9.3. bis 19.3.2019
Sharja-Fähre Bandar Abbas-Bandar Lengeh-Siraf-Bandar Deylam-Chogha Zanbil-Dezful-Kermanschah-Bisotum-Takht e Soleyman-Tabriz-Maku
Es folgten 2 nervige Grenztage.
Zunächst mußten wir mittags am Fährhafen eintreffen. 7 Stunden später wurde geladen, und wir durften aufs Schiff. Dann ging die Warterei weiter bis 21 Uhr, dann legte die Fähre ab. Normalerweise konnten wir kurz nach dem Ablegen zu unseren Womos zum Schlafen, diesmal allerdings nicht. Der Seegang war so stark, dass aus Sicherheitsgründen die unteren Decks gesperrt waren. Also ging die Langeweile weiter. Plötzlich machte es einen riesen Schlag, alle wurden augenblicklich wach, ich dachte, wir hätten einen umherschwimmenden Container gerammt. Dann folgten weitere Schläge, das waren die hohen Wellen. Um mich herum verloren einige Gesichter ihre Farbe, und auch ich wartete auf entsprechende Symptome, da ich zur Seekrankheit neige. Gott sei Dank und den helfenden Armbändchen, die über Akkupressurpunkte innen an den Handgelenken Seekrankheit bekämpfen, kam ich davon.

Um 1 Uhr hatte der Seegang nachgelassen, und wir konnten nach unten. Die lauten Schiffsdiesel in Verbindung mit 2 Kühltransportern mit laufenden Kühlaggregaten, schafften dann eine gemütliche Atmosphäre für einen ruhigen Schlaf.
Morgens um 10 Uhr erreichten wir mit Verspätung Bandar Abbas und damit wieder iranischen Boden. Sofort spürte man die uns von der Hinreise bekannte Gastfreundschaft. Wir saßen im Womo gemütlich am Frühstückstisch, da klopfte es am Fenster, und der Fahrer des neben uns stehenden LKWs bot uns Tee an. Er saß, für uns armselig, vor einer Blechklappe seines LKWs und frühstückte auch. Unser Angebot Kaffee von uns zu bekommen, lehnte er bescheiden ab.
Die Einreise- und Zollformalitäten gingen überraschend schnell vonstatten, so dass wir bereits um 15:30 Uhr das Grenzgelände verlassen konnten.
Wir werden bis zum Ende der Reise jetzt viele Fahrtage haben, vor uns liegen mehr als 5000 km, die wir als Gruppenreise bis Ende März schaffen müssen, danach geht es von Bergama in der Türkei individuell weiter.
Die nächste Etappe führte uns nach Bandar Lengeh, wo wir schon einmal waren und die nächsten 2 Nächte verbringen werden.
Abends konnten wir Meeresschildkröten beobachten, die in Strandnähe immer wieder auftauchten, leider keine Chance sie zu fotografieren.
In Bandar Lengeh hatten wir unser erstes offizielles Briefing mit unseren „neuen“ Reiseleitern Oleg und Amin. Oleg hatte uns schon von Polen bis Dubai begleitet und wird uns auf der restlichen Rückreise unterstützen. Amin ist unser neuer Guide im Iran.
Wir erfuhren, dass die im Herbst 2018 verfügten Sanktionen jetzt langsam bei der Bevölkerung ankommen. Neben der galoppierenden Inflation sind die Preise u.a. für sogenanntes rotes Fleisch (Rind und Lamm) sowie Tomaten sehr gestiegen. Die Erzeuger bekommen durch die Inflation kaum Geld für ihre Produkte und versuchen diese ins Ausland zu verkaufen oder zu sehr hohen Preisen im Inland, die nur sehr wenige noch bezahlen können.
Eine andere Auswirkung war die Sperrung fast aller Handys der Gruppe. Durch den starken Schmuggel unregistrierter Handys sah sich die Politik gezwungen, alle Handys zu sperren und gegen Nachweis der Rechtmäßigkeit wieder freizugeben. Das ist für Ausländer fast unmöglich, und deshalb hatten wir auch mindestens 2 Handys mit für solche Umstände, denn die Handys, die wir auf der Hinreise benutzt hatten waren alle gesperrt.
Die Dieselsituation ist für uns jetzt noch kritischer als noch vor 3 Monaten. Gemeinsames Tanken ist so gut wie unmöglich. Wir sind gezwungen, täglich abends den Tank für den nächsten Tag voll zu haben und schaffen das nur durch Goodwill von Tankwarten und Lastwagenfahrern. Wir benötigen nämlich die Tankkarte eines LKW Fahrers um auf seinen Namen an Diesel zu kommen.
Jedes Mal ein neues Abenteuer, wenngleich die Leute vorort sehr hilfsbereit sind.
Die nächste Etappe führte uns über 320 km nach Siraf. Hier befindet sich die Erdöl- und Gasindustrie des Landes. Über 50 km fährt man an riesigen Raffinerien mit lodernden Schloten vorbei, wobei die ganze Gegend nach Schwefel stinkt.
Nach unserem ersten, erfolgreichen Solo Tankerlebnis, 40 l für 2 Euro (Einheimische zahlen die Hälfte), erreichten wir unseren Stellplatz am Meer.



