Frankreich – Spanien – Portugal – Marokko Teil 9

23.11. Essaouira – Oualidia

 

Unsere Tageshöchsttemperatur betrug heute 12 Grad. Das Tief vom Atlantik hat uns voll erreicht.

 

Unsere Strecke führte uns vorwiegend an der Küste entlang.

 

Wir starteten bei Sonnenschein aber schon nach einer halben Stunde zog es sich zu und wir fuhren in eine dunkle Wand. Es folgten Starkregenfälle.

 

Das Wasser konnte nicht sofort versickern, weil der Boden größtenteils aus Lehm besteht und es keine Kanalisation gibt. Also gab es kleinere oder größere Überschwemmungen oder in den Bergen kamen uns Sturzbäche entgegen. Wieder eine fahrerische Herausforderung.

 

Wir fuhren auf eine Baustelle zu, die eine Umleitung hatte. Üblicherweise fährt man eine Umleitung parallel zur Baustelle. Hier sah man schon von weitem, dass sowohl auf unserer, als auch auf der Gegenseite sich Autos stauten. Als wir näher kamen sahen wir warum. Zwischen den Staus gab es eine Entfernung zu überbrücken von ca. 300 m. Man sah nur eine lehmige Wasserfläche. Keiner traute sich dort hinein zu fahren. Die Bauarbeiter standen am Rand und beobachteten amüsiert die Szenerie. Hinter mir hielt ein großer Omnibus. Beide Fahrer stiegen aus und gingen bis zum Rand. Auch auf der gegenüberliegenden Seite stiegen die Fahrer aus. Dann wagte der erste Fahrer von gegenüber die Durchfahrt. Ich schätze die Wassertiefe auf  ½ m. Dazu kamen die gefüllten Schlaglöcher. Der Wagen schaukelte von einer Seite zur anderen und ich war mir überhaupt nicht sicher, ob das Wohnmobil diese Passage ohne aufzusetzen oder abzusaufen schafft. Nach und nach fuhren die Wagen, einer nach dem anderen, los. Dann waren wir dran und mit viel Gas, damit das Wasser nicht in den Auspuff läuft und schleifender Kupplung, ging es los. Mir war schon mulmig , da wir einige Male rutschten aber schließlich schafften wir es auch ohne stecken zu bleiben.

 

Es folgten im weiteren mehrere Wasserdurchfahrten auf der Strasse, bedingt durch  Überflutungen. An einer Stelle stand ein Strassenarbeiter und wiegte die Hand in unserer Richtung, nach dem Motto, ich bin mir nicht sicher, ob ihr das schafft. Ganz langsam hatten wir auch diese Stelle passiert.

 

Wie konnte es auch sein, Ihr erinnert Euch an den running gag, mit unserem Glück kurz vor dem Ziel in Schwierigkeiten zu geraten, war die Strasse direkt an unserem Campingplatz auch überflutet und ein Arbeiter kam uns mit wilden Schwenken der Arme entgegen und signalisierte: hier gibt es kein Durchkommen für euch.

Wir probierten die Gegenfahrbahn und schafften die 120 m, bevor wir auf den Campingplatz abbiegen konnten.

 

Das war wieder Mal eine spannende und mit neuen Herausforderungen gespickte Etappe.

 

Oualidia liegt an einer wunderschönen Lagune mit Sandstrand, bei wärmeren Temperaturen sicher ein Badeparadies.

 

Abends war fast die gesamte Reisegruppe in ein in der Nähe gelegenes  Fischrestaurant gegangen und wir hatten einen schönen Abend, an dem ich zum ersten Mal Seeigel gegessen habe.

 

24.11. Oualidia – Mohammedia

 

Nachts hatten wir Dauerregen.  Morgens war es dann wieder trocken und wir fuhren die Küste und die Lagune entlang gen Norden. Dies ist ein sehr fruchtbares Gebiet. Es werden alle Gemüse angebaut und es gibt eine sehr erfolgreiche Austernzucht.

 

In El Jadida machten wir Pause, um die zum Weltkulturerbe gehörende Medina mit Zisterne zu besuchen. Die Zisterne wurde im 16. Jahrhundert erbaut und hatte eine Grundfläche von 33 x 34 m. Man konnte sie begehen. Sehr eindrucksvoll war der gut erhaltene Zustand und die vielen mächtigen Säulen im romanischen Stil. Die gesamte Stadtmauer war begehbar und bot schöne Blicke auf den Atlantik und der Medina.

 

Danach ging es bequem auf der Autobahn über Casablanca nach Mohammedia. Unterwegs holte uns der Regen wieder ein, der den ganzen Abend über andauerte. Da wir seit Wochen wieder Satelitenempfang hatten, machten wir uns einen gemütlichen Fernsehabend.

 

25.11. Mohammedia

 

Heute sollte es trocken bleiben. Gute Voraussetzung für unseren Ausflug nach Rabat. Mit einem großen Reisebus ging es auf die 45 minütige Anfahrt nach Rabat. Unterwegs nahmen wir unseren lokalen Reiseführer auf.

 

Als erstes besichtigten wir den Königspalast, das heisst, besichtigen kann man ihn nicht nur von außen ansehen. Um den Königspalast befindet sich eine eigene Stadt, mit kontrollierten Zugang, mit allen Annehmlichkeiten. Es gibt gute Krankenhäuser, sehr gute Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen, vorwiegend für die Regierungs- und Botschaftsangestellten. Das sind schon Privilegien.

 

Danach fuhren wir zum Mausoleum von Mohammed V.und dem halbfertigen Hassanturm. Danach ging es zur Chellah, einer Totenstadt und machten einen ausgiebigen Halt an des Kashba des Oudaias mit den andalusischen Gärten.

 

Das  Wetter hielt tatsächlich und so konnten wir trockenen Fußes den Tag abschließen.

 

Rabat hat uns sehr gut gefallen, eine moderne, saubere Stadt, mit viel Historie, die im völligen Gegensatz steht zum Leben in den Dörfern des Atlasgebirges, die wir ja auch schon gesehen hatten.

 

26.11 Mohammedia

 

Casablanco stand heute auf dem Programm.

 

In der Nacht hatten wir Starkregen, der den Platz zum Teil überschwemmte. Da ich Bedenken hatte, das Wasser steigt über die Höhe der Kabeltrommel, bin ich nachts um 2 Uhr noch mal raus, um das Wohnmobil vom Strom zu nehmen. Morgens hatten wir eine Seenlandschaft auf dem Platz. Wir wechselten noch einmal auf einen etwas trockneren Platz.

 

Mit dem Bus sind wir dann nach Casablanca gefahren. Die Stadt hat uns nicht besonders beindruckt.

 

Einzig die Hassan II. Moschee war allein die Fahrt nach Casablanca wert. Sie ist, als einzige Moschee in Marokko Nichtmuslimen zugänglich und wurde 1987 vom Vater des heutigen Königs gebaut. Bauzeit 6 Jahre, Kosten vorsichtig geschätzt 800.000.000 €. Sie steht auf 800 Fundamentpfählen im Wasser und beinhaltet aus den Religionen Christentum, Judentum und Buddismus, Elemente, um die Gleichberechtigung der Religionen zu dokumentieren. Sie ist die drittgrößte Moschee der Welt nach Mekka und Medina in Saudi Arabien und mißt über 200m, das Dach läßt sich automatisch öffnen und somit ist sie eine open air Moschee. Das Interieur ist unglaublich prunkvoll. In dieser Moschee dürfen die Frauen auf dem riesigen Balkon beten. Zum Freitag abend Gebet kommen 25000 Menschen. Ist Ramadahn beten draußen noch einmal 60.000 Menschen.

 

27.11. Mohammedia – Moulay Bousselham

 

Diese Etappe wollten wir eigentlich nicht mehr mitfahren.

 

Warum?

 

Wir hatten uns vor drei Tagen entschieden, nach der geführten Tour, noch in Marokko zu bleiben und an der Atlantikküste runter bis nach Agadir zu fahren. Wir hatten vor 2 Jahren im Robinson Club dort Urlaub gemacht und es gefiel uns sehr. Ute hatte dem Clubchef, den wir mal zufällig beim Essen getroffen hatten, eine email geschickt, mit der Frage: ist es möglich, mit dem Wohnmobil aufs Clubgelände zu kommen, im Wohnmobil zu schlafen und gegen eine Gebühr, die Annehmlichkeiten des Clubs zu genießen. Nie hätte ich mit einer Antwort, geschweige denn mit einer Zusage gerechnet. Am nächsten Tag hatten wir die Antwort, mit der Zusage. So werden wir unsere Marokkorundreise noch mit einigen Tagen puren Luxus krönen.

 

Aus diesem Grund waren uns die 200 km nach Norden eigentlich zuviel, zumal der Ort nichts außergewöhnliches zu bieten hatte. Als wir aber erfuhren, dass dort unser Abschiedsabend stattfinden sollte, haben wir entschieden, daran teilzunehmen, da uns die Reise gut gefallen hatte und uns die Mitstreiter sympatisch waren.

Wir hielten dies für einen schönen Abschluß und werden die Distanz morgen wieder zurück fahren.

 

Die Fahrt nach Moulay Bousselham war auf der Autobahn einfach. Leider stand der Campingplatz komplett unter Wasser. Wir mußten durch die Wasserflächen fahren, bis zum Ende des Platzes, der etwas höher lag.

 

Abend gab es dann das Abschiedsessen in einem Restaurant, was ein schöner Abschluß der Reise war. Eine Gruppe nimmt die Fähre nach Algeciras, die andere die nach Genua, eine nach Sete , wir waren die einzigen, die noch in Marokko blieben.

 

28.11 Moulay Bousselham

 

Wir entschieden noch einen Tag auf dem Campingplatz zu bleiben.

 

Morgens machten wir mit den noch Verbliebenen eine kleine Lagunenfahrt, die sehr entspannend war. Eigentlich sollten wir ein Vogelparadies besuchen aber bis auf Möven Kormorane und Strandläufer waren keine weiteren Vögel zu sehen. Als kleinen Ausgleich bot uns Ute 2 plötzlich Dominosteine an. Das war eine Überraschung aber es war ja auch der erste Advent.

 

Nach und nach verließen unsere Gruppenmitglieder den Platz, die ersten vormittags, die, die nach Genua und Sete wollten am späten Nachmittag.

 

Wir haben noch einen kleinen Strandspaziergang gemacht und uns den Ort angeschaut.

 

29.11. Moulay Bousselham – Mohammedia

 

Das war ein komischer Tag.

 

Eigentlich erwarteten wir auf unserer Fahrt an der Küste schöne Strände und schöne Ausblicke, wie wir sie von Spanien und Portugal gewohnt waren. Davon war allerdings nichts zu sehen. Die Strände sind kaum zu erreichen oder man sieht sie von der Strasse überhaupt nicht.

 

Wir hatten eine Marokkokarte mit eingetragenen Campingplätzen, allerdings wußten wir nicht, wie alt sie war. Ute hatte sich aus dem Campingführer unserer Reiseleitung die Campingplätze an den vermeintlich schönsten Stränden rausgesucht, zum Beispiel Skirat,wo der König sogar seine Sommerresidenz hat. Für diesen Tag, hatten wir 3 Optionen mit GPS Koordinaten. Alle drei waren nicht mehr vorhanden. Unser Frust wuchs, wobei wir sowieso noch in einer Abschiedsstimmung von unserer Gruppe waren, die uns doch sehr ans Herz gewachsen war.

 

Wir entschieden dann, Küste Küste sein zu lassen und nach Mohammedia auf der Autobahn zu fahren. Das machten wir dann auch und am späten Nachmittag erreichten wir den uns schon bekannten Platz, den wir fast exklusiv allein hatten, ein Franzose war noch da.

 

30.11. Mohammedia – Marrakech

 

Heute wollten wir Kilometer gen Süden, Richtung Agadir, machen. Auf der Autobahn war es auch kein Problem.

Nach einer etwas turbulente Fahrt durch die Innenstadt von Marrakech erreichten wir das Einkaufszentrum in dem wir zu Mittag aßen und noch einige Besorgungen tätigten.

 

Anschließend tankten wir und ließen noch einmal das Wohnmobil waschen.

 

 

In Marrakech übernachteten wir wieder auf dem Campingplatz, auf dem wir vor gut einer Woche schon einmal waren und der zu den besten der Rundreise zählte.  

 

Auf der Fahrt zum Campingplatz, fährt man genau auf den Hohen Atlas zu, der ca. 20 km von Marrakech entfernt  beginnt. Deutlich war zu sehen, dass viel mehr Schnee dort gefallen war und die Schneegrenze viel tiefer war, als noch vor einer Woche. Das war das Ergebnis der Schlechtwetterfront, die uns 1 Woche im Griff hatte.  

 

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Frankreich – Spanien – Portugal – Marokko Teil 8

 

14.11. Tata – Sidi Ifni

 

Heute stand die längste Etappe der Reise mit 340 km an. Es sollte an den Atlantik gehen.

 

Kurz nach Abfahrt gerieten wir, wie schon so oft, in eine Polizeikontrolle. Jedes Mal wurden wir bisher durchgewunken, dieses Mal jedoch nicht. Der Polizist stellt in französich allerlei Fragen, die ich alle nicht verstand. Ute mühte sich auch, wenigstens unsere alten Reiseziele und unsere zukünftigen Reiseziele aufzuzählen. Ich hatte den Eindruck, er machte das zu seinem privaten Vergnügen. Er fragte immer weiter. Wir hatten ihm unsere Pässe angeboten, unsere Einreisedokumente mit dem wichtigen Stempel, er winkte freundlich ab und fragte weiter. Schließlich zeigten wir ihm unseren Seabridgeordner mit unseren Routen und die Übersicht unserer Reise. Das interessierte ihn. Er studierte die Route ausgiebig, nickte wissend und wünschte uns dann eine gute Reise.

    

Diese Polizeipräsens hier vermittelt schon das Gefühl von Sicherheit, wobei ich nie das Gefühl von Unsicherheit, auch in der Dunkelheit zu Fuß in Nebenstrassen bisher hatte. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und winken einem unterwegs zu. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, so wurde einer unserer Mitreisenden von einem Kind mit einem Stein beworfen und hat jetzt eine kapitale Beule in der Seitenwand.

 

Wir durchfuhren den Antiatlas, eine karge Wüstenlandschaft auf einsamer Strasse. Rechts lag ein toter Esel im Strassengraben, der noch nicht lange tot schien. Wir hatten schon Sorge, dass einer unserer Mitstreiter  in den Unfall verwickelt sein könnte aber dem war zum Glück nicht so.

 

In den Arganbäumen sahen wir Ziegen klettern um die Nüsse zu fressen.

 

Weiter ging es Richtung Timoulage. Die Landschaft färbte sich braun. So ging es rauf und runter immer in Richtung Westen. Auf den letzten 20 km mußten wir noch einmal einen Höhenzug überwinden und ich hielt laufend Ausschau nach dem Meer. Es zeigte sich nicht. Die Strasse war so durch die Hügel gebaiut, dass wir das Meer erst unmittelbar am Ort Sidi Ifni kurz vor unserem Campingplatz sahen.

 

Wir hatten 28 Grad aber am Strand läßt sich die Hitze gut aushalten.

 

15.11. Sidi Ifni – Tiznit

 

Morgens ging es zuerst zu den Felsbögen von Lagzira. Die konnten wir bei einer kleinen Wanderung gut am Strand erreichen und kurz vor der Flut auch durchschreiten.

 

Die nächste Station war der Aglon Plage, ein sehr schöner Strand, wo wir einige unserer Mitfahrer trafen und Mittag aßen.

 

Dann ging es direkt nach Tiznit, wo ein gemeinsames Essen mit Folklore geplant war.

 

Das Ganze fand im  Festsaal eines Riads statt, in dem Hochzeiten und andere Familienfeiern würdig gefeiert werden können. In den Saal gehen etwa 500 Gäste, wir waren 21. Man hatte für uns drei Tische wirklich festlich gedeckt und geschmückt.

 

Das Essen bestand aus einer guten Gemüsesuppe. Danach gab es eine Riesentajine, die wir nur zur Hälfte schafften. Danach gab es Couscous, den wir nur zu einem Viertel schafften und zum Schluß noch einen Obstteller, den der Kellner kaum tragen konnte. Alles viel zu viel.

 

Jetzt zur Folklore. Bei Folklore beschleicht mich immer ein komisches Gefühl, nicht nur Gast, sondern auch aktiver Teil des Geschehens sein zu können. Das ist mir schon xMal passiert und auch eine vermeintlich geschickte Sitzauswahl schützt nicht immer davor, zum Bauchtanz oder sonstigen mir nicht geläufigen Übungen aufgefordert zu werden. Ein weibliche Gruppe spielte original die Musik auf, die bei Hochzeiten gespielt und zu der gesungen wird. Die Sängerinnen singen sich nach und nach in Ekstase, unterstützt von Trommeln und Schellen. Die Texte wiederholen sich unzählige Male. Natürlich wurden auch Gäste auf die Bühne geholt um mitzutanzen. Einigen hat es anscheinend auch wirklich Spaß gemacht. Der Kelch ging Gott sei Dank an mir vorbei.

 

16.11. Tiznit – Tafraoute

 

Wieder eine landschaftlich schöne Fahrt auf 1000 m durchs Gebirge, durch verschiedene Pässe, Abfahrten und Serpentinen. Teilweise auf 1,5 spurigen Strassen, die den Reiz haben, bei Gegenverkehr auszuloten, wer die besseren Nerven hat und zuletzt oder gar nicht rechts auf den unbefestigten Randstreifen zu fahren. 

 

Die Landschaft änderte sich wieder komplett. Wir fuhren durch eine Granitfelslandschaft, die sich je nach Sonnenschein in tiefes rot verfärbte.

 

Da wir gut voran kamen, fuhren wir an unseren Campingplatz vorbei, durch Tafraroute durch zu den „blauen Steinen“. Hier hat ein belgischer Aktionskünstler mitten in der Landschaft riesige Granitsteine blau angestrichen.

Wir verbrachten dort einen wunderschönen Nachmittag, ganz alleine, mitten im Nirgendwo in völliger Stille, bei bestem Wetter.

 

17.11. Tafraoute

 

Heute morgen stand eine ausgiebige Wanderung mit einem Wanderführer, durch die schöne Landschaft, bis zu den blauen Steinen und zurück auf dem Programm. Ca. 13 km ging es abseits von Wegen an den Granitfelsen vorbei. War wieder ein Highlight.

 

Am frühen Nachmittag waren wir zurück. Es war auch Zeit, da wir noch Vorbereitungen für unseren gemeinsamen Grillabend erledigen mußten. Jeder sollte, neben seinem eigenem Grillgut, etwas für die Allgemeinheit vorbereiten. Wir hatten eine Gemüsepfanne gemeldet. Das hieß, viel Gemüse putzen, schnibbeln und zubereiten.

 

Gestern abend hatten wir noch einkaufen können und sind zu einem Fleischer in den offenen Markt gegangen. Dort sollten wir Frischfleisch erwerben können. Wer in ähnlichen Ländern schon unterwegs war, weiß, wie diese Fleischereien aussehen.  In der Regel sind sie gut besucht von Fliegen und auch die Utensilien wie Messer oder Holzbrett sind meilenweit entfernt von unseren Hygienestandards. Auch der schon eingetretene Ausfall von mittlerweile 5 Mitreisenden, die sich mit Magen/Darm plagten, führte bei mir nicht unbedingt dazu bei, mutig Grillfleisch zu kaufen. Allerdings habe ich es dann doch getan, nachdem alle Anwesenden dort Lammfleisch und Rinderfilet gekauft hatten. Ich hatte dabei noch etwas Glück. Da kein Rinderfilet mehr da war holte der Metzger hinten aus einem Kühlraum ein halbes frisches Rind, löste das Filet aus und so hatte ich das Gefühl, dass die Liegezeit in der Theke auf ein Minimum begrenzt war.

 

Pünktlich um 16 Uhr waren alle anwesend und hatten ihre „Mitbringsel“ auf einem Tisch als Buffet schön angeordnet. Es gab verschiedenen Salate, frisch gebackene Speckbrötchen (super lecker) und anderes. Unsere 2 Pfannen hatten wir auf einem Gasgrill setzen können, damit es warm blieb. Wir saßen an einer langen Tafel. Dann begann der spannende Moment mein Filet zu grillen. Well done war das Mindeste, was ich mir vornahm, obwohl das bei Filet sonst nicht meine Priorität ist. Lange Rede kurzer Sinn, es war phantastisch., wie das Fleisch der anderen auch. So verlebten wir noch einen sehr schönen Gruppenabend im Freien.  

 

18.11. Tafraoute – Lakhnafif

 

Heute hatten wir wieder eine landschaftlich einmalige Etappe. Es ging wieder in den Antiatlas auf 1700 m, auf interessanten Strassen mit wenig Verkehr und vielen schönen Ausblicken.

 

Unterwegs sahen wir auch die kletternden Ziegen, die in die Arganbäume klettern, um dort an die Nüsse zu gelangen, wirkliche Akrobaten.

 

In der Ferne konnten wir dann Agadir am Atlantik sehen, das wir aber nicht besuchen werden.

 

Unser heutiger Platz war in einer Orangenplantage, die von einem deutsch/französischen Ehepaar betrieben wurde.

 

Abends hatten wir ein Gruppenessen im Salon des Haupthauses, ein gemütliches Wohnzimmer mit 3 schön gedeckten Tischen, Klavier und Kamin. Es wurde ein französisches Menue serviert, das uns allen sehr gut schmeckte.

 

19.11. Lakhnafif – Marrakesch

 

Heute war ein Hammertag!

 

Es war eine 260 km lange Strecke geplant nach Marrakesch über den Hohen Atlas. Geplante Fahrzeit ca. 8 Stunden.

 

Also hieß es früh losfahren, was bei uns nicht so ganz klappte, wir waren die Letzten, die um 8:30 aufbrachen. Nach dem Tanken war die nächste Station eine empfohlene Patisserie nach 10 km, wo wir uns mit leckeren Blättterteigteilchen für den Tag versorgten.

 

Dann ging es auf eine 70 km lange Anfahrt auf den Tizi’n’Test Pass zu. Wir erreichten den Fuß des Berges und es begann ein 36 km  langer Aufstieg auf 2200 m. Die Strasse war einspurig und an den Seiten ausgefranst. Es gab keine Seitenbegrenzung der Strasse, sondern kleine Ausweichbuchten, die bei Gegenverkehr zu benutzen waren. Gott sei Dank war sehr wenig Verkehr auf der Strasse, da von der anderen Seite erst nach 85 km die erste Ortschaft kam und der Gegenverkehr selbst noch auf der Anfahrt war. Die Strecke war mehr als abenteuerlich, ganz nach meinem Geschmack. Bisher war der Trollenstieg in Norwegen mein Highlight aber seit heute ist es der Tizi’n’Test Pass. Ute hat sich tapfer gehalten und fleißig Bilder gemacht.

 

Auf der Passhöhe von 2200 m trafen wir Bernd und Ute2 (die Frau von Bernd). Ute2 ging es gar nicht gut, da sie Höhenangst hatte und die Strasse als zu gefährlich einstufte. Als sie merkten, dass wir dort oben Pause machen und einen Tee trinken wollten, gesellten sie sich zu uns. Windgeschützt an der Mauer des kleinen Gasthauses  und in der strahlenden Sonne konnte man es aushalten. Jetzt kamen die gekauften Blätterteigteilchen zum Einsatz und nach einiger Zeit sah auch für Ute2 die Welt wieder besser aus.

 

Nach einiger Zeit kam noch ein Pärchen aus Tschechien per Fahrrad oben an und machte dort auch Pause. Da ich weiß, dass nach einer anstrengenden Fahrradtour, ein Stück Kuchen guttut, haben wir dort das letzte Teilchen

gespendet, was sehr gut ankam.

 

Die Abfahrt, nicht weniger spektakulär als der Anstieg, zog sich über 85 km hin, durch eine sehr einsame Gegend. Jetzt hatten wir auch mehr Gegenverkehr, was das Fahren nicht einfacher machte.

 

Nach 6 Stunden machten wir noch einmal eine Pause und ich legte mich kurz hin und entspannte ein wenig.

 

Etwa 7 km vor unserem Ziel steuerten wir noch einen Supermarkt an, um unsere Vorräte aufzufüllen. Hier war sofort zu sehen, dass Marrakesch ganz nah war. Die Frauen sind zum Teil modern, westlich gekleidet, auf den Strassen sieht man neue, teure Autos fahren und das Einkaufscenter könnte auch in Berlin stehen.

 

Nach gut 8 Stunden, das erste Mal im Dunklen, erreichten wir unseren Campingplatz, der einen sehr guten Eindruck machte und auf dem wir 3 Nächte verbrachten.

 

20.11. Marrakesch

 

Am Morgen wurden wir mit einem Bus zu einer geführten Stadtrundfahrt abgeholt. Zunächst ging es zum Wahrzeichen der Stadt, der Kontoubia Moschee, benannt nach den dort früher angesiedelten Buchhändlern. Danach sahen wir das Bab Agnaou, das schönste Tor der Medina von Marrakesch. Es folgte ein ausgiebiger Gang durch den Souk.

 

Hierbei besuchten wir eine Kräuterapotheke, in der man natürlich Gewürze, Cremes, Tees, Öle und andere zusammengemixte Tinkturen gegen alles mögliche erwerben sollte. Als verkaufsfördernde Maßnahme, ließ der eloquente Chefapotheker, ein Fläschchen mit einem ÖL/Mentholgemisch zum Probieren durch die Reihen gehen. Dazu drückte der Assistent des Chefapothekers jedem ein Nasenloch zu und man sollte durch das offen an der Flasche tief inhalieren. Das führte dazu, dass mein Sitznachbar, der schon einen Schlaganfall hatte, sofort in Ohnmacht fiel und hingelegt werden mußte. Gott sei Dank kam er nach einigen Minuten wieder zu sich. Das dieses Produkt nicht der Umsatzrenner wurde, versteht sich von selbst.

 

Am frühen Nachmittag, am Djemaa el Fna, dem Platz der Gaukler, angekommen, hatten wir bis zum abend Freizeit. Wir sind noch einmal ausgiebig durch den Souk geschlendert und haben uns das Leben auf dem Platz der Gaukler angesehen.

 

 

 

21.11. Marrakesch

 

Der heutige Tag stand zur freien Verfügung. Wir sind mit einem Taxi noch einmal zum Einkaufszentrum, 10 km entfernt gefahren, um im dortigen Carrefour, einem französischen Supermarkt, unsere Vorräte aufzufüllen.

Danach war Relaxen angesagt.

 

22.11. Marrakesch – Essaouira

 

Der seit 3 Tagen angekündigte Wetterwechsel war eingetreten. Wir hatten die ganze Zeit in Marokko, bis auf 1 Nacht in der Wüste nur schönes Wetter, heute regnete es. Es wird auch die nächsten Tage unbeständig bleiben, so die Vorhersage.

 

Die Fahrt nach Essaoira war einfach, auf guten Strassen und wenig spektakulär.

 

Mittags waren wir bereits dort, auf dem schlechtesten Campingplatz der gesamten Reise. Von der Benutzung des Stroms wurden wir gewarnt, da Überspannungen im letzten Jahr schwere Schäden an einigen Wohnmobilen verursacht hatten. Der Platz gleicht einer Müllkippe und wir sind nach dem selbst gemachten Mittagessen sofort in die Stadt gegangen.

      

Essaouira gehört zum Weltkulturerbe wegen der gut erhaltenen Medina und der vollständig erhaltenen Stadtmauer. Außerdem hat sie einen wunderschönen 6 km langen Strand.

 

Der Ort war sehr lebendig und gut zu besichtigen, da die Händler, im Gegensatz zu denen, in den  Souks, die wir woanders besucht hatten, uns in Ruhe ließen und wir die Waren in Ruhe anschauen konnten.

 

Auch der Fischereihafen war sehenswert und wir bekamen, trotz des mäßigen Wetters, noch einen schönen Sonnenuntergang geboten.

 

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Dort hielten wir uns bis zum Eintritt der Dunkelheit auf, um das Elend auf dem Platz, bei unserer Rückkehr, nicht sehen zu müssen.

 

Morgen geht’s sowieso weiter.

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Frankreich – Spanien – Portugal – Marokko Teil 7

Und so gings weiter…

 

 

Vorab mal ein paar Worte zu unserer Gruppe. Wir sind jetzt schon 10 Tage gemeinsam unterwegs und dann kann man sich schon ein Bild machen. Unsere Reiseleitung ist ein Ehepaar, sie aus Potsdam und er aus dem  Schwarzwald stammend, die seit 3 Jahren in Ihrem Wohnmobil leben und diese Reise schon 6 Mal geführt haben. Sie ist sehr strukturiert und dizipliniert und die eigentliche Leitung, er hat sich als ihr Fahrer vorgestellt. Die Briefings und die Unterlagen, die wir bekommen sind super.

 

Zur Gruppe gehören 3 schweizer Ehepaare, 1 österreichisches Ehepaar, 1 alleinreisende 76 jährige, 2 Freunde und 4 deutsche Ehepaare. Alle befinden sich in unserem Alter und sind bis auf ein Ehepaar nicht mehr berufstätig.  Ein Mann hat erst vor Kurzen einen Schlaganfall bekommen  und leidet noch unter Sprachstörungen und ein anderer Mann hat eine Krebsdiagnose erhalten mit einer Lebenserwartung von noch 6 Monaten. Bemerkenswert, dass sie sich diese Reise zutrauen. Hochachtung habe ich auch vor der älteren Dame, die alles alleine machen muß und das trotz ihres Alters noch super schafft.

 

Die Gruppe harmoniert , wir haben eine gute Stimmung und alle sind fitte Wohnmobilfahrer. Die Fahrzeuge reichen vom VW Bus mit Hubdach bis zum 10 t Expeditionsmobil.

 

4.11. Fes -Midelt

 

Ich habe mir vorgenommen kein marokkanisches Wasser in unseren Frischwassertank einzufüllen, sondern nur abgepacktes Wasser aus Flaschen. Also sind wir zum Marjane Supermarkt gefahren und haben 8 5 l Kanister gekauft, die ich gleich in den Tank eigefüllt habe. Ute wollte sie entsorgen, indem sie sie klein trat. Das sahen einige Marokkaner, die uns dann die leeren Kanister abnahmen, um darin Olivenöl zu kaufen – auch eine Art von Recycling.

 

Von Fes, das 450m hoch liegt, ging es nach Immouzer auf 1350m. Unterwegs gab es viele Mineralienverkäufer und Polizeikontrollen. Diese haben wir bisher in ganz Marokko häufig angetroffen, wir wurden aber immer durchgewunken. Der nächste Ort war Ifrane auf 1600 m, sehr gepflegt, mit einer Universität. Dann bogen wir nach Mecknes ab, um auf dem Balkon d‘ Ito auf 2100 m einen schönen Blick auf den mittleren  Atlas zu werfen. 

Auf den hohen Gipfeln auf 3000 m lag schon wieder Schnee. Die Fahrt war landschaftlich und fahrtechnisch ein Genuß und sehr abwechslungsreich, mit Abschnitten durch alte Zedernwälder, wo Wegelagerer in Form von Makaken am Strassenrand lauerten und auf Essbarem hofften. Am Kratersee „Sidi Ali“, ebenfalls auf 2100 m machten wir einen kleinen Spaziergang. Die Gegend ist menschenleer. Plötzlich sah ich einen Hund, der sich uns langsam näherte. Er kam bis auf 20 m an uns heran und man sah, dass er sehr ängstlich und vorsichtig war. Trotzdem folgte er uns noch eine halbe Stunde, bis wir wieder am Wohnmobil waren. Ute schnitt dann von meiner Rindssalami Scheiben ab, die ich ihm hinwarf. Erst auf 2 m Entfernung – er traute sich nicht, dann auf 10m, mit eingeklemmten Schwanz kroch er zur Scheibe und fraß sie. Sie mußte ihm anscheinend sehr gut gemundet haben, denn jetzt begann der Kampf zwischen Angst und Gier. Da lag ja noch auf 2 m eine weitere Scheibe. Ohne mich aus den Augen zu lassen, überwand er sich dann doch und bekam zur Belohnung noch einige Scheiben. War ein lustiges Erlebnis.

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Auf dem Reststück unserer Route befuhren wir die Strasse der wilden Hunde. Hunderte von Hunden liegen am Strassenrand und leben anscheinend von dem, was die Autofahrer aus dem Fenster werfen. Unglaublich, dass sie überleben können.

