Heute grüßen wir Euch zum letzten Mal von Bermuda. Gleich heißt es Koffer packen und morgen geht es dann heimwärts.
Der Ordnung halber möchten wir Euch noch mitteilen, dass die Neuseeländer schließlich 5:2 gewonnen haben und nächste Woche gegen Oracle um den Pokal segeln werden. Man kann auf Servus TV wohl die Rennen verfolgen, für die, die es interessiert.
wir hatten vom 3. bis 5.12 im Club gebucht, um abzuwarten, ob es uns gefällt. Das tat es, zumal das Wetter, wie vorhergesagt, sehr gut war. Wir hatten etwas Sport getrieben, Spinning, Yoga, und es uns gut gehen lassen. Also verlängerten wir um weitere 3 Tage. Am 8.12. wollten wir abends auschecken. Der Rezeptionist bemühte seine Computer und meinte, warum wollt ihr denn schon heute auschecken, ihr habt doch schon bis 9.12. bezahlt. Wir kamen aus der Nummer in der Weise raus, dass wir vorschoben, uns dann wohl geirrt zu haben, was mit der gewonnenen Entspannung zu erklären sei. Wie dem auch sei, da hat sich Robinson wohl vertan. 6 Tage bezahlt und 7 Tage genossen.
Robinson Club
Also verschoben wir unsere Abreise um einen Tag.
Zurück durch Marokko ging es über den uns bekannten Campingplatz in Mohammedia. Am nächsten Tag war Tanger Med unser Ziel. Dort kamen wir um 13 Uhr an und versuchten die 14 Uhr Fähre zu bekommen. Vorher mußten wir allerdings nich das Ticket kaufen und durch Polizei und Zoll. Das versprach sportlich zu werden.
Wie erwartet boten sich sofort am Parkplatz „Helfer“ an, uns Tickets zu besorgen. Wir lehnten ab und am 1. Schalter offerierte man uns einen Gesamtpreis von 190€ für die Überfahrt. Wir wußten, dass Seabridge 130 € bezahlt hatte, da wir die Rückfähre, die wir erst mitgebucht hatten, mit diesem Betrag gutgeschrieben bekamen.
Ich lehnte ab und Ute stand schon einige Schalter weiter in intensiver Unterhaltung mit einem Marokkaner. Ich gesellte mich dazu und konnte nicht glauben, dass Ute bei einer anderen Gesellschaft, auch zu 14 Uhr, ein Ticket für 88 € ergattert hatte. Ich sagte ihr, das glaube ich erst dann, wenn wir auf dem Schiff sind. Man ist eben latent skeptisch.
Sowohl die Kontrollen der Polizeit, als auch des Zolls, wo das gesamte Wohnmobil durch einen fahrbaren Scanner auf mitgeführte Flüchtlinge untersucht wude, verliefen, entgegen unseren Erfahrungen bei der Einreise, völlig problemlos und schnell. 15 Minuten vor Abfahrt waren wir am Schiff und konnten sofort an Bord fahren.
Die Überfahrt war ok und auf spanischer Seite entschlossen wir uns Spanien sofort wieder zu verlassen und nach Groß Britannien zu fahren.
Schon 2 Mal waren wir an Gibralta vorbei gefahren, ohne es zu besuchen. Das lag an meinen Vorurteilen, die da waren: da gibt es nur einen Felsen, lange Grenzkontrollen, aggressive Affen und Touristikläden. Dieses Mal wollten wir uns das dann mal aus der Nähe ansehen. Auf einem neuen Stellplatz am Hafen, wunderschön angelegt, konnten wir übernachten. Abends gab es für uns in der Hafenpinte noch leckere Tapas.
Am nächsten Tag sind wir dann unbedarft zu Fuß über die Grenze. In Gibralta wurden wir von einem Taxifahrer angesprochen, der eine Inselrundfahrt mit den Besuchen der „must see“ Orten zu einem vernünftigen Preis anbot und so starteten wir exklusiv in einem Mercedes Kleinbus mit Audio- und Videotechnik und deutscher Erklärung.
Ich mußte meine Vorurteile aber ganz schnell ablegen. Das wurde ein ganz spannender Tag.
Unser Fahrer war sehr engagiert und erklärte uns die Historie Gibraltas während der einzelnen Belagerungen und Kriegen. Wir besuchten eine Tropfsteinhöhle unglaublichen Ausmasses, in dem ein Theater eingebaut wurde und die eindrucksvoll illuminiert wurde. Wir erfuhren, dass wir nur 20 % der Höhle gesehen hatten. Es gab eine ausgedehnte Tour über 3 Stunden, die tief in das Höhlensystem führt und sogar einen unterirdischen See erreicht.
Danach war der Besuch eines Teils der Höhlengangsysteme an der Reihe, das in den vergangenen Jahrhunderten angelegt wurden und deren Länge größer ist, als die oberirdisch angelegten Strassen.
Sehr beeindruckend waren dann aber vor allem die Affen. Die waren so was von entspannt. Wir konnten ganz nah an einer Mutter vorbeigehen, die, so schien es, stolz ihr kleines Kind zeigte. Vorn Aggressivität kein Spur. Unser Fahrer kannte die Affen beim Namen. Er ist dort seit 24 Jahren unterwegs und bei den Affen akzeptiert. Er konnte sie anfassen und sogar einem dominanten Männschen das Maul öffnen, um uns die eindrucksvollen Zähne zu zeigen. Als Belohnung gab es einige Brotbrösel. Aggressiv sind die Affen im Sommer, wenn der Massentourismuss Stress mitbringt und die blöden Touristen die Affen füttern. Dann kommt der Futterneid durch und es gibt Ärger. Das Füttern der Affen ist mit einer Geldstrafe von 4000€ belegt.
Den Tag in Gibralta schlossen wir mit einem Bummel durch die Hauptstrasse ab, bevor wir wieder über die Grenze nach Spanien gingen.
Der nächste Tag versprach wettermäßig wieder gut zu werden, bevor die nächsten 3 Tage wieder regnerisch werden könnten. Wir beschlosse nach Torre del Mare zu fahren, wo es uns ganz gut gefällt und wo es 2 Campingplätze für Überwinterer gibt.
Mittags waren wir dort und es war sofort klar, das Überwintern auf solchen Campingplätzen für uns nicht infrage kommt. Die hocken da auf kleinen Parzellen, bauen sich mit Vorzelten und Küchenzelten völlig ein und haben kaum Platz für einen Stuhl im Freien, einfach furchtbar.
Wir haben dann noch einen schönen, sonningen Tag dort verbracht und frei übernachtet.
Torre Del Mar
Nachts kam dann der angekündigte Regen, der bis zum Nachmittag anhielt. Wir machten uns auf nach Andalusien, zu einen, von dem Motorradpärchen aus Alaska empfohlenden Campingplatz. Die Empfehlung war gerechtfertigt, wir fanden einen sehr sauberen, gepflegten Platz vor, mit ausgezeichneten Sanitäreinrichtungen und gutem Wifi.
Danach ging es bei Dauerregen und unentwegtem Gegenwind gen Norden. Betera bei Valencia war unser Ziel, einen Platz, den wir schon kannten und der günstig an der Autobahn liegt. Mit Mühe fanden wir dort einen Platz, der nicht unter Wasser stand. Es regnete weiter.
Das Drama Teil 1
Das nächste Ziel war Mataro bei Barcelona. Endlich hörte es auf zu regnen aber der starke Gegenwind blieb. Ca. 100 km vor unserem Ziel, leuchtete plötzlich die Motorsteuerungswarnleuchte auf. Damit war natürlich gleich Stress im Fahrzeug. Ich fuhr von der Autobahn ab und auf einer Nebenstrasse, wo ich halten konnte, studierten wir erst einmal das Manual und dann die Adressenübersicht für Fiat Werkstätten. Im Manual hieß es, Probleme mit der Einspritzpumpe, man könne weiterfahren aber nicht Vollast und die nächste Werkstatt sei anzufahren. Wie lange man weiterfahren könne stand dort nicht. Wir fanden in Mataro tatsächlich eine Fiat Adresse und beschlossen, die 100 km in Angriff zu nehmen. Natürlich war Sonntag und so fuhren wir zuerst den geplanten Campingplatz an. Der hatte zu. Es kommt dann immer alles zusammen. Also suchten wir dann die Fiatwerkstatt auf, fanden sie auch und übernachteten vor dem Eingang.
Am nächten Morgen sind wir dann um 8 Uhr zum Service. Man sprach dort kein Wort Englisch. Ich zeigte im Manual die Kontrolleuchte und wurde gebeten das Wohnmobil zu holen und in der Werkstatt abzustellen.
Die Werkstatt befand sich im 1. Stock eines großen Gebäudes, mit extrem steile Anfahrt und oben einer scharfen Kante. Es geschah, wie ich es befürchtet hatte, an dem Knick setzte ich wahrscheinlich den Abwassertank auf. Kein schönes Geräusch.
Der Receptionist arbeitete derweil mit einer Übersetzungsapp auf seinem Smartphone und bat um 1,5 Stunden Geduld, bis man den Fehler lokalisiert haben würde.
Also gingen wir erst einmal um die Ecke Kaffe trinken.
Nach unserer Rückkehr eröffnete uns der Mitarbeiter, dass der Turbolader zu wenig Druck hat und man einige Tage benötigt, das zu beheben. Wir könnten aber auch so weiterfahren aber ohne Garantie. Anscheinend hoffte man, dass wir dies auch tun würden. Wir signalisierten jedoch, dass wir auf jeden Fall den Wagen reparieren lassen wollten und ein Hotel nehmen würden. Der Receptionist verschwand wieder und kam nach geraumer Zeit mit einer Dame wieder, die des Englischen mächtig war. Sie schlug vor, dass wir eine Werkstatt in Barcelona aufsuchen sollten, die größer sei als ihre. Ich bat sie dort anzurufen und unser Kommen zu avisieren. Wieder verging eine lange Zeit. Dann kam sie und bot uns jetzt an, das Fahrzeug doch zu reparieren. In Barcelona hätte man keine Zeit mehr vor Weihnachten. Sie versprach, den Wagen im Laufe der Woche zu reparieren. Ein Ibis Hotel war fußläufig zu erreichen und nun sind wir hier erst einmal gestrandet. Zur Ehrenrettung der Werkstatt muß man anmerken, dass alle Beteiligten sehr freundlich und hilfbereit waren, nur der Prozeß zur endgültigen Bereitschaft zur Reparatur war etwas nervig.
Die Nacht war sehr erholsam und der Tag verlief mit Warten. Wir waren um 17 Uhr verabredet, dann wollte man uns das Ergebnis des ersten Reparaturtages mitteilen. Mittags aßen wir etwas im Hotel, dass keine Küche hatte, sondern nur kleine Speisen anbot. Utes Essen war wohl ungenießbar, was sie auch zum Ausdruck brachte. Daraufhin brauchten wir das Essen nicht bezahlen. Zurück auf Zimmer stellten wir fest, dass wir kein Wasser hatten. Das betraf das ganze Hotel. Nach etwa 3 Stunden war dies wieder repariert. Das Hotel teilte uns mit, dass wir diese Nacht nicht bezahlen brauchten.
Um 16 Uhr standen wir auf der Matte. Die Dame erkannte uns und winkte uns zu sich. Man hatte den Fehler gefunden, ein Teil, das 270 € kosten würde war bereits bestellt und man hoffte morgen alles erledigen zu können. Wir waren richtig erleichtert und hatten jetzt wieder einen Plan nach Hause zu kommen, wenn auch nicht mehr vor Weihnachten.
Das Drama Teil 2
Am Mittwoch erhielten wir um 11 Uhr die ersehnte SMS, dass der Wagen fertig war. Wir bezahlten die Rechnung und starteten bei mittlerweile wieder gutem Wetter Richtung Sete in Frankreich. Es dauerte genau 10 km, dann hatten wir dieselbe Warnmeldung wieder im Display. Also wieder runter von der Autobahn und zurück in die Werkstatt. Diese macht, wie allgemein in Spanien üblich, von 13 bis 15 Uhr Pause. Es war 12:30 Uhr und Ute kündigte unsere Rückkehr per SMS an. Der Werkstattleiter war überrascht, hatte er doch, nach eigener Schilderung eine Probefahrt gemacht. Also hieß es wieder warten. Um 13 Uhr eröffnete uns die Dame, dass wahrscheinlich das eingebaute Ersatzteil fehlerhaft gewesen sein muß. Ab 15 Uhr würde man versuchen, solch ein Teil aus Barcelona zu besorgen.
Also haben wir uns die Altstadt von Mataro angesehen und sind dann wieder zu 15:30 Uhr zurück zur Werkstadt. Das Teil war in Barcelona nicht aufzutreiben und man bat uns noch 1 Stunde Geduld zu haben, dann könne man mehr sagen. Ihr seht, wir waren mit einer unendlichen Geduld ausgestattet aber es brachte auch nichts, die Nerven zu verlieren.. Diesmal ging es in den Verkaufsraum, wo wir uns die neuesten Peugeot Modelle anschauen durften und für 50 cent einen Kaffee trinken konnten.
Um 17 Uhr standen wir wieder auf der Matte und erfuhren, dass das Teil aus Madrid kommt und morgen um 8 Uhr eintreffen würde. Nach erfolgreichem Einbau würden wir wieder eine SMS erhalten.
Also hatten wir wieder eine Nacht im Ibis Hotel gebucht und hofften, dass alles gut gehen würde.
Das Drama Teil 3
Morgens erhielten wir um 10 Uhr die Mitteilung, dass das Wohnmobil fertig sei. Also machten wir uns auf um es abzuholen. Man versicherte uns, dass der Werkstattleiter eine 50 km Probefahrt erfolgreich absolviert hatte.
Wir sahen, dass das Wohnmobil warm gefahren war, das Sprit fehlte und die Anzeigeleuchte aus war.
Es dauerte genau 7 km bis sie wieder leuchtete.
Ich war sowieso skeptisch gewesen, dass die Ursache der Anzeige das defekte Ersatzteil gewesen sein sollte. Darum war ich auf diese Situation vorbereitet und hatte mir vorgenommen, trotz der Anzeige die Heimreise anzutreten. Ute war sofort einverstanden.
Durch den Fehler, war das Fahrzeug in den Notmodus gesetzt worden. Das hatte zur Folge, dass ich auf gerader Strecke mit langem Anlauf 100 km erreichen konnte aber sobald die kleinste Steigung zu überwinden war sackte die Drehzahl sofort in den Keller und wir krochen dann teilweise mit 60 km im 4. Gang über die Autobahn. Die LKW Fahrer waren begeistert, zumal die Ausläufer der Pyrenäen, das Zentralmassiv, die Ardennen und Luxemburg vor uns lagen. Außerdem hatten wir unsere geplanten Tagesetappen verdoppelt um schnell nach Hause zu kommen.
Lange Rede kurzer Sinn, wir haben gestern in Lyon übernachtet und sind jetzt in Trier. Morgen hoffen wir die letzten 280 km auch noch zu schaffen. Drückt die Daumen.
Trotz der letzten widrigen Umstände hatten wir eine einzigartige Reise mit unglaublich vielen Erlebnissen.
Wir möchten nicht vergessen, dass wir solch lange Reisen nicht so beruhigt machen könnten, wenn uns nicht lieben Menschen unterstützen würden. So bedanken wir uns bei unseren Vermietern Heidi und Peter, die auf unsere Wohnung Acht geben und bei Angelika, die als „Backoffice“ unsere Post sichtet und notwendige monitäre Transaktionen ausführt. Danke auch an alle, für die Feedbacks und guten Wünsche.
Euch allen, wünschen wir ein schönes, friedliches Weihnachtsfest und einen gute Rutsch ins neue Jahr.
Heute war ein Tag mit strahlender Sonne. Das motivierte uns zu einem schönen Ausflug in den Hohen Atlas.
Als wir letztes Mal in Marrakech waren und den Tag zur freien Verfügung hatten, waren Rudolf, einer unserer Reisebegleiter und seine Frau als einzige der Gruppe ins nahegelegte Ourika Tal gefahren. Er war sehr begeistert davon und empfahl mir beim Abschied, falls wir wieder nach Marrakesch führen, dieses Tal unbedingt zu besuchen. Mich reizten allerdings auch die schneebedeckten Berge in machbarer Nähe.
Wir fuhren die 35 km bis nach Ourika und hofften dort auf eine Touristeninformation zu stoßen, die uns weitere detaillierte Informationen geben könnte. Gesagt, getan und tatsächlich fanden wir an der Hauptstrasse eine solche Information.
Der Touristik Manager erklärte uns die zu erwartenden Schönheiten des Tals, das bei den unbedingt anzuschauenden Wasserfälle etwa 1600 m hoch liegt.
Der andere Bereich des Ourika Tals ging in das Skigebiet Oukalmeden auf 2600 m. Die Strasse wurde von ihm als befahrbar mit unserem Wohnmobil beschrieben und so planten wir zuerst in den afrikanischen Schnee zu fahren und anschließend das schöne Tal zu durchfahren.
Wir hatten, wie gesagt sehr schöne Fernsicht und so war der Aufstieg auf 2600 m, mit wenig Gegenverkehr und unvergleichlichen Aussichten ein Genuß. Unterwegs durchfuhren wir einige alte Berberdörfer, die wie angeklebt an den steilen Felshängen hingen.
Oukalmeden ist das Skiresort der Marrakeschianer. Es liegt etwa 70 km entfernt von der Stadt und im Sommer kann man der Hitze schnell entkommen und sich im Schnee abkühlen. Es gibt dort einige Pensionen und Hotels, 4 Schlepplifte und ein Sessellift, der noch einmal weiter rauf auf 3200 m fährt.
Die Lifte waren nicht in Betrieb, obwohl ausreichend Schnee lag. Der Skiverleih findet am Strassenrand statt, wo die ausrangierten Ski und Skischuhe aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, angeboten werden. Bindungen einstellen? Kennen die nicht. Wir haben dann amüsiert beobachtet, wie die Marrokaner unerschrocken mit den geliehenden Skischuhen und den Brettern in der Hand einige hundert Meter den Hang erklommen, die Bretter anschnallten und sofort stürzten und so den Hang mit der Textilbremse abwärts schlitterten.
Nachdem wir uns dort einige Zeit aufgehalten hatten, beschlossen wir in einem kleinen Restaurant, das wir bei der Hinfahrt gesehen hatten, zu Mittag zu essen. Auf ungefähr 1500 m fanden wir es auch wieder. Wir waren die einzigen Gäste. Es gab nur Tajine, die allerdings schon fertig war. So setzten wir uns auf die Dachterasse, genossen den Ausblick und die wirklich leckere Tajine und setzten dann die Fahrt fort.
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Nach etwa 30 km bogen wir dann ins Ourika Tal ab. Bis zum Ende waren noch einmal 35 km zu fahren, durch kleine Dörfer und an unzähligen Restaurants vorbei, die die Tische und Stühle teilweise direkt unten am Fluß plazierten und die man nur auf abenteuerlichen Hängebrücken erreichen konnte. Am Ende des Tals kam es wie es kommen mußte, Männer sprangen auf die Strasse , wild gestikulierend, für uns ginge es nicht weiter, hier endet die Strasse und man könne nicht wenden. Dies geschah natürlich an einem kleinen Parkplatz, der der letzte vor der Katastrophe weiter oben sein sollte. So gewann man Parkkunden.
Wir hatten den Wagen dann auch dort abgestellt und hatten jetzt den nächsten „Helfer“ an den Fersen. Den ersten Wasserfall, so sagte uns der Touristikmanager unten im Dorf, könnte man ohne Führer machen. Das hatten wir auch vor und es fiel mir, wie immer, schwer, möglichst unhöflich zu sein, um den Führer loszuwerden. Also gingen wir die Strasse weiter und suchten den Einstieg. Mittlerweile hatte sich erneut ein älterer Mann als Führer angeboten. Wir fanden den Einstieg nicht und verhandelten mit ihm einen Preis für 1 Stunde.
Gott sei Dank hatten wir den Führer dabei. Nicht nur, dass wir den Weg nie gefunden hätten, es ging einen Flußlauf rauf, den wir auf allen vieren kletternd und nur mit Hilfestellung durch den Führer meistern konnten. Bei einigen Passagen hatte ich schon arge Bedenken und wartete auf Proteste von Ute. Aber sie hielt sich tapfer und schließlich erreichten wir den Wasserfall. Der war ganz nett aber spektakulärer war der Aufstieg und dann wieder der Abstieg.
Danach entlohnten wir den Parkwächter mit 1€ für die Bewachung des Wohnmobils und dann ging es zurück Richtung Campingplatz, den wir kurz nach Sonnenuntergang erreichten.
Das war wieder ein Supertag.
2.12. Marrakesch – Essaouira
Vor 2 Tagen war mir ein Motorrad fahrendes Pärchen aufgefallen, wegen der super ausgestatteten Mottorräder und Zeltausrüstung. Gestern abend bin ich an den Motorrädern vorbei gegangen um zu schauen, woher die Leute stammten. Die Nummernschilder waren verdreckt und so gut wie nicht zu lesen. Lediglich das Wort Alaska las ich und interpretierte dies als Fake Nummernschild.
Heute, bei der Abreise, sah ich Bewegung bei den beiden. Ich bin dann dahin und hatte mit dem Mann Kontakt aufgenommen. Dann kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es handelte sich tatsächlich um ein amerikanisches Pärchen, das sich auf einer 3 bis 4 Jahre lang dauernden Weltreise befand. Es war im Juli in Alaska gestartet, hatte dann Kanada durchfahren und ist von Toronto nach Paris geflogen, um in Europa gen Süden zu fahren. Es befand sich aktuell auf dem Weg nach Kapstadt, wollte dann wieder auf der Ostseite Afrikas zurück nach Ägypten, durch den Mittleren Osten, Indien durch den Himalaya, nach China, durch die Mongolei und Russland nach Finnland… usw, ich höre jetzt auf. 86 Länder wollen die beiden durchreisen und haben eine humanitäre Mission, nämlich etwas gegen die zweithäufigste Todesursache von Kindern in der Dritten Welt oder in Flüchtlingsheimen, den Durchfallerkrankungen wie Ruhr oder Cholera zu unternehmen. Wer interessiert ist kann weitere Informationen seiner Mission auf seiner Website, www.travessillaexpedition.org, nachlesen.
Das war ein sehr interessanter Kontakt.
Danach ging es Richtung Essaouira, wo wir 10 Tage zuvor schon einmal gewesen waren. Diesmal wählten wir aber nicht den schlechten Campingplatz vom letzten Mal, sondern einen bewachten Parkplatz, wo man für 3 € übernachten kann.
3.12. Essaouira – Imourane
Auf unserem Weg Richtung Robinson Club Agadir hatten wir uns vorgenommen, kurz vor Agadir, einen Campingplatz zu nutzen, 1 oder 2 Tage dort zu bleiben und den vorhergesagten Regen abzuwarten, um dann den Club bei gutem Wetter auch richtig genießen zu können. Ute hatte einige Campingplätze vorbereitet. Bei gutem Wetter und Temperaturen bis 24 Grad ging es eine sehr schöne Küstenstrasse gen Süden.
Wir erreichten schließlich den Campingplatz in Imourane, der sich als riesiger Überwinterungscampingplatz herausstellte und wo wir einen Platz buchten. Kaum hatten wir alles erledigt, eingecheckt, Strom angeschlossen und noch Wasser gekauft, kam der Regen.
Wir hoffen, Montag kann es, wie geplant, in den Club gehen.
Dies ist vorläufig das letzte Lebenszeichen. Wir sind seit Montag im Robinson Club, haben einen exklusiven Stellplatz und nutzen die Annehmlichkeiten, die der Club,bei bestem Wetter,..u bieten hat. Da wir noch nicht wissen wie lange wir hier bleiben werden, melden wir uns erst wieder, wenn wir auf der Rückreise sind., bei bestem Wetter.
Unsere Tageshöchsttemperatur betrug heute 12 Grad. Das Tief vom Atlantik hat uns voll erreicht.
Unsere Strecke führte uns vorwiegend an der Küste entlang.
Wir starteten bei Sonnenschein aber schon nach einer halben Stunde zog es sich zu und wir fuhren in eine dunkle Wand. Es folgten Starkregenfälle.
Das Wasser konnte nicht sofort versickern, weil der Boden größtenteils aus Lehm besteht und es keine Kanalisation gibt. Also gab es kleinere oder größere Überschwemmungen oder in den Bergen kamen uns Sturzbäche entgegen. Wieder eine fahrerische Herausforderung.
Wir fuhren auf eine Baustelle zu, die eine Umleitung hatte. Üblicherweise fährt man eine Umleitung parallel zur Baustelle. Hier sah man schon von weitem, dass sowohl auf unserer, als auch auf der Gegenseite sich Autos stauten. Als wir näher kamen sahen wir warum. Zwischen den Staus gab es eine Entfernung zu überbrücken von ca. 300 m. Man sah nur eine lehmige Wasserfläche. Keiner traute sich dort hinein zu fahren. Die Bauarbeiter standen am Rand und beobachteten amüsiert die Szenerie. Hinter mir hielt ein großer Omnibus. Beide Fahrer stiegen aus und gingen bis zum Rand. Auch auf der gegenüberliegenden Seite stiegen die Fahrer aus. Dann wagte der erste Fahrer von gegenüber die Durchfahrt. Ich schätze die Wassertiefe auf ½ m. Dazu kamen die gefüllten Schlaglöcher. Der Wagen schaukelte von einer Seite zur anderen und ich war mir überhaupt nicht sicher, ob das Wohnmobil diese Passage ohne aufzusetzen oder abzusaufen schafft. Nach und nach fuhren die Wagen, einer nach dem anderen, los. Dann waren wir dran und mit viel Gas, damit das Wasser nicht in den Auspuff läuft und schleifender Kupplung, ging es los. Mir war schon mulmig , da wir einige Male rutschten aber schließlich schafften wir es auch ohne stecken zu bleiben.
Es folgten im weiteren mehrere Wasserdurchfahrten auf der Strasse, bedingt durch Überflutungen. An einer Stelle stand ein Strassenarbeiter und wiegte die Hand in unserer Richtung, nach dem Motto, ich bin mir nicht sicher, ob ihr das schafft. Ganz langsam hatten wir auch diese Stelle passiert.
Wie konnte es auch sein, Ihr erinnert Euch an den running gag, mit unserem Glück kurz vor dem Ziel in Schwierigkeiten zu geraten, war die Strasse direkt an unserem Campingplatz auch überflutet und ein Arbeiter kam uns mit wilden Schwenken der Arme entgegen und signalisierte: hier gibt es kein Durchkommen für euch.
Wir probierten die Gegenfahrbahn und schafften die 120 m, bevor wir auf den Campingplatz abbiegen konnten.
Das war wieder Mal eine spannende und mit neuen Herausforderungen gespickte Etappe.
Oualidia liegt an einer wunderschönen Lagune mit Sandstrand, bei wärmeren Temperaturen sicher ein Badeparadies.
Abends war fast die gesamte Reisegruppe in ein in der Nähe gelegenes Fischrestaurant gegangen und wir hatten einen schönen Abend, an dem ich zum ersten Mal Seeigel gegessen habe.
24.11. Oualidia – Mohammedia
Nachts hatten wir Dauerregen. Morgens war es dann wieder trocken und wir fuhren die Küste und die Lagune entlang gen Norden. Dies ist ein sehr fruchtbares Gebiet. Es werden alle Gemüse angebaut und es gibt eine sehr erfolgreiche Austernzucht.
In El Jadida machten wir Pause, um die zum Weltkulturerbe gehörende Medina mit Zisterne zu besuchen. Die Zisterne wurde im 16. Jahrhundert erbaut und hatte eine Grundfläche von 33 x 34 m. Man konnte sie begehen. Sehr eindrucksvoll war der gut erhaltene Zustand und die vielen mächtigen Säulen im romanischen Stil. Die gesamte Stadtmauer war begehbar und bot schöne Blicke auf den Atlantik und der Medina.
Danach ging es bequem auf der Autobahn über Casablanca nach Mohammedia. Unterwegs holte uns der Regen wieder ein, der den ganzen Abend über andauerte. Da wir seit Wochen wieder Satelitenempfang hatten, machten wir uns einen gemütlichen Fernsehabend.
25.11. Mohammedia
Heute sollte es trocken bleiben. Gute Voraussetzung für unseren Ausflug nach Rabat. Mit einem großen Reisebus ging es auf die 45 minütige Anfahrt nach Rabat. Unterwegs nahmen wir unseren lokalen Reiseführer auf.
Als erstes besichtigten wir den Königspalast, das heisst, besichtigen kann man ihn nicht nur von außen ansehen. Um den Königspalast befindet sich eine eigene Stadt, mit kontrollierten Zugang, mit allen Annehmlichkeiten. Es gibt gute Krankenhäuser, sehr gute Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Freizeiteinrichtungen, vorwiegend für die Regierungs- und Botschaftsangestellten. Das sind schon Privilegien.
Danach fuhren wir zum Mausoleum von Mohammed V.und dem halbfertigen Hassanturm. Danach ging es zur Chellah, einer Totenstadt und machten einen ausgiebigen Halt an des Kashba des Oudaias mit den andalusischen Gärten.
Das Wetter hielt tatsächlich und so konnten wir trockenen Fußes den Tag abschließen.
Rabat hat uns sehr gut gefallen, eine moderne, saubere Stadt, mit viel Historie, die im völligen Gegensatz steht zum Leben in den Dörfern des Atlasgebirges, die wir ja auch schon gesehen hatten.
26.11 Mohammedia
Casablanco stand heute auf dem Programm.
In der Nacht hatten wir Starkregen, der den Platz zum Teil überschwemmte. Da ich Bedenken hatte, das Wasser steigt über die Höhe der Kabeltrommel, bin ich nachts um 2 Uhr noch mal raus, um das Wohnmobil vom Strom zu nehmen. Morgens hatten wir eine Seenlandschaft auf dem Platz. Wir wechselten noch einmal auf einen etwas trockneren Platz.
Mit dem Bus sind wir dann nach Casablanca gefahren. Die Stadt hat uns nicht besonders beindruckt.
Einzig die Hassan II. Moschee war allein die Fahrt nach Casablanca wert. Sie ist, als einzige Moschee in Marokko Nichtmuslimen zugänglich und wurde 1987 vom Vater des heutigen Königs gebaut. Bauzeit 6 Jahre, Kosten vorsichtig geschätzt 800.000.000 €. Sie steht auf 800 Fundamentpfählen im Wasser und beinhaltet aus den Religionen Christentum, Judentum und Buddismus, Elemente, um die Gleichberechtigung der Religionen zu dokumentieren. Sie ist die drittgrößte Moschee der Welt nach Mekka und Medina in Saudi Arabien und mißt über 200m, das Dach läßt sich automatisch öffnen und somit ist sie eine open air Moschee. Das Interieur ist unglaublich prunkvoll. In dieser Moschee dürfen die Frauen auf dem riesigen Balkon beten. Zum Freitag abend Gebet kommen 25000 Menschen. Ist Ramadahn beten draußen noch einmal 60.000 Menschen.
27.11. Mohammedia – Moulay Bousselham
Diese Etappe wollten wir eigentlich nicht mehr mitfahren.
Warum?
Wir hatten uns vor drei Tagen entschieden, nach der geführten Tour, noch in Marokko zu bleiben und an der Atlantikküste runter bis nach Agadir zu fahren. Wir hatten vor 2 Jahren im Robinson Club dort Urlaub gemacht und es gefiel uns sehr. Ute hatte dem Clubchef, den wir mal zufällig beim Essen getroffen hatten, eine email geschickt, mit der Frage: ist es möglich, mit dem Wohnmobil aufs Clubgelände zu kommen, im Wohnmobil zu schlafen und gegen eine Gebühr, die Annehmlichkeiten des Clubs zu genießen. Nie hätte ich mit einer Antwort, geschweige denn mit einer Zusage gerechnet. Am nächsten Tag hatten wir die Antwort, mit der Zusage. So werden wir unsere Marokkorundreise noch mit einigen Tagen puren Luxus krönen.
Aus diesem Grund waren uns die 200 km nach Norden eigentlich zuviel, zumal der Ort nichts außergewöhnliches zu bieten hatte. Als wir aber erfuhren, dass dort unser Abschiedsabend stattfinden sollte, haben wir entschieden, daran teilzunehmen, da uns die Reise gut gefallen hatte und uns die Mitstreiter sympatisch waren.
Wir hielten dies für einen schönen Abschluß und werden die Distanz morgen wieder zurück fahren.
Die Fahrt nach Moulay Bousselham war auf der Autobahn einfach. Leider stand der Campingplatz komplett unter Wasser. Wir mußten durch die Wasserflächen fahren, bis zum Ende des Platzes, der etwas höher lag.
Abend gab es dann das Abschiedsessen in einem Restaurant, was ein schöner Abschluß der Reise war. Eine Gruppe nimmt die Fähre nach Algeciras, die andere die nach Genua, eine nach Sete , wir waren die einzigen, die noch in Marokko blieben.
28.11 Moulay Bousselham
Wir entschieden noch einen Tag auf dem Campingplatz zu bleiben.
Morgens machten wir mit den noch Verbliebenen eine kleine Lagunenfahrt, die sehr entspannend war. Eigentlich sollten wir ein Vogelparadies besuchen aber bis auf Möven Kormorane und Strandläufer waren keine weiteren Vögel zu sehen. Als kleinen Ausgleich bot uns Ute 2 plötzlich Dominosteine an. Das war eine Überraschung aber es war ja auch der erste Advent.
Nach und nach verließen unsere Gruppenmitglieder den Platz, die ersten vormittags, die, die nach Genua und Sete wollten am späten Nachmittag.
Wir haben noch einen kleinen Strandspaziergang gemacht und uns den Ort angeschaut.
29.11. Moulay Bousselham – Mohammedia
Das war ein komischer Tag.
Eigentlich erwarteten wir auf unserer Fahrt an der Küste schöne Strände und schöne Ausblicke, wie wir sie von Spanien und Portugal gewohnt waren. Davon war allerdings nichts zu sehen. Die Strände sind kaum zu erreichen oder man sieht sie von der Strasse überhaupt nicht.
Wir hatten eine Marokkokarte mit eingetragenen Campingplätzen, allerdings wußten wir nicht, wie alt sie war. Ute hatte sich aus dem Campingführer unserer Reiseleitung die Campingplätze an den vermeintlich schönsten Stränden rausgesucht, zum Beispiel Skirat,wo der König sogar seine Sommerresidenz hat. Für diesen Tag, hatten wir 3 Optionen mit GPS Koordinaten. Alle drei waren nicht mehr vorhanden. Unser Frust wuchs, wobei wir sowieso noch in einer Abschiedsstimmung von unserer Gruppe waren, die uns doch sehr ans Herz gewachsen war.
Wir entschieden dann, Küste Küste sein zu lassen und nach Mohammedia auf der Autobahn zu fahren. Das machten wir dann auch und am späten Nachmittag erreichten wir den uns schon bekannten Platz, den wir fast exklusiv allein hatten, ein Franzose war noch da.
30.11. Mohammedia – Marrakech
Heute wollten wir Kilometer gen Süden, Richtung Agadir, machen. Auf der Autobahn war es auch kein Problem.
Nach einer etwas turbulente Fahrt durch die Innenstadt von Marrakech erreichten wir das Einkaufszentrum in dem wir zu Mittag aßen und noch einige Besorgungen tätigten.
Anschließend tankten wir und ließen noch einmal das Wohnmobil waschen.
In Marrakech übernachteten wir wieder auf dem Campingplatz, auf dem wir vor gut einer Woche schon einmal waren und der zu den besten der Rundreise zählte.
Auf der Fahrt zum Campingplatz, fährt man genau auf den Hohen Atlas zu, der ca. 20 km von Marrakech entfernt beginnt. Deutlich war zu sehen, dass viel mehr Schnee dort gefallen war und die Schneegrenze viel tiefer war, als noch vor einer Woche. Das war das Ergebnis der Schlechtwetterfront, die uns 1 Woche im Griff hatte.
Heute stand die längste Etappe der Reise mit 340 km an. Es sollte an den Atlantik gehen.
Kurz nach Abfahrt gerieten wir, wie schon so oft, in eine Polizeikontrolle. Jedes Mal wurden wir bisher durchgewunken, dieses Mal jedoch nicht. Der Polizist stellt in französich allerlei Fragen, die ich alle nicht verstand. Ute mühte sich auch, wenigstens unsere alten Reiseziele und unsere zukünftigen Reiseziele aufzuzählen. Ich hatte den Eindruck, er machte das zu seinem privaten Vergnügen. Er fragte immer weiter. Wir hatten ihm unsere Pässe angeboten, unsere Einreisedokumente mit dem wichtigen Stempel, er winkte freundlich ab und fragte weiter. Schließlich zeigten wir ihm unseren Seabridgeordner mit unseren Routen und die Übersicht unserer Reise. Das interessierte ihn. Er studierte die Route ausgiebig, nickte wissend und wünschte uns dann eine gute Reise.
Diese Polizeipräsens hier vermittelt schon das Gefühl von Sicherheit, wobei ich nie das Gefühl von Unsicherheit, auch in der Dunkelheit zu Fuß in Nebenstrassen bisher hatte. Die Menschen sind ausgesprochen freundlich und winken einem unterwegs zu. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, so wurde einer unserer Mitreisenden von einem Kind mit einem Stein beworfen und hat jetzt eine kapitale Beule in der Seitenwand.
Wir durchfuhren den Antiatlas, eine karge Wüstenlandschaft auf einsamer Strasse. Rechts lag ein toter Esel im Strassengraben, der noch nicht lange tot schien. Wir hatten schon Sorge, dass einer unserer Mitstreiter in den Unfall verwickelt sein könnte aber dem war zum Glück nicht so.
In den Arganbäumen sahen wir Ziegen klettern um die Nüsse zu fressen.
Weiter ging es Richtung Timoulage. Die Landschaft färbte sich braun. So ging es rauf und runter immer in Richtung Westen. Auf den letzten 20 km mußten wir noch einmal einen Höhenzug überwinden und ich hielt laufend Ausschau nach dem Meer. Es zeigte sich nicht. Die Strasse war so durch die Hügel gebaiut, dass wir das Meer erst unmittelbar am Ort Sidi Ifni kurz vor unserem Campingplatz sahen.
Wir hatten 28 Grad aber am Strand läßt sich die Hitze gut aushalten.
15.11. Sidi Ifni – Tiznit
Morgens ging es zuerst zu den Felsbögen von Lagzira. Die konnten wir bei einer kleinen Wanderung gut am Strand erreichen und kurz vor der Flut auch durchschreiten.
Die nächste Station war der Aglon Plage, ein sehr schöner Strand, wo wir einige unserer Mitfahrer trafen und Mittag aßen.
Dann ging es direkt nach Tiznit, wo ein gemeinsames Essen mit Folklore geplant war.
Das Ganze fand im Festsaal eines Riads statt, in dem Hochzeiten und andere Familienfeiern würdig gefeiert werden können. In den Saal gehen etwa 500 Gäste, wir waren 21. Man hatte für uns drei Tische wirklich festlich gedeckt und geschmückt.
Das Essen bestand aus einer guten Gemüsesuppe. Danach gab es eine Riesentajine, die wir nur zur Hälfte schafften. Danach gab es Couscous, den wir nur zu einem Viertel schafften und zum Schluß noch einen Obstteller, den der Kellner kaum tragen konnte. Alles viel zu viel.
Jetzt zur Folklore. Bei Folklore beschleicht mich immer ein komisches Gefühl, nicht nur Gast, sondern auch aktiver Teil des Geschehens sein zu können. Das ist mir schon xMal passiert und auch eine vermeintlich geschickte Sitzauswahl schützt nicht immer davor, zum Bauchtanz oder sonstigen mir nicht geläufigen Übungen aufgefordert zu werden. Ein weibliche Gruppe spielte original die Musik auf, die bei Hochzeiten gespielt und zu der gesungen wird. Die Sängerinnen singen sich nach und nach in Ekstase, unterstützt von Trommeln und Schellen. Die Texte wiederholen sich unzählige Male. Natürlich wurden auch Gäste auf die Bühne geholt um mitzutanzen. Einigen hat es anscheinend auch wirklich Spaß gemacht. Der Kelch ging Gott sei Dank an mir vorbei.
16.11. Tiznit – Tafraoute
Wieder eine landschaftlich schöne Fahrt auf 1000 m durchs Gebirge, durch verschiedene Pässe, Abfahrten und Serpentinen. Teilweise auf 1,5 spurigen Strassen, die den Reiz haben, bei Gegenverkehr auszuloten, wer die besseren Nerven hat und zuletzt oder gar nicht rechts auf den unbefestigten Randstreifen zu fahren.
Die Landschaft änderte sich wieder komplett. Wir fuhren durch eine Granitfelslandschaft, die sich je nach Sonnenschein in tiefes rot verfärbte.
Da wir gut voran kamen, fuhren wir an unseren Campingplatz vorbei, durch Tafraroute durch zu den „blauen Steinen“. Hier hat ein belgischer Aktionskünstler mitten in der Landschaft riesige Granitsteine blau angestrichen.
Wir verbrachten dort einen wunderschönen Nachmittag, ganz alleine, mitten im Nirgendwo in völliger Stille, bei bestem Wetter.
17.11. Tafraoute
Heute morgen stand eine ausgiebige Wanderung mit einem Wanderführer, durch die schöne Landschaft, bis zu den blauen Steinen und zurück auf dem Programm. Ca. 13 km ging es abseits von Wegen an den Granitfelsen vorbei. War wieder ein Highlight.
Am frühen Nachmittag waren wir zurück. Es war auch Zeit, da wir noch Vorbereitungen für unseren gemeinsamen Grillabend erledigen mußten. Jeder sollte, neben seinem eigenem Grillgut, etwas für die Allgemeinheit vorbereiten. Wir hatten eine Gemüsepfanne gemeldet. Das hieß, viel Gemüse putzen, schnibbeln und zubereiten.
Gestern abend hatten wir noch einkaufen können und sind zu einem Fleischer in den offenen Markt gegangen. Dort sollten wir Frischfleisch erwerben können. Wer in ähnlichen Ländern schon unterwegs war, weiß, wie diese Fleischereien aussehen. In der Regel sind sie gut besucht von Fliegen und auch die Utensilien wie Messer oder Holzbrett sind meilenweit entfernt von unseