3. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019

vom 19.11. bis 26.11.

Kiew-Odessa-Fähre Schwarzes Meer-Batumi

In den nächsten 2 Tagen lernten wir Kiew intensiv kennen. Am ersten Tag wurden wir wieder mit dem Bus abgeholt und lernten gleich den allmorgentlichen Stau kennen. Uns begleitete Natalia, eine sehr engagierte Stadtführerin und überzeugte Ukrainerin. Die Geschichte Kiews ist so wechselhaft, dass Details hier zu weit führen würden. Kiew hat 200 Kirchen, sowie 4 von 6 sogenannte Lawras, die wichtigsten Kirchen-und Klosteranlagen der Orthodoxen Kirche weltweit. Die wichtigsten standen auf unserem Besichtigungsprogramm: Die Sophienkathedrale, St. Michaelskloster und das Kiewer Höhlenkloster. Alle Bauwerke sind außen und innen sehr prachtvoll. Teilweise fanden Gottesdienste statt, so dass wir auch die Gesänge der Priester und Chöre hören konnten, mit ihren ausgebildeten Stimmen. Sehr eindrucksvoll das Ganze.

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der morgentliche Wahnsinn
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Kiewer Zirkus
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Kiewer Oper
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Ukrainisch Orthodoxe Kirche
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Sophienkathedrale

Das Höhlenkloster hat im 17. Jahrhundert den Ehrentitel Lawra verliehen bekommen und gilt als wichtigste Anlage der Orthodoxen Kirche. Die ersten Mönche ließen sich dort um 1000 als Einsiedler und Asketen nieder und bauten Höhlen, in die sie sich zum Teil einmauern ließen, mit einer kleinen Öffnung, durch die sie 1 Mal pro Woche Wasser und Brot gereicht bekamen. Wurde dieses nicht genommen, mauerte man die Höhle zu. Nach einigen Jahren öffnete man die Höhlen und fand die Mönche mumifiziert vor. Da sie nicht behandelt wurden, wie in Ägypten, wurden sie heilig gesprochen und sind heute Ziel der Pilger. Was für den Islam Mekka ist, ist für die Orthodoxen das Höhlenkloster. 1 Mal im Leben sollte jeder Orthodoxe dieses besucht haben.

Die „Besichtigung“ der mumifizierten Mönche war für uns etwas makaber.

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Goldene Tor
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Kiewer Höhlenkloster
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Kiewer Höhlenkloster
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Kiewer Höhlenkloster

Weiter ging es über die frühere Prachtstrasse Chereschtschatyk zum Majdan, dem Platz der Unabhängigkeit, den wir erst einmal ohne weitere Erklärungen auf eigene Faust besuchten.

Abends wurden wir wieder mit dem Bus zum Stellplatz gebracht.

Oleg bot danach noch einen Film an, eine Dokumentation über die Situation in der Westukraine, sehr interessant.

Am nächsten Tag trafen wir am Vormittag wieder Antalia, die uns diesmal die Revolution der Würde 2013 aus der Sicht einer betroffenen und aktiven Ukrainerin schilderte. Es war sehr ergreifend wie während ihrer Schilderungen der Ereignisse die Emotionen hochkamen, dass ihr teilweise die Stimme versagte und Tränen kamen. Das hat mich sehr berührt. Auch Oleg ergänzte seine Erfahrungen in der Zeit. Er war als Grenzbeamter an der Grenze zu Polen stationiert, 500 km von Kiew entfernt. Von seinem Vorgesetzten wurden medizienische Hilfslieferungen aufgehalten und konfiziert. Daraufhin stahlen die untergeordneten Zöllner nach und nach die Ladung und sammelten sie in einem Zollfahrzeug. Wenn das voll war, fuhr Oleg zum Dienstbeginn in 8 Stunden mit Blaulicht 500 km zum Majdan, lieferte die Hilfsgüter ab und wieder zurück um zum Dienstende vorort zu sein und nicht aufzufallen. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung muß grenzenlos gewesen sein und hat das Volk wohl sehr zusammen geschweißt.

