


10. 1.24 bis 15.1. Süd Georgien
16 Nationalitäten sind an Bord: 55 Amerikaner, 43 Engländer, 29 Australier, 10 Deutsche, 7 Holländer, 7 Franzosen, 6 Schweizer, 5 Chinesen, 4 Kanadier, 2 Österreicher, 2 Neuseeländer, 2 Finnen, 1 Belgier, 1 Malaye, 1 Portugiese und 1 Spanier
Das ruhige Wetter war vorbei. In der Nacht frischte der Wind auf, und wir hatten 3 m hohe Wellen. Trotz der Schaukelei konnten wir einigermaßen gut schlafen.


Es lagen 2 Seetage Richtung Süd Georgien an, und wir dachten diese entspannt zu verbringen. Da hatte Hurtigruten etwas dagegen.
Hurtigruten ist Mitglied in der 1990 gegründeten IAATO (International Association of Antarctica Tour Operators). Diese verpflichten sich, sichere und vor allem umweltverträgliche Reisen in die Antarktis durchzuführen. Was heißt das konkret für uns? Zuerst mußten wir an einem verpflichtenden Vortrag zu dem Thema teilnehmen, in dem uns die bevorstehenden Aufgaben erläutert wurden. Dann erfolgte die Reinigung der Stiefel mit Zahnbürste und Büroklammer. Kein Steinchen darf an den Schuhen zurückbleiben. Diese werden bei der ersten Anlandung in Süd Georgien von externen Inspekteuren geprüft. Je nach Reinigungsgrad der Schuhe wird ein Score errechnet. Liegt der Score unter 85 verliert der Veranstalter die Genehmigung für diese Reisen.

Danach erfolgte die Reinigung der Außenbekleidung, Hose, Jacke, Mütze, Handschuhe sowie Kamera und Rucksäcke. Diese werden komplett abgesaugt und die Klettverschlüsse händisch von anhaftenden Teilen befreit.

So möchte man verhindern, dass Verunreinigungen in das Ökosystem von den Reisenden eingebracht werden. Sehr beeindruckend ist, wie bestimmt und konsequent die Crewmitglieder auf die Einhaltung dieser Maßnahmen achten. Nach der Prozedur mußten wir noch eine Erklärung unterschreiben und bestätigen , dass wir mit dem vorgeschriebenem Standard entsprechender gereinigter Kleidung anlanden. Diese ganzen Papiere werden vor Erreichen Süd Georgiens der zuständigen Behörde übermittelt, und erst dann sind Anlandungen erlaubt.
Außerdem dürfen in Süd Georgien nur jeweils 100 Menschen an einer Anlegestelle zugleich anlanden.
Ansonsten war der Tag vollgepackt mit den unterschiedlichsten Vorträgen der Wissenschaftler.
Wir bekamen Sturm. Die Temperaturen sanken auf 3 Grad C, 6 m Wellen und Windstärke 9. Ich bin bis jetzt überrascht, dass ich noch keine Anzeichen von Seekrankheit verspüre. Ich hoffe es bleibt so. Wir konnten sogar bei dem Seegang eine Sportrunde einlegen.
Es wurden wieder sehr interessante Vorträge angeboten von einer Historikerin über die Shackelton Expedition. Eine Geologin erklärte uns das Entstehen von Steinen und ein Meeresbiologe hielt einen Vortrag über die gigantischen Mengen von Phytoplankton und Krill als Lebensgrundlage praktisch aller in den antarktischen Gewässern lebenden Spezies. Außerdem vermittelte er die Wichtigkeit der Antarktis für die hier entstehenden Meeresströmungen, die Einfluß auf das weltweite Wetter haben. Im Übrigen hat hier der Klimawandel schon viel schneller eingesetzt als bei uns – in den letzten 60 Jahren stieg die Durchschnittstemperatur hier um 3 Grad C.
Plötzlich wurde er unterbrochen mit einer Lautsprecherdurchsage: der erste Eisberg. Wir werden sicher noch viele weitere sehen.

Es wurde kalt und es blieb stürmisch. Um 5:30 Uhr stand ich alleine auf dem Außendeck, um die ersten Felsen von Süd Georgien zu betrachten. Außerdem sah ich einen Wal, viele jagende Pinguine und Seelöwen sowie Albatrosse – war ein schöner Tagesbeginn.







Süd Georgien hat mit den angrenzenden, geschützten Gewässern das größte Naturschutzgebiet weltweit. Dort leben die meisten Pinguine und Seelöwen auf der Erde. Süd Georgien hat mich ganz stark an die Lofoten erinnert, mit den steilen, schroffen, und hohen Felsen und den schnellen Wetterwechseln.
Unsere erste, geplante Anlandung in Possession Bay mußte gestrichen werden, da unsere Expeditionsvorhut zu viele tote Seelöwen am Strand vorfand, die aufgrund der grassierenden Vogelgrippe gestorben waren. Wir machten stattdessen eine Zodiakfahrt an den Stränden entlang und wurden pitschnass. Fotografieren bei den Bedingungen ist Glücksache.









Nach unserer täglichen Sportrunde ging es dann am Nachmittag auf eine weitere Zodiakfahrt in Prince Olav Harbour. Hier stehen noch die Überreste einer alten Walfangfabrik. Vor hundert Jahren wurde hier bis in den 30er Jahren Walöl produziert. Man geht davon aus, dass ca 1,3 Millionen Wale in dieser Zeit in den verschiedenen Fabriken verarbeitet wurden, eine unvorstellbare Biomasse. Kaum hatten wir die Bucht verlassen, kamen wir in eine solche Dünung und starkem Wind, dass der 60 PS Außenbord Motor nicht mehr dagegen ankam, und wir umkehren mußten. In einer geschützteren Bucht konnten wir dann wieder Pinguin- und Seelöwenkolonien beobachten.












Um 20 Uhr gab es dann eine Durchsage, man könne auf dem Außendeck die größte Pinguinkolonie der Welt sehen. Aus der Ferne sah man die in Salisbury Plain lebenden ca. 850000 Pinguine in einer gigantischen Kolonie. Bei dem Sturm und Regen hielten wir es allerdings nur kurz draußen aus.







Nachdem wir die vorabendliche Absage für die eigentlich am nächsten Tag geplante Wanderung aufgrund von Sturm und Schneefall verdaut hatten, ermöglichte uns das Expeditionsteam eine Anlandung in Sandebugten. Die Bucht war die einzig windgeschützte.
Wir betraten erstmals Süd Georgien und das noch an einer Stelle, die wunderschön war. Wir liefen durch Kolonien von Seelöwen, deren Junge noch keine Menschen gesehen hatten und neugierig auf uns zukamen. Eine kleine Kolonie Königspinguine war auch zugegen. Die Landschaft war einmalig, wir liefen auf Moos, auf dem wir bestimmt 10 cm einsanken, so dick war es. Es gab die unterschiedlichsten Grün- und Brauntöne zu bewundern. Das war bisher ein wirkliches Highlight.
































Leider mußte die 2. Anlandung für den Nachmittag abgesagt werden aufgrund des zu starken Windes. Der Kapitän versuchte 2 Stunden lang eine Möglichkeit zu finden, mußte dann aber aufgeben. Die Natur ist wie immer der Sieger. Wie auf den Fotos zu erkennen, nehmen die Eisberge zu.
Wir bekamen wieder gutes Wetter. Die erste Zodiakfahrt führte uns in die Herkules Bay. Dort leben Seelöwen, Königspinguine und Goldschopfpinguine in einer wunderschönen Bucht mit Wasserfall.





















Dann nahmen wir Kurs auf Grytviken. Grytviken war eine große Walfangstation vor 100 Jahren. Dort wurden in der Fangsaison täglich 70 Finnwale verarbeitet. Heute steht noch die alte Stabkirche dort, eine Poststelle und ein kleines Museum. Während des Sommers leben dort 15 Menschen. Hier befindet sich auch Sheckletons Grab.
Wir begannen die Excursion mit einer 2 stündigen Wanderung zu einem Aussichtspunkt.









Dann konnten wir uns noch die Reste der Station ansehen.





Natürlich durften auch die Seelöwen mit den Jungen und die Kaiserpinguine nicht zu kurz kommen, die sich völlig furchtlos uns gegenüber zeigten.







Ziemlich durchgefroren kamen wir zurück auf das Schiff. Ein Saunabesuch half, um wieder auf Temperatur zu kommen. Abends kam dann noch ein besonders eindrucksvoller zweifarbiger Eisberg vorbei.

Der Morgen begann regnerisch, aber mit wenig Wind, was für unsere Aktivitäten wichtig ist. Wir unternahmen eine Zodiaktour in der St. Andrews Bay. Diese zeichnet sich aus durch eine riesige Königspinguinkolonie von etwa 500000 Paaren. Diese wächst sogar, da die Tiere hier beste Lebensbedingungen mit ausreichendem Futter vorfinden.











Dann machten wir uns auf zum Gletscher des Drygalski Fjords, der letzten Station auf Süd Georgien. Dort machte sich der Kapitän einen Spaß daraus, das Schiff 3 x um 360° auf der Stelle zu drehen, bis keiner mehr wußte was eigentlich los war. Dann fing es an zu schneien und wir verließen den Fjord und Süd Georgien.








Süd Georgien hat uns echt überrascht. Wir waren und sind sehr beeindruckt von der Tier- und Pflanzenwelt, den schroffen Bergen und das extrem schnell wechselnde Wetter – ein außergewöhnlich schönes Land.

Beindruckende Bilder von Tieren, Pflanzen und Landschaften. Toll, dass es dort noch so große Pinguin- und Seelöwenkolonien gibt.