4. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

17.8. – 25.8.

Von Lümanda ging es, nach einer stürmischen Nacht, dann nordwärts, die Küstenlinie entlang zum ersten Etappenziel, den Klippen von Panga. Dort unternahmen wir eine kleine Wanderung, den Klippen entlang mit sehr schönen Aussichten.

Dann folgten, als nächste Station, die Mühlen von Angla. Dort sind 7 Bockwindmühlen zu besichtigen, die letzten der Insel. Früher soll es bis zu 800 Mühlen auf Saaremaa gegeben haben.

Hier fand ich auch mein neues Reisemobil, exklusiv lackiert.

Mein Neues

Wir verließen Saaremaa und erreichten mit der Fähre die dritte Insel, Hiumaa. Da es schon spät war, steuerten wir den kleinen Hafen Haldi Sadam an. Dort steht noch eine verlassenen Fischfabrik, die man gut als“ lost place“ bezeichnen kann. Wir übernachteten am neuen Hafen ganz alleine und sehr ruhig.

Der folgende Tag stand unter dem Motto: Leuchttürme besichtigen. Als erster folgte der Leuchtturm von Köpu, der bereits im 15. Jahrhundert errichtet wurde, mit sehr eindrucksvoller Bauweise und kilometerweit im Inland stehend.

Dann folgte Ristna Tuletorn, ein Turm ganz in rot und an der Küste stehend.

Schließlich landeten wir bei Tahkuna, ganz in weiß, ebenfalls wie der rote im 18. Jahrhundert errichtet. Dort befindet sich auch eine freistehende Glocke, die bei Wind selbstständig läutet. Dies ist das Denkmal an den Untergang der Estonia im Jahre 1994.

Weiter ging’s nach Kärdla, wo wir 2 5l Kanister mit Wasser aus dem dort befindlichen artesischen Brunnen füllten. 

Damit beendeten wir die Inselbesichtigung von Hiumaa, nahmen in Heltermann die Fähre nach Rohhküla auf dem Festland und fuhren zum Campingplatz nach Haapsalu.

Haapsalu hat ein beeindruckendes Eisenbahnmuseum und einen gut restaurierten Bahnhof. Außerdem gibt es dort eine alte Bischofsburg. 

Die nächsten 3 Nächte verbrachten wir in Tallin. Wir fanden einen Stellplatz direkt an der alten Stadtmauer, nicht gerade leise aber super gelegen. 

In Tallin fuhren wir wieder mit dem bewährten Hop On Hop Off Bus, um einen Überblick zu erlangen und Details zur Geschichte Tallins zu erfahren. Wir unternahmen mehrer Spaziergänge durch die gut erhaltene Altstadt mit Kathedrale und besuchten mit dem Bus das Segelolypiazentrum in Pireta.

Am Freitag feierte Tallin ihren Unabhängigkeitstag. Nachmittags konnten wir von außen ein Konzert mitverfolgen, und abends gab es eine feierliche Kranzniederlegung am Kreuz der Freiheit.

Dann verließen wir Tallin und arbeiteten uns auf kleinen Straßen ostwärts an der Küste entlang von Loksa, Vinistu, Käsmu, Vösu, Vainupea bis zum sehr schönen Campingplatz Mereoja in Purtse. 

Abends wurde wieder einmal gegrillt und am nächsten Tag Wäsche gewaschen und abends ein am Strand liegendes, sehr schönes, estnisches Lokal besucht.

Unser nächstes Ziel war die Grenzstadt Narva. Vorher passierten wir noch Sillamäe, eine geheime Stadt, die es nach dem 2. Weltkrieg auf keiner Karte gab. Die estnische Bevölkerung wurde von den Russen vertrieben und konnte erst in den 90er Jahren zurückkehren. Darum sind die Russen in der Bevölkerung dominierend. In Narva wurde Uran angereichert für das sowjetische Atombombenprogramm. Noch heute sollen die Auswirkungen unsachgemäßer Behandlung der atomaren Abfälle vorhanden sein. In der Stadt muß in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch EU Gelder, viel gebaut, verändert und saniert worden sein. Wir fanden dort eine nagelneue Uferpromenade, begrünte Zonen und einige schon sehr schön renovierte Häuser vor.

