuch von Mekka. Bis vor einigen Jahre galt die Stadt als verboten für Nichtgläubige, dies wurde dann aber liberalisiert. Weiterhin war der Besuch des Mausoleum jedoch für uns verboten.
2.11 Fes
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Medina von Fes.
Nach der Anfahrt durch das moderne Fes, wo der wohlhabendere Teil der Bevölkerung lebt, hielten wir als erstes am Tor des Königspalastes. Danach ging es zu einem Aussichtspunkt mit einem schönen Blick auf die gesamte Medina. Es gab interessante Informationen, wie z.B., warum die Stadt in Hanglage gebaut wurde, weil so die Abwässer automatisch abflossen. Die Hauptstrassen wurden gen Norden gebaut, weil so die Sonne genau 1 Stunde jede Strasse beschien und die Hinterlassenschaften der Esel, Muhlis, Kamele und Hunde dann getrocknet waren und keine unangenehmen Gerüche hinterliessen. In Fes wurde die erste Universität der Welt gegründet und unter anderem unser Alphabet erfunden.
Danach begann ein sehr ausführlicher Besuch der Medina mit Besuchen verschiedener Handwerksbetrieben wie Weberei, Töpferei, Bronzebearbeitung und Gerberei, natürlich jedes mal mit der Gelegenheit die Produkte günstig zu erwerben.
Alles in allem war es ein interessanter aber auch sehr anstrengender Tag.
3.11. Fes
Der heutige Tag stand uns zur freien Verfügung.
Ich hatte nur einen Termin am Nachmittag. Gestern wurde gefragt, wer Lust hätte, einen Hammam zu besuchen. Da ich grundsätzlich neugierig bin, Neues auszuprobieren, hatte ich mich gemeldet. Mit mir waren noch 4 Frauen mit von der Partie. Da Frauen und Männer getrennt „behandelt“ werden, und Frauen nur von Frauen und Männer nur von Männern, mußte für mich extra noch einer besorgt werden.
Ich verkürze das Erlebnis jetzt mal auf – das brauche ich kein zweites Mal. Wer darauf steht von älteren Arabern wie ein Baby gewaschen, eingeseift, abgespült, eingeölt, massiert, abgeseift, shampooniert und noch mal abgespült zu werden ist hier richtig – für mich war es weniger Wellness, eher Stress. Ich hake das mal unter Erlebnis ab.
