Um 21 Uhr, ich lag schon im Alkoven, klopfte es. Ute öffnete die Tür und ich hörte eine Männerstimme fragen: „Farsi?“ Darauf Ute: „No Thank you“ und schloß die Tür. Was ich nicht wußte war, dass – im Dunkeln – vor unserem Mobil 2 Soldaten mit Maschinengewehren standen und sich mit No Thank you nicht abspeisen lassen würden. Das Klopfen wurde energischer, und Ute brachte die beiden dann zu unserem iranischen Reiseleiter Amin, der erfuhr, dass wir und 3 weitere Mobile genau an der Beobachtungsstellung der Soldaten parkierten und uns von dort entfernen sollten. Sie hielten dort Ausschau nach Schmugglern, die vom Meer kommen und nachts an Land gehen.
Von Siraf fuhren wir am nächsten Tag 400 km nach Bandar Deylam. Dies wird unsere letzte Station am Meer sein. Wir werden in den nächsten Tagen leider auch den Sommer verlassen, da wir in Nordiran Nachttemperaturen von – 2 Grad C erwarten. Auf dieser Etappe verließen wir die Industriezone und konnten uns wieder an der abwechslungsreichen Landschaft erfreuen.



Es folgten 380 km nach Chogha Zanbil. Dort befindet sich das Weltkulturerbe Dur – Untash. Dies ist ein über 3000 Jahre altes Zikkurat, ein Tempel in Pyramidenform. Er wurde vom König Untash Napirisha gebaut, der König der Elamiten, das Urvolk der Iraner. Diese Anlage wurde erst vor 40 Jahren entdeckt und in der Gegend werden noch viele weitere Ausgrabungen in den nächsten Jahre vorgenommen.

Auf unserer nächsten Etappe nach Dezful machten wir in Shushtar halt, um das alte Wasserversorgungssystem, das von König Darius errichtet wurde, zu besichtigen. Auch dies gehört zum Unseco Weltkulturerbe.

Wir fuhren danach 350 km nach Kermanschah in der Provinz Kurdistan. Damit hatten wir den Winter wieder erreicht. Wir befanden uns auf der Hochebene auf 1400 m. Die Temperaturen sanken in den einstelligen Bereich. Die Strecke war allerdings sehr abwechslungsreich und schön. Wir fuhren 4 Tankstellen an um jeweils 20 l Diesel zu bekommen. Das wird zunehmend nervig.




Unser Stellplatz befand sich an der Karawanserei direkt im Weltkulturerbe Bisotun. Die Karawanserei wurde im 16. Jahrhundert errichtet und zum (iranischen) 5 Sterne Hotel ausgebaut. Dort konnten wir für 2 Nächte Zimmer beziehen. Die Zimmer hatten keine Fenster, so, wie es in einer Karawanserei üblich war.


Am nächsten Tag besichtigten wir Bisotun. In einer riesigen senkrecht aufsteigenden Felswand sind Reliefs aus der Zeit von Darius I. zu besichtigen. Es ist u. a. Herakles dargestellt und eine Szene einer Machtübergabe. War ein netter Spaziergang, aber auch nicht besonders eindrucksvoll.


Nach dem Mittagessen in Kehrmanschah besichtigten wir noch Tak-i Bustan, wo weitere Reliefs aus der Sassaniden Periode 350 vor Christus zu sehen waren. Diese waren schon eindrucksvoller, weil sehr gut erhalten und größer.

Danach ging es zurück ins Hotel, wo wir eine landestypische Teestube aufsuchten, in der fleißig Shisha geraucht wurde.
Da wir am nächsten Tag bis auf 2200 m fahren werden, und es schon diese Nacht auf -4 Grad abkühlen soll, hatte ich vorsorglich für die Nacht die Womoheizung angestellt, obwohl wir in der Karawanserei schliefen. Hauptsache wir bekommen keinen Schnee.
Wir arbeiteten uns weiter gen Norden. Es war jetzt wirklich Arbeit, weil die Etappen sehr lang waren, die Strassen sehr schlecht und der Verkehr iranisch. Unser heutiges Ziel hieß nach 360 anstrengenden km Takht e Soleyman auf 2100 m. Hier befindet sich ein weiteres Unesco Weltkulturerbe, eine Festung mit Feuertempel und einem 21 ° warmen kleinen See. Im Reiseführer wird dies als eine der schönsten Sehenswürdigkeiten des Iran gepriesen. Leider waren nur Ruinen zu besichtigen.


Wieder folgte eine 360 km Etappe nach Tabriz, in der Provinz Ost Aserbaidschan. Über zwei 2000er Pässe und Regen erreichten wir nach 7 Stunden die Millionenstadt Tabriz und gerieten gleich mal in einen Megastau und Schneeregen, die uns 13 km vor dem Ziel 1 Stunde kostete.
Tabriz ist eine Industriestadt. Hier werden auch die iranischen Autos gebaut. Außerdem ist es das Zentrum der iranischen Teppichproduktion. Es liegt leider in einem erdbebengefährdeten Gebiet, das im Jahre 1780 ca. 200000 Menschenleben kostete und 1840 weitere 50000. Dadurch sind alle alten Gebäude zerstört. Es hat den größten Basar der Welt und viele große Parks. In einem davon übernachteten wir.
Der nächste Tag begann mit einer Überraschung. Nachts hatte es geschneit und es lagen 10 cm Schnee. Alle waren begeistert, denn die kältesten Orte unerer Rückreise liegen noch vor uns.

Wir besichtigten In Tabriz die Blaue Moschee, von der nach den Erdbeben noch Fragmente stehen geblieben waren, und die restauriert wurde, und den historischen Basar. Zwischendurch stärkten wir uns in einem landestypischen netten Restaurant.




Abends gab es im El Goli Pars Hotel noch ein Seabridgeessen, als Abschluß unserer Iran Etappen (eine folgt allerdings noch)

Der Iran schenkt uns nichts. Nachts hatte es wieder geschneit. Morgens fuhr sich Christoph erst einmal seine Treppe beim Abbiegen ab, sie war noch ausgefahren. Es folgten Schnellreparaturen, da wieder 270 km vor uns lagen. Der Schneefall wurde immer schlimmer und der Verkehr in Tabriz auch.

Nach 1 1/2 Stunden ließ der Schneefall nach und in der Ferne konnte man blauen Himmel und schneebedeckte Berge sehen. Die Fahrt entwickelte sich dann zu einer sehr schönen.
Wie immer kam das dicke Ende zum Schluß. Der Stellplatz an einem Hotel in Maku war eine Zumutung. Der Verkehr dort war schon heftig, dann mußte man im laufenden Verkehr 90° in eine schmale Zufahrt einfahren, die rechts und links einen tiefen Wassergraben hatte. Da wegen Nouruz, dem iranischen Neujahr, heute sehr viele Gäste im Hotel erwartet und Parkplätze benötigt werden, mussten wir mit unseren Womos ständig umparken. Um 17 Uhr hatten wir dann alle unsere endgültige Parkposition erreicht – pünktlich zum Beginn der Knallerei. Um das neue Jahr zu begrüßen, werden jetzt die ganze Nacht Raketen abgefeuert, und es wird laut geknallt. Gut, dass wir morgen ausschlafen können, bis ca. 5.30 Uhr, denn um 7 Uhr müssen wir an der Grenze sein. Wir fahren in die Türkei.























































































