Die nächsten Etappen führten uns durch Själland, über die Storebältbrücke nach Odense, dann südlich nach Faaborg, wo wir übernachteten. Vorher sicherten wir uns tel. noch die Fähre von Bojden nach Fynshaf auf der Halbinsel Als.
Faaborg
Am nächste Morgen waren wir pünklich am Fähranleger. Das erste was mir auffiel, war ein Trecker mit Wohnwagen, der auch die Fähre benutzen wollte. Ich ging zum Fahrer hin und unterhielt mich eine Zeitlang mit ihm. Er war Däne, der mit seinem Gespann in den letzen 10 Jahren 35000km in Europa zurückgelegt hatte. Vom Nordkap bis nach Moldavien war er bereits gereist, und das mit einer Höchstgeschwindigkeit von 5 Stundenkilometer. Leute gibt’s…..
5 km Höchstgeschwindigkeit. Der Weg ist das Ziel.Fähre Bojden – Fynshav
Die Überfahrt war problemlos und über Sonderborg erreichten wir wieder Deutschland. Wir steuerten Schleswig an, um auf dem über alles im Internet gelobten und mit Auszeichnungen überhäuften Stellplatz am Hafen zu nächtigen. Das war dann mal wieder die Superpleite. Der Platz war ausgebucht, aber selbst wenn wir noch einen Platz bekommen hätten, wären wir weiter gefahren. Alles furchtbar eng aufeinander, dazu fiel mir nur „Intensivhaltung“ ein.
Nach kurzer Recherche im Netz, fand ich einen Stellplatz auf einem ehemaligen Militärgelände. Wir standen direkt an der Schlei, und konnten mit dem Fahrrad in 10 Minuten die Innenstadt erreichen. Hat uns gut gefallen, Schleswig mit seiner sehr schönen Altstadt.
Weiter ging es Richtung Wacken, denn unser nächstes Abenteuer, der Besuch des Metal Festivals Wacken Open Air, mit unseren Bekannten, Anke und Jürgen, stand an.
In Agethorst, 3 km vom Festvalgelände entfernt, durften wir auf dem Grundstück der Tochter der beiden, das Womo hinstellen. Ihr Womo war bereits Vorort. Das Wiedersehen war wieder sehr herzlich .
Wacken war toll. An 3 Tagen besuchten wir das Festivalgelände und die Festmeile in Wacken. Wir besuchten folgende Konzerte: Fischer-Z, Judas Priest, Dirkschneider, Nightwish, Doro, Ghost, Otto und die Friesenjungs. Ich kann Euch beruhigen, die meisten Bands kannten wir vorher auch nicht aber wir hatten ja Anke und Jürgen an unserer Seite, mit langjähriger Wackenerfahrung, die aus den über 100 Bands, die dort gespielt haben, diese ausgewählt hatten und deren Musik uns größtenteils gefiel.
Die Konzerte finden auf 10 Bühnen statt. 210 Trucks transportieren allein das Bühnenequipment. Das Gelände ist 240 Hektar groß, das heißt, man muß gut zu Fuß sein.
Beeindruckend an Wacken ist der friedliche Charakter der Veranstaltung Obwohl man von vermeintlich Untoten aber mindestens von bös aussehenden, in scharz uniformierten, tätovierten Wesen umgeben ist, tun die gar nichts. Alle sind gut drauf, sicherlich dem Alkohol und der einen oder anderen Droge geschuldet. Ich habe keinerlei Aggression erlebt, und das ohne sichtbare Polizei. Es war ein tolles Erlebnis und auch noch mal an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Anke und Jürgen, das ihr so für Wacken geworben hattet, dass wir nicht darauf verzichten konnten.
WillkommensgrußEinlaßKontrollekleine BühneEndzeitsceneEndzeitsceneDas „Infield“ vor den großen BühnenDirkschneider Konzert„böse Jungs“Doro KonzertAussichtsplatformNachtkonzertNachtkonzert
Nach 3 Tagen Heavy Metal stand unsere letzte Station an, Peter und Angela in Lübeck zu besuchen.
Sie hatten viel von ihrer Ladakh Reise zu berichten. Wir besuchten das Duckstein Fest und am nächsten Tag Travemünde. War auch wieder ein sehr schönes Treffen.
Die Rückreise von Lübeck nach Wengern verlief erstaunlich gut, obwohl wir 140 km Landstraße einbinden mussten, da zwischenzeitlich die Autobahn gesperrt war.
Nun sind wir wieder zu Hause.
Danke für Eure aufmunternden emails oder Kommentare.
Die Nacht war kurz, und um 6 Uhr standen wir am Fährableger. Die Abfertigung war zügig und dann hieß es wieder 3 ½ Stunden entspannte Fährfahrt nach Oskarshamn. Danach ging es direkt nach Kalmar, wo wir den letzten Stellplatz in Schlossnähe beziehen konnten.
Kalmar war wieder eine nette, lebendige Stadt, in der wir den Rest des Tages verbrachten. Auf dem zentralen Platz, wurden wir Zeuge vom Soundcheck einer Abba Coverband, die, wie sich heraus stellte, abends ein kostenloses Konzert gab. Das besuchten wir und irgendwie passten die alten Abba Hits zu unserem Schwedenurlaub.
Kalmar SchloßAbba Cover Band KalmarSandskulptur KalmarSandskulptur Kalmar
Am nächsten Tag begann unser Besuch Ölands.
Auf Öland verbrachten wir 3 Tage, allerdings sind wir mit der Insel nie ganz warm geworden. Es gibt so gut wie keine Küstenstraßen, so dass man die recht großen Entfernungen im Inland zurücklegt. Die Vegetation ist entweder steppen ähnlich, bewaldet oder landwirtschaftlich genutzt, nicht langweilig aber auch nicht spektakulär. Außerdem eignet sich die Insel nicht für Freisteher wie wir, da es überall Verbotsschilder gibt. Als Attraktionen wurden Windmühlen, alte Steine, meist aus Gräbern stammend, und unzählige Badestellen empfohlen. Letztere erreicht man nur durch Stichstraßen. 3 Badestellen hatten wir dann aufgesucht, die aber nicht mal schön waren. Das Wasser roch unangenehm, wahrscheinlich durch dem heißen Wetter geschuldete, verstärkte Algenbildung.
Also ignorierten wir die anderen 200 Badeempfehlungen und fuhren die Insel von Süden nach Norden ab. Des weiteren gibt es noch die quer über den Süden der Insel errichtete Karl X Gustav mur, eine aus Steinen errichtete Mauer.
Auf der Westseite fanden wir dann doch noch eine schöne freie Übernachtungsmöglichkeit am Meer und auch eine schöne Straße, die eine Zeit lag am Wasser lang führte.
Karlevistinen, 1000 Jahre alter RunensteinGrabfeld von Gettlinge aus der Eisenzeit, Gräber in Schiffsform angeordnetÖlandÖlandDer lange Erik an der Nordspitze ÖlandsDer lange Jan am Südzipfel ÖlandsÖlandBurg von EketorpÖland
Eigentlich wollten wir danach die Insel verlassen, gerieten dann aber in einen Megastau. Es war Sonntag und die ersten 3 Wochen der Ferien waren vorüber. Das hatten wir nicht auf dem Schirm gehabt. Nachdem wir 1 Stunde gen Süden schlichen und es noch 35 km bis zur Festlandsbrücke waren, bogen wir rechts ab und entschlossen uns in Borgholm zu bleiben. Das war eine gute Entscheidung, denn Borgholm war ein quirliger Urlaubsort mit einem schönen Hafen und natürlich mit Anbindung an Solliden, dem Sommersitz des schwedischen Königshauses. Dahin führte dann auch ein kleiner Spaziergang. Den Eintritt von 12€ pro Nase schenkten wir uns dann und investierten das gesparte Geld teilweise in Eis und Kaffee.
Borgholm
Was wir aber positiv Öland betreffend in Erinnerung behalten werden, sind die schönsten Sonnenuntergänge, die wir bisher in Schweden gesehen haben.
Sonnenuntergang ÖlandHier ist der Beweis, ich habe einen HeiligenscheinSonnenuntergang Öland
Am nächsten Tag fuhren wir dann entspannt über die 6 km lange, beeindruckende Kalmarsundbrücke, und dann weiter südwärts nach Karlskrona. Es folgte ein Stadtbesuch und den Rest des Tages verbrachten wir am Wohnmobil, dass wir wieder frei am Hafen platzieren konnten.
Karlskrona
Wir beschlossen noch einen Tag zu bleiben und eine Fahrt durch die Schärengärten Karlskrona zu machen. Die Fahrt dauerte 3,5 Stunden und führte zu den Inseln Tjurkö, Säljö, Sanda, Senoren, Yttre Park, Ytteron, Inlängan und Stenshamn. Das Wetter war wieder, wie schon in den letzten Wochen, sehr schön.
Nach der Fahrt besuchte Ute noch das Marinemuseum. Ich hatte dazu keine Lust und fuhr zum Wohnmobil. „Ich hab noch eine Überraschung für Dich“, mit diesen Worten kam Ute nach ihrem Besuch zurück. Sie sagte aber nichts weiter. Nach dem Abendessen meinte Ute, wir müßten noch mal mit den Fahrrädern zum Hafen fahren. Das taten wir dann auch. Am Hafen befand sich der kostenpflichtige Stellplatz für Wohnmobile.
Als wir durch die Reihen fuhren, entdeckte ich plötzlich Elisabeth und Armin aus der Schweiz, die mit uns die Südafrikareise Anfang des Jahres gemacht hatten. Ute hatte sie auf ihrer Rückfahrt zum Wohnmobil zufällig entdeckt. Die Wiedersehensfreude war natürlich auf beiden Seiten groß und wir verbrachten dann einen sehr schönen Abend bei ihnen in Ihrem nagelneuen Wohnmobil. Sie kamen gerade vom Nordkap und wollten wieder nordwärts nach Stockholm und dann mit der Fähre nach Tallin, wo die nächste Seabridgetour „Die Schätze Russlands“ startet. Im nächsten Jahr haben sie schon die Seidenstrassentour gebucht und in 2020 geht es für sie auf dem Landweg nach Australien, wo sie dann noch 1 ½ Jahre verbringen möchten.
Die nächsten Tage führten uns über Kristianstad, Käseberga,Ystad, nach Koge.
Das südliche Schweden haben wir als nicht so eindrucksvoll erlebt, als Mittelschweden oder Lappland. Die Landschaft wird vorwiegend landwirtschaftlich genutzt und gilt als die Badewanne Schwedens, mit unzähligen Badebuchten. Einige alte Grabstätten hatten wir besucht, aber davon gibt es viele, und die Besuche des Wickingergrabes bei Käseberga und des Kungagravens in Kivik hatten dann auch unseren Hunger nach alten Steinen gedeckt.
Kivik, KungagravenKivik, Kungagraven, alte GrabplattenAles Stenar, Käseberga, größte Schiffsetzungsgrabstätte SchwedensAles Stenar, Käseberga, größte Schiffsetzungsgrabstätte SchwedensHafen Käseberga
In Koge bezogen wir ausnahmsweise mal einen Campingplatz, da „große Wäsche“anstand. Wir verlängerten dann noch einmal um 1 Tag, schauten uns Koga an und genossen mal einen Tag mit Nichtstun.
Nach dem Frühstück machten wir uns Richtung Nynäshamn auf, dem Fährhafen nach Gotland. Wir hatten keine Fähre vorgebucht, da wir nicht wußten, wann wir Gotland erreichen würden. Um 10 Uhr fuhr ich einen Rastplatz an, und Ute telefonierte mit dem Fährbüro. Wir erfuhren, dass für die nächsten Tage alle Fähren ausgebucht waren. Lediglich für die heutige Fähre um 12:50Uhr gäbe es vielleicht noch eine Möglichkeit, aber um 12:30Uhr würde das Gate geschlossen.Laut unserem Navi fehlten uns für die noch zu fahrenden 180 km 20 Minuten und wir mußten ja auch noch die Tickets kaufen. „Dann muß ich eben schnell fahren“ kommentierte ich und nahm die sportliche Herausforderung an. Fortan war die linke Spur meine, und langsam knabberte ich Minute auf Minute von den zu erreichenden 20 Minuten ab. Dann kam leider Stockholm mit Baustellen und einem Stau. Wie gewonnen so zerronnen, wir verloren wieder 6 Minuten. Ute sagte schon eine Weile gar nichts mehr. Als Beifahrer erlebt man enge Situationen viel schlimmer, als der Fahrer.
In Nynäshamn sahen wir schon von weitem die Fähre. Das Gate war noch auf, es war 12:25Uhr. Ute sprintete schnell aus dem Womo, lief an der Wagenschlange vorbei und fragte vorne beim check in, wo es Tickets gab. Hier erfuhr sie, dass es noch Tickets geben würde und wir uns einreihen müßten. Das taten wir dann. Im Außenspiegel sah Ute, wie hinten das Gate geschlossen wurde.
Nach dieser Punktlandung genossen wir die 31/2 stündige Überfahrt nach Visby.
Fährfahrt nach Gotland
In Visby bezogen wir den direkt am Hafen gelegenen Stellplatz und unternahmen noch einen kurzen Spaziergang in die quirlige Urlauberstadt.
Am nächsten Morgen führte uns unser erster Gang zum Fährterminal. Nach unserer gestrigen Erfahrung, mit ausgebuchten Fähren, hatten wir nicht vor, den ganzen Sommer auf Gotland zu verbringen. Wir erwischten noch einen freien Platz für die Donnerstagfähre. Damit hatten wir 5 Tage um Gotland zu erkunden.
Visby war total voll mit Touristen. Morgens legte auch noch ein Kreuzfahrtschiff an. Der Yachthafen war überfüllt, und die Megayachten lagen teilweise im Päckchen, um überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Ich beobachtete einen Russen, der seine 30 m Yacht mit einer Fernbedienung steuerte, an Land sprang und dann die letzten Manöver von Land aus steuerte, als wenn er ein Modellschiff navigierte.
Um 11 Uhr nahmen wir an einer sogenannten free tour teil, um mehr über Visby zu erfahren. Die Tour wurde von einem Schotten geleitet, Visby hat eine sehr interessante Geschichte, in der die Deutschen im Mittelalter eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Nach 11/2 Stunden war die Tour zu Ende und jeder gab dem Führer, was ihm die Tour wert war.
Visby PulverturmChristopher Polhem ( berühmter Gelehrter aus Visby)St. Maria Kirche Visby
Wir brachen dann auf und folgten der 140 bis hinter Frijöl, bogen dann ab zum Strand und fanden einen herrlichen Stellplatz bei Djukvik, direkt am Meer, vis a vis der Insel Lilla Karlsö. Unterwegs sahen wir noch in Gannarve die Gräber aus der Bronzezeit, die mit Steinen in Bootsform angeordnet waren.Was war das für ein Unterschied zu dem Gewusel morgens in Visby. 28 GradC, windstill, völlige Ruhe und einen perfekten Sonnenuntergang konnten wir jetzt genießen.
Grabstätte aus der BronzezeitLilla Karlsö abendsAbendstimmung in DjukvikLilla Karlslö morgens
Am nächsten Tag begannen wir mit einer kleinen Fahrradtour, traumhaft erst am Meer und dann durch das Hinterland zurück. Danach folgten wir wieder der 140 südwärts. Einige Male bogen wir ab in kleine Nebenstrassen. Gotland ist landschaftlich sehr schön. Wälder, Felder und kleine Orte wechseln sich stetig ab. Es ist hier im Süden auch nicht mehr so voll.
In Vändburg fanden wir wieder einen schönen Stellplatz am Meer. Da wir von einem schönen Stellplatz am Meer zu einem Premium Stellplatz am Meer wechseln wollten, setzte ich das Womo noch mal um. Leider übersah ich ein Loch hinter mir und das Womo setzte etwas unsanft auf. Der Schaden hält sich in Grenzen.Nur das Abwasserrohr aus Plastik war angebrochen.Konnte ich mit Klebeband wieder richten.
Abends wurde meine Vorhersage bestätigt, Frankreich wurde verdient Weltmeister.
Nach Norden führte uns am nächsten Morgen der Weg an der Ostküste entlang. Wir besuchten Harnva, Öja, Fide, När, Lingarn, Slite bis nach Sankt Olofsholm, wo wir übernachteten.
Die Ostküste hatte uns nicht besonders gefallen. Typische überlaufene Urlaubsort. Erst in Sankt Olofsholm fanden wir etwas Ruhe.
Dafür entschädigte uns der nächste Tag wieder. Inselhopping war angesagt. Das Ziel des heutigen Tages war die Insel Farö, die man mit einer kostenlosen Fähre erreichen kann. Wir befuhren alle befahrbaren Strassen, durch Naturschutzgebiete, einsame Strände, kleine Fischerdörfer und an die Steilküste, wo die bekannten Raukars zu sehen sind, bizarre Felsformationen, die Wind und Wetter geschaffen hatten.
Fährfahrt nach FaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFaröFarö
Abends hatten wir die Insel wieder verlassen. In Ar, gegenüber der Insel Falhohnen, fanden wir wieder ein nettes Plätzchen zum Übernachten. Vorher gab es allerdings noch einmal eine Schrecksekunde, als sich während der Fahrt, der Halter des Abwasserschiebers löste und auf der Strasse mitschliff. War kein schönes Geräusch. Mit Kabelbinder und Klebeband konnte ich den Halter am Abwasserrohr fixieren. Muß ich zuhause wieder an den Unterboden anschrauben.
Der nächste Tag führte uns gemütlich zurück nach Visby. In unmittelbare Nähe zur Altstadt fanden wir an einem Sportplatz eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit. Morgen geht die Fähre um 6:25 Uhr zurück aufs Festland nach Oskarshamn. Vorher haben wir uns einen netten Platz am Yachthafen gesucht und ausgiebig die Schönen und die Reichen beobachtet, die teilweise krampfhaft versuchten durch zur Schau gestellte Coolness aufzufallen. War sehr unterhaltsam.
Letzte Meldung von der Windschutzscheibe: sie hält – bis jetzt.
Den nächsten Tag hatten wir als Fahrtag geplant. Entgegen unserer ursprünglichen Planung, wollten wir an die Küste und uns dort in den nächsten Tagen nach Süden bewegen. Umea hieß unser Ziel. Wir steuerten nach 230 km einen zentralen Stellplatz an, den ich in 2 Apps gefunden hatte. Er sollte sich auf einem Parkplatz befinden, 300 m vom Zentrum entfernt. Es gab ihn nicht mehr. Wir beschlossen für ein paar Stunden dort zu bleiben, und so begab ich mich zum Parkscheinautomat. Alles in Schwedisch. Da mein Schwedisch nur aus Hej hej und hej do besteht, schaffte ich es, dass sich, nach dem Ausdruck von 2 ungültigen Parkscheinen, meine Kreditkarte nicht mehr aus dem Automaten ziehen ließ. Voll Adrenalin lief ich zum Wohnmobil um mein Handy zu holen und die Servicenummer anzurufen. Nach meiner Rückkehr blinkte die Anzeige aufgeregt und forderte, endlich die Kreditkarte zu entfernen (meine Interpretation). Schließlich konnte ich sie dann aus dem Automaten entfernen. Ohne gültigen Parkschein auf dem zentralsten Parkplatz der Stadt erwarteten wir schon Ärger, aber wir gingen das Risiko ein und beschlossen dort zu übernachten. Das Wetter war regnerisch und so planten wir der Stadtbummel für den nächsten Tag.
In der Nacht waren wir das einzige Fahrzeug auf dem Platz, aber keiner störte sich an unserer „illegalen“ Anwesendheit.
Umea hat uns sehr gut gefallen. Es ist eine quirlige Universitätsstadt, in der ich mir gutvorstellen könnte zu leben. Morgens wird die Stadt durch eine Vielzahl von städtischen Mitarbeitern gepflegt. Man findet dort keinen Abfall auf der Strasse. Die vielen, mit Liebe gestalteten Grünanlagen , sind in einem perfekten Zustand. Es wirkt alles sehr entspannt. Jeder Parkplatz ist mit einer 220 V Steckdose ausgerüstet. Alle Stadtfahrzeuge fahren elektrisch. Es gibt Fahrradschnellwege unabhängig vom Strassenverkehr.