 

5.11. Midelt –  Er Rachidia

 

Wir wollten Geld tauschen. Also hielten wir in Midelt an der Credit Agricole Bank. Drinnen saß eine junge Muslima am Schalter, sowie ein Mädchen und ein Mann, die beide mit den Handys spielten und von der Kleidung her nicht hinter einem Bankschalter pasten. Ute erklärte der Dame in Französich, dass wir 200 € tauschen wollten. 15 Minuten später, nachdem die Bankangestellte Formulare ausgefüllt hatte, Ute Reisepaß abschrieb, dann noch weitere Informationen in ein EDV System eingab und noch telefonierte, eröffnete sie uns, dass sie kein Geld habe und wir bitte noch 10 Minuten warten sollten. Da tickte Ute aus  und verpaßte ihr einen Anpfiff. Nach 10 Minuten betrat ein Marokkaner die Bank und gab der Kassiererin aus seiner privaten Brieftasche das Geld, das wir dann auch erhielten. Da wir in Deutschland etwas Festgeld bei der Credit Agricole angelegt haben, mache ich mir Gedanken, ob das die richtige Bank für uns ist.

 

Nach diesem Erlebnis ging es wieder auf 200m in die Ausläufer des Hohen Atlas Gebirges. Die Landschaft veränderte sich wieder, es wurde karger und gerölliger. Wir schlängelten uns am Fluß Ziz entlang in die spektakuläre Schlucht „Gorge da Ziz“. Die ersten Dattelpalmen Oasen tauchten auf.

 

Unser Campingplatz in Er Rachida lag mitten in einer solchen Oase. Insgesamt wieder eine wunderschöne Tagesetappe.

 

Stefan, der Fahrer unserer Reiseleiterin Imke, seines Zeichens ein Rammsteinfan, hatte angeboten, bei Interesse, für den Abend, eine überregional bekannte Band zu verpflichten. Jedes Pärchen drückte 15 € ab und so fand ein tolles Konzert auf dem Campingplatz, exklusiv für uns , romantisch, an einem großen Lagerfeuer mit afrikanischen Musik statt. Es dauerte nicht lange, und die gesamte Gruppe tanzte ausgelassen zu der Musik. War ein echtes Highlight.

 

6.11. Er Rachid – Erg Chebbi

 

Morgens brachen wir, mit einem einheimischen Führer, zu einer kleinen Wanderung, durch die Oase, zu einem verlassenen Lehmdorf auf. Von oben hatten wir einen schönen Blick auf die Oase Tafilalet, der größten zusammenhängenden Dattelpalmenoase Marokkos.

 

Nach 2,5 Stunden waren wir zurück und starteten unsere heutige Tagesetappe, die uns in die Wüste, nah an die algerische Grenze bringen sollte.

 

In Erfoud aßen wir Mittag und ich erhielt die beste Tajine, die ich bisher gegessen hatte. Tajine ist ein sehr verbreitetes Essen hier in Marokko. Es wird in einem Tongefäß mit Deckel zubereitet und sehr heiß serviert. Es besteht aus Gemüse, Kartoffeln, Eier, entweder mit Fleisch oder auch ohne und alles gut gewürzt.

 

Weiter ging es nach Rissani, wo wir den großen Wochenmarkt besuchen wollten. Von der Strasse aus war er nicht zu finden und so beschlossen wir am Strassenrand zu parken und zu Fuß zu suchen. Kaum waren wir draußen, hatten wir schon den nach eigenen Angaben besten Soukführer Rissanis an den Hacken. Er nervte und durch Nichtbeachtung und Ignorieren wurden wir ihn schließlich los. Irgendwann sahen wir dann ein Wohnmobil unserer Gruppe parken und dort trafen wir tatsächlich Michael und Gloria, die gerade von ihrer Besichtigung zurückkamen und uns ihren Führer Mohammed wärmstens ans Herz legten, da man ohne Führer den Markt und den Souk nicht betreten sollte. Mohammet verlangte für seine Dienste 10 Dirham, das sind 1 €. Er war nett, sprach gut Englisch und zeigte und den Esel-,Schaf-,Rind- und Ziegenmarkt, sowie die uns mittlerweile bekannten Obst- und Gemüse- Gewürz- Fisch- und Fleischmärkte. Interessant war der Stand der Berberapotheke, die nur mit Kräutern und alten Heilmethoden Krankheiten behandelt.

    

Die letzten 45 km führten uns rein in die Wüste, auf einer aspaltierten Strasse. Wir sahen die schwarzen Lavafelder und im Hintergrund schon die größen Dünen Marokkos. Das war ein toller Kontrast.

 

Der letzte Kilometer ging von der Strasse ab auf eine unbefestigte Piste zum Treffpunkt an einem Hotel.

Die meisten Mitfahrer waren bereits da und hatten eine Wagenburg gebaut in der wir uns einreihten.

 

Abends saß ich noch auf dem Stuhl hinter dem Wohnmobil, da es schon den ganzen Tag sehr windig war. Plötzlich brach innerhalb von Sekunden ein Sandsturm los, dass ich kaum um das Wohnmobil herumkam. Den Stuhl in die Garage zu bugsieren war aussichtslos und so nahm ich ihn mit ins Mobil, das ich kaum öffnen konnte. Dann tobte 1 Stunde der Sandsturm, dass wir dachten das Wohnmobil kippt um und dann begann es zu regnen. Der erste Regen in Marokko und dann in der Wüste.

 

7.11. Erg Chebbi

 

Heute stand ein Tagesausflug mit Allradfahrzeugen in die Wüste auf dem Programm.

 

Wir fuhren in hochwertigen Fahrzeugen, wir, z.B,  in einem Toyota Pajero. Unser 23 jähriger Fahrer beherrschte das Auto sehr gut und hatte Spaß daran, möglichst als erster an den jeweiligen Treffpunkten anzukommen. Das führte dazu, dass er bis zu 110 km schnell fuhr. Vorher mußten wir unsere bereits angelegten Gurte wieder ablegen. In der Wüste fährt man ohne und Allah wird es schon richten. Der Ausflug war sehr abwechslungsreif. Die Wüste änderte sich ständig, von Lavegestein über Geröll, Sand bis zu Oasen mit Dattelpalmen. Wir besuchten archaische Bergwerke, wo Kajal abgebaut wird. Wir sahen Fossilien,  besuchten eine Beduinenfamilie und fuhren bis dicht an die algerische Grenze. Je nach Sonnenstand veränderten sich die Farben der Dünen von gelb auf rot.

 

Abends sahen wir in der Ferne eine neue Wetterfront auf uns zukommen. Spektakulär war das Gewitter, dass wir diesmal in sicherer Entfernung betrachten konnten. Die Ausläufer erreichten uns dann doch noch, allerdings bei weitem nicht so stark, wie am Vortag. Leider hatten wir durch die Bewölkung dann nicht die Gelegenheit, den Sternenhimmel am Abend zu sehen.

 

Ute und ich sind dann noch einmal um 1 Uhr nacht raus und haben partiell den Himmel sehen können. Unglaublich, wie tief man ins All schauen kann und  interessant, wie der große Wagen senkrecht auf der Deichsel steht.

 

Wir haben berechtigte Hoffnung, morgen klares Wetter zu bekommen und dies noch einmal zu genießen.

 

8.11. Erg Chebbi

 

Der heutige Tag steht zur freien Verfügung, erst um 16 Uhr geht es noch mal auf die Dünen zum Sonnenuntergang.

 

Wer wollte, konnte sich für den 45 minütigen Spaziergang auf die Düne ein Kamel mieten. 4 aus der Gruppe taten das auch. Wir sind dann gemeinsam, mit den Kamelen aufgebrochen. Nach einiger Zeit parkten die Kamele und alle mussten den sehr steilen Rest bis zum Kamm der Düne selbst bewältigen. Oben gab es dann das Schauspiel „Farbwechsel der Dünen bei Sonnenuntergang“. War wieder sehr schön. Leider fiel einer unserer Mitreisenden beim Rückweg vom Kamel. Hatte ich gar nicht wahrgenommen, Ute erzählte es mir. Er hat sich wohl nur leicht verletzt.

 

Kaum war die Sonne untergegangen wurde es sofort kalt. Wir befinden uns immer zwischen 700 und 1000 m Höhe und in der Nacht geht das Thermometer schon runter auf 6 Grad C.

 

Ab 18 Uhr ist es hier stockdunkel und so konnte ich am Abend doch noch den prächtigen Sternenhimmel bei klarer Sicht betrachten.

 

9.11. Erg Chebbi  – Nekob

 

Der erste Teil unserer heutigen Fahrt ging zurück nach Rissani. Zufällig sahen wir den Eingang des Souks und beschlossen noch Wasser, etwas Obst und eine Waschmaschine einzukaufen.

 

Wir fanden direkt am Tor einen Parkplatz. Bevor ich aussteigen konnte, warteten bereits 4 Stadtführer und ein Parkwächter auf uns. Gott sei Dank kam uns Mohammed, unser sympathischer Führer unseres ersten Besuchs entgegen. Ich begrüßte ihn herzlich und damit waren wenigstens schon mal die 4 anderen Stadtführer Schachmatt gesetzt. Den Parkwächter beauftragte ich für 5 Dirham (50 cent) auf unser Wohnmobil aufzupassen.

 

Dann erklärten wir Mohammed unsere Wünsche und schon ging es zu den Obstständen, wo wir schnell fündig wurden.

 

Nun zur Waschmaschine. Die Wohnmobilwaschmaschine besteht aus einem großen Plastikfass mit großer Öffnung und Deckel mit Dichtung. Dort hinein gibt man die Wäsche und füllt dass Fass ¾ mit Wasser. Man gebe Waschpulver dazu, fahre eine Tagesetappe in Marokko, spüle die Wäsche dann aus trockne sie und man ist unabhängig von Waschmaschinen auf Campingplätzen, die sehr rar gesät sind. Durch die Schaukelei des Wohnmobils, wird die Wäsche im Behälter ausreichend gereinigt. Dies war ein Tip unserer Reiseleiter.

 

Mohammed fand dann einen entsprechenden Händler und für 45 Dirham (4,5€) erstanden wir solch einen Behälter und freuen uns auf unsere erste Wäsche.

 

Ute erstand dann noch eine Fatima Hand und ein Berberkleid mit Kopftuch.

 

Weiter ging es Richtung Alnif, durch Steinwüstengebiet.

 

Auf unserer heutigen Route wurden wir auf einen Vulkanberg hingewiesen, mit schöner Aussicht, der allerdings abseits der Strasse über 4 km Piste zu erreichen ist und für allradtaugliche Fahrzeuge empfohlen wurde.

 

Als wir den Abzweig erreichten,  reizte mich dieser abenteuerliche Abstecher so sehr, dass ich abbog und Piste fuhr. Allerdings im 1. Gang mit 6-10 Stundenkilometer.  Natürlich wollte ich unser Fahrzeug nicht beschädigen und eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo ist auch nicht die erste Wahl, was Erlebnisse angeht aber es war schon sehr spannend und aufregend.

 

Irgendwann kamen wir nach ausgiebiger Schaukelei an dem Berg an. Der Vulkanberg war vor 1000 Jahren bis zum 17. Jahrhundert die Karawanserei Sijilmassa, die den Handel zwischen Timbuktu und dem Mittelmeer kontrollierte. Damals lebten dort 100000 Menschen. Wahrscheinlich wurde sie dann geplündert und der Wüstenwind hat alles zerstört oder begraben. Man sieht nur noch einige wenige Mauerreste. Wir waren die einzigen dort und erstiegen die Vulkankante, von der wir wirklich einen phantastischen Ausblick bis auf die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas hatten.

 

Die Rückfahrt war gar nicht so einfach, da man im Gegensatz zur Hinfahrt, wo der Berg die Richtung angibt, keine Orientierungspunkte hatte. Die zu erreichende Strasse sieht man in der Ebene nicht. Erstaunlicherweise kennt unser Navie teilweise auch Wüstenpisten und so haben wir uns darauf verlassen und sind nach Navie gefahren.  Schließlich fanden wir die Strasse wieder.

 

Es ging weiter durch die Geröllwüste, Lehmdörfer, kleine Oasen auf einer guten Strasse mit sehr wenig Verkehr.

Unser Tagesziel  war ein Camp in Nekop mit einer sehr engen Einfahrt. Das war noch zu meistern aber dann habe ich mir doch an der Alkovenseite eine Schramme eingehandelt durch einen Olivenbaum, da blöderweise Bauarbeiten stattfanden und Baumaterial umfahren werden mußte, dass voll im Weg lag, obwohl man wußte, dass die Gruppe Wohnmobile kommen würde. Ärgerlich aber hab ich mal unter Andenken abgehakt.

 

10.11. Nekop – Zagora

 

Wir fuhren ins Draa Tal, eins der landschaftlich schönsten Gegenden Marokkos, sagt man. Nach dieser Ankündigung fuhren wir unsere Erwartungen natürlich hoch. Also, wir haben schon schönere Strecken in Marokko befahren. Außerdem fiel die Strasse den Unwettern 2014 zum Opfer und wird erneuert. Das hieß, eine Baustelle jagte die andere.

 

Zagora hat uns dann doch überrascht, da sie sehr großzügig angelegt ist, mit 4 spurigen Strassen, sehr sauber und überall urbanes Leben. Unser Campingplatz war auch sehr schön und wir haben dann am Nachmittag und Abend einige Spaziergänge duch die Stadt unternommen.

 

11.11. Zagora – Agdz

 

Ich hatte gehört, dass man an den Tankstellen gut das Wohnmobil waschen lassen kann. Also sind wir zur ersten Tankstelle gefahren und haben danach gefragt. In der Waschhalle stand zwar ein PKW, der gewaschen wurde, als wir jedoch auftauchten, wurden die Prioritäten sofort geändert. Der PKW wurde halbfertig rausgefahren und ich konnte reinfahren. 1 Außenwäsche des gesamten Wohnmobils sollte 40 Dirham (4€) kosten und 1 Stunde dauern. Wir waren dann noch etwas spazieren und als wir wieder an die Tankstelle kamen, stand dort einer unserer Schweizer Mitreisenden. Er hatte unterwegs angehalten, um etwas am Fahrzeug zu kontrollieren und wurde heftig von einem Scheibenwischergummiverkäufer, solche Berufe gibt es hier, bedrängt. Als er ihn barsch abwies und wieder nach vorne kam sah er, dass der Typ ihm einen Scheibenwischer verbogen hatte. Natürlich war er über alle Berge. Also stand Reto (sein Name) jetzt an der Tankstelle und ihm wurde bereits geholfen. Mittels Telefon orderte der Tankwart das notwendige Gummi, ein PKW kam kurze Zeit später und der Fahrer montierte das neue Gummi.

 

Ich glaube, wenn man ein Problem am Auto hat, ist man in Marokko besser aufgehoben als in Deutschland, solange man sich in oder in der Nähe einer Stadt passiert.

 

Gestern  hat Stefan sich verstärkte Federn für sein 4 Rad Mobil bestellt. Die kamen zum Platz, haben die alten Blattfedern ausgebaut und eine weitere Blattfeder angeschweißt. Dabei stellten sie fest, dass beide Stoßdämpfer bereits kaputt waren. Auch die haben sie besorgt und montiert. Abends war das Fahrzeug wieder fahrbereit.

 

Bei Sepp aus der Schweiz fiel der Fernseher aus, Satempfang war ok. Es kam ein anderer Experte mit seinem PKW zum Platz, baute das Fernsehen aus um es zu testen. Er kam dann wieder und berichtete, dass es defekt sei. Für kleines Geld ließ sich Sepp dann einen neuen Fernseher einbauen und ist wieder zufrieden.    

 

Unser Wohnmobil wurde uns übrigens so sauber übergeben, wie wir es neu, von unserem Händler, beim Kauf, übernommen hatten. Sagenhaft und das zu dem Preis. Als wie als Letzte heute den Campingplatz in Agdz erreichten, waren auch unsere Mitfahrer vom Ergebnis der Reinigung beeindruckt. Ich wette, morgen sehe ich sie alle an den Tankstellen in der Waschhalle stehen.

 

12.11. Agdz – Quarzazate

 

Heute fuhren wir relativ schnell auf die traumhafte Passstrasse von Tizi n’Tinififft. Wir hielten an vielen Aussichtspunkten und hatten eine grandiose Sicht in den Hohen Atlas mit seinen schneebedeckten Gipfel. Obwohl wir allein unterwegs Waren und keine Menschenseele auf der Strasse zu sehen war, erschienen bei unseren Stopps wie aus dem Nichts Dattelverkäufer. Die müssen den ganzen Tag über hinter irgend einen Felsen lauern.

 

Nach Überschreitung des Gipfels auf 1660 m, entschieden wir uns etwas später in Tarnigt zu dem Abzweig zur Kasbah Tavurit, die wir besichtigten. Dort fand auch eine Ausstellung der landwirtschaftlichen Kooperativen statt. Obwohl die angebotenen Datteln sehr gut schmeckten, war  uns das Mindesrgebinde von 2 kg dann doch zuviel.

 

Weiter ging es zu den Atlas Filmstudios, die wir mit Führer besichtigten. Es existiert hier eine sehr erfolgreiche Filmindustrie. Lawrence von Arabien, die Päpstin, der Medicus, der Gladiator, Cleopatra, sämtliche Folgen von „die Bibel“, letzte Versuchung Christi sowie Asterix und Obelix sind einige Filme, die hier gedreht wurden und deren Kulissen wir betrachten konnten.

 

Der letzte Besichtigungspunkt unserer Fahrt war der Besuch der Kasbah Ait Ben Haddon, seit 1987 zum Weltkulturerbe zählend und sehr sehenswert. Dort konnten wir uns frei in den engen Gassen und Gängen bewegen.

 

13.11. Quarzazate – Tata

 

Heute stand eine lange Etappe auf dem Plan von 280 km. Die Nacht war kalt, morgens hatten wir 4 Grad C, wir befanden uns eben auf 1200 m. Das Wetter hat es bis jetzt gut gemeint. Am Tage steigen die Temperaturen regelmäßig auf 24 Grad.

 

Die Fahrt begann schön, den Hohen Atlas voraus ging es wieder durch schöne Wüstenlandschaften. Alles war gut. Doch dann kam der Abzweig auf die R108. Wir hatten abends im Briefing erfahren, dass ca. 30 km schlechte Strasse zu bewältigen sei. Das war gelogen. Es gab nämlich gar keine Strasse. 2014 gab es in Marokko heftige Unwetter mit schlimmen Überschwemmungen. Die gesamte Strasse war damals mit Brücken weggerissen worden. Die 30 km waren eine einzige Baustelle. Uns wurde Sand, Schotter, ausgetrocknete Flussbetten, Steine angeboten, garniert mit gefühlt 1,5 Mio. Schlaglöcher. Ich traute meinen Augen nicht und konnte nur im 1. Gang bei schnellem Schritttempo und ständigem Ausweichen der Schlaglöcher mich langsam voran bewegen. Blöd war auch, dass wir ausgerechnet heute die ersten waren, die gestartet waren und wir uns an niemanden orientieren konnten.

 

Stunden später, kamen uns zwei österreichische MAN Expeditionsfahrzeuge entgegen. Der Fahrer des ersten Wagens winkte mir zu anzuhalten. „Ich glaube nicht, dass ihr hier durchkommt mit eurem Überhang. Ihr werdet euch alles aufreissen“ warnte er grinsend aus seinem 350000€ Fahrzeug.  Das ist dann genau die Motivation, die man braucht, wenn man schon so „die Schnauze voll hat“ . Ich ließ mir nichts anmerken und meinte nur: Wir versuchen es.

 

sdr
dav
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Kurze Zeit später tauchte Günter hinter uns aus, der mit dem selbstgebauten Allradfahrzeug aus unserer Gruppe. Ich ließ ihn überholen und 3 km später stoppte er vor einer Flußdurchfahrt, wo früher mal eine Brücke stand. Er sucht den besten Weg durch das Wasser. Ich war heilfroh, dass ich nicht der Erste an dieser Stelle war. Vorsichtig sind wir dann erst runter in den Fluß, dann über Kieselsteine und danach steil wieder nach oben zur Fahrbahn. Hab ich tatsächlich ohne Aufsetzen hinbekommen. Nach weiteren 2 km hatte diese Qual ein Ende und wir wechselten dann auf eine gut erhaltene Strasse.

 

Der Rest der Tour ging in den Anti Atlas, wo wir dann auch unser Quartier bezogen. 

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