10. Lebenszeichen Singapur und Down Under September 25 bis Dezember 25

Arlie Beach

24.11. – 4.12.

Wir machten früh morgens noch eine kleine Wanderung zum Lookout über die Bucht. Dabei entdeckten wir von oben einige Meeresschildkröten.

Es war eine kurze Etappe, und mittags waren wir bereits am Ziel. Unterwegs sahen wir unsere erste Schlange, eine Rautenpython, leider vermutlich tot.

Arlie Beach ist ein Ferienort mit entsprechender Infrastruktur. Es liegt vor den Whitsunday Islands, die seinerzeit ebenfalls von Cook entdeckt wurden. Whitsunday heißt Pfingstsonntag und Cook glaubte an einem solchen, die Inseln entdeckt zu haben – hatte er aber nicht, die Datumsgrenze hatte er nicht bedacht, es war bereits der Montag. Die Inselgruppe liegt zwischen dem Festland und dem davor liegendem Great Barrier Reef.

Nach einiger Zeit am Pool, auf dem 4 Sterne Platz, fuhren wir noch abends in den Ort. Jetzt verwandelte er sich zum Ballermann. Es war Schoolies Week und überall sah man Schüler, die ihren Abschluß heftig feiern wollen, ähnlich wie die Spring Break in den USA.

Arlie Beach

Die ganze Gruppe hatte für heute eine Bootstour zu der größten Whitsunday Island Insel mit Barbecue und Baden gebucht. Morgens schüttete es wieder wie aus Kübeln und 5 Minuten vor Beginn der Tour, wurde sie abgesagt.

Also hieß es abwettern und nichtstun. Für Abwechslung sorgten dann noch Australische Pfeifgänse.

Arlie Beach – Townsville

Mit Bangen blickten wir heute morgen als erstes zum Himmel. Leider war er grau und es war stark bewölkt. Wir hatten um 10 Uhr eine Rundflug über das Barrier Reef und den Whitsunday Islands gebucht und hofften natürlich auf Sonnenschein.

Pünktlich wurden wir abgeholt und standen am kleinen Flugplatz wieder inmitten Schoolie Girls, die auch gebucht hatten. Erfreulicherweise wurde es immer heller und man sah schon den einen oder anderen blauen Flecken. Die uns zugewiesene 10 sitzige Maschine hatten wir und ein Mädchen aus Hong Kong für uns, da die restlichen gebuchten Mitreisenden nicht erschienen.

Die Fotos sprechen für sich, es war wieder einmal ein einmaliges Erlebnis. Unglaubliche Farben, Blau in allen Tönen, Riffe in allen Formen, wunderschöne Inseln und Buchten. Die Korallen laichen zur Zeit und man konnte die Menge des Laichs gut vom Flugzeug aus erkennen. Natürlich sahen wir auch das Herz. Farblicher Höhepunkt war Hill Inlet am Whiteheaven Beach.

Nach diesem Hochgenuss mußten wir unsere heutige Etappe von 280 km nach Townsville noch fahren. Diese verlief ereignislos und am späten Nachmittag erreichten wir die Stadt. Wir fuhren noch zum Castle Hill Lookout, von dem man eine schöne Sicht auf die Hauptstadt des Barrier Reefs und der vorgelagerten Magnetic Island hat.

Townsville

Erst wußten wir nicht so recht was wir mit dem freien Tag anfangen sollten. Es war brutal heiß und schwül. Im Radio hatte ich gehört, dass zur Zeit die Temperatur in Queensland 10 Grad höher ist als die Durchschnittstemperatur zu dieser Zeit.

Es bot sich ein Besuch des Magnetic Islands an. Die Insel heißt so, weil, wieder einmal Herr Cook, der die Insel entdeckte, dachte, sie würde aus magnetischen Gestein bestehen. Der Grund war, dass beim Passieren der Insel sein Kompass verrückt spielte. Tatsächlich gibt es kein magnetisches Gestein dort. Der Besuch dort hätte bedeutet 2 Stunden Anreise mit Bus und Fähre, einige Wanderungen durch Regenwälder und dann wieder 2 Stunden zurück.

Wir entschieden uns dagegen und machten eine Wanderung zum Yachthafen, immer am Meer entlang. Das war ein sehr schöner, abwechslungsreicher Weg, mit einigen Plastiken. Im Rockpool nahm ich ein Bad und später noch eins im durch Netze gesicherten Bereich im Meer gegen die Marine Stinger Quallen.

Nach 11 km, bei dem Wetter, landeten wir erstmal für 1 Stunde im Pool des Campingplatzes um die Körpertemperatur wieder zu normalisieren.

Townsville – South Mission Beach

Die letzte Woche zieht sich. Obwohl wir nicht mehr weit von Cairns entfernt sind, fahren wir in den nächsten Tage noch etwas kreuz und quer, ohne die wirklichen neuen Höhepunkte. Hier hätte man etwas konzentrieren und kürzen können, zumal Außenaktivitäten bei jetzt wieder 37°C nicht mehr wirklich reizen.