Umea, Zeichen für die Kulturhauptstadt 2014 mit RigaUmea
Nach dem Frühstück gingen wir den sehr schön angelegten 10 km langen Stadtwanderweg an den 2 Flüssen Lillän und Umeälven entlang. Unterwegs fiel uns eine gerade im Bau befindliche Bühne auf. Ich fragte, wann ein Konzert geplant wäre und erfuhr, am Abend. Damit war die 2. Nacht auf dem Parkplatz gebongt, da wir uns das Konzert nicht entgehen lassen wollten.
Stadtwanderung in Umea, 3 meditieren schon zu lange
Nach einem ausgiebigen Stadtrundgang, folgte der Besuch des Gitarrenmuseums mit Führung. Wir erfuhren von dem sehr engagierten und sympatischen Führer, das wir die weltweit größte Sammlung von Fender und Gibson Gitarren besichtigen konnten, die die 2 Zwillingsbrüder Samuel und Michael Ähden, seit ihrem 15 Lebensjahr, beginnend ca. 1970, zusammengetragen hatten. Es gab interessante Geschichten zu den wertvollsten Exponaten, sowie zu den Umständen des Wechsels von der akustischen zur elektrischen Gitarre. Der Wert der mehr als 300 Exponate muß in die Millionen gehen, schließlich beinhaltet die Sammlung selbst den Prototyp der ersten Fender. Sehr interessant auch die Geschichte um den B-Bander. Nie gehört? Hatten wir auch nicht. Googelt mal.
Fender PrototypGitarrenmuseumGitarrenmuseum
Anschließend stärkten wir uns beim Inder.
Um 19 Uhr stand ich erwartungsvoll vor der Bühne zum „Umea Live 2018“ – mit 17 (wirklich wahr) anderen Interessierten. Es begann eine Band mit schönen schwedischen Liedern. Danach folgte eine andere schwedische Band mit einer völlig anderen Musikrichtung. Die Sängerin hatte eine aussergewöhnliche Stimme, mir gefiel auch diese Darbietung. Mittlerweile war auch Ute eingetroffen, die noch windowshoppen war. Es folgte ein Dj mit einem Britney Spears Verschnitt als Sängerin. Das war nicht mein Fall.
Mittlerweile war es 21 Uhr geworden, der Platz brechend voll und alles wartete auf den Hauptact, „Rolandz“. Ich hoffte auf was Rockiges aber was dann kam war übel. Rolandz ist eine landesweit sehr bekannte Tanzkapelle. 6 in Elvis Presley ähnlichen Glitzerkostümen gezwängte Ü40- bisÜ50 jährige, sangen zuckersüße schwedischen Schlager. Alle auf dem Platz, außer 2, konnten alle Texte und flippten aus. Bei mir machte sich leichter Brechreiz bemerkbar und ich überlegte, wie wir aus der Menge entkommen konnten. Da wir früh da waren, hatten wir natürlich die besten Plätze, vorne, mitten im Pulk. Zwischen 2 „Lieder“ zwängten wir uns dann energisch durch die Massen und entkamen so bleibenden Schäden.
Rolandz
Trotzdem war Umea schön und zu empfehlen.
Unser Ziel am nächsten Tag war Örnsköldsvik. Dort besuchten wir erst einmal das „Natur Kompaniet Fjäll Räven“ ein riesiges Outlet Center mit Fjäll Räven Artikeln. War aber auch nicht günstiger als bei uns. Ornsköldsvik scheint der Firmensitz von Fjäll Räven zu sein, denn es gibt noch eine riesige Fjäll Räven Arena als Veranstaltungsort.
Der Ort fällt gegenüber Umea ab. Er hat einige Sprungschanzen, ein architektonisch ungewöhnliches Wohnhaus, eine 0815 Einkaufsstrasse aber einen schönen Stellplatz am Gästehafen, auf dem wir dann übernachteten.
ÖrnsköldsvikÖrnsköldsvikÖrnsköldsvik
Wir bewegten uns dann Richtung Höga Kusten, ein Gebiet mit vielen Naturschutzreservaten. Wir wollten dort etwas Wandern.
In Docksta befindet sich der Skuleskogens Nationalpark. Wir fuhren zum Südeingang, stellten unser Womo ab, und begannen unsere 1. Wanderung zum Slättdalsberget. Der Weg war super anstrengend, wobei Weg das falsche Wort ist, man folgt Markierungen und muß über Stock und Stein klettern. Nach knapp 2 Stunden erreichten wir den Gipfel und hatten eine super Fernsicht auf das Meer, Seen und viele Inseln. Auf der anderen Seite wollten wir absteigen, aber nach ½ Stunde wurde das Gelände für uns zu gefährlich und wir entschieden, den selben Weg wieder zurück zu gehen. Danach fuhren wir mit dem Womo zum Infocenter des Parks, wo man kostenlos übernachten konnte.
Wanderung auf den SlättdalsbergetWanderung auf den SlättdalsbergetWanderung auf den SlättdalsbergetWanderung auf den SlättdalsbergetWanderung auf den SlättdalsbergetWanderung auf den Slättdalsberget
Am nächsten Morgen stand die „Besteigung“ des Skulenbergets an. Wieder mußten wir uns konzentrieren, die Markierungen nicht aus den Augen zu verlieren. Das Wetter war wieder vom Feinsten mit Fernsicht. An der Bergstation des dort befindlichen Sesselliftes, machten wir eine Pause und genossen die Postkartenaussicht. Diesmal schafften wir auch den Abstieg auf der anderen Seite des Berges.
Im Hintergrund der SkulenbergetWanderung auf den SkulenbergetWanderung auf den SkulenbergetWanderung auf den Skulenberget
Nach Aufnahme von frischem Wasser fuhren wir auf der Höge Kusten Strasse nach Nordrindra. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön aber wir mußten viel Schotter fahren. Weiter ging es über die Höga Kustenbro, einer der längsten Hängebrücken der Welt Richtung Hörnesand, wo wir den letzten Stellplatz am Hafen bezogen.
Den nächsten Tag begannen wir mit einer kurzen Stadtbesichtifung von Hörnesand. Der Ort gefiel uns nicht und so starteten wir Richtung Strömsbruk, um Monika noch einmal zu besuchen, da Strömsbruk auf unser er Route Richtung Süden lag.
Unterweg befuhren wir noch die Insel Alnön, die Badewanne der Sundsvaller. Dort gibt es sehr schöne Badebuchten und Ferien- bzw. Sommerhäuser. Dann hielten wir in Sundsvall, um uns die Stadt anzusehen.
Badestelle auf AlnönSundbrücke nach Sundsvall
Sundsvall ist sehr schön. Es hat viele wunderschöne Gebäude und wirkt großstädtisch mondän.
SundsvallSundsvallSundsvallSundsvallSundsvallDer Drache als Stadtmaskottchen SundsvallCasino in Sundsvall
In der Touristeninformation konnte ich eine Achterbahnfahrt durch die animierten Häuserschluchten von Manhatten mit einer VR Brille machen. Wenn ich nicht alle 10 Sekunden die Augen kurz geschlossen hätte, hätte ich mich wahscheinlich übergeben. Unwahrscheinlich, wie der Körper auf die genialen optischen Effekte reagiert. War wieder ein tolles Erlebnis.
Danach wollten wir eigentlich den Rest der Strecke auf der alten E4 fahren, aber unser Navi und die nicht optimale Karte führten dazu, dass wir nach einigen Verfahrern dann doch die neue E4 für die Reststrecke nutzten.
Monika freute sich sehr über den erneuten Besuch. Zwischenzeitlich hatte sie Besuch von ihrer Freundin Katarina bekommen, die ihren Urlaub bei ihr verbringen wird.
Wir verbrachten wieder einen kurzweiligen Abend bei ihr, bei wiederum sehr leckerem Essen.
Am nächsten Tag fuhr uns Monika über den Kustenvägen durch einige nette Orte und an einige von Schweden sehr gern genutzte Badestellen. Da diese sehr gut besucht waren, beschlossen wir, uns in der Pizzeria von Strömsbruk mit Essen zu versorgen und an eine versteckte Badestelle Picknick zu machen und zu baden. Hier waren wir dann auch ganz alleine und erlebten als Highlight, die ersten Schwimmversuche von Uma.
Picknick mit Uma
Abends wieder lecker gegessen: Frittata mit Gegrillten und Backkartoffeln.
Wir beschlossen noch einen Tag zu bleiben und spätnachmittags mit Katarina ein Kanu auszuleihen, um die nähere Umgebung vom Wasser aus zu erkunden und Biber zu besuchen, die am frühen Abend gesichtet werden können. Leider schlug das Wetter etwas um, es wurde windig und kühl. Da wir 3 alle unerfahrene Kanuten waren, verzichteten wir sicherhaltshalber auf dieses bestimmt schöne Outdoorerlebnis.
Abendstimmung bei Monika
Nach dem Frühstück hieß es wiede Abschied nehmen und wir setzten unsere Reise fort, südwärts nach Gävle. Hier fanden wir einen schönen Stellplatz am Yachthafen, nahe beim Stadtzentrum.
Wir begannen die Stadterkundung mit einer Stadtwanderung auf markierten Wegen und lernten so die nähere umgebung und das Stadtzentrum fussläufig kennen. Gvle ist wieder eine typische, gepflegte und entspannend wirkende Kleinstadt, wie wir sie schon öfters erlebt hatten.
Letzte Meldung von der Windschutzscheibe: Der Riss wächst – wir beobachten weiter.
Gävlealter Tanzboden in GävleStadtwanderung in Gävle
Noch einmal volltanken, dann begannen wir unsere Tour auf dem Vildmarksvägen. Da die Wetterprognose für die beiden nächsten Tage nicht optimal für diese schöne Tour war, beschlossen wir, eine kurze Etappe bis Gubhögen einzulegen und den Regen abzuwetter. Wir standen mit einigen anderen Wohnmobile frei an einem schönen See.
Abends bemerkte ich einen Sprung in unserer Frontscheibe. Auf der Strecke hatte uns ein entgegenkommender LKW einen Stein entgegen geschleudert. Es knallte sehr laut. Ich konnte aber vor Ort nichts erkennen und hoffte, der Stein hätte nur die Motorhaube getroffen. Dies war anscheinend nicht der Fall. Den Sprung hatten wir dann mit Klebeband überklebt, in der Hoffnung, dass er nicht weiter wächst. Dann um 21:30Uhr die Kravag Versicherung angerufen und sofort eine Schadennummer erhalten, mit dem Hinweis, dass wir am nächsten Tag per Telefon noch die Reparaturfreigaben erhalten würden..
Dies passierte auch. Um 8:30Uhr rief die Kravag an und gab uns die Freigabe. Wir werden den Schaden beobachten und versuchen, erst in Deutschland die Frontscheibe austauschen zu lassen.
Wir begannen bei trockenem Wetter mit der Anfahrt zum Hällingsäfallet. Dies ist ein hier bekannter Wasserfall, mit dem angeschlossenem größten Canyon Nordeuropas,.den wir vor 8 Jahren schon einmal besucht hatten. Leider mußten wir 45 km Piste mit Schlaglöchern fahren, was immer wieder mit einem besorgten Blick auf den Sprung in der Frontscheibe begleitet wurde. Wir glauben, er hat sich um ein paar Millimeter vergrößert. Am Wasserfall unternahmen wir eine kleine Wanderung, die uns nach den letzten bewegungsarmen Tagen sehr gut tat. Unterwegs entdeckten wir auf unserem Wanderweg immer wieder uns unbekannte Tierlosung. Ich googlete nach Bärenkot und stellte erleichtert fest, dass der anders aussieht. Wir befinden uns schließlich in der bärenreichsten Gegend weltweit.
HällingsäfalletHällingsäfallet
Über Gäddede wollten wir unseren heutigen Stellplatz auf einem Wanderparkplatz erreichen. 4 km vor unserem Ziel stand einsam und verlassen eine rote Ampel. Als gesetzestreuer Bürger hielt ich an. Hinter mir sammelten sich langsam weitere Autos und Wohnmobile. Als nach 15 Minuten nichts passierte, reichte es mir ich beschloß, die augenscheinlich defekte Ampel zu ignorieren und fuhr los. Mir folgte niemand. Nach 2,5 km auf der leeren Strasse, kam mir ein blinkendes Baufahrzeug entgegen, mit einigen Autos im Gefolge. Ich fuhr noch 1 km weiter und traf auf eine große Baustelle. Hier hielt ich und wartete das Baufahrzeug ab, dass im Gegenzug, die an der roten Ampel warteten Autos durch die Baustelle führte. Alles sehr kompliziert und umständlich.
„Noch 200 m“, sagte unser Navi, und ein Stellplatz mit Blick auf den Stor Bläsjon und den Bergen im Hintergrund.wartete auf uns – dachten wir. Dieser Platz diente als Baustellenlager mit Bergen von Kies und Sand und allen möglichen großen Maschinen um Strassen zu bauen. Einen Plan B hatten wir nicht, also fuhren wir weiter und hielten Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz, den wir dann doch in Smävattnen, mit Seeblick, fanden.
