In der Nacht gab es wieder einmal einen Wetterwechsel. Es goß in Strömen. Morgens war es dann Gott sei Dank wieder trocken. Unser heutiges Ziel war der Besuch der Kreidefelsen mit dem Wahrzeichen Rügens, dem Königsstuhl. Wir fuhren bis zum Parkplatz in Hagen. Danach beginnt der Nationalpark Jasmund. Dort begannen wir unsere Wanderung, zunächst zum Königsstein. Dort gibt es ein Besucherzentrum und wir konnten sofort an einer kurzen Führung zum Königsstein aufbrechen. Die Ausblicke von dem 118 m hohen Kreisefelsen war schon sehr beeindruckend. Leider rechnet man damit, dass der Königsstuhl in 40 Jahren nicht mehr begehbar sein wird, da sein Zuweg dann eingestürzt sein wird. Er hat unterschiedliche Kalkzusammensetzungen.
Im Nationalpark Jasmund darf ab kommendem Jahr kein menschlicher Eingriff mehr stattfinden. Man will die Natur dann konsequent sich selbst überlassen, natürlich außer der Wegesicherung.
Nach dem Königsstuhl betraten wir dann das UNESCO Weltnaturerbe, den alten Buchenwald, Richtung Viktoria Aussicht. Von dort hat man einen sehr schönen Ausblick auf den Königsstuhl.




Weiter ging es durch den alten Buchenwald. Die Buchen dieses Waldes sind im Durchschnitt 200 bis 250 Jahre alt. Es gibt noch einen etwas älteren Wald in den Kaparten, der auch zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt wurde.
Die Buchenwälder entstanden vor etwa 10000 Jahren. Sie waren die ersten Bäume, die sich nach der Eiszeit entwickelten und durchsetzten, da sie durch ihre Kronen und Ästen kaum Licht durchließen und andere Pflanzen und Bäume keine Chance zur Entwicklung hatten. Vom Mittelmeerraum breiteten sie sich über ganz Europa aus. Durch Abholzung verschwanden die Wälder dann im Mittelalter, bis auf wenige Reste.
Die Wanderung durch den Wald war wirklich sehr eindrucksvoll.





Nachmittags brachen wir dann nach Sassnitz auf, wo wir am Hafen einen schönen Stellplatz fanden.
Es folgte noch ein Gang durch die Altstadt und auf der Strandpromenade.



Am nächsten Tag stand Binz auf dem Programm. Vorher fuhren wir noch in Prora zu den riesigen KdF(Kraft durch Freude) Gebäuden. Teilweise befinden sie sich noch in ihrem alten ungenutzten Zustand, teilweise werden sie abgerissen. Richtung Binz jedoch sind sie aufwending renoviert worden mit Balkons, Terassen und bodentiefen Fenstern. Sie werden als Luxuseigentumswohnungen vermarktet.


In Binz haben wir uns die Strandpromenade und das neue Kurhaus mit angeschlossenen Hotel angesehen. War nett aber hat uns nicht vom Hocker gehauen. Allerdings hat man einen schönen Blick auf Sassnitz.

Unser Tagesziel war schließlich das Seebad Sellin. Dies hat uns allerdings vom Hocker gehauen. Ich habe selten so schöne, alte Häuser in der Häufigkeit gesehen wie auf der Wilhelmstrasse in Sellin. Die Wilhelmstrasse ist ca. 1 km lang und links und rechts reihen sich diese Häuser aneinander, sie endet an der Himmelstreppe, die zur bekannten Seebrücke von Sellin führt.







Der nächste Tag begann damit, dass ich Ute die Fliegengittetür des Wohnmobils an den Kopf schlug. Ich verließ das Wohnmobil und zog wie immer die Tür hinter mir zu, ahnte jedoch nicht, dass Ute hinter mir den Kopf aus der Tür steckte. Das Ergebnis war eine Beule an Utes Kopf und ein zerbrochenes Brillenglas. Sie muß auf dieser Reise, siehe Fahrradunfall, viel einstecken.
Ich startete zu einer Fahrradtour, bei bestem Wetter, durch das sogenannte Mönchsgut. Über Baabe, Göhren, Lobbe, Thiessow fuhr ich auf schönen Wegen bis Klein Zicker. Dort entdeckte ich ein Surfcamp mit nagelneuen Topcat Katamaranen und einem anliegenden Campingplatz. Ich wollte sowieso in diesem Urlaub noch mal Segeln und dies sah sehr gut aus. Auf der Rückfahrt hielt ich an einem FKK Strand und erfrischte mich mit einem Bad in der Ostsee. In Alt Reddewitz stand ich plötzlich vor einem Wasserarm. Ich entdeckte eine Glocke mit dem Hinweis, zu läuten, wenn man übersetzen will. Das tat ich und plötzlich sah ich Bewegung am anderen Ufer. Ein Fährmann in einem alten Ruderboot begab sich auf meine Seite. Für 2 € ruderte er mich und mein Fahrrad zurück und so konnte ich den Rest des Weges nach Sellin ohne großen Umweg zurück radeln.
Zuhause angekommen, berichtete ich Ute von dem schönen Surf Camp und wir beschlossen, da für den nächsten Tag wieder schönes Wetter vorhergesagt war, den nächsten Tag dort am Strand zu verbringen.
Die Fahrt nach Klein Zicker war kurz und wir hatten Glück, den letzten Platz direkt am Ostseestrand in der ersten Reihe zu bekommen. Leider ist gutes Wetter häufig begleitet mit wenig Wind. So fiel das Catsegeln leider aus.
Ute und ich schwangen uns dann auf die Räder und unternahmen eine weitere Radtour. Teilweise auf mir vom Vortag bekannten Wegen aber auch auf neuen, Richtung Gager, durch eine wunderschöne Landschaft.
Auf der Rückfahrt ergatterte ich einen Quarkzopf ,und so gab es bei schönem Wetter am Wohnmobil, mit Blick auf die Ostsee, noch ein leckeres Kaffeetrinken.
Abends stellte ich fest, dass ich beim Duschen in Sellin meine Radhose vergessen hatte. Ute nahm tel. Kontakt zum Platzwart auf und Gott sei Dank wurde sie gefunden. Wir kündigten unsern morgigen Besuch an, um sie abzuholen.
Wir entschlossen uns Greifswald nicht wie geplant als nächste Station anzufahren, sondern sofort nach Usedom durchzustarten.
Die angbotenen Stellplätze hatten durch die Bank schlechte Bewertungen, bis auf einen in Bansin.
Der sollte es dann sein.
Die Hinfahrt führte uns nach Glewitz, wo wir die Fähre nach Stahlbrode nahmen.
Danach ging es entspannt an Greifswald vorbei über Wolgast, Zinnowitz nach Bansin. Der toll bewertete Stellplatz war gar nichts. Direkt daneben gab es einen weiteren Stellplatz für 10 Mobile, sehr einfach aber der urige Platzbetreiber, in 3. Generation Bansiner, sehr kommunikativ und noch einen Getränkemarkt betreibend, überzeugte uns, für 7 € zu bleiben.
Der Platz stellte sich als Treffer heraus, man konnte die Strandpromenade fußläufig in 10 Minuten erreichen. Bansin gehört mit Ahlbeck und Heringsdorf zu den sogenannten Kaiserbädern. Man findet auch hier sehr schöne Jugendstilhäuser und einen sehr schönen Strand. Nach einem ausgiebigen Spaziergang zur Seebrücke und durch den Ort schlossen wir den Tag gemütlich im Wohnmobil ab.


Wir verlängerten um einen Tag und unternahmen eine Radtour durch Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck bis nach Swinemünde in Polen. Überall sahen sehr schöne Häuser. In Swinemünde probierte ich einen Butterfisch direkt aus dem Räucherofen, die hier überall betrieben werden, war sehr köstlich.

Auf der Rückfahrt hielten wir in Heringsdorf, da dort ein Jetski Wettbewerb stattfand. Diese Szene kannte ich noch gar nicht. Der gemeine Jetspeedfahrer ist Ü40, tätowiert, Raucher, dem Alkohol wohl auch nicht abgeneigt und kleidet sich um möglichst cool zu wirken in albernen, bunten Jerseys und knielangen Hosen. War sehr unterhaltsam sich die Typen anzugucken. Wir mussten aber 2 Stunden ausharren, um uns einen Parallelslalom anzuschauen. Auch die Organisatoren waren von der Fraktion: umständlich. Es dauerte bis alle Fahrer beim Briefing waren. Dann erklärte der Verantwortliche den Slalomkurs so umständlich, dass prompt bei den ersten 2 Rennen jeweils 1 Fahrer die Strecke falsch fuhr und disqualifiziert wurde. Wir hatten dann genug und fuhren die letzten Kilometer zurück nach Bansin.

Am nächsten Tag sollte es nach Polen gehen. Wir hatte einen Campingplatz in Miedzyzdroje kurz hinter Swinemünde ausgesucht. Der Ort sagte uns eigentlich gar nichts, er lag nur gut auf der geplanten Rückfahrt nach Berlin, das wir Anfang nächster Woche erreichen wollen.
Wir mußten die Swine überqueren und standen 1 km vor der Fähre im Stau. Wir rechneten mit stundenlangem Warten, standen aber dann nach einer halben Stunde schon auf der Fähre. Die Polen haben dort 4 Fähren im Einsatz, die jeweils 50 PKW fassen und diese kostenlos über die Swine bringen.
Der Campingplatz gefiel uns ausgesprochen gut. Große Parzellen, Duschen und Waschmaschinen frei und eine kurze Wegstrecke bis zum Strand.
Zuerst stand erst einmal große Wäsche an. Bei gutem Sommerwetter und Wind, waren wir dann nach 3 Stunden damit fertig und machten einen Spaziergang in den Ort.

Wir waren überrascht. Der Ort hat mindestens genauso schöne Jugendstilhäuser wie auf Usedom.
Miedzyzdroje ist ein beliebter Ferienort der Polen. Es hat einen sehr schönen Strand, eine sehr lange Seebrücke, mit Restaurants und Geschäften, moderne Hotels, sehr gepflegte Parks und eine schöne Promenade. Wir entschlossen uns auch hier noch einen weiteren Tag zu bleiben.









Am nächsten Tag begannen wir eine 12 km Strandwanderung an der Steilküste entlang. Im Wolinski Nationalpark gibt es 180 m hohe Kliffs, die höchten in ganz Polen. Die Wanderung im losen Sand war recht anspruchsvoll aber mit schönen Sichten von unten auf die Steilküste gespickt.



Nach der Rückkehr stärkten wir uns in einem der Fischrestaurant und hielten uns noch eine Weile in dem schönen Ort auf.