Trotzdem entdeckten wir auf der heutigen Etappe wieder etwas Neues. Im Licuala State Forest gibt es die Australische Fan Palm, sehr fotogen.

South Mission Beach – Malanda

Unterwegs wurden wir durch einen Unfall etwas aufgehalten, den Fahrern war nichts passiert. Überhaupt fahren die Australier sehr diszipliniert.

Die Landschaft war wieder abwechslungsreich, es ging zu den Atherton Tablelands, eine Hügellandschaft ähnlich wie im Allgäu – es gibt sogar Schwarzbunte Kühe.

Wir sind genau zur richtigen Jahreszeit in Australien unterwegs, egal wo wir uns befanden, es blühte überall.

Unser erster Stop war am Mamu Tropical Skywalk. Hier führt ein Wanderweg über Brücken hinauf zu den Baumwipfeln und zu einem 40 m hohen Aussichtsturm.

Dann fuhren wir über einen Rundweg zu 3 Wasserfällen. Am Millaa Millaa Wasserfall konnte man schwimmen und so zog ich mich um und genoß das angenehm kühle Wasser – bis mich, wie sich später herausstellte, wahrscheinlich ein Catfish oder Wels in den Fuß biß. Damit war das Bad beendet und ein Mitreisender versorgte die Wunde gleich.

Am Campingplatz gab es dann noch Wasserfälle und einige Schildkröten.

Malanda – Port Douglas

Es hatte sich meine wahrscheinliche Begegnung mit dem Wels herumgesprochen. So viel Besuch am Wohnmobil hatten wir auf der ganzen Reise nicht. Alle erkundigten sich nach dem Zustand meines Fusses. Fand ich nett.

Nach 10 km hielten wir am Curtain Fig Tree, eine über 500 Jahre alte Würgefeige, die ihren Wirtsbaum längst erledigt hat und deren Luftwurzeln sich wie ein Vorhang ausgebildet haben.

Ein Stück weiter erreichten wir den Granite Gorge Nature Park. Hier liegen malerische Granitfelsen über die ein markierter Wanderweg führt. Den Höhepunkt unseres Aufenthalts dort waren die halbzahmen Felsenkänguruhs, die sich von Hand füttern ließen. Die Schildkröten kamen natürlich auch nicht zu kurz – übrigens alles von der Parkleitung toleriert, die auch das Futter ausgiebt.

Dann erreichten wir Kuranda. Hier kommt Kommerz, Hippikultur und Natur zusammen – eine sonderbare Mischung. Wir besuchten den Kuranda Original Market. Hier ist man in der Hippiezeit stehen geblieben. Die Verkaufsläden waren schon kleine Kunstwerke.

Auf dem Campingplatz in Port Douglas besuchte ich als erstes den Pool. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. So mußte ich Fragen nach den Fischbeständen im Pool beantworten und deren Gefahrenpotential.

Ute wurde vor ein paar Tagen „ausgeguckt“, sich Gedanken zur Verabschiedung von Eva und Lukas zu machen und wie man das Trinkgeld überreichen könnte. Sie hatte einen Text erarbeitet, der in Form eines Mönchsgesangs von der ganzen Gruppen vorgetragen werden soll. Sie singt einen Satz und die Gruppe antwortet. Ute hatte Textopien angefertig, eine Unterschriftenkarte besorgt und auch dafür gesorgt, dass alle ein relativ einheitliches Trinkgeld geben, was auch funktionierte. Abends, nach dem Briefing, war Generalprobe, bei der alles klappte. Danach erhielt sie einen wirklich verdienten Applaus der Gruppe.

Port Douglas

Heute hatten wir „frei“. Es gab vielfältige Optionen, den Tag mit Aktivitäten zu füllen. Wir schauten auf die Wetter App und erkannten, dass der Tag wieder Niederschläge bringen könnte. So beschlossen wir, da es noch trocken war, den Mossman Gorge zu besuchen. Hier wird ein Regenwaldschutzgebiet von Aborigines verwaltet, und es gibt verschiedene Wanderungen dort. Wir mögen den Regenwald und starteten unsere Wanderung. Nach 1 km begann der tropische Regenguss, der uns in Sekunden bis auf die Haut durchnässte. So gingen wir noch 1 Std. durch den Regen und den Wald, der seinem Namen damit alle Ehre machte.

Nach dem Vollwaschgang, zurück im Wohnmobil, hieß es erst einmal, Klamotten wechseln. Da es weiter regnete beschlossen wir, wieder zum Stellplatz zu fahren und unsere Aktivitäten für heute einzustellen. Da die Waschmaschinen und Trockner frei waren, konnten wir das letzte Mal im Urlaub Wäsche waschen.

Abends erhielten wir noch eine Mitteilung unserer Reiseleitung, dass sie heute wohl nicht mehr zurück kommen werden, da sich ihre elektrische Handbremse nicht mehr lösen läßt.

Port Douglas – Cairns

Wir hatten uns vor einigen Tagen Karten besorgt für die Scenic Railway und der Skyrail von und nach Kuranda. Das hieß 50 km Anreise und dann weiter mit dem alten Goldgräberzug, der von Cairns nach Kuranda fährt. Die Strecke wurde zwischen 1887 und 1891 gebaut, fährt durch dichten Regenwald 35 km durch 15 Tunnel und über 35 Brücken und überwindet dabei ca. 350 m Höhe. 35 Arbeiter hat dieses Bauwerk seinerzeit das Leben gekostet

Nach einem kurzen Aufenthalt in Kuranda, ging es mit der Skyrail Rainforest Cableway zurück nach Smithfield. Die Seilbahn wurde 1995 in Betrieb genommen und ist 7,5 km lang. Sie führt über einen der ältesten Regenwälder der Welt dicht über die Baumwipfel.

Dann ging es nach Cairns, wo wir auch Eva und Lukas wieder trafen, die mittlerweile mit einem Tieflader abgeschleppt wurden und nun in einem schmucken Bungalow auf dem Campingplatz wohnen.

Abends fuhren wir mit dem Uber nach Cairns an die Esplanade und bummelten noch etwas durch den Night Market.

Cairns

Heute gab es ein weiteres Hightlight der Reise, eine Bootstour zum Great Barrier Reef. Allerdings versprach das Wetter nicht die besten Bedingungen und wir hatten schon Sorge, der Ausflug würde ausfallen. Tat er aber nicht und so fuhren wir mit einem Katamaran 50 km auf das Meer zur Reef Magic Pontoon. Dies ist eine künstliche Insel, 1003 qm groß, auf der Aktivitäten angeboten werden wie: Tauchen, Schnorcheln, U-Boot fahren, Glasbodenboot fahren, Hubschrauber fliegen, Helm Tauchen usw. Darüber hinaus gibt es noch ein Restaurant.

Als wir ankamen bestiegen wir als erstes das Glasbodenboot. Die Korallen hier waren zum größten Teil in Ordnung und man konnte viele Fische und eine Meeresschildkröte sehen. Dann wurde es stürmisch, ein Monsunregen setzte ein und die Fahrt wurde abgebrochen.

Nach dem Mittagessen, beschlossen wir zu schnorcheln. Das war ein wirkliches Erlebnis. 50 m vom Ponton entfernt war ein Korallenriff mit vielen Fischen, die keinerlei Scheu zeigten und ganz nah heran kamen. Fotografieren habe ich mir geschenkt, ich war mit den Wellen und den schönen Eindrücken voll ausgelastet. Auch Ute hat dieses Erlebnis genossen. Als Vorsichtsmaßnahme vor den Marine Stinger mußten wir einen Quallenschutzanzug tragen.

Trotz des schlechten Wetters hat uns der Ausflug sehr gut gefallen.

Cairns

Den freien Tag nutzen wir zum Besuch des Aquariums in Cairns. Dies zeigt das Leben im und am Great Barrier Reef. Außerden gibt es dort alle Stunde einen Vortrag von Biologen zu speziellen Themen. Wir besuchten unter anderem einen Vortrag über Haie und erfuhren viel Neues – wußtet ihr, das Haie an der Nasenspitze Sensoren haben, die den Herzschlag von möglicher Beute erfassen können und sie können damit sogar unterscheiden, ob das Tier krank und geschwächt ist – und wußtet ihr, dass es Haie seit 450 Millionen Jahre gibt und damit 2 Mal länger als Krokodile?

Abends gab es dann noch eine schöne, emotionale Verabschiedung von Eva und Lukas. Ute1 las ein selbst gefertigtes Gedicht vor und dann sang Ute2 als „Abtin“ den von ihr geschriebenen Text vor und wir anderen antworteten als „Mönche“. Das rührte dann Eva doch zu Tränen.

Morgen werden wir die Wohnmobile abgeben und abends unsere Rückreise antreten. Als Fazit kann man sagen: Australien will als Reiseland erobert werden. Es ist so unterschiedlich von Landschaften, Tieren, Wetter und Distanzen, dass man sich immer wieder umstellen muß. Mir hat die Reise gut gefallen. Wir haben so viele Eindrücke gewonnen. Wenn man etwas Wasser in den Wein geben will, dann ist das das Verhalten der Gesellschaft den Aboridgines gegenüber. Die Ungerechtigkeit und brutale Unterdrückung die vor 300 Jahren begann ist meiner Meinung nach hier überhaupt nicht aufgearbeitet, geschweige denn ausgeglichen worden. Dieses Volk wird auf Dauer von der Bildfläche verschwinden.

Wir freuen uns nach unserer Rückkehr auf das persönliche Wiedersehen mit dem Einen oder Anderen und sagen Nyurrany, was, „wir sehen uns“, bedeutet, in der Sprache der Djabugay, die in dieser Region lebten.

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