Dann erreichten wir die geteilte Stadt die auf estnischer Seite Narva und auf russischer Seite Ivangorod heißt. Sehenswert war auf jeden Fall die ebenfalls geteilte Festung, Hermanni Linus in Estland, Festung Ivangorod in Russland. Außerdem besuchten wir das vom Lübecker Architekten Teufel erbauten Rathaus.

Unseren Übernachtungsplatz hatten wir dann vor dem Nonnenkloster von Kuremäe, das wir vorher besichtigten und dass uns sehr beeindruckte.

Der viertgrößte See Europas, der Peipsi See war unser nächstes Ziel. Er ist 40 km breit. In der Mitte läuft die Grenze zu Russland.

Auf der Strecke fuhren wir auf kleinen Straßen durch alte, von altgläubigen Russen bewohne Dörfer. 

In Kallaste gab es noch rote Klippen zu sehen.

Auf unserem malerischen Campingplatz in der Nähe waren wir die einzigen Gäste.

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3. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

6.8.-16.8.

Nach 3 Tagen Großstadt hatten wir wieder Verlangen nach Natur. Da bot sich der Gauja Nationalpark als größter und einer der meist besuchten Nationalparks Lettlands an. In Abänderung unserer geplanten Route entschieden wir uns zu diesem Abstecher ins Inland.

Zunächst galt es aber, aus Riga herauszukommen. Wir waren froh, als wir nach 40 Minuten wieder auf schwach befahrene Straßen gelangten und schließlich den Nationalpark erreichten. Den Namen verdankt der Nationalpark dem Fluß Gauja, der über 1000en von Jahren einen tiefen Einschnitt in den Sandstein geschliffen hat.

Unseren ersten Stop machten wir an der Gondelbahn, die über das Gaujastal von Sigulda nach Krimulda führt. Wir nutzten sie jedoch nicht, sondern machten uns auf den Weg zu den Gutmanas Höhlen. Weg ist eigentlich der falsche Begriff, es ging über 430 Stufen steil bergab. Dort findet man Sandsteinhöhlen mit alten und neuen Inschriften. Wir fanden Inschriften bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Oben konnte man noch die Überreste des Schlosses von Krimulda sehen.

Dann fuhren wir zur Burg von Turaida, die sich in einem großen parkähnlichen Garten befindet. Sehenswert war auch der Folk Song Hill, die alte Kirche und der Skulpturenpark von Indulis Ranka. Die auf unsere Augen verstörend wirkenden Skulpturen sollen das Leid und die Unterdrückung der Letten aus der Vergangenheit darstellen.

Unser Stellplatz in Sigulda an einem kleinen See war superschön.

Die nächste Wanderung auf dem Nature Trail in Ligatne, in einem Wildgehege mit Bären, Luchse und Elche hätten wir uns sparen können, da wir keine Tiere zu Gesicht bekommen hatten.

Dann ging es nach Cesis, dem Zentrum des Gauja Nationalparks. Dort unternahmen wir einen kleinen Stadtbummel mit Besuch der Ordensburg.

Nach einer ruhigen Nacht an der Gauja begannen wir den neuen Tag mit einer Wanderung auf dem Naturpark von Cirulisu. Dort findet man eine Quelle und weitere Höhlen im roten Sandstein. Nach 1000 m erreichten wir ein kleines Skigebiet mit Liften. Dort gerieten wir in ein Mountainbike Rennen, das wir uns einige Zeit ansahen.

Dann ging es weiter nach Kumrags. Nach 5 km Schotter erreichten wir wieder das Meer. Die Küste hat hier interessante Sandsteinformationen, und es liegen große Granitsteine am Strand als Überbleibsel der letzten Eiszeit.

Die letzte Station des Tages war Salacgriva mit der Fischbrücke über die Salaca. Dort werden Neunaugen gefanden, wenn sie aus dem Meer den Fluß hinauf ziehen zum Laichen

Jetzt verließen wir Lettland, denn nach 10 km passierten wir ohne Kontrolle die Grenze nach Estland. Es ging nach Pärnu. Dort blieben wir 2 Tage. Pärnu liegt an der Ostsee und der Mündung des gleichnamigen Flusses. Es ist ein sehr gepflegter Badeort, mit großen Parkanlagen, großzügigen Radwegen und einem breiten kilometerlangen Sandstrand.