Leider ist die Perspektive der Ukraine, irgendwann einmal in die EU zu gelangen, durch den Krieg in der Westukraine unmöglich geworden, da ein Kriterium der EU für einen Beitritt eines Landes innerer Frieden ist und es ist nicht anzunehmen, dass sich Russland aus dem Gebiet wieder zurück ziehen wird. Damit, mit Sanktionen und der Gasversorgung hat Russland die Ukraine in ihrer Hand.

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Majdan
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Unabhängigkeitsdenkmal
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Die Gründer Kiews
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Denkmäler der hier erschossenen Bürger der Proteste 2013

Anschließend führte uns Natalia noch zu einem ukrainischen Restaurant auf dem Majdan, dass nur mit dem Codewort: Boritysja poboryte, zu betreten war, was heißt: Kämpfen sie, so werden sie siegen.

Das Essen war hervorragend und für uns sehr günstig.

Danach folgte wieder die staugeschwängerte Rückfahrt zu unserem Stellplatz.

Am nächsten Tag standen wieder 440 km bis nach Odessa auf dem Programm. Auf teilweisen schlechten Strassen, ich bin bestimmt 90% der Strecke auf der linken Spur gefahren, da die rechte voller Spurrillen Schlaglöcher und Bodenwellen war. Leider sahen wir auf der Strecke 2 schreckliche LKW Unfälle.

Nach den für uns gewohnten Schwierigkeiten auf den letzten Metern den Stellplatz zu finden, kamen wir nach 7,5 Stunden dann doch gut in Odessa an. 100 km vor Odessa verschwand dann auch der Schnee und die Temperatur erreichte erstmals Plusgrade.

Abends wartete dann noch ein Höhepunkt auf uns. Wir hatten uns Balletkarten für die Oper besorgen lassen. Mit uns taten dies noch 5 Pärchen gleich und so ging es mit einem kleinen Bus um 17 Uhr zur Oper. Um die Zeit ist man zu Fuß fast schneller als mit dem Auto und so brauchten wir fast 1 Stunde für vielleicht 10 km.

Die Oper ist in allen Belangen der Hammer. Architektonisch einfach ein Genuß. Wir bekamen die besten Karte und bezahlten dafür 20€/Person. Nach einem Glas Sekt und einem kleinen Kaviarsnack ging es zu unseren Plätzen. Auch innen kriegt man den Mund nicht mehr zu vor Staunen ob der Gestaltung.

Wir sahen die Premiere des Balletts Masquerade von Aram Khachaturian. Ich war zuvor noch nie in einer Ballettaufführung und muß sagen, in dieser Location, dem sagenhaften Bühnenbild, den schönen Kostümen und nicht zuletzt den überragenden Tänzern, kann man eine solche Portion Hochkultur durchaus genießen. Das Orchester bestand bestimmt aus 60 Musikern, das Ballettensemble zählte bestimmt 80 Tänzer, unglaublich, was für den für unsere Verhältnisse geringen Eintritt geboten wurde. Mit Bravorufen und Standing Ovations wurden die Darsteller dann auch gefeiert.

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Oper
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Oper
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Oper
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Oper

Am nächsten Tag stand die Stadtbesichtigung Odessas auf dem Programm. Bei Eiseskälte und grauen Novemberhimmel starteten wir mit dem Bus. Wieder eine sehr gut ausgebildete Natalia erzählte uns die Historie Odessas von den Anfängen bis heute. Auch diese Geschichte ist von vielen Völkern und Religionen geprägt. Bei einem Spaziergang sahen wir das Wahrzeichen von Odessa, die Potemkische Treppe, die Denkmäler von Katarina II., die Gründerin der Stadt und Herzog von Richelieu, dem Statthalter von Odessa, das Rathaus und gelangten auf der Flaniermeile Deribasovakaya zur Passage, einer überdachten Einkaufspassage mit schöner Architektur. Danach folgte die Besichtigung der Oper, die wir ja bereits am Vorabend gesehen hatten. Es folgte der Besuch der Kathedrale, wieder ein Bauwerk das mehr als beeindruckend ist.