Stellplatz Smävattnen
Gestern war der bisher kälteste Tag mit 8 Grad C, nachts waren es nicht mehr als 4 Grad und bei 10 Grad C im Wohnmobil wachten wir auf. Das änderte sich dann schnell, bei stahlblauem Himmel kletterten die Temperaturen im Laufe des Tages auf 20 Grad.
Wir starteten mit einem Abstecher nach Ankarede. Dies ist ein uralter Versammlungsplatz der Sami. Sie trafen sich dort mit Siedlern und Abgesandten der Regierung. Heute besteht es aus Ferienhäuser und einer alten Kirche und wird vorwiegend während Midsommer genutzt. War nicht sehr doll.
Ankarede
Wir fuhren weiter nach Bjurälven. Dies ist ein Naturreservat und Schwedens größte Karstlandschaft. Dort unternahmen wir eine 4 stündige, anstrengende Wanderung durch die einzigartige Landschaft. Wir trafen während der gesamten Tour nur 6 weitere Wanderer. Angeregt unterhielten wir uns, um den Bären genügend Zeit zu geben, sich zurück zu ziehen. Dies hatte wohl auch geklappt, den wir sahen keine (Gott sei Dank).
Nach unserer Rückkehr beschlossen wir nicht weiter zu fahren, sondern in dieser schönen Landschaft zu übernachten. Vorher sahen wir den kommenden Weltmeister Frankreich, der Argentinien nach Hause schickte.
Am nächsten Tag stand mein persönliches Highlight auf dem Programm: Stekenjokk. Stekenjokk liegt auf einer Hocheben auf knapp 1000 m und ist nur an 2 Monaten im Jahr befahrbar. Es ist eine baumlose Fjäll Landschaft und entspricht optisch unserer Hochgebirgslandschaft auf 2500 m.
Wir fanden unseren „alten“ Übernachtungsplatz, den wir schon auf unserer ersten Schwedenreise nutzten. Das Wetter war mittlerweile bilderbuchmäßig, wolkenlos und warm. Wir begannen mit einer schönen Wanderung ins Fjäll. Den Rest des Tages genossen wir die Aussichten in die einzigartige Landschaft.
Den nächsten Tag begannen wir auf den Spuren der Geissens. „Ist der Heli schon da?“, fragte ich Ute, da wir heute einen Rundflug über das Fjäll planten. In Klimpfläll gabt es einen Helicopter Flugplatz mit 3 Helicoptern. Die Maschinen werden benötigt, um jetzt im Juli die Rentiere zusammen zu treiben. Die Jungtiere bekommen einen Markierungsschnitt ins Ohr und so wissen die Sami, zu welcher Familie jedes Tier gehört und es gibt das Angebot für Touristen, das Fjäll aus einer anderen Perspektive zu erleben.. Im Winter werden die Stromleitungen aus der Luft auf Schäden überprüft,
Da noch ein Einsatz anstand, mußten wir 40 Minuten warten. Dann ging es los. Wir hatten bestes Flugwetter, wolkenlos und windstill. Der Flug führte uns Richtung norwegische Grenze mit den hohen Bergen. Überall konnten wir kleine Seen entdecken, die noch vom Schmelzwasser stammten. Es war ein sehr schönes Erlebnis.
Heliflug über StekenjokkHeliflug über StekenjokkHeliflug über StekenjokkHeliflug über StekenjokkHeliflug über StekenjokkHeliflug über Stekenjokk
Ute hatte im Womo Reiseführer gelesen, dass das ansässige Hotel mittags sogenanntes dagens rätt anbot. Wir beschlossen, den Tag weiter edel zu gestalten und im Hotel zu essen. Es gab ein Salatbufee, Köttbullar als ganzen Braten mit Soße und kleinen Kartoffeln. Getränke waren inkludiert genauso wie Kaffee Obst und einige Süßigkeiten. Für schwedische Verhältnisse war der Preis von 9,50€ sehr günstig.
Nachdem wir uns gestärkt hatten steuerten wir Fatmomakke an, ein uraltes samisches Kirchendorf. Dort übernachteten wir auch. Fatmomakke ist ein uralter Versammlungsort der Samen. 1904 gründeten hier die Samen ihre Vereinigung, um besser gegenüber den Siedlern und den Herrschenden ihre Interessen durchzusetzen. Es ist bis heute bewohnt und besteht aus einer Kirche, einigen alten Häusern und sogenannten Koten, zeltähnliche Konstruktionen aus Holz.
FatmomakkeFatmomakkeFatmomakke
Bei weiterhin gutem Wetter starteten wir am nächsten Tag die letzte Etappe auf dem Vildmarksvägen nach Vilhelmina. Unterwegs besuchten wir Trappstegsforsen, dem nach dem Reiseführer schönsten Wasserfall Schwedens. Es ist weniger ein Wasserfall als eine Ansammlung von treppenartigen Stromschnellen, sehr schön anzusehen.
TrappstegsforsenTrappstegsforsen
Der geplante Campingplatz in Vilhelmina konnten wir nicht nutzen, da nur Capingcard Besitzer berechtigt waren diesen zu nutzen, wir eine solche Karte aber nicht besitzen. Dafür fanden wir mitten in Vilhelmina einen freien Übernachtungsplatz und sparten uns die 30€, die der Campingplatz kosten sollte. Nach den letzten Tagen in der reinen Natur war ein wenig Urbanität hier in Vilhelmina ganz angenehm.
In Roskilde übernachteten wir auf einem Campingplatz am Roskilde Fjord, landschaftlich sehr schön gelegen. Das Wetter war kühl aber trocken. Die Aussichten für die nächsten 2Wochen waren gemischt und wir beschlossen unsere Pläne am Wetter anzupassen.
In Roskilde besichtigten wir den Roskilde Dom, der zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Nach einem kurzen Bummel durch die nette Innentstadt fuhren wir nach Helsingör auf die Fähre nach Schweden. Die Überfahrt über den Oeresund nach Helsingborg dauerte 20 Minuten.
Roskilde DomRoskilde DomRoskilde DomRoskilde Dom
Dort bezogen wir einen sehr schönen, am Yachthafen gelegenen Stellplatz. Zur Innenstadt waren es zu Fuß nur 10 Minuten. Das Wetter war schön, 20 Grad C aber sehr windig.. Wir unternahmen einen ausgiebigen Stadtrundgang, den wir mit Kaffee und Schokolade in einem gemütlichen Cafe beendeten und zum Womo zurück kehrten.
HelsingborgRathaus HelsingborgKärnan in HelsingborgHelsingborg
Der Abend wurde uns „versüßt“ durch laute türkische Musik, sowie dem Röhren getunter Auspuffe an den Fahrzeugen pubertierender Neuführerscheinbesitzer. Irgendwann hatten alle genug und es kehrte Ruhe ein.
Wir beschlossen noch einen Tag in Küstennähe zu bleiben, da auf unserem Weg nach Norden bereits Regen angekündigt wurde. In Rää, 10 km von Helsingborg, fanden wir einen kostenlosen Stellplatz am Yachthafen. Dort verbrachten wir den Tag mit Relaxen und Spaziergehen.
Morgens hatten wir kühle 15 Grad C und es war bedeckt. Nach dem Frühstück ging es nach Norden nach Vastena am Vättern See. Auf der Fahrt wurde es immer kälter, 11 Grad C und es regnete.
In Vastena suchten wir, wie immer auf den letzten Metern , Schwierigkeiten, den Stellplatz zu finden, da die Beschilderung nicht eindeutig war. Schließlich fanden wir ihn direkt am Vättern See und dem imposanten Schloß. Draußen war es ungemütlich und nach einem kurzen Gang durch den Ort, sahen wir uns das interessante WM Spiel Kroatien gegen Argentinien an. Argentinien verlor und war ausgeschieden.
Vastena SchloßVastena Schloß
Auf der Suche nach dem schwedischen Sommer ging es am nächsten Tag weiter nach Rättvik am Siljan See. Kurz vor Rättvik versuchten wir Monikas Tip zu befolgen und einen Platz in Tällberg zu finden, da es dort besonders schön ist. Leider war alles wegen Midsommer ausgebucht.
In Rättvik fanden wir einen netten Stellplatz direkt am See. Wir wollten eine Midsommer Feier erleben und erfuhren, dass eine Prozession am Nachmittag direkt am Platz vorbeikäme und auf dem „Gammergarden“ dann die Feier beginnen würde.
Rättvik
Die Prozession bestand aus 2 Pferden, 3 Ponys, 2 Leiterwagen und eine Kapelle. Alle waren in den traditionellen Kleider der Region bekleidet. Das sah schön aus aber ich hatte schon mehr erwartet.
Wir latschten dann hinter dem Zug ca. 2 km zum „Gammelgarden“, wo wir erst einmal zusammen 20€ Eintritt zahlen mußten. Voller Erwartung auf die bestimmt spannende und eindrucksvolle Feier, zahlten wir gerne.
Auf dem Gammelgarden lag der Maibaum, der nun durch die mitgebrachten Birkengirlanden geschmückt wurde. Danach wurde der Baum durch Freiwillige in etwa 1 Stunde aufgerichtet. Eine Kapelle begleitet diese Aktion mit traditioneller Musik. Danach marschierten die Schweden um den Baum herum, es gab einige, für unsere Augen alberne Tanzspiele ,und dann standen alle plötzlich auf und verließen den Platz. Das wars, die Feier war zu Ende. Ich hatte völlig falsche Erwartungen gehabt. Die Midsommerfeier findet nach diesem offiziellen Teil in den Familien statt. Wir hatten wieder etwas gelernt.
MidsommerfeierRättvik650m lange Seebrücke Rättvik
Nachts gab es wieder das unvermeintliche Treffen der Tuningszene mit lauter Musik und quietschenden Reifen, .diesmal nicht nur bis 22 Uhr sondern die ganze Nacht durch.
Am nächsten Tag warteten wir noch die Langboot Prozession auf dem See ab und starteten dann Richtung Strömsbruk zu unserer Freundin Monika, die im letzten Jahr nach Schweden ausgewandert war.
Langbootprozession Rättvik
Dort angekommen, trafen wir auf Uwe und Monika aus Hagen, die ebenfalls einen Schwedenurlaub mit Wohnmobil machten. Die Begrüßung war herzlich und Monika zeigte uns Ihr schönes Haus, mit einem atemberaubenden Blick auf das Meer und auf einigen vorgelagerten Inseln.
Bei Monika verbrachten wir 3 Nächte, wurden köstlich bewirtet und lernten bei einigen Spaziergängen und einer kleinen Rundfahrt, die unmittelbare Umgebung kennen. Auch einen Ausflug nach Hudigsvall, der nähesten Stadt, unternahmen wir. Ins Herz geschlossen hatten wir auch Uma, der Hundin von Monika, die sich sichtlich über unseren Besuch freute und mit der ich gerne spielte.
Spaziergang bei MonikaSpaziergang bei MonikaSpaziergang bei MonikaUmaLeckeres Essen bei MonikaMonikas Aussicht
Den Sommer in Schweden hatten wir auch gefunden bei 22 Grad C.
Nach dem Abschied von Monika ging es für uns weiter nach Norden. Die Landschaft wurde immer schöner und schließlich fanden wir in Hammarstrand einen Stellplatz am Indalsälven, dem größten Fluß Schwedens, der durch seine Wasserkraftwerke 10% des gesamten Strombedarfs Schwedens liefert. Wir standen traumhaft alleine am Ufer.
Stellplatz am IndalsälvenIndalsälven
Die nächste Etappe brachte uns weiter nach Strömsund. Hier standen wir wieder frei am See Ströms Vattudal. Wir hatten unsere Vorräte aufgefüllt, da wir in den nächsten Tage den 550 km langen Vildmarksvägen befahren werden, der uns nach Lappland bringt, wo es wenige Möglichkeiten fürs Einkaufen gibt. Danach sahen wir uns das von unserer Mannschaft weltklassemäßig geführte Spiel gegen Südkorea an, das wir leider völlig unverdient verloren und trotz weiterer Weltklasseleistungen gegen Schweden und Mexiko mit einem guten 4. Platz unserer Gruppe die WM beendete.
Während unserer Südafrikareise hatten wir Anke und Jürgen kennengelernt, die von der dänischen Insel Fanoe schwärmten, die sie mehrmals im Jahr besuchten. Da jetzt auch das jährliches Drachenfest stattfand, lag es nahe, auf unserem Weg nach Schweden, uns mit den Beiden auf Fanoe zu verabreden.
Fast zeitgleich kamen wir auf dem Campingplatz an. Jürgen kam mit einem Gespann, bestehend aus Wohnmobil und Wohnwagen. Hatte ich auch noch nicht gesehen. Da sie von ihrer Tochter Jenny, dem Enkel Hannes, sowie der Hündin Lissy begleitet wurden, machte das wieder Sinn.