In Pärnu machten wir auch unsere ersten Erfahrungen mit E-Scootern. Ute zeigte Interesse und schnell war die App heruntergeladen und die Registrierung erfolgt. Wir fanden dann 2 Roller und wollten nur zum Campingplatz, der etwa 3 km entfernt war. Die Technik war einfach und im Anfängermodus (Höchstgeschwindigkeit 15km/h) ging es dann zügig voran. Wir stellten die Roller vor unserm Campingplatz ab und erfuhren beim Abmelden, dass wir uns außerhalb der Servicezone befanden und uns eine Strafe drohte. Von der Servicezone war in den Instruktionen keine Rede gewesen, also fuhren wir Stück für Stück zurück und erfuhren immer das gleiche: außerhalb der Servicezone. Erst in der Innenstadt wurden wir die Scooter wieder los. Das hatte wieder einmal ganz toll geklappt. Wir durften dann die 2 km wieder zu Fuß zum Camping laufen und wurden noch mit einem Regenschauer belohnt.

Der nächste Tag drohte mit Regen, daher hatten wir ihn als Fahrtag geplant. Es ging auf einer sehr schönen Nebenstraße die Küste hinauf Richtung Virtsu. Unterwegs fuhren wir noch einen Stellplatz in Kulli an, den wir von unserer Reise 2014 kannten, und den wir in guter Erinnerung hatten. Er war noch schöner geworden. Sie hatten Stellflächen geschaffen und den Platz ganz toll möbliert.

In Virtsu startet die Fähre nach Muhu. Ohne große Wartezeit konnten wir auf die Fähre und erreichten bei schönem Sommerwetter Muhu. (Von wegen Regen)

Ich hatte in einer App einen Stellplatz zum Freistehen gefunden, in Lalli an einem winzigen Fischerhafen. Den fuhren wir an und nach einigem Rock and Roll erreichten wir ihn auch. Idyllischer geht es nicht. Kleine Fischerboote lagen dort, und wir parkten inmitten einer Schafsherde, die sich durch unsere Anwesenheit nicht gestört fühlte. Ich fragte noch einen zurückkehrenden Fischer, ob wir hier für einen Tag stehen dürften, wir durften. Dann kamen auch Peter und Angela und am späten Vormittag noch ein weiteres Mobil. Damit war der kleine Hafen besetzt. Abend war dann richtig Betrieb. Jeder Bootsbesitzer kam um 20 Uhr und fuhr entweder zum Fischen raus oder sah nur nach seinem Boot. Eine ältere Dame begrüßte uns mit „Guten Abend“ und fuhr dann fort: Ich weis nicht was soll es bedeuten…..

Ansonsten war die Nacht ruhig und am nächsten Tag erkundeten wir Muhu. Wir fanden einen riesigen alten Friedhof mit 190 Jahre alten Gräbern.

Wir besuchten die Klippen von Üügu, die sich als Malerwinkel von Muhu herausstellten, da dort mindestens 10 Malerinnen und Maler ihre Staffelei aufgestellt hatten und malten. Es war aber auch eine schöne Szenerie dort.

In der Hauptstadt Liva sollte es an einer Backstube frisches Brot geben. 3 Mal versuchten wir es, jedes Mal hieß es: noch 25 Minuten. Wir gaben auf, trafen später noch Peter, der für uns dann 1 Brot mitkaufte.

Wir fuhren dann noch etwas über die Insel, um schließlich in Koguva unseren verabredeten Übernachtungsplatz vor dem Museum zu erreichen. Das Freilichtmuseum kam uns bekannt vor, wir waren 2014 schon einmal dort.

In der Nacht machte Peter noch einige schöne Aufnahmen von unserem Stellplatz

Die zweite Insel Saaremaa erreichten wir am nächsten Tag über den Damm. Nach kurzer Fahrt gelangten wir zum Besichtigungsort des Tages, der Festung von Maasi. Die Festung stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehörte dem Deutschen Orden. 

Von oben sind die Ausgrabungen recht unscheinbar, geht man in den Keller sind die beleuchteten Räume jedoch eindrucksvoll.

Bei einer netten älteren Dame erstanden wir vor Ort noch 2 Bierkrüge aus Wacholderholz, von einem Künstler aus Saarema angefertigt.