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Potemkische Treppe
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Katharina II.
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Herzog von Richelieu
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Rathaus
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Passage
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Passage
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Oper
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Oper
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Kathedrale
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Kathedrale
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Kathedrale
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Kathedrale
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Jugendstil Fassade

Nach einem leckeren Mittagessen besuchten wir die Katakomben von Odessa. Wir erfuhren, dass dies die mit Abstand größten Katakomben der Welt sind mit mehr als 2000 km Gesamtlänge (dies ist kein Tippfehler). Unter dem gesamten Stadtgebiet Odessas und den anliegenden Dörfer befindet sich das teilweise dreistöckigem Tunnelsystem. Es entstand durch die Stollen des Abbaus von Muschelsandstein als billiges Baumaterial. Auch natürliche Karsthöhlen sind in diesem System zu finden.

Über Jahrhunderte wurden die Katakomben von Schmugglern genutzt, zuletzt operierten hier im Zweiten Weltkrieg während der Schlacht um Odessa einige Trupps Partisanen gegen rumänische, von den Deutschen unterstützten Besatzungstruppen. Bei der Besichtigung konnten wir einige unterirdische Einrichtung der Partisanen besichtigen.

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Katakomben
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Katakomben
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Küche der Partisanen
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Schlafstätte der Partisanen
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Denkmal „Mutter Heimat“ in den Katakomben

Die nächste Grenze stand am nächsten Tag auf dem Programm. Es ging von der Ukraine nach Georgien über das Schwarze Meer. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Um 14 Uhr trafen wir uns pünktlich an einer vereinbarten Tankstelle kurz vor der Hafeneinfahrt. Geplant war, dass wir spätestens 18 Uhr auf der Fähre sind und diese um 19 Uhr ablegt.

Ich kürze hier mal ab aber nach diversen Pass- und Wohnmobilkontrollen standen wir um 18 Uhr noch immer in der Kälte und warteten.

Dann wurden 2 lange Züge verladen und dabei passierte es: Ein Hafenmitarbeiter saß in seinem Wagen und guckte auf sein Handy. Dabei bemerkte er nicht, dass sein Auto langsam nach vorne rollte. Schließlich wurde es von dem einfahrenden Zug erfaßt und zerquescht. Der Fahrer konnte gerade noch durch die geborstene Windschutzscheibe aus dem Wagen springen. Benzin lief aus und wurde mit Löschschaum abgedeckt. Damit war die Katastrophe perfekt. Auto kaputt, Bahnwagons beschädigt, Gleisanlage auf der Fähre beschädigt. – mehr geht nicht.

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Zugunglück

Die Züge verließen nach Stunden wieder die Fähre und wir konnten um 23 Uhr einfahren. Da es abends ein Abendessen geben sollte, hatten wir alle nicht gegessen. Man versprach uns einen Snack, den wir dann auch in Form eines trockenen Croissants erhielten. Die Stimmung hielt gerade noch.

Die Fähre ist die in Deutschland ausgemusterte Greifswald. Sie ist riesig aber schon in die Tage gekommen. Das sieht man auch den Kabinen an.

In Stockbetten verbrachten wir dann die Nacht und um 7 Uhr morgens, legte die Greifswald dann endlich mit 12 stündiger Verspätung ab.

In der Nacht lernten wir dann auch unsere Kabinennachbarn kennen. Ukrainische LKW Fahrer, die erst um 3 Uhr auf die Fähre durften und sich dann latstark vor unserer Kabine unterhielten. Damit war es mit schlafen vorbei. In den nächsten 3 Stunden gaben sie sich die Kante und waren dann am Morgen volltrunken und aggressiv. Es gab Streit und wohl auch eine Schlägerei. Als dann plötzlich einer in unsere Kabine trat und uns mit Salemeilankum begrüßte, war klar hier bleiben wir nicht.

Wir unterrichteten Oleg und wir erhielten 1 von 2 Luxuskabinen. Hier konnte man sich wohl fühlen, 2 getrennte Betten, Couch mit Sesseln und alles doppelt so groß wie die alte Kabine. Der Schläger wurde übrigens vom Sicherheitschef verhaftet und in Handschellen abgeführt. Er spricht Deutsch und entschuldigte sich bei uns.

Das Frühstück war dann auch wieder eine Überraschung. Es gab einen Teebeutel und heißes Wasser.( keinen 2.), keinen Kaffee, einen Topf süßlichen Haferschleims, eine warme Fleischwurst und Rührei, dazu Brot und etwas, das dem türkischen Börek ähnelte.

Den Tag verbrachten wir in unserer Kabine und holten den verlorenen Schlaf nach.

Am nächsten Tag wurde das Wetter wärmer, so dass wir die Heizung im Wohnmobil ausstellen konnten, die wir auf Dauerbetrieb gestellt hatten, da wir befürchteten, dass die Wasserleitungen einfrieren würden. Der Tag verlief ereignislos.

Abends um 21 Uhr erreichten wir Batumi. Der Kapitän hatte auf der 1050 km langen Strecke 6 Stunden rausgeholt. Die eindrucksvolle Skyline von Batumi begrüßte uns, Batumi wird auch als die Mischung von Nizza und Las Vegas beschrieben. Die Passkontrolle, die Anbord stattfand war diesmal relativ schnell und freundlich. Oleg informierte uns, dass die ukrainische Grenze Richtung Georgien heute komplett geschlossen war, da Demonstranten gegen ein neues Verzollungsgesetz für halblegal eingeführte Autos protestierten und die Strassen blockierten.

Leider waren wir dann doch erst um 4 Uhr am Stellplatz, da die Ausfahrt von der Fähre sehr lange dauerte.

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2. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019

unsere Route

15.11.2018 bis 18.11.2018

Krakau-Lemberg-Kiew

Morgens erhielt Ute eine WhatsUp von Christoph, mit der Einladung zu einem kleinen Umtrunk anläßlich seines 75. Geburtstages. Das ging ja wieder gut los. Pünktlich um 11 Uhr trafen sich alle und beglückwünschten das Geburtstagskind. Es gab Sekt, Wein und für die Alkoholfreien, Saft, dazu leckere Knabbereien. Alle waren gut drauf und freuten sich auf die gemeinsame Reise. Oleg, Alex und Ararat waren natürlich auch zugegegen und bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass bis Dubai Ararat, als Mechaniker, die Reisegruppe begleiten wird.

die Vorbereitung
das Geburtstagskind Christoph, Oleg, Ararat und Alex von links
man lernt sich kennen

Nach dem ersten ausgiebigen Kennenlernen wollte ich noch Wasser aufnehmen und fuhr mich sofort auf dem nassen Rasen fest. Sofort eilten Helfer herbei und schoben uns an, aber erst als Ute das Wohnmobil verließ, gelang es. Da mußte sich Ute die ersten Sprüche gefallen lassen, von wegen Überladung.

Nachmittags ging es in ein 2,5 km entferntes Restaurant zum Briefing, es war nämlich zwischenzeit richtig kalt geworden, so dass Openairbriefings nicht gewollt waren.

Wir erhielten jeder eine Tasche mit unserem jungfräulichen Iran Pass mit Iran Visa, das Roadbook, einen Satz Karten für alle Länder, die wir befahren, Klemmbrett, Block, Textmarker, Kuli, ukrainische Sim Karte, und ukrainisches Bargeld. Dann begann die 2,5 stündige Druckbetankung mit Informationen für die Reise. Oleg merkte am Beginn an, dass er etwas zu Knabbern bestellt hätte und wir nach dem Briefing im Restaurant Essen könnten.

Während des Briefings tischten die netten Bedienungen Schinken- und Wurstteller, frische Salate, Gemüsesalate, Brot und Käseplatten auf. Oleg beäugte das Ganze etwas skeptisch, als sie dann auch noch frische Piroggen brachten, schüttelte er nur den Kopf und sagte: ich habe doch nur Knabberzeug bestellt. Letztendlich war das ein leckeres Abendessen und keiner brauchte danach noch mehr.

Es wurde kälter. Um 7:30 starteten wir Richtung Ukraine. Insgesamt lagen nun 350 km vor uns, allerdings auch die erste gemeinsame Grenzüberschreitung. Infos zum Prozedere hatten wir ausführlich gestern erhalten.

Nachdem wir Diesel und Gas getankt hatten fuhren wir auf einer sehr guten Autobahn Richtung Grenze. Geplant war ein gemeinsames Treffen um 12 Uhr auf dem letzten Parkplatz vor der Grenze, um dann gemeinsam in die Ukraine einzureisen. Pünktlich waren alle da und in einem eindrucksvollen Konvoi ging es auf die letzten 6 km bis zur Grenze.

die Copilotin berechnet die Route

Eine rote Ampel schnitt uns auf dem Grenzgebiet von unserem Vordermann ab, und so sah ich nicht, wie die Gruppe weiter fuhr. Als ich nach 15 Minuten wieder grün bekam, wählte ich die Spur „all passports“. Nach 200 m sah ich, dass die Gruppe auf dem Streifen neben mir wartete. Leider konnte ich nicht wechseln, da Betonklötze die Spuren sicherten. Also 200 m rückwärts in der engen Spur, bis ich wechseln konnte. Hätte ich das bloß nicht gemacht.

Die ganze Gruppe wartete dann 2 Stunden. Als wir fast vorne waren, kam ein Zöllner und beorderte die letzten 5 Fahrzeuge wieder zurück, auf die Nebenspur, da wir alle auf der priority lane der Diplomaten gestanden hatten. Komischerweise merkten die das erst, als bereits 11 Mobile abgefertigt waren. Das Wechseln auf die Nebenspur bedeutete wieder hinten anstellen. (auf meiner „falschen“ Spur wäre ich warscheinlich schon durch gewesen.)

Wieder hieß es 1 Stunde warten, um aus Polen auszureisen. Dann fuhren wir 100 m und standen wieder 2 Stunden, um in die Ukraine einzureisen. Mittlerweile war es dunkel und das Thermometer zeigte 0 Grad.

Übrigens war dies der einfachste Grenzübertritt der Reise. Das kann ja heiter werden.

Dann mußten wir noch 75 km auf unbeleuchteter Landstrasse nach Lemberg fahren, wo wir einen Stellplatz auf einem ehemaligen Hotelgelände fanden. Extra für uns wurde das stillgelegte Hotel wieder aktiviert, so dass wir Strom bekamen und 2 Zimmer hergerichtet wurden zum Duschen.

Nach einem diesmal kurzen Briefing (Oleg stammt aus Lemberg und übernachtet heute bei seiner Frau) und einem Begrüßungswodka, ließen wir den spannenden Tag im Womo ausklingen.

Der erste Frost kündigte am nächsten Tag den Winter an, dem wir eigentlich entfliehen wollen, der uns aber noch 3 Wochen begleiten wird.

Von Lemberg hatte ich bis jetzt noch nie etwas gehört und war beeindruckt, welche wechselhafte Geschichte die Stadt hat. Die Altstadt gehört zum Unsesco Weltkulturerbe. Lemberg ist das kulturelle Zentrum der Ukraine mit 100 Kirchen. Auch andere Religionen sind vorhanden, wobei leider die seinerzeit große jüdische Gemeide mit 100000 Mitgliedern fast vollständig von den Nazis ausgerottet wurde. Als Universitätsstadt bildet Lemberg 30000 Studenten aus, die 20% der Bevölkerung ausmachen.

Man merkt, dass die Ukraine durch die Repressalien der Russen in den letzten 5 Jahren wirtschaftlich sehr gelitten hat. So hat die Ukrainische Währung gegenüber dem Euro 2/3 an Wert verloren. Mit Sorge wird der Konflikt in der Ostukraine beobachtet, der nach wir vor Opfer fordert. Wir sind weit davon entfernt, da die Ukraine eine Nord/Südausdehnung von 1800 km und eine West/Ostausdehnung von 1300 km hat. Wir sind über 1000 km vom Konflikt entfernt unterwegs.

Um 9 Uhr startete unsere gemeinsame Erkundung Lembergs. Mit einem Bus und einem lokalen Stadtführer besuchten wir zuerst die etwas außerhalb gelegene Kirche des heiligen Georg, die wir auch kurz besichtigten.

Kirche des heiligen Georg
Kirche des heiligen Georg

Dann fuhren wir in die Altstadt, besichtigten die armenische Kathedrale und die St. Peter und Paul Kirche. Die wurde zu Sowjetzeiten als Lagerplatz von 2 Mio. Bücher genutzt. Nach der Unabhängigkeit wurde sie wieder geweiht. Beeindruckend waren die gezeigten Fotos der Opfer des Krieges in der Ostukraine.

Danach folgte eine Pause, die wir in einem netten Lokal verbrachten, wo es frische Strudel gab. Der Lachs-Spinat-Käsestrudel schmeckte ebenso gut wie der Mohn- oder Kirschstrudel.

Armenische Kathedrale
komische Jesusdarstellung auf einem Mausoleum
Strudelrestaurant
Rathaus
Altstadt

Gestärkt ging es anschließend weiter mit einem Stadtrundgang, wo wir die unterschiedlichen Viertel der Armenier, Juden und orthodoxen Katholiken durchstreiften. Wir erfuhren, das Jan Józef Ignacy Łukasiewicz die Petroleumlampe erfand, besuchten eine fast 300 Jahre alte Apotheke, und lernten Leopold von Sacher Masoch kennen, ein Literat, der Mitte des 18. Jahrhunderts sich immer mehr mit den leichten Mädchen beschäftigte und schlußedlich der Begründer des Masochismus war.

jüdisches Viertel
Leopold von Sacher Masoch
Jan Józef Ignacy Łukasiewicz
Die erste Pretoleumlampe

Damit endete die sehr interessante Stadtführung und nach einem letzten Stop bei einem Supermarkt ging es zurück zu unseren Wohnmobilen.

Es hieß kurz verschnaufen, denn um 18:30Uhr wurden wir wieder abgeholt zum ersten Seabridge Essen. Ein Holzhaus war für und vorbereitet worden mit Kaminfeuer. Der Tisch war voll mit Speisen und nach einigen Trinksprüchen begannen wir zu essen. Nachdem alle fast satt waren, erfuhren wir, dass dies die kalte Vorspeise war, dem Ukrainer nichts peinlicher ist, als zuwenig aufzutischen und dass noch eine warme Vorspeise, ein Hauptgang mit Fleisch und eine Nachspeise folgen würden. Schweres Atmen war allenthalben zu vernehmen, denn jetzt folgten warme Teigtaschen mit unterschiedlichen Füllungen.

kalte Vorspeise

Dann folgte der erste folkloristische Teil. Vier Frauen spielten die Bandura, ein ukrainisches Saiteninstrument, das ähnlich klingt wie eine Harfe. Dazu sangen sie noch sensationell. Begleitet wurden sie von einem Geiger. Alle 5 lehren an der Musikhochschule, was man merkte, denn die Qualität der Darbietungen war exellent.

Bandura Ensemble
Bandura Ensemble

Es folgte der Hauptgang und zum Schluß noch eine Torte mit Wohnmobil und Seabridge Logo.

Hauptgang
Nachspeise

Zwischen den Gängen hörten wir dann immer die ukrainische Gruppe mit Folksliedern aber auch klassische Open- oder Musical Stücke. Natürlich wurde weiter Wodka ausgeschenkt und wir lernten ukrainische Trinksprüche. Der beste deutsche Trinkspruch den Oleg drauf hatte lautete: Nüchtern bin ich schüchtern, voll bin ich toll.

Oleg in Höchstform

Der Abend war rundherum gelungen und ich frage mich nur, wie Oleg den noch toppen will.

Der erste Eindruck der Gruppe ist positiv. Mir ist noch keiner negativ aufgefallen, außer Ute….. Die ältesten Teilnehmer sind 75 Jahre, der Rest bewegt sich von Ende 60 bis in die Siebziger. Nur 2 Pärchen sind wahrscheinlich jünger als ich. Es fährt ein 14 t Expeditionsfahrzeug, 2 kleinere Expeditionsfahrzeuge, 2 große MAN Phoenix, ein großer Niesmann und Bischoff, 2 Carthago mit, der Rest befindet sich in unserer Liga.

Der nächste Tag war Fahrtag. 540 km lagen vor uns und damit die längste Etappe der gesamten Reise. Morgens um 8 Uhr starteten wir, und ich war mir sicher, dass nach dem Gelage gestern, wir zu den ersten gehörten. Weit gefehlt, wir waren die Vorletzten. Die Strecke führte an Dutzenden alten Dörfern vorbei, deren Häuser noch im alten Stil erhalten sind. Die Strasse war bis auf 20 km hervorragend und da Sonntag war, hielt sich der Verkehr auch in Grenzen. Das Wetter war kalt aber sonnig und nach 7 Stunden erreichten wir unseren Stellplatz an einer Rennstrecke in Kiew auf dem Parkplatz eines Hotels. Strom, Wasser usw sind wieder für uns vorhanden, wie auch Duschmöglichkeiten im Hotel.

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1. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019

unsere Rundreise
unsere Anreiseroute

 

10.11.2018 bis 14.11.2018

Wetter-Dresden-Breslau-Krakau

Es ging los. Heute haben wir unser Abenteuer gestartet. Ich muß gestehen, dass doch eine gehörige Portion Respekt zu spüren ist, aber dafür ist es auch eine besondere Reise.

Unser erstes Ziel war Dresden. Nach 550 km erreichten wir ohne Schwierigkeiten den geplanten Stellplatz. Er lag fußläufig zur historischen Altstadt, die wir aber an diesem Tag nicht mehr besuchten, sondern uns gemütlich von der langen Anreise im Wohnmobil erholten.

Am nächsten Tag begann dann unsere Power Touri Tour. Erst einmal machten wir einen Orientierungsspaziergang durch die Altstadt, gefolgt von einer 90 minütigen Stadtrundfahrt, einem Stadtrundgang zur Frauenkirche, Besteigung des Turms der Frauenkirche, einem Stadtrundgang zum Zwinger und abends dann zum Abschluß einen weiteren Stadtrundgang zum Fürstenzug.

Fürstenzug

 

Stallhof

 

Frauenkirche

 

Zwinger

 

Dresden vom Turm der Frauenkirche

 

Dresden vom Turm der Frauenkirche

 

Zwinger

 

Zwinger

 

Wir waren kurz nach der Wende einmal in Dresden, da lag die Frauenkirche noch in Trümmern. Ich bin echt begeistert, wie sich Dresden seit dem entwickelt hat, was an Aufbau geleistet wurde und welche architektonischen und musealen Schätze die Stadt zu bieten hat. Wir haben schon beschlossen, Dresden nächstes Jahr noch einmal ausgiebig zu besuchen.

Ach ja, es war auch noch Karnevalsanfang 11.11. 11 Uhr 11

Am nächsten Tag war Breslau das Ziel. Die 270 km lange Fahrt war vom Feinsten, sowohl die Autobahn, der Verkehr sowie das Wetter, 18° C.

Leider machten wir schon am zweiten Tag wieder einmal die Erfahrung, dass der Fahrtag erst zu Ende ist, wenn dass Wohnmobil steht und nicht 1 m davor. Der laut Internet ganzjährig geöffnete Stellplatz war verschlossen.

Wir beschlossen, den Campingplatz am Olympiastadion anzusteuern, der lt. Internet aber ab November ebenfalls geschlossen sein sollte. Unsere Hoffnung war, auf den Parkplätzen dort eventuell frei zu übernachten. So kam es dann auch. In einer Nebenstrasse fanden wir ein ruhiges Plätzchen und machten erst einmal Mittag.

Dann brachen wir zur ersten Stadterkundung auf. Wir mußten mit der Strassenbahn 30 Minuten bis zur Altstadt fahren. Da wir keine Sloty hatten, war ich gespannt, wie das Bezahlen mit Kreditkarte in der Strassenbahn funktionieren würde. Wie viele andere Länder, sind uns auch die Polen mit der Digitalisierung weit voraus. Es gibt in der Bahn einen Automaten, der in mehreren Sprachen verständlich das Prozedere des Bezahlens mit der Karte erklärt. Letztendlich hält man nach Auswahl der Fahrkarte die Kreditkarte an den Automaten und bezahlt berührungslos. Es gibt weder Fahrschein noch Quittung. Der Automat speichert den Fahrschein und zeigt ihn an, wenn man die Kreditkarte wieder an den Sensor hält.

Breslau hat eine wunderschöne Altstadt mit dem weltberühmten Marktplatz, dem großen Ring.

Nach vollständiger Zerstörung im 2. Weltkrieg, hat man auch hier Großes geleistet, nämlich alles wieder mit den wunderschönen Fassaden aufgebaut. Es herrschte dort ein buntes Treiben mit Artisten und Musikern. Auffallend waren auch die vielen junge Leute, die wahrscheinlich dort studieren. Erwähnenswert sind noch die 600 gusseisernen Zwerge, die verteilt in der Altstadt zu erkunden sind.

Nach dem Mußbesuch des Hardrockcafes (das machen wir in jeder Stadt, die ein solches hat) fuhren wir am Abend wieder zurück zum Wohnmobil.

Nach einer sehr ruhigen Nacht und einem gemütlichen Frühstück, starteten wir bei Sonnenschein zur 2. Stadterkundung. Wir besuchten einige schöne Parkanlagen, die Dominsel mit den Dom und der Dombrücke mit den Tausenden angehängten Schlössern und die Sandinsel mit einem wunderschönen Promenadenweg entlang der Oder. In der Mensa der Universität aßen wir sehr günstig und sehr lecker zu Mittag. Ute windowshoppte dann noch eine Weile im Shoppingcenter Renoma, während ich mich mit einem Milchkaffee ausklingte.

Am späten Nachmittag begann es dann leicht zu regnen und wir beendeten die Erkundungstour und fuhren zurück zum Wohnmobil.

Rathaus

 

Großer Ring

 

Großer Ring

 

Großer Ring

 

1 von 600 Zwergen

 

1 von 600 Zwergen

 

3 von 600 Zwergen

 

Blumenarragements

 

Dombrücke

 

Dombrücke

 

Breslauer Dom

 

Nach einer diesmal etwas unruhigen Nacht, machten wir uns vormittags auf zu unserer letzten Etappe der Anreise nach Krakau. Die kostenpflichtigen Autobahn war ein Traum, sehr entspannend mit dem Tempomaten zu fahren. Nach 270 km erreichten wir den extra für uns geöffneten Campingplatz. 13 Wohnmobile waren bereits dort, es fehlt also nur noch eins. Die beiden Reisemobile von Seabridge waren ebenfalls vor Ort und wir lernten Alex kennen, der uns als ein Reiseleiter wohl auf der gesamten Tour begleiten wird. Heute ist nichts mehr geplant, so dass ich versuchen werde, den ersten Blog zu veröffentlichen.

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