vom 19.11. bis 26.11.
Kiew-Odessa-Fähre Schwarzes Meer-Batumi
In den nächsten 2 Tagen lernten wir Kiew intensiv kennen. Am ersten Tag wurden wir wieder mit dem Bus abgeholt und lernten gleich den allmorgentlichen Stau kennen. Uns begleitete Natalia, eine sehr engagierte Stadtführerin und überzeugte Ukrainerin. Die Geschichte Kiews ist so wechselhaft, dass Details hier zu weit führen würden. Kiew hat 200 Kirchen, sowie 4 von 6 sogenannte Lawras, die wichtigsten Kirchen-und Klosteranlagen der Orthodoxen Kirche weltweit. Die wichtigsten standen auf unserem Besichtigungsprogramm: Die Sophienkathedrale, St. Michaelskloster und das Kiewer Höhlenkloster. Alle Bauwerke sind außen und innen sehr prachtvoll. Teilweise fanden Gottesdienste statt, so dass wir auch die Gesänge der Priester und Chöre hören konnten, mit ihren ausgebildeten Stimmen. Sehr eindrucksvoll das Ganze.





Das Höhlenkloster hat im 17. Jahrhundert den Ehrentitel Lawra verliehen bekommen und gilt als wichtigste Anlage der Orthodoxen Kirche. Die ersten Mönche ließen sich dort um 1000 als Einsiedler und Asketen nieder und bauten Höhlen, in die sie sich zum Teil einmauern ließen, mit einer kleinen Öffnung, durch die sie 1 Mal pro Woche Wasser und Brot gereicht bekamen. Wurde dieses nicht genommen, mauerte man die Höhle zu. Nach einigen Jahren öffnete man die Höhlen und fand die Mönche mumifiziert vor. Da sie nicht behandelt wurden, wie in Ägypten, wurden sie heilig gesprochen und sind heute Ziel der Pilger. Was für den Islam Mekka ist, ist für die Orthodoxen das Höhlenkloster. 1 Mal im Leben sollte jeder Orthodoxe dieses besucht haben.
Die „Besichtigung“ der mumifizierten Mönche war für uns etwas makaber.




Weiter ging es über die frühere Prachtstrasse Chereschtschatyk zum Majdan, dem Platz der Unabhängigkeit, den wir erst einmal ohne weitere Erklärungen auf eigene Faust besuchten.
Abends wurden wir wieder mit dem Bus zum Stellplatz gebracht.
Oleg bot danach noch einen Film an, eine Dokumentation über die Situation in der Westukraine, sehr interessant.
Am nächsten Tag trafen wir am Vormittag wieder Antalia, die uns diesmal die Revolution der Würde 2013 aus der Sicht einer betroffenen und aktiven Ukrainerin schilderte. Es war sehr ergreifend wie während ihrer Schilderungen der Ereignisse die Emotionen hochkamen, dass ihr teilweise die Stimme versagte und Tränen kamen. Das hat mich sehr berührt. Auch Oleg ergänzte seine Erfahrungen in der Zeit. Er war als Grenzbeamter an der Grenze zu Polen stationiert, 500 km von Kiew entfernt. Von seinem Vorgesetzten wurden medizienische Hilfslieferungen aufgehalten und konfiziert. Daraufhin stahlen die untergeordneten Zöllner nach und nach die Ladung und sammelten sie in einem Zollfahrzeug. Wenn das voll war, fuhr Oleg zum Dienstbeginn in 8 Stunden mit Blaulicht 500 km zum Majdan, lieferte die Hilfsgüter ab und wieder zurück um zum Dienstende vorort zu sein und nicht aufzufallen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung muß grenzenlos gewesen sein und hat das Volk wohl sehr zusammen geschweißt.
Leider ist die Perspektive der Ukraine, irgendwann einmal in die EU zu gelangen, durch den Krieg in der Westukraine unmöglich geworden, da ein Kriterium der EU für einen Beitritt eines Landes innerer Frieden ist und es ist nicht anzunehmen, dass sich Russland aus dem Gebiet wieder zurück ziehen wird. Damit, mit Sanktionen und der Gasversorgung hat Russland die Ukraine in ihrer Hand.




Anschließend führte uns Natalia noch zu einem ukrainischen Restaurant auf dem Majdan, dass nur mit dem Codewort: Boritysja poboryte, zu betreten war, was heißt: Kämpfen sie, so werden sie siegen.
Das Essen war hervorragend und für uns sehr günstig.
Danach folgte wieder die staugeschwängerte Rückfahrt zu unserem Stellplatz.
Am nächsten Tag standen wieder 440 km bis nach Odessa auf dem Programm. Auf teilweisen schlechten Strassen, ich bin bestimmt 90% der Strecke auf der linken Spur gefahren, da die rechte voller Spurrillen Schlaglöcher und Bodenwellen war. Leider sahen wir auf der Strecke 2 schreckliche LKW Unfälle.
Nach den für uns gewohnten Schwierigkeiten auf den letzten Metern den Stellplatz zu finden, kamen wir nach 7,5 Stunden dann doch gut in Odessa an. 100 km vor Odessa verschwand dann auch der Schnee und die Temperatur erreichte erstmals Plusgrade.
Abends wartete dann noch ein Höhepunkt auf uns. Wir hatten uns Balletkarten für die Oper besorgen lassen. Mit uns taten dies noch 5 Pärchen gleich und so ging es mit einem kleinen Bus um 17 Uhr zur Oper. Um die Zeit ist man zu Fuß fast schneller als mit dem Auto und so brauchten wir fast 1 Stunde für vielleicht 10 km.
Die Oper ist in allen Belangen der Hammer. Architektonisch einfach ein Genuß. Wir bekamen die besten Karte und bezahlten dafür 20€/Person. Nach einem Glas Sekt und einem kleinen Kaviarsnack ging es zu unseren Plätzen. Auch innen kriegt man den Mund nicht mehr zu vor Staunen ob der Gestaltung.
Wir sahen die Premiere des Balletts Masquerade von Aram Khachaturian. Ich war zuvor noch nie in einer Ballettaufführung und muß sagen, in dieser Location, dem sagenhaften Bühnenbild, den schönen Kostümen und nicht zuletzt den überragenden Tänzern, kann man eine solche Portion Hochkultur durchaus genießen. Das Orchester bestand bestimmt aus 60 Musikern, das Ballettensemble zählte bestimmt 80 Tänzer, unglaublich, was für den für unsere Verhältnisse geringen Eintritt geboten wurde. Mit Bravorufen und Standing Ovations wurden die Darsteller dann auch gefeiert.




Am nächsten Tag stand die Stadtbesichtigung Odessas auf dem Programm. Bei Eiseskälte und grauen Novemberhimmel starteten wir mit dem Bus. Wieder eine sehr gut ausgebildete Natalia erzählte uns die Historie Odessas von den Anfängen bis heute. Auch diese Geschichte ist von vielen Völkern und Religionen geprägt. Bei einem Spaziergang sahen wir das Wahrzeichen von Odessa, die Potemkische Treppe, die Denkmäler von Katarina II., die Gründerin der Stadt und Herzog von Richelieu, dem Statthalter von Odessa, das Rathaus und gelangten auf der Flaniermeile Deribasovakaya zur Passage, einer überdachten Einkaufspassage mit schöner Architektur. Danach folgte die Besichtigung der Oper, die wir ja bereits am Vorabend gesehen hatten. Es folgte der Besuch der Kathedrale, wieder ein Bauwerk das mehr als beeindruckend ist.
















Nach einem leckeren Mittagessen besuchten wir die Katakomben von Odessa. Wir erfuhren, dass dies die mit Abstand größten Katakomben der Welt sind mit mehr als 2000 km Gesamtlänge (dies ist kein Tippfehler). Unter dem gesamten Stadtgebiet Odessas und den anliegenden Dörfer befindet sich das teilweise dreistöckigem Tunnelsystem. Es entstand durch die Stollen des Abbaus von Muschelsandstein als billiges Baumaterial. Auch natürliche Karsthöhlen sind in diesem System zu finden.
Über Jahrhunderte wurden die Katakomben von Schmugglern genutzt, zuletzt operierten hier im Zweiten Weltkrieg während der Schlacht um Odessa einige Trupps Partisanen gegen rumänische, von den Deutschen unterstützten Besatzungstruppen. Bei der Besichtigung konnten wir einige unterirdische Einrichtung der Partisanen besichtigen.





Die nächste Grenze stand am nächsten Tag auf dem Programm. Es ging von der Ukraine nach Georgien über das Schwarze Meer. Klingt einfach, ist es aber nicht.
Um 14 Uhr trafen wir uns pünktlich an einer vereinbarten Tankstelle kurz vor der Hafeneinfahrt. Geplant war, dass wir spätestens 18 Uhr auf der Fähre sind und diese um 19 Uhr ablegt.
Ich kürze hier mal ab aber nach diversen Pass- und Wohnmobilkontrollen standen wir um 18 Uhr noch immer in der Kälte und warteten.
Dann wurden 2 lange Züge verladen und dabei passierte es: Ein Hafenmitarbeiter saß in seinem Wagen und guckte auf sein Handy. Dabei bemerkte er nicht, dass sein Auto langsam nach vorne rollte. Schließlich wurde es von dem einfahrenden Zug erfaßt und zerquescht. Der Fahrer konnte gerade noch durch die geborstene Windschutzscheibe aus dem Wagen springen. Benzin lief aus und wurde mit Löschschaum abgedeckt. Damit war die Katastrophe perfekt. Auto kaputt, Bahnwagons beschädigt, Gleisanlage auf der Fähre beschädigt. – mehr geht nicht.

Die Züge verließen nach Stunden wieder die Fähre und wir konnten um 23 Uhr einfahren. Da es abends ein Abendessen geben sollte, hatten wir alle nicht gegessen. Man versprach uns einen Snack, den wir dann auch in Form eines trockenen Croissants erhielten. Die Stimmung hielt gerade noch.
Die Fähre ist die in Deutschland ausgemusterte Greifswald. Sie ist riesig aber schon in die Tage gekommen. Das sieht man auch den Kabinen an.
In Stockbetten verbrachten wir dann die Nacht und um 7 Uhr morgens, legte die Greifswald dann endlich mit 12 stündiger Verspätung ab.
In der Nacht lernten wir dann auch unsere Kabinennachbarn kennen. Ukrainische LKW Fahrer, die erst um 3 Uhr auf die Fähre durften und sich dann latstark vor unserer Kabine unterhielten. Damit war es mit schlafen vorbei. In den nächsten 3 Stunden gaben sie sich die Kante und waren dann am Morgen volltrunken und aggressiv. Es gab Streit und wohl auch eine Schlägerei. Als dann plötzlich einer in unsere Kabine trat und uns mit Salemeilankum begrüßte, war klar hier bleiben wir nicht.
Wir unterrichteten Oleg und wir erhielten 1 von 2 Luxuskabinen. Hier konnte man sich wohl fühlen, 2 getrennte Betten, Couch mit Sesseln und alles doppelt so groß wie die alte Kabine. Der Schläger wurde übrigens vom Sicherheitschef verhaftet und in Handschellen abgeführt. Er spricht Deutsch und entschuldigte sich bei uns.
Das Frühstück war dann auch wieder eine Überraschung. Es gab einen Teebeutel und heißes Wasser.( keinen 2.), keinen Kaffee, einen Topf süßlichen Haferschleims, eine warme Fleischwurst und Rührei, dazu Brot und etwas, das dem türkischen Börek ähnelte.
Den Tag verbrachten wir in unserer Kabine und holten den verlorenen Schlaf nach.
Am nächsten Tag wurde das Wetter wärmer, so dass wir die Heizung im Wohnmobil ausstellen konnten, die wir auf Dauerbetrieb gestellt hatten, da wir befürchteten, dass die Wasserleitungen einfrieren würden. Der Tag verlief ereignislos.
Abends um 21 Uhr erreichten wir Batumi. Der Kapitän hatte auf der 1050 km langen Strecke 6 Stunden rausgeholt. Die eindrucksvolle Skyline von Batumi begrüßte uns, Batumi wird auch als die Mischung von Nizza und Las Vegas beschrieben. Die Passkontrolle, die Anbord stattfand war diesmal relativ schnell und freundlich. Oleg informierte uns, dass die ukrainische Grenze Richtung Georgien heute komplett geschlossen war, da Demonstranten gegen ein neues Verzollungsgesetz für halblegal eingeführte Autos protestierten und die Strassen blockierten.
Leider waren wir dann doch erst um 4 Uhr am Stellplatz, da die Ausfahrt von der Fähre sehr lange dauerte.





























