Dann war wieder Bewegung angesagt. Wir gingen den Wanderweg vom Koigi Moorsee. Der war sehr interessant und abwechslungsreich angelegt, zunächst auf Torfboden durch den Wald, dann auf Holzplanken durch eine Heidelandschaft und schließlich über verrostete Sandbleche übers Moor.

Der touristischste Höhepunkt in Saaremaa ist der Meteoritenkrater von Kaali, wenn man den Einheimischen Glauben schenken darf. Vor etwa 10000 Jahren riss ein Meteorit ein im Durschmesser 120 m großen und 22 m tiefen Krater in den Boden. Mich hatte diese Sehenswürdigkeit schon vor 7 Jahren nicht sonderlich beeindruckt, aber sie lag auf dem Weg und Angela und Peter kannten sie noch nicht. 

Meteoritenkrater von Kaali

Unser Tagesziel Kuressaare erreichten wir am späten Vormittag. Der Ort bietet Wohnmobilfahrern sehr vorbildlich kostenlose Stellplätze mit Strom, V/E und bestem Ausblick. Dominiert wird Kuressaare durch die Burg, die früher Arensburg hieß und dem Deutschen Orden gehörte.

Man stand vor allem ruhig – bis es weiß um uns herum wurde. 16 große Wohnmobile aus Italien besetzten die noch offenen 7 Plätze. Sie fahren nur im Konvoi, waren alle Ü75 und liebten die Geselligkeit. In 24 Tagen durchs Baltikum hatten sie sich auf die Fahne geschrieben. Am nächsten Morgen waren sie aber um 8 Uhr schon wieder weg.

Der Tag stand zur freien Verfügung, ohne Programm. Ich nutzte die Zeit zu einer Radtour. Als ich zurück in den Ort kam, baute man gerade eine Bühne auf. Ich unterrichtete kurz meine Mitstreiter und so konnten wir estnische Folklore genießen. Mit dem Genuß war es so ein Ding, die Musik war lahm und nach 30 Minuten hatte ich genug Kultur konsumiert.

Es ging zurück zum Wohnmobil, wo ich duschen wollte. Ich hatte mich gerade von Kopf bis Fuß dick eingeseift, da gab die Wasserpumpe ihren Geist auf – der Klassiker, war nichts mit abduschen. Das ging nur, indem ich mir zwei 5l Mineralwasserkanister über den Kopf goß. Dann wurde die Pumpe getauscht und jetzt ist das Womo wieder voll funktionstüchtig.

Es wurde Sturm vorausgesagt, und den erlebten wir am Leuchtturm von Säare. Die Küstenlinie nordwärts ging es dann zu unserem Tagesziel, dem Gasthaus Lümanda Söögimaja, wo wir abends estnisch essen und abwettern wollen. 

 

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2. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

27.7. bis 5.8.2021

Fast eine Woche hatten wir auf der Kurischen Nehrung verbracht, jetzt ging es wieder aufs Festland. Mit der Fähre ging es ohne Wartezeit nach Klaipeda über Palange zum Pape Nationalpark. Leider verließen wir uns zu sehr auf unser Navi und gönnten uns 20 km extra übelste Schotterpiste bis zu den regulären 7 km Schotter bis Pape. Allerdings sahen wir dadurch ursprüngliche Dörfer und viele Storchennester mit Jungen.

Unseren geplanten Stellplatz in Pape gab es nicht mehr, also ging es zum Campingplatz, der sich als sehr schöne Alternative herausstellte. Es waren nur 25 m bis zum kilometerlangen Sandstrand. Mit Baden, Strandspaziergängen und kleinen Wanderungen verbrachten wir die nächsten 2 Tage.

Dann ging es weiter Richtung Norden. Zuerst besuchten wir eine WWF Station, die sich um die vor 25 Jahren rückgezüchteten Tarpanpferde und Heckrinder kümmert. Sie leben dort auf 200 ha völlig unbehelligt. Eine Rangerin führte uns zu den Tieren.

Unsere Vorräte füllten wir in Liepeja auf und blieben dort ein paar Stunden. Den ersten Regen unserer Reise wetterten wir mit Kaffee und Kuchen ab.

Schließlich erreichten wir Labrags und fanden wieder einen Campingplatz mit wunderschönen Stellplätzen an der Steilküste.

Das Wetter änderte sich, es wurde stürmisch und regnerisch, und wir beschlossen, den nächsten Tag Urlaubszeit im Wohnmobil zu verbringen.

