23.11. Essaouira – Oualidia
Unsere Tageshöchsttemperatur betrug heute 12 Grad. Das Tief vom Atlantik hat uns voll erreicht.
Unsere Strecke führte uns vorwiegend an der Küste entlang.
Wir starteten bei Sonnenschein aber schon nach einer halben Stunde zog es sich zu und wir fuhren in eine dunkle Wand. Es folgten Starkregenfälle.
Das Wasser konnte nicht sofort versickern, weil der Boden größtenteils aus Lehm besteht und es keine Kanalisation gibt. Also gab es kleinere oder größere Überschwemmungen oder in den Bergen kamen uns Sturzbäche entgegen. Wieder eine fahrerische Herausforderung.
Wir fuhren auf eine Baustelle zu, die eine Umleitung hatte. Üblicherweise fährt man eine Umleitung parallel zur Baustelle. Hier sah man schon von weitem, dass sowohl auf unserer, als auch auf der Gegenseite sich Autos stauten. Als wir näher kamen sahen wir warum. Zwischen den Staus gab es eine Entfernung zu überbrücken von ca. 300 m. Man sah nur eine lehmige Wasserfläche. Keiner traute sich dort hinein zu fahren. Die Bauarbeiter standen am Rand und beobachteten amüsiert die Szenerie. Hinter mir hielt ein großer Omnibus. Beide Fahrer stiegen aus und gingen bis zum Rand. Auch auf der gegenüberliegenden Seite stiegen die Fahrer aus. Dann wagte der erste Fahrer von gegenüber die Durchfahrt. Ich schätze die Wassertiefe auf ½ m. Dazu kamen die gefüllten Schlaglöcher. Der Wagen schaukelte von einer Seite zur anderen und ich war mir überhaupt nicht sicher, ob das Wohnmobil diese Passage ohne aufzusetzen oder abzusaufen schafft. Nach und nach fuhren die Wagen, einer nach dem anderen, los. Dann waren wir dran und mit viel Gas, damit das Wasser nicht in den Auspuff läuft und schleifender Kupplung, ging es los. Mir war schon mulmig , da wir einige Male rutschten aber schließlich schafften wir es auch ohne stecken zu bleiben.
Es folgten im weiteren mehrere Wasserdurchfahrten auf der Strasse, bedingt durch Überflutungen. An einer Stelle stand ein Strassenarbeiter und wiegte die Hand in unserer Richtung, nach dem Motto, ich bin mir nicht sicher, ob ihr das schafft. Ganz langsam hatten wir auch diese Stelle passiert.
Wie konnte es auch sein, Ihr erinnert Euch an den running gag, mit unserem Glück kurz vor dem Ziel in Schwierigkeiten zu geraten, war die Strasse direkt an unserem Campingplatz auch überflutet und ein Arbeiter kam uns mit wilden Schwenken der Arme entgegen und signalisierte: hier gibt es kein Durchkommen für euch.
Wir probierten die Gegenfahrbahn und schafften die 120 m, bevor wir auf den Campingplatz abbiegen konnten.
Das war wieder Mal eine spannende und mit neuen Herausforderungen gespickte Etappe.
Oualidia liegt an einer wunderschönen Lagune mit Sandstrand, bei wärmeren Temperaturen sicher ein Badeparadies.
Abends war fast die gesamte Reisegruppe in ein in der Nähe gelegenes Fischrestaurant gegangen und wir hatten einen schönen Abend, an dem ich zum ersten Mal Seeigel gegessen habe.
24.11. Oualidia – Mohammedia
Nachts hatten wir Dauerregen. Morgens war es dann wieder trocken und wir fuhren die Küste und die Lagune entlang gen Norden. Dies ist ein sehr fruchtbares Gebiet. Es werden alle Gemüse angebaut und es gibt eine sehr erfolgreiche Austernzucht.
In El Jadida machten wir Pause, um die zum Weltkulturerbe gehörende Medina mit Zisterne zu besuchen. Die Zisterne wurde im 16. Jahrhundert erbaut und hatte eine Grundfläche von 33 x 34 m. Man konnte sie begehen. Sehr eindrucksvoll war der gut erhaltene Zustand und die vielen mächtigen Säulen im romanischen Stil. Die gesamte Stadtmauer war begehbar und bot schöne Blicke auf den Atlantik und der Medina.
Danach ging es bequem auf der Autobahn über Casablanca nach Mohammedia. Unterwegs holte uns der Regen wieder ein, der den ganzen Abend über andauerte. Da wir seit Wochen wieder Satelitenempfang hatten, machten wir uns einen gemütlichen Fernsehabend.
25.11. Mohammedia
Heute sollte es trocken bleiben. Gute Voraussetzung für unseren Ausflug nach Rabat. Mit einem großen Reisebus ging es auf die 45 minütige Anfahrt nach Rabat. Unterwegs nahmen wir unseren lokalen Reiseführer auf.
Als erstes besichtigten wir den Königspalast, das heisst, besichtigen kann man ihn nicht nur von außen ansehen. Um den Königspalast befindet sich eine eigene Stadt, mit kontrollierten Zugang, mit allen Annehmlichkeiten. Es gibt gute Krankenhäuser, sehr gute Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen, vorwiegend für die Regierungs- und Botschaftsangestellten. Das sind schon Privilegien.
Danach fuhren wir zum Mausoleum von Mohammed V.und dem halbfertigen Hassanturm. Danach ging es zur Chellah, einer Totenstadt und machten einen ausgiebigen Halt an des Kashba des Oudaias mit den andalusischen Gärten.
Das Wetter hielt tatsächlich und so konnten wir trockenen Fußes den Tag abschließen.
Rabat hat uns sehr gut gefallen, eine moderne, saubere Stadt, mit viel Historie, die im völligen Gegensatz steht zum Leben in den Dörfern des Atlasgebirges, die wir ja auch schon gesehen hatten.
26.11 Mohammedia
Casablanco stand heute auf dem Programm.
In der Nacht hatten wir Starkregen, der den Platz zum Teil überschwemmte. Da ich Bedenken hatte, das Wasser steigt über die Höhe der Kabeltrommel, bin ich nachts um 2 Uhr noch mal raus, um das Wohnmobil vom Strom zu nehmen. Morgens hatten wir eine Seenlandschaft auf dem Platz. Wir wechselten noch einmal auf einen etwas trockneren Platz.
Mit dem Bus sind wir dann nach Casablanca gefahren. Die Stadt hat uns nicht besonders beindruckt.
Einzig die Hassan II. Moschee war allein die Fahrt nach Casablanca wert. Sie ist, als einzige Moschee in Marokko Nichtmuslimen zugänglich und wurde 1987 vom Vater des heutigen Königs gebaut. Bauzeit 6 Jahre, Kosten vorsichtig geschätzt 800.000.000 €. Sie steht auf 800 Fundamentpfählen im Wasser und beinhaltet aus den Religionen Christentum, Judentum und Buddismus, Elemente, um die Gleichberechtigung der Religionen zu dokumentieren. Sie ist die drittgrößte Moschee der Welt nach Mekka und Medina in Saudi Arabien und mißt über 200m, das Dach läßt sich automatisch öffnen und somit ist sie eine open air Moschee. Das Interieur ist unglaublich prunkvoll. In dieser Moschee dürfen die Frauen auf dem riesigen Balkon beten. Zum Freitag abend Gebet kommen 25000 Menschen. Ist Ramadahn beten draußen noch einmal 60.000 Menschen.
27.11. Mohammedia – Moulay Bousselham
Diese Etappe wollten wir eigentlich nicht mehr mitfahren.
Warum?
Wir hatten uns vor drei Tagen entschieden, nach der geführten Tour, noch in Marokko zu bleiben und an der Atlantikküste runter bis nach Agadir zu fahren. Wir hatten vor 2 Jahren im Robinson Club dort Urlaub gemacht und es gefiel uns sehr. Ute hatte dem Clubchef, den wir mal zufällig beim Essen getroffen hatten, eine email geschickt, mit der Frage: ist es möglich, mit dem Wohnmobil aufs Clubgelände zu kommen, im Wohnmobil zu schlafen und gegen eine Gebühr, die Annehmlichkeiten des Clubs zu genießen. Nie hätte ich mit einer Antwort, geschweige denn mit einer Zusage gerechnet. Am nächsten Tag hatten wir die Antwort, mit der Zusage. So werden wir unsere Marokkorundreise noch mit einigen Tagen puren Luxus krönen.
Aus diesem Grund waren uns die 200 km nach Norden eigentlich zuviel, zumal der Ort nichts außergewöhnliches zu bieten hatte. Als wir aber erfuhren, dass dort unser Abschiedsabend stattfinden sollte, haben wir entschieden, daran teilzunehmen, da uns die Reise gut gefallen hatte und uns die Mitstreiter sympatisch waren.
Wir hielten dies für einen schönen Abschluß und werden die Distanz morgen wieder zurück fahren.
Die Fahrt nach Moulay Bousselham war auf der Autobahn einfach. Leider stand der Campingplatz komplett unter Wasser. Wir mußten durch die Wasserflächen fahren, bis zum Ende des Platzes, der etwas höher lag.
Abend gab es dann das Abschiedsessen in einem Restaurant, was ein schöner Abschluß der Reise war. Eine Gruppe nimmt die Fähre nach Algeciras, die andere die nach Genua, eine nach Sete , wir waren die einzigen, die noch in Marokko blieben.
28.11 Moulay Bousselham
Wir entschieden noch einen Tag auf dem Campingplatz zu bleiben.
Morgens machten wir mit den noch Verbliebenen eine kleine Lagunenfahrt, die sehr entspannend war. Eigentlich sollten wir ein Vogelparadies besuchen aber bis auf Möven Kormorane und Strandläufer waren keine weiteren Vögel zu sehen. Als kleinen Ausgleich bot uns Ute 2 plötzlich Dominosteine an. Das war eine Überraschung aber es war ja auch der erste Advent.
Nach und nach verließen unsere Gruppenmitglieder den Platz, die ersten vormittags, die, die nach Genua und Sete wollten am späten Nachmittag.
Wir haben noch einen kleinen Strandspaziergang gemacht und uns den Ort angeschaut.
29.11. Moulay Bousselham – Mohammedia
Das war ein komischer Tag.
Eigentlich erwarteten wir auf unserer Fahrt an der Küste schöne Strände und schöne Ausblicke, wie wir sie von Spanien und Portugal gewohnt waren. Davon war allerdings nichts zu sehen. Die Strände sind kaum zu erreichen oder man sieht sie von der Strasse überhaupt nicht.
Wir hatten eine Marokkokarte mit eingetragenen Campingplätzen, allerdings wußten wir nicht, wie alt sie war. Ute hatte sich aus dem Campingführer unserer Reiseleitung die Campingplätze an den vermeintlich schönsten Stränden rausgesucht, zum Beispiel Skirat,wo der König sogar seine Sommerresidenz hat. Für diesen Tag, hatten wir 3 Optionen mit GPS Koordinaten. Alle drei waren nicht mehr vorhanden. Unser Frust wuchs, wobei wir sowieso noch in einer Abschiedsstimmung von unserer Gruppe waren, die uns doch sehr ans Herz gewachsen war.
Wir entschieden dann, Küste Küste sein zu lassen und nach Mohammedia auf der Autobahn zu fahren. Das machten wir dann auch und am späten Nachmittag erreichten wir den uns schon bekannten Platz, den wir fast exklusiv allein hatten, ein Franzose war noch da.
30.11. Mohammedia – Marrakech
Heute wollten wir Kilometer gen Süden, Richtung Agadir, machen. Auf der Autobahn war es auch kein Problem.
Nach einer etwas turbulente Fahrt durch die Innenstadt von Marrakech erreichten wir das Einkaufszentrum in dem wir zu Mittag aßen und noch einige Besorgungen tätigten.
Anschließend tankten wir und ließen noch einmal das Wohnmobil waschen.
In Marrakech übernachteten wir wieder auf dem Campingplatz, auf dem wir vor gut einer Woche schon einmal waren und der zu den besten der Rundreise zählte.
Auf der Fahrt zum Campingplatz, fährt man genau auf den Hohen Atlas zu, der ca. 20 km von Marrakech entfernt beginnt. Deutlich war zu sehen, dass viel mehr Schnee dort gefallen war und die Schneegrenze viel tiefer war, als noch vor einer Woche. Das war das Ergebnis der Schlechtwetterfront, die uns 1 Woche im Griff hatte.







































