Fanoe hat uns sehr gut gefallen. Es ist eine ursprünglich gebliebene Insel, ohne Hochhäuser und einem Megastrand. Negativ erlebte ich lediglich den Besuch der Duschen auf dem Campingplatz. Die Duschen waren kostenpflichtig. 2 Kronen sollten sie kosten. Mit 6 Kronen zog ich los. Nachdem ich mich in der Kabine eingerichtet hatte, warf ich die erste Münze ein. Sie fiel durch, sonst passierte nichts. Auch die 2. Münze verschwand humorlos ohne eine Funktion freizugeben. Da hatte ich schon einen Hals. Also wieder anziehen und zum Platzwart gehen, um die Beschwerde loszuwerden. Der Platzwart hat aber nur eine Arbeitszeit von 11 Uhr bis 12 Uhr und war nicht da. Allerdings gab es dort ein 2. Duschhäuschen. Mit der letzten Münze bewaffnet, begab ich mich in die Kabine. O Wunder, nach Einwurf der Münze leuchtete ein grünes Licht auf, und ich konnte die Dusche auslösen. Da ich nicht wußte, wie lange 2 Kronen reichen würden, stellte ich das Wasser nach kurzem Duschgenuß ab und seifte mich von Kopf bis Fuß ausgiebig ein. Ihr ahnt schon wie es dann weiterging. Richtig, es kam kein Wasser mehr. Ich kriegte die Krise und suchte die versteckte Kamera. Schließlich mußte ich den Schaum mit dem Handtuch abwischen.
Die ersten 2 Tage waren schweinekalt. Allerdings zeichnet sich das dänische Wetter dadurch aus, dass es extrem schnell wechselt. So hatten wir am 3. Tag einen super Sommertag, den wir, wie die anderen Tage auch, mit dem Wohnmobil am Strand verbrachten. Dort waren tausende Drachenfreunde versammelt, die Drachen aller Größe steigen ließen, was ein wunderschönes Bild ergab.
Radsporttechnisch war der 1 wöchige Aufenthalt auch ergiebig, da Jürgen täglich seine Inselrundfahrt unternahm, ohne Rücksicht auf Wind und Regen und ich ihn gerne begleitete. Diese Runde beinhaltete immer eine 12 km lange Fahrt auf dem befahrbaren Strand, jedes Mal ein schönes Erlebnis. Außerdem lernte ich die Insel durch die Erklärungen Jürgens sehr gut kennen.
Die Woche auf Fanoe war sehr entspannend und der Abschied von Anke und Jürgen fiel dann doch schwer, da wir uns sehr gut verstanden hatten. Allerdings haben wir in ca. 6 Wochen wieder ein Treffen mit ihnen, da wir das Metal Festival in Wacken besuchen werden, wo die beiden in der Nähe wohnen.
Unser Weg führte erst einmal weiter quer durch Dänemark nach Roskilde.
Die dänischen Autobahnen sind sehr entspannend zu befahren. Immer wieder schön waren die Überfahrten nach Fünen und Seeland durch den kleinen und großen Belt.
Überfahrt nach Fünen über den kleinen BeltÜberfahrt nach Seeland über den großen Belt
Frohgemut starteten wir unsere diesjährige Sommerreise nach Schweden. Als erstes wollten wir Anne und Peter in Stelle besuchen. Ich hatte mich gedanklich auf die Route über Hannover eingestellt, folgte dann doch kurzfristig dem Navi, das uns über Bremen leiten wollte. Alles war prima bis Bremen. Dann ging im Norden nichts mehr. Die A1 war schon seit 10:30 Uhr gesperrt, wegen eines LKW Unfall. (Man sollte doch vor einer Fahrt die Verkehrsnachrichten hören) Die A27 war ebenfalls gesperrt wegen eines brennenden LKWs. Nach stundenlanger Quälerei, verließen wir die Autobahn, um uns auf Landstrassen durchzuschlagen. Diese Idee hatten natürlich auch Tausende anderer Verkehrsteilnehmer. Also standen wir auf der Landstrasse, zwar landschaftlich schöner als auf der Autobahn, aber Stelle kamen wir auch nicht näher.
Dann riß mir der Geduldsfaden, ich wendete bei einem Bauern und fuhr nach Verden, um dort zu übernachten und Stelle leider ausfallen zu lassen. Die Stellplatzkoordinaten lieferte uns die Promobil App auf unserem Navi. 2 Kilometer vor Verden, sah ich eine sehr hohe Kirmesschaukel. Mir schwante nichts Gutes, denn Kirmes heißt für Wohnmobilfahrer, der Stellplatz ist besetzt. So war es auch. Verden feierte ein großes Straßenfest mit Kirmes.
Wir parkten in einer ruhigen Nebenstrasse und entschlossen uns, spät abends die letzten 100 km bis Stelle zu fahren und mit Anne und Peter zu frühstücken.
Dann besuchten wir das Strassenfest und entdeckten den Dom zu Verden, der von den Ausmaßen dem Kölner Dom gleichkommt und überhaupt nicht zu der Größe von Verden paßt.
gestrandet in Verden
Um 22 Uhr starteten wir die letzte Etappe und kamen ohne weiteren Staus in Stelle an.
Das Wiedersehen mit Anne und Peter war wieder sehr schön und mittags fuhren wir dann weiter Richtung Lübeck um dort Angie und Peter zu treffen. Wieder erlebten wir die anscheinend normalen Staus auf deutschen Autobahnen.
Lübeck feiert 850 jährigen Geburtstag und wir feierten, mit einem Besuch des Stadtfestes, mit.
Stadtfest in LübeckStadtfest in LübeckStadtfest in LübeckLübecker RathausLübecker RathausLübecker Rathaus
Nach einem gemeinsamen Frühstück bei Angie und Peter starteten wir wieder Richtung St. Peter Ording. Angie und Peter starteten zeitgleich ihre Wohnmobiltour nach Berlin.
Unterwegs wieder Chaos. Autobahn gesperrt, Ausfahrten gesperrt, mir reichte es irgendwann wieder, und wir änderten unsere Pläne. Büsum war das neue Ziel.
Endlich Meer, Strand und Krabben. Den Nachmittag verbrachten wir am Strand und in der Stadt. Abends konnten wir noch am Strand Status Quo lauschen, die anläßlich der „Legends at the Sea“ Konzertreihe in Büsum auftraten.
gut gelaunt beim Status Quo Konzert
Tags drauf holten wir St. Peter Ording nach. Es waren nur 40 km zu fahren und alles ging glatt.
Vom Wohnmobilhafen unternahmen wir eine Fahrradtour zum Südstrand und bummelten im Dorf.
SüdstrandSüdstrand
Dann ging es nach Tonder. In Dänemark fiel uns sofort der gute Strassenzustand auf, ohne Flicken und Löcher. Wir brauchte etwas, bis wir den uns bekannten Stellplatz erreichten, da unser Navi auf LKW eingestellt ist und uns eine für LKW gesperrte Strasse vorenthielt und uns dafür bis in die Fußgängerzone von Tonder leitete – warum auch immer. Geld scheint man hier für den sehr gut ausgestatteten Womo Stellplatz mit Strom und Entsorgung nicht verlangen zu wollen, da alle Versuche, in der Rezeption jemanden anzutreffen, erfolglos waren. Es folgte ein Bummel durch die schöne Altstadt von Tonder.