8. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

20.9. – 28.9.

Von Hel fuhren wir zurück und machten unseren ersten Stopp in Wejherowo, früher Neustadt in Westpommern. Dort sollte ein original Kaschubenhaus stehen und eine interessante Steilküste zu besichtigen sein.

Das Kaschubenhaus fanden wir dann auch und bei unserem Rundgang um das Haus wurden wir von einem Hund gestellt, der anscheinend sein Territorium verteidigte. Ute war starr vor Schreck und auch ich bewegte mich nicht mehr. Gott sei Dank kam der Besitzer lachend aus dem Haus und rief seinen Hund zu sich. Es entspannte sich ein interessantes Gespräch. Er bot uns an das Haus auch innen zu besichtigen. Das war natürlich sehr interessant. Der Hund hatte zwischenzeitlich auch gecheckt, dass wir harmlos waren und ließ sich sogar ausgiebig streicheln.

Anschließend gingen wir noch 200 Stufen an der Küste nach unten zum wunderschönen Sandstrand.

Unser nächstes Ziel war die „Polnische Sahara“ bei Leba. Das ist ein 300 ha großes Dünengebiet, das sich mit einer Geschwindigkeit von 10 m/Jahr ausbreitet. Mit einer kleinen Bahn ging es vom Parkplatz zu den Dünen, wo wir Angela und Peter noch einmal trafen, die sich kurzfristig noch für diesen Zwischenstopp entschieden hatten.

In Leba übernachteten wir kostenlos auf einem Campingplatz, da weder am Abend noch am Morgen jemand in der Rezeption anwesend war.

Dann begannen Transferetappen Richtung Berlin. Die erste ging bis Drawsko in Pommern, früher Dramburg. Dort nächtigten wir völlig allein auf einem zu einem 4Sterne Hotel gehörigen Stellplatz mit einer wunderschönen Aussicht auf den See.

Dann besuchten wir den Geburtsort meiner Mutter, Bierzwnik, früher Marienwalde. Das Geburtshaus gibt es nicht mehr, so besuchten wir Orte, an denen meine Mutter gewesen war.

Eigentlich wollten wir kurz nach Küstrin auf der deutschen Seite übernachten. Allerdings fand unser Navi sich nicht mit den neuen Straßen zurecht und so entschieden wir, die restlichen 110 km bis Berlin am selben Tag zu fahren. Das war auch gut so, denn einen Tag später hätten wir keinen Stellplatz mehr bekommen. Am Wochenende war Berlin Marathon und der Platz ausgebucht. Nur mit erheblichen Überredungskünsten und der Aussicht auf einen 5 tägigen Aufenthalt, „zauberte“ der sehr spezielle Platzwart noch einen schönen Platz für uns.

Am nächsten Tag unternahmen wir „old school“ eine HopOn HopOff Stadtrundfahrt um einen Überblick über Veränderungen komprimiert zu erhalten. Dabei fuhren wir auch an der Eastside Gallery vorbei, die wir anschließend ausgiebig besuchten.

Dann machten wir uns zu Fuß auf Richtung Friedrichstraße und versuchten auf der linken Spreeseite am Ufer zu bleiben. Das gelang nur teilweise. Irgendwann war der offizielle Weg zu Ende und wir sahen nur noch einen Trampelpfad. Das sah spannend aus, also folgten wir ihm. Nach der ersten Kurve trafen wir auf die ersten Dealer, die sich sofort nachdem sie uns gesehen hatten „verkrochen“. Dann gingen wir durch ein kleines von Obdachlosen und Alternativen zusammengezimmertes Dorf mit ca. 20 Unterkünften. Die Leute leben dort unter einfachsten Bedingungen und bauen dort auch Gemüse an. Direkt hinter ihnen wird gerade ein neues großes Wohnsilo hochgezogen, außerdem plant der Bezirk einen durchgängigen öffentlichen Uferweg. Damit ist das Ende dieser „Idylle“ abzusehen.

Es folgte ein Besuch des Checkpoint Charly, den wir auch schon ewig nicht mehr gesehen hatten.

Den Tag schlossen wir mit einem Bummel durch das Nikolaiviertel ab.

Steglitz war am nächsten Tag unser Ziel, um auf alten Spuren zu wandeln. Dort war unsere erste gemeinsame Wohnung. War wieder sehr schön, wobei die Veränderungen nicht immer dem Bezirk zum Vorteil gereichte.

Wir trafen uns mit Utes alter Freundin Sabine, machten einen Bummel durch den Botanischen Garten und schlossen das Treffen mit einem leckeren Steinpilzessen in einer Trattoria in Dahlem ab.

Für den Abend hatten wir uns Karten gekauft für das Mehringhof Theater. Hier sind wir früher gerne gewesen als Kreuzberg noch sehr alternativ und multikulti war.

Dort fand das „Satiretreffen Kreuzberg“ statt, was sich allerdings als reine Lesung herausstellte und bei uns nur bedingt Begeisterung auslöste.

Am Sonntag brachen wir früh auf, um uns den Berlin Marathon anzusehen. Zunächst fanden wir eine Stelle, an der die Läuferinnen und Läufer nach 7 km vorbei kamen, und anschließend konnten wir 2 Plätze direkt am Ziel auf einer Tribüne finden, nachdem wir uns als geimpft registriert hatten. Die Stimmung war gut und man konnte fühlen, dass sowohl die Läuferinnen und Läufer als auch die Zuschauer die neu gewonnene Normalität genossen. 

Am Nachmittag stand der Besuch des Tempelhofer Feldes an. Dort hat sich nach unserem letzten Besuch vor 8 Jahren nichts verändert. Die Fläche wird von den Berlinern in unterschiedlichster Weise als Freizeitfläche genutzt, inklusive dem Anlegen von kleinen Nutzgärten.

Abends war Fernsehzeit, die erste Prognose der Wahl stand um 18 Uhr an, obwohl in Berlin bis nach 19 Uhr noch gewählt wurde. Es fehlten Wahlzettel, man hatte die individuelle Wahlzeit in der Kabine eines jeden Einzelnen mit 5 Wahlzetteln total unterschätzt, und dass am selben Tag der Wahl auch der Berlin Marathon stattfand warf ein Licht auf die Leistungsfähigkeit des Berliner Senats.

Die Berliner Unterwelten standen am Montag auf dem Programm. Direkt von unserem Stellplatz konnte man durch eine Stahltür in ein Luftschutzbunkersystem gelangen. Ein Referent erklärte uns die Geschichte dieser Bunker, die bis vor dem 1. Weltkrieg zurückliegt, als die Berliner U-Bahn gebaut wurde und man, vorsorglich für den späteren Ausbau der U-Bahn, Stollen anlegte, die später von den Nazis als Luftschutzbunker genutzt wurden. Das war wieder einmal ein Eintauchen in eine Zeit, von der unsere Generation Gott sei Dank verschont wurde.

Für den Abend hatten wir uns Karten für das Tipi am Kanzleramt für „Super wir hatten doch die Wahl…. Mit Marco Seiffert“ gekauft. Dort diskutierten die Journalistinnen und Jornalisten Hajo Schumacher, Cerstin Gammelin, Robin Alexander, Bettina Gaus und Albrecht von Lucke das Wahlergebnis. Zwischenzeitlich gab noch der Kabaretist Florian Schroeder seinen „Senf“ dazu.

War ein sehr unterhaltsamer Abend. 

Dann hieß es Abschied nehmen von Berlin, Potsdam war unser nächstes Ziel. Dort besuchten wir das Schloß Sanssouci und den großen Park mit den weiteren zum Ensemble gehörigen Bauwerke ausführlich.

Dann hieß es wieder: abwettern. Bis 14 Uhr, am nächsten Tag goß es. Danach machten wir uns auf uns die Highlights von Potsdam anzusehen.

Dies ist unser letztes Lebenszeichen, da wir morgen über eine Station in Braunschweig nach Hause aufbrechen. Wir freuen uns Euch bald wieder persönlich zu treffen.

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7. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

13.9. – 19.9.

Wir verließen Masuren Richtung Westen und machten in Ketrzyn, früher Rastenburg, einen Zwischenstopp. Die Wolfsschanze schenkten wir uns, da wir sie bereits vor 7 Jahren besichtigt hatten.

Wir machten einen kurzen Rundgang und schauten uns dann die Wehrkirche St. Georg an, dessen Turm wir auch bestiegen. Außerdem hat Ketrzyn einige schöne Häuser zu bieten.

Swieta Lipka war unser nächstes Ziel, mit Besichtigung einer Kirche. „Noch eine Kirche“ dachte ich. Die Basilika, mit Kloster zu Ehren Marias, hat mich dann doch umgehauen. Sie ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Polens und darauf deutete dann auch die Infrastruktur mit großen Parkplätzen und Souveniershops. Wir mußten eine Weile warten, da gerade ein Gottesdienst stattfand, während dessen Besichtigungen nicht erlaubt waren. Ich kann mich nicht erinnern, solch eine schöne Kirche schon mal gesehen zu haben, außer vielleicht in Rom.

Swieta Lipka heißt übrigens übersetzt Heilige Linde. Seit dem 13. Jahrhundert sollen unter der Linde Wunder geschehen sein. Das zog Pilger an, und im 16. Jahrhundert entstand die Kirche. Sie hat die sogenannte Heiligelindeorgel mit fast 5000 Pfeifen. Während des Spiels bewegen sich verschiedenen Figuren und Engel auf der Orgel.

Dann hielten wir in Orneta, was sich als Niete herausstellte. Nichts Sehenswertes, eine gesichtslose kleine Stadt.

Wir erreichten schließlich unser Tagesziel Elblag am späten Nachmittag. Ich war ganz schön groggy, denn die 180 km fanden auf teilweise sehr schlechter, enger Strasse statt, allerdings durch wunderschöne Alleen und Landschaften.

Die Altstadt von Elblag war im 2. Weltkrieg völlig zerstört worden. 1987 begann man, nach alten Plänen, möglichst detailgetreu, die gesamte Altstadt neu aufzubauen. Das ist gut gelungen, kein Haus gleicht dem anderen, und selbst moderne Hausfassaden passen sich gut in den „Look“ der neuen Altstadt ein.

Dann ging es zum Frischen Haff nach Piaski, dem letzten Ort vor der russischen Grenze.

Unser nächstes Ziel war Danzig, wo wir 2 Nächte blieben. Das Wetter war wieder umgeschlagen, es wurde regnerisch und kalt. Trotzdem hat uns Danzig wieder sehr gut gefallen, eine tolle Stadt. Wir fanden einen freien Stellplatz 500 m von der Altstadt entfernt und sehr sicher, da vor der Polizeiwache.

Wir unternahmen eine Bootsfahrt durch den Danziger Hafen zur Westerplatte, wo 1939 der 2. Weltkrieg begann. Dies ist für die Polen ein besonderer Ort, da dort nur wenige polnische Soldaten der deutschen Übermacht 7 Tage Widerstand leisteten, bevor sie dann aufgeben mußten.

Danach folgte ein Spaziergang zum Solidarnosc Gelände. Dort wurde 1980 gleichnamige Gewerkschaft gegründet und eine Freiheitsbewegung ausgelöst, die ganz Osteuropa erfaßte und schließlich auch zum Mauerfall beitrug. Auch dies ist ein ganz wichtiger Geschichtsort für die Polen.

Von Danzig machten wir uns auf nach Hel, die nächste Halbinsel in der Danziger Bucht. Auf dem Weg hatten wir noch einige Zwischstopps geplant. Zunächst fuhren wir eine ätzende Strasse von Danzig nach Sopot und Gdynia, die uns geschätzte 500 rote Ampeln bescherte. Dabei gerieten wir ungewollt auf eine mautpflichtige Autobahn. Da wir in Polen mautfrei fahren wollten, hatte ich mich weder registrieren lassen, noch eine Art Go Box geliehen, mit der die Maut elektronisch abgerechnet wird. Da hat mein Navi, trotz richtiger Einstellung, versagt, und wir werden sicherlich noch Post mit einer Strafe bekommen.

Wir erreichten dann schließlich das kaschubische Jerusalem beim Kalvarienberg in Wejherowska, dem früheren Neustadt an der Reda. Vor 500 Jahren entstanden hier 26 kleine Kapellen, die früher von kaschubischen Pilgern besucht wurden. Heute pilgern jährlich viele tausend Polen hierher.

Nach einer ausgiebigen Wanderung am Kalvarienberg fuhren wir nach Puck. Dort befand sich früher ein wichtiger Fischereihafen der Kaschuben und noch früher durfte unter Duldung des Königs, eine 20 Boote starke Freibeuterflotte von Puck aus die Danziger Bucht bewachen. Heute ist der Sport Thema in Puck. Segler, Surfer und Kiter bestimmen heute das Bild in Puck in modern angelegten Häfen.

Dann, am späten Nachmittag, erreichten wir unseren Campingplatz in Hel, direkt an der Spitze der schmalen Landzunge. Diese entstand vor langer Zeit aus mehreren Inseln, die sich aufgrund der Änderung von Strömungen bildete. Heute ist sie wieder gefährdet, da sie teilweise nur 200 m breit ist und bei Sturm schon überflutet wurde.

Hier haben wir mit Peter und Angela auch unser Abschlußessen genossen. Sie werden Richtung Lübeck aufbrechen, wir bleiben noch einige Tage an der Küste und werden dann Richtung Berlin „abbiegen“.

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6. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

6.9. bis 12.9.

Von Vilnius ging es direkt nach Kaunas. Von unserem Campingplatz konnten wir mit dem Fahrrad die Altstadt erreichen, allerdings nur mit einigen Mühen, so war der Radweg teilweise noch Baustelle und die Brücke über die Nemunas war so eng, das bei Gegenverkehr oder Fußgänger abgestiegen werden mußte. Allerdings fanden wir auf unserer ersten Tour einen schönen freien Stellplatz direkt am Fluß, auf dem wir dann die 2. Nacht verbrachten.

Leider sind wir 1 Jahr zu früh nach Kaunas gereist, überall befinden sich große Baustellen. Nächstes Jahr hat die Stadt bestimmt einen anderen Look.

Die Altstadt mit der Burg von Kaunas, die Vilniaus gatve, eine der längsten Fußgängerzonen Europas und die imposante St. Franziskus Xaver Kirche waren trotzdem lohnende Ziele.

Am zweiten Tag besuchten wir noch das Teufelmuseum, in dem Teufelsmasken- und figuren aus aller Welt gezeigt werden. Wir erfuhren, dass eine Teufelsmaske ein gängiges Gastgeschenk in früheren Zeiten in der Gegend um Kaunas war.

Dann ging es südwärts Richtung polnischer Grenze. Übrigens hat uns seit einigen Tagen der Sommer wieder erreicht mit Temperaturen über 20 Grad.

Der Grenzübertritt nach Polen war problemlos, auch brauchten wir uns für die Einreise nicht registrieren lassen.

Sawalki war unser Ziel. Wir fanden einen super Stellplatz, tip top sauber mit großen Parzellen für 10€. Nachmittags machten wir uns auf den Weg zur Innenstadt. Diese fanden wir erst nach 6 km umherirren, und diese war dann auch noch sehr enttäuschend. Eine trostlose 300m lange Fußgängerzone lud nicht gerade zum Verweilen ein. Also ging es zurück zum Stellplatz um dort noch Sonne zu tanken.

Die nächste Etappe sollte uns nach Nikolaiken bringen. Unterwegs machten wir einen Stop bei Elk, hier wurde Siegfried Lenz geboren. Sie ist die größte Stadt Masurens. Wir unternahmen einen Bummel auf der Uferpromenade, wo große Holzfiguren die Herrscher und Herrscherinnen vergangener Jahrhunderte dargestellten.

Nikolaiken ist sicherlich das touristische Zentrum Masurens. Wir fanden einen Stellplatz direkt an der Altstadt. Uns hat das Treiben so gut gefallen, daß wir beschlossen noch 2 weitere Nächte dort zu verbringen und den schönen Spätsommer zu genießen.

Wir liehen uns ein Motorboot aus und schipperten bis zum Sniardym See, dem größten See Polens, hat uns Riesenspaß gemacht.

Abends fand dann mal wieder gemeinsames Grillen statt.

Am nächsten Tag ging es dann weiter. Wir planten nur eine kurze Etappe bis Lötzen, Angela und Peter wollten weiter nach Elblag und dort auf uns warten.

In Lötzen fanden wir einen so schönen Stellplatz an einem kleinen Hafen direkt am Kanal, dass wir die beiden überredeten, auch nach Lötzen zu kommen, was sie auch machten.

Lötzen gefiel uns sehr. Allerdings befinden wir uns in der Nachsaison, wenn ich sehe was hier für eine touristische Infrastruktur aufgebaut wurde, möchte ich nicht im Juli oder August hier sein. Obwohl es Sonntag war, hielt sich der Besucherstrom in Grenzen, und wir genossen den Spaziergang an der Hafenpromenade.

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5.Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

26.8. bis 5.9.

Seit etlichen Tagen schauen wir ungläubig in die Wetter Apps. Ein Tiefdruckgebiet aus Skandinavien jagt das nächste. Die Temperaturen sind in den Keller gegangen, am Tag nicht über 14 Grad, nachts teilweise einstellen. Wir haben schon 2 Nächte durchgeheizt. So müssen wir flexibel unsere Routen und Stopps den Wetterbedingungen anpassen und finden in der Regel für Besichtigungen auch trockene Abschnitte. Baden oder lange Wanderungen sind aber zur Zeit nicht möglich.

Unser nächstes Ziel war Tartu, die zweitgrößte Stadt Estlands und fanden einen Übernachtungsplatz auf dem Parkplatz am BMX Park.

Wir unternahmen einen Rundgang durch die Universitätsstadt, durch Parks und den Domberg mit der Ruine des alten Doms. Leider war das Wetter gegen uns, so daß wir zügig zum Wohnmobil zurückkehrten.

Von Tartu fuhren wir ostwärts bis nach Räpina und dann südlich bis zur russischen Grenze nach Massuri. Dabei fuhren wir durch das Land der Setu. Die Setus sind ein sehr alter Volksstamm mit einer eigenen Sprache. Die Häuser sind alt aber auch teilweise sehr schön im alten Stil restauriert.

Weiter ging es etwas kreuz und quer der Piusa entlang. Wir besuchten die Sandsteinhöhlen von Piusa. Dort wurde Quarzsand unter schwierigsten Bedingungen im vorigen Jahrhundert abgebaut zur Herstellung von durchsichtigem Glas. Mittlerweile ist das Betreten des gesamten Höhlesystems aus Sicherheitsgründen verboten. Außerdem hat sich eine dort Fledermauskolonie angesiedelt, die durch Biologen beobachtet wird.

Unterwegs machten wir noch an den Ruinen der Ordensburg von Vastsellina halt. Diese Ruinen findet man im gesamten Osten des Baltikums.

In Haanja fanden wir einen idyllischen Stellplatz am See. 

Weiter südwärts erreichten wir Aluksne. Dort fuhren wir mit der historischen, russischen Schmalspurbahn nach Gulbene und wieder zurück.

Da wir keinen geeigneten Stellplatz fanden, fragten wir eine nette Servicemitarbeiterin, ob wir auf der Tankstelle übernachten könnten, was sie uns genehmigte. 

Da wir die letzten Tage wieder Pistenkilometer bei Regen fahren mußten, sah unser Womo entsprechend aus. Neben der Tankstelle befand sich eine geeignete Waschanlage, wo wir unser Womo vom Dreck befreiten konnten.

In Balvi besuchten wir einen Skulpturengarten von künstlerisch verfremdeten Fahrräder.

In Ludza gab es wieder alte Steine einer Ordensburg zu sehen, sowie eine katholische Kirche, die sehr schön für eine anstehende Hochzeit geschmückt war. 

In Rezekne war unsere nächste Übernachtung auf dem Parkplatz des Kreativzentrums „Zeimuls“ an der Touristeninformation geplant. Es gab Verbotsschilder und recht enge Parkboxen. Nach Genehmigung durch die Mitarbeiterin der Information fanden wir am Rand des Parkplatzes 2 Plätze. In der Nacht wurden wir durch Jugendliche abwechselnd durch laute Technomusik mit tiefen Bässe oder röhrende Motore unterhalten.

Übrigens gab es auch hier eine Ordensburg.

Dann ging es durch ein landschaftlich schönes Seengebiet über Dagda, nach Aglona. Aglona ist für die Katholiken ein Wallfahrtsort und hat eine sehr schöne weiße Basilika. 1980 zum 200jährigen Weihetag besuchte sogar der Papst Aglona und hielt vor 300000 Gläubigen eine Messe ab.

Unser Übernachtung war in Kraslava geplant. Dort sollte ein von einem Deutschen geführter Campingplatz existieren, den wir nach 3 km schlechter Piste erreichten. Wir wurden von Sebastian, einem 38jährigen, alternativ gekleideten Mann herzlich begrüßt. Er ist vor 7 Jahren hierhin ausgewandert, hat Hühner Ziegen, Kaninchen, Wellenseittiche, 2 Hunde, Katzen, und eine schwangere Freundin, die täglich leckeres Brot backt und einen kleinen Hofladen betreibt. Sie leben als Selbstversorger, bauen allerlei Gemüse an und bieten 5 Womoplätze an und 2 Appartmements. Sie planen Konzerte auf ihrem Gelände nach Corona zu veranstalten, haben einen Chillout Weg angelegt und sitzen abends gerne mit ihren Gäste am Lagerfeuer. 

Da es dort so urig war, blieben wir noch einen weiteren Tag. Nachmittags beschlossen wir Pilze sammeln zu gehen. Weder Angela und Peter noch ich hatten je Pilze gesucht, trotzdem kamen wir mit einer erklecklichen Menge Pfifferlinge zurück. Daraus entstand eine leckere Pilzpfanne, die wir abends zu uns nahmen. Aufmerksam beobachteten wir uns gegenseitig ob eventuell aufretender Ausfallerscheinungen, falls doch ein unverträglicher Pilz den Weg in die Pfanne gefunden hätte. War nicht der Fall, und so genossen wir das Essen.

Am nächsten Tag fuhren wir eine kurze Strecke nach Daugapils, der zweitgrößten Stadt Lettlands.

Unterwegs besuchten wir noch das empfehlenswerte Dorf Slutiski. Es ist bewohnt, steht allerdings unter Denkmalschutz.   

In Daugavpils sollte die Festung und ein besonderes Museum des Malers Mark Rothko, dem Begründer der Farbfeldmalerei und Sohn der Stadt, sehenswert sein.

Als erstes war die Einfahrt zur Festung auf eine Höhe von 3,10 m begrenzt. Die Information gab es aber erst direkt an der Mauer nach 200 m schmaler Anfahrt. Also wieder rückwärts zurück bis in einen befahrenen Kreisverkehr. Dann waren wir gespannt auf das Museum. Dies entpuppte sich, aus unserer Sicht als Witz. Es wurden Bilder ausgestellt, mit denen wir aber auch gar nichts anfangen konnten. Der Gipfel war ein Bild mit einer komplett weißen Oberfläche und einen an der Seite bemalter Rahmen. Von Mark Rothko waren nur 3 Bilder dort, die uns auch nicht ansprachen.

Der Fairness halber muß ich aber zugestehen, dass wir kein Maßstab sind und uns für solche „Kunst“ noch nie begeistern konnten.

Wir verließen Lettland und erreichten Litauen auf einer Piste über die grüne Grenze ohne jegliche Kontrolle und erreichten bei Stelmuze unseren Übernachtungsplatz an einer der ältesten Holzkirchen des Baltikums. Diese besichtigten wir am nächsten Tag. Dort steht auch eine auf zwischen 1000 und 1500 Jahre alte Eiche, sehr eindrucksvoll.

 Weiter ging es durch eine Seenlandschaft gen Süden. Die Fahrt durch alte Dörfer war wieder einmal sehr schön, zumal seit Wochen wieder einmal die Sonne schien.

Im Nationalpark Aukstaitjos machten wir am Nachmittag noch eine schöne Wanderung am Lusial See.

Dann erreichten wir den Campingplatz in Moletai am Siesartis See, auf dem wir wieder die einzigen Gäste sind. Dort befindet sich auch ein 30 m hoher Aussichtsturm von dem man eine grandiose Aussicht über den See und dem Nationalpark hat. 

Dann machten wir uns auf das geographische Zentrum Europas zu besuchen., das 26 km nördlich von Vilnius liegt. Es wurde 1989 vom Französischen Geographischen Institut mit komplizierten Berechnungen bestimmt.

Dann erreichten wir Vilnius, wo wir die nächsten 4 Tage blieben. In Vilnius fand ein großes Kulturfestival statt mit Märkten, Konzerten, Sportveranstaltungen u.s.w. So hatten wir genügend Zeit wieder einmal Großstadt zu genießen.

Am Sonntag besuchten wir das alte jüdische Viertel mit dem Ghetto. Und der letzten noch verbliebenden Synagoge. Früher war die Jüdische Gemeinde in Vilnius eine der größten der Welt. Heute gibt es dort viele Restaurants und Bars.

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