Dann ging es nach Ventspils. Unterwegs machten wir einen kurzen Stop beim „Memory of Sails“, ein Denkmal zum Gedenken an die ertrunkenen Letten, die zwischen 1943 und 1945 vor den Russen flüchteten und auf der Ostsee auch noch von den Deutschen angegriffen wurden.

Memory of Sails

Ventspils ist eine gepflegte Hafenstadt mit einer schönen Hafenpromenade.

Dort stehen auch einige übriggebliebene Exponate der Aktion „Cow Parade“ aus 2012.

Abends fanden wir noch ein kleines Restaurant, wo wir gut essen konnten. 

Das war es aber für den Tag noch nicht. Die Konzerthalle von Ventspils hatte Jubiläum und darum spendierten die Stadtväter abends um 23 Uhr eine spektakuläre Laser- und Musikshow. Sie dauerte 15 Minuten und wurde bis 1 Uhr nachts wiederholt.

Für den nächsten Tag hatten wir uns einiges vorgenommen. Zunächst sollte es zur Steilküste gehen, dann zum Busnieki See, wo wir wandern wollten, dann zu einer von den Russen aufgegebenen Radarstation, und schließlich zum Stellplatz im Nationalpark Sliterne.

Motiviert starteten wir und wurden durch 2 gesperrte Straßen in unserem Tatendrang sehr schnell gestoppt. Die Umleitungen führten uns so weit von unserem ersten Ziel, dass wir darauf verzichteten.

Also auf zum See. 

Kurz vor Erreichen des Parkplatzes war die Strasse durch Polizei komplett gesperrt. Man erklärte uns, dass ein Radrennen stattfände. Die Polizist war sehr nett und versuchte für uns eine Parkplatz zu finden, da der See fußläufig zu erreichen gewesen wäre. Er fand auch einen, wurde jedoch von seiner resoluten Chefin zurückgepfiffen. Also: heute kein See und keine Wanderung. 

Ich bog rechts ab und bemerkte nach einigen 100 m, daß alle paar 100 m  auf der Mitte der Fahrbahn Pylonen aufgestellt waren. Mir schwante nichts Gutes. Wir befanden uns tatsächlich auf der für das Radrennen abgesperrten Rennstrecke. Jeden Augenblick erwartete ich das Fahrerfeld und das dann folgende Theater. Wenden konnte ich auch nicht mehr. Nach angespannten 10 km stießen wir wieder auf eine Polizeisperre. Man öffnete uns bereitwillig das Gitter zur Ausfahrt und statt des erwarteten Donnerwetters begrüßte uns wieder der freundliche Polizist von der ersten Sperre und fragte, ob bei uns alles in Ordnung sei. Ich weiss bis jetzt nicht, wie er vor uns, ohne uns zu überholen, dort sein konnte. Zwillingsbruder? 

Zur Belohnung dieser Aufregungen erhielten wir dann noch einmal 6,5 km übelste Wellblechpiste bis zur Radioteleskopstation von Irben. Dort erfuhren wir, dass ein Besuch 3 Tage vorher beantragt werden muß. Damit war auch unser letzter Programmpunkt obsolet.

Bevor wir unseren Übernachtungsort erreichten, machten wir vorher noch einmal Halt und begingen den Wanderpfad zum Peter See. Das war ein wunderschöner Weg durch den Nationalpark Sliterne.

Wir erreichten unseren Stellplatz im Nationalpark und konnten dort auch noch einmal einen schön angelegten Holzbohlenpfad durch das Moor begehen, bis zu der Stelle, wo ein riesiger Baum den Weg versperrte und wir wieder umdrehen mußten.

Abends waren wir dann alleine auf dem Parkplatz und ließen den Tag bei einem gemütlichen Bierchen ausklingen.

Unsere nächste geplante Etappe, stolze 40 km lang, hatte Kap Kolka als Ziel.

Vorher steuerten wir jedoch noch die Hörnersammlung des Edgars Hausmanis an. Wir wurden von seinem Sohn freundlich, sowie von seinem Hund unfreundlich empfangen. Edgar Hausmanis war in 2. Generation Förster im Nationalpark und sammelte zeitlebens alle Hörner und Geweihe, die er im Wald fand, an die 600 soll die Sammlung umfassen, die sehr liebevoll im Wohnhaus präsentiert wird. Er war vor 4 Jahren mit 92 verstorben und sein Sohn, der Deutsch sprach, erklärte uns alles. Obwohl wir ihm 10 € für die Führung geben wollten, lehnte er bescheiden ab und behielt nur 5 €.

Dann hatten wir nur noch 10 km bis zu unserem Übernachtungsplatz auf dem Parkplatz am Kap Kolka. Tagsüber herrschte reges Treiben, aber zum Abend hin wurde es sehr ruhig. Wir unternahmen noch einige kleine Wanderungen am Strand und ließen uns eine leckere Soljanka schmecken.  

Weiter ging es am nächsten Tag zum Engures See. Dort befindet sich ein großes Sumpfgebiet, gut geeignet zur Vogelbeobachtung. Desweiteren lebt dort auch eine Herde Tarpanpferde und Heckrinder. Leider waren weder Pferde noch Rinder in Sichtweite. Trotzdem sind die kleinen Wanderungen in der Natur immer wieder schön.

Das zweite Ziel des Tages war der Moorpfad im Kemeri Nationalpark. Das war der bisher schönste Weg, den wir gegangen sind, weil die Moorlandschaft und der angelegte Bohlenweg einzigartig waren.

Da es nur noch 40 km bis Riga waren, entschlossen wir uns, dort zu übernachten und nicht, wie geplant im Nationalpark. Dort trafen wir wieder auf Angela und Peter, die geplant dort übernachteten.

Der Riga Stadtplatz, den wir von einer früheren Reise kannten, ist zwischenzeitlich halbiert worden. Wir trafen auf eine große Baustelle direkt neben dem verbliebenen Stellplatz, ergatterten jedoch noch einen Platz auf der Zeltwiese, der ruhiger war.

Den Beginn des nächsten Tages kann man unter die Überschrift: „Utes Erlebnisse im Waschsalon“ versehen.

Es war klar, wir wollten auf jeden Fall waschen. Dafür hatten wir am Vorabend alles vorbereitet um am nächsten Tag um 8 Uhr die ersten an der einzigen Waschmaschine zu sein.

Wir platzierten uns um 7:45 Uhr vor unser Wohnmobil, die Tür der Rezeption im Auge. Ute wurde als Wachposten eingeteilt, übersah jedoch die Öffnung der Tür und sprintete, nach meinem Hinweis, dorthin. Der Rezeptionist war leicht genervt, da er sofort durch Gäste in Beschlag genommen wurde. Ute begann dann an einer Maschine zu fummeln, bis von hinten der Hinweis kam, das sei der Trockner. Schließlich schaffte sie es, die daneben stehende Waschmaschine in Gang zu setzen.

Wir frühstückten vor dem Mobil und sahen nach einiger Zeit den Rezeptionisten quer über den Platz laufen. „Die Wäsche sei fertig“ bemerkte er pikiert. Auf Ute’s Uhr war es allerdings noch nicht soweit. Sie lief schnell zur Maschine, wo bereits ein Wohnmobilist auf die Maschine wartete. Sie füllte die Wäsche in den Trockner und betätigte den Startknopf – keine Funktion. Dann noch einmal – keine Funktion. Dann rief sie ihren „Rezeptionsfreund“ zur Hilfe, der einmal drückte und schon funktionierte es. Sie bezahlte dann bar die 7,50 € mit einem 20 € Schein. Er konnte nicht wechseln und sie kramte dann ausreichend Kleingeld zusammen. Als sie den 20 € Schein wieder einstecken wollte, fiel er, physikalisch eigentlich unmöglich, senkrecht in eine millimeterbreite Ritze am Tresen – und verschwand. Mit viel Mühe, unter dem Tresen verschwindend, versuchte der Rezeptionist an den Schein zu gelangen, was ihm nach einiger Zeit gelang. „Da kann ich mich nicht mehr sehen lassen“ waren Utes Worte bei ihrer Rückkehr. Ich werde die Wäsche dann wohl abholen. (Ich habe ausdrücklich Utes Genehmigung für diesen Bericht).

Den Rest des Tages und den darauffolgenden verbrachten wir mit Sightseeing. Riga hat wirklich Einiges zu bieten und wird nicht umsonst als das „Paris des Nordens bezeichnet“. Hervorzuheben ist das Jugendstilviertel um die Elisabethstrasse.

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