Island auf Langholt Februar 2023

Langholt

Die Anreise am Sonntag nach Frankfurt verlief ohne Probleme. Jörg brachte uns nach Hagen, dann ging es mit dem Zug über Köln Messe nach Frankfurt Flughafen. Dort bezogen wir im Hilton unser Zimmer. Abends ging es noch zum Paulaner, den wir noch von unserem letzten Aufenthalt kannten.

Am nächsten Tag checkten wir gemütlich ein und flogen mit Iceland Air pünktlich nach Reykjavik. Dann holten wir unseren Mietwagen ab, einen nicht ganz taufrischen Duster 4×4 mit 160.000 km auf dem Buckel. Die drei Dauerwarnleuchten: Wartung, Motorsteuerung und Luftdruck sollten wir geflissentlich ignorieren, der Wagen wäre gewartet, so die Aussage unseres Vermieters. Außerdem erfuhren wir, dass aufgrund von Streiks die meisten Tankstellen im Süden kein Benzin haben – man müßte suchen. Später stellten wir fest, dass die Nummernschildbeleuchtung hinten nur noch an den Kabeln befestigt ist und eine der hinteren Türen sich nicht verschließen läßt – also nichts im Wagen liegen lassen.

Es wurde bereits langsam dunkel, als wir den ersten erreichbaren Supermarkt ansteuerten, um Lebensmittelvorräte anzulegen. Dann, bei völliger Dunkelheit, ging es auf die 140 km lange Anfahrt zum Ferienhaus Langholt. Es lag etwas Schnee, und es schneite. Je weiter wir uns von der Region Reykjavik entfernten, um so mehr Schnee fanden wir vor. Dann begann wieder unser bekanntes Drama der letzten 200 m, das uns schon oft auf unseren Wohnmobilfahren ereilte, fast am Ziel – aber nur fast.

Es war stockdunkel, es gab keine Strassenbeleuchtung, es schneite, und wir mußten einen Weg von der Hauptstrasse finden, der uns in den Berg führen, wo Langholt liegen sollte. Die eingegebene Koordinate war schon vorbei, aber kein Weg zu sehen. Also rückwärts zurück, wenden und langsam wieder retour. Dann sahen wir so etwas wie einen Abzweig, den wir uns dann trauten zu nehmen. Auf einer vereisten Piste mit riesen Schlaglöchern tasteten wir uns langsam vorwärts. Von dem Weg gingen einige noch kleinere Wege ab, die ich teilweise probierte. Immer wieder mußten wir wenden. Dann fuhren wir schon leicht genervt wieder zur Hauptstrasse zurück und machten einen neuen Versuch, diesmal genau der schriftlichen Anweisung folgend. Tatsächlich fanden wir in der Dunkelheit ein Haus – wir waren richtig. Dann mußten wir nur noch die Schlüsselbox finden, den Code richtig eingeben, sie öffnen können, mit dem in der Box befindlichen Schlüssel versuchen das Schloß zu öffnen, was mir nicht gelang. Ich hatte gerade Marta, unsere Ansprechpartnerin vorort angerufen und um Hilfe zu bitten, da hatte Ute die Tür auf.

Nach diesen Schwierigkeiten begann der entspannte und schöne Teil unserer Reise.

Das Haus ist der Hammer, genauso wie im Internet bei Nordic Lodges beschrieben. Es ist sehr gepflegt und hochwertig.

Der nächste Tag empfing uns mit einer fantastischen Aussicht auf den Hvalfjord.

Super Aussicht

Nach dem Frühstück entschlossen wir uns Thingvellir zu besuchen. Das Wetter war sonnig und die insgesamt 200 km durch die verschneite Landschaften war ein Genuß. Wir machten vorort eine ausgedehnte Wanderung und bauten bei der Rückfahrt noch eine Umrundung des Thingvellir Sees ein.

Am nächsten Tag fuhren wir Nach Reykjavik. Das Wetter war bewölkt und leicht regnerisch. Ich hatte im Flieger eine Reklame über Chromo Sapiens der isländischen Künstlerin Shoplifter/Hrafnhildur Arnardottir gesehen. Die dort gezeigte bunte Installation aus eingfärbten Vinyl- und Schafshaaren interessierte mich. Also fuhren wir zuerst das Höfudstödin Museum an.

Wir gingen durch 3 „Kunstwelten“ die musikalisch durch Rockmusik der Gruppe Ham bereichert wurde. War wieder etwas, was wir noch nie gesehen hatten.

Danach machten wir noch einen kleinen Stadtbummel und fuhren wieder heimwärts.

Zurück auf Langholt kümmerte ich mich um den Hotpot und nach 2 Stunden konnte ich ihn zum ersten Mal genießen. Bei herrlichen 40 Grad konnten mir weder der Regen, noch die Außentemperatur von 1 Grad etwas anhaben. Jetzt weiss ich, wie sich die Makaken auf Hokaido fühlen, wenn sie ihre Hotpots besuchen.

Wenn das kein Luxus ist

In der Nacht schlug das Wetter um. Es wurde stürmisch und warm. Am nächsten Morgen war der Schnee fast weg. Wir beschlossen eine kleine Wanderung zu einer Kirche zu machen, die wir vom Haus aus sehen konnten. Allerdings mußten wir uns für den „Abstieg“ zur Strasse wieder Spikes anziehen, da der Weg noch voller Eis war. Die Hallgrimskirche steht völlig allein in der „Walachei“ , ist nachts super angestrahlt, sie ist beheizt, sehr sauber und gepflegt mit Toilette und einem großen Parkplatz. Uns ist schleierhaft, wer hier zu der völlig abgelegenen Kirche kommt.

Dann verbrachten wir wieder einige Zeit im Hotpot.

Immer schön flexibel bleiben – war das Motto des nächsten Tages.

Wir wollten eigentlich eine Wanderung zum Glymur Wasserfall machen. Das Wetter war überraschend gut, und so änderten wir unterwegs unseren Plan und steuerten den Gullfoss Wasserfall und den Geysir an. Ca. 160 km bis zum Ziel lagen vor uns. Unterwegs änderte sich das Wetter wieder – zunächst recht nett mit einem Regenbogen.

Da sah es noch gut aus

Dann wurde es aber übel. Nach ca. 60 km konnten wir so gut wie nichts mehr sehen.

Kein Durchkommen

Also änderten wir wieder unseren Plan und kehrten, nach Studium von webcam Bildern vom Gullfoss, wo es genauso aussah, um. Zwischenzeitlich hatte ich mit dem Autovermieter Kontakt aufgenommen mit dem Ziel den Wagen selbst zur Reparatur zu bringen, um die Fehler beheben zu lassen. Das wollte er aber nicht, sondern er wollte den Wagen austauschen. Dazu mußten wir noch einmal nach Reykjavik zum nationalen Flughafen fahren, wohin er den Wagen bringen wollte, da er vorort kein Büro hat. Nach einer kurzen Wartezeit kam er, und zu meiner Überraschung nicht mit einem Dacia Duster, sondern mit einem Hyundai Tuscon Automatk mit Vollausstattung und Spikesbereifung. Jetzt reisen wir den Rest des Urlaubs noch komfortabler.

In Langholt angekommen mußte ich erst einmal die Einstellungen so verändern, dass der Spurassistent mich nicht ewig mit Warntönen nervt.

Unser Neuer

Was gibt es noch Einzigartiges auf Island – die Island Ponys. Wir hatten für heute einen 2 stündigen Ausritt von Laxnes, der ältesten Pferdefarm Islands, gebucht. Wettermäßig war wieder nicht zu entscheiden, wie es vorort aussieht, also haben wir uns auch für Dauerregen kleidungsmäßig vorbereitet.

Die Farm liegt etwa 50 km entfernt von Langholt. Dort angekommen gab es erst einmal Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Dann zogen wir die bereitgestellten Overalls an und setzten die Helme auf.

Uns wurden der Hengst God für Ute und die Stute Darkness für mich zugewiesen. Wir wurden gefragt, ob wir Reiterfahrungen hätten, was wir verneinten. Dann stiegen wir auf, lernten die 4 Steuerungen, links – links am Zügel ziehen, rechts – rechts am Zügel ziehen, Bremsen – beide Zügelseiten gleichzeitig nach hinten ziehen und Gas geben – leicht in die Seiten treten. Klang einfach – war es auch. Die Pferde sind unglaublich gutmütig und reagierten sogar auf Anweisungen von Anfängern wie uns.

Der Ausritt war ein wunderbares Erlebnis, allerdings wunderte ich mich schon, dass wir, als totale Anfänger, 3 Flüsse durchquerten, die so tief waren, dass die Pferde bis zum Bauch durch das Wasser wateten. Damit war auch Schluß mit trockenen Füßen, die dann ebenfalls unter Wasser gerieten. Zwischenzeitlich lernten wir auf einigen Passagen auch den Tölt kennen, die 4. und nur von Islandpferden genetisch fixierte Gangart.

Der Abschied von God und Darkness fiel schon etwas schwer, wurde aber durch eine weitere Tasse Kaffee und leckeren Kuchen versüßt.

Zurück auf Langholt genossen wir wieder den Hotpot.

Tags drauf ließen wir es langsam angehen und fuhren am späten Vormittag nach Reykjavik. Bei einem ausgedehnten Stadtbummel schauten wir uns die bekannten Sehenswürdigkeiten an.

Gestartet waren wir im Alten Hafen, dann ging es Richtung Harpa, dem Opernhaus. Dort erfuhren wir, dass zur Zeit Circulight zu besuchen war. Dies ist eine digitale Lichtinstallation mit Musikuntermalung und soll sich stark auf die Landschaften Vulkanen und Jahreszeiten Islands beziehen – konnte man sich gut angucken.

Der Tag endete wieder in unserem Hot(s)pot!

Am nächsten Tag unternahmen wir den 2. Versuch Gullfoss und Geysir zu besuchen, obwohl das Wetter bei uns nicht sehr einladend war. Die Lifecam Bilder vom Gullfoss waren besser, also brachen wir auf. Wir staunten nicht schlecht, wieviele Touristen diese beiden Sehenswürdigkeiten besuchten – und das im Winter. Vor 2 Jahren, während Corona, waren wir dort zur besten Reisezeit fast alleine.

Auf der Rückfahrt hielten wir noch einmal bei unseren Freunden, den Island Pferden. Dort konnte man für 1,80 € Pferden Candys kaufen. Das sind kleine Kugeln aus Heu, wahrscheinlich mit einem Süßstoff verfeinert. Die Drei waren jedenfalls sehr interessiert und wurden alle bedacht.

Übrigens, Ironie des Schicksals, ich hatte auf Polarlichter gehofft. Jetzt muß ich zur Kenntnis nehmen, dass gestern und heute wunderschöne Polarlichter in Deutschland zu sehen sind. Bei uns wären sie auch zu sehen, aber es ist durchgehend bewölkt.

Tags drauf besuchten wir Borganes, wo wir noch einmal einkauften. Der Wind war so stark, dass wir beschlossen, uns alles vom Auto anzuschauen. Wir wählten 2 Schleifen über insgesamt 100 km im Myrar Gebiet, nördlich von Borganes. Diese führten auf Pisten in ein so gut wie unbesiedeltes Gebiet, das von einigen wenigen Bauern als Grasland bewirtschaftet wird, wenn man die Berge an Heuballen sieht, die an den Gehöften lagern. War wieder eine Landschaft, die wir so noch nicht von Island kannten.

Wir hatten für den nächsten Tag eine Exkursion in einen Gletscher gebucht. Zunächst ging es über eine Piste nach Husafell, durch die Skardheidi- und Botnsheideberge. Überraschend war es sonnig geworden, und so hatten wir gute Sicht.

In Islands 2. größtem Gletscher, dem Langjökull, hat man einen ca. 600 m langen Tunnel gebohrt, den man begehen kann. Zunächst ging es von Husafell mit einem umgebauten 8×8 Natoraketentransporter auf den Gletscher. Dort legten wir Spikes an und durch einen engen Zugang konnte man den Tunnel erreichen. Der Gletscher hat, wie alle Gletscher in den letzten 20 Jahren, mehrere 100 m Länge verloren. Man geht in Island davon aus, dass, wenn die Entwicklung der Erderwärmung unverändert weiter geht, es in 150 Jahren keine Gletscher mehr auf Island geben wird. Und das bei teilweise Eisdicken von 2000 m beim Vatnajökull und 600 m beim Langjökull. Der Gang durch den angelegten Tunnel war optisch nicht so spektakulär, er soll in erster Linie das Bewußtsein für die Wichtigkeit von Gletschern schärfen, insbesondere auch für die Süßwasserversorgung der Menschheit. Unter dem Boden der Gänge befanden sich ca. 200 m Eis und über dem Gang etwa 70 m Eis und 40 m Schnee. Der Gletscher bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 1 mm/Tag, und der Tunnel muß deswegen permanent gewartet werden.

Mit dem 8×8 Ungetüm ging es dann wieder zurück zum Startpunkt. Hier hatten wir übrigens vor 2 Jahren mit unserem Womo auf einem völlig überfüllten Campingplatz übernachtet. Jetzt war er natürlich leer.

Dann ging es noch zum Hraunfossar und Barnafossar. Der Hraunfossar ist in meinen Augen der schönste Wasserfall Islands. Aus einer 900 m langen Lavakanta fließt aus Dutzenden Wasserfällen das Wasser in den Hvita Fluß. Es gibt also keinen sichtbaren Zufluß, sondern das Wasser sucht sich unterirdisch ihren Weg.

Anschließend fuhren wir über die Piste wieder zurück.

Der Glymur, Islands 2. höchster Wasserfall, war das Wanderziel am nächsten Tag. Dieser ist nur zu erwandern, und wir wußten schon vorher, dass wir ihn nicht sehen werden. Man muß nämlich mehrfach Flüsse durchqueren und über dem breitesten liegt ein Baumstamm, über den man den Fluss überqueren kann. Im Winter wird der Stamm entfernt, somit ist die Überquerung trockenen Fußes nicht möglich. Wir wollten trotzdem den Weg so weit wie möglich gehen. Das war nach 500 m bereits erledigt. Der Weg war derartig schlammig, dass man ihn gar nicht betreten konnte, sondern nur am Rad entlang festen Boden suchte. Dann stand Ute bis zum Knöchel im Schlamm und kam kaum raus. Das war das endgültige Zeichen umzukehren.

Trotzdem wanderten wir auf anderen Wegen noch weiter und wollten danach einen weiteren Anlauf nehmen, das Kriegsmuseum zu besuchen, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft von uns befindet. Leider hatte es trotz gegenteiliger Information im Netz erneut geschlossen. Interessant fanden wir das Bild an der Fassade, „Girl with Balloon“, von Banksy, das sich seinerzeit nach der Versteigerung für 1,2 Mio. Pfund, selbstständig durch einen eingebauten Schredder selbst zerstörte.

Der nächste Morgen empfing uns mit Kaiserwetter.

Wir beschlossen daher, diesen Tag noch einmal für eine ausgiebige Panoramatour zu nutzen. Zunächst ging es nach Akranes, eine Stadt mit 6000 Einwohnern, die vom Fischfang lebt. Sehenswert waren die 2 gut erhaltenen Leuchttürme.

Danach fuhren wir zur geothermalischen Quelle Deildartunguhver.

Mit einer großen Schleife Richtung Langjökull ging es über Pistenstrassen wieder nach Hause.

Jetzt heißt es Packen. Morgen werden wir noch das aktive Geothermalgebiet Gunnuhver mit Schlammtöpfen und Fumarolen auf einem Wanderweg erkunden, danach den Wagen abgeben und die letzte Nacht in einem Hotel in Flughafennähe verbringen. Dann, am Sonntag, fliegen wir zurück nach Düsseldorf.

Vor unserem Abflug besuchten wir noch Midlina, die Brücke zwischen den Kontinenten.

Danach folgte das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver.

Zum Schluß ging es noch einmal an die Küste  Valahnúkamöl, mit den Klippen Valahnúkur und Karlinn.

 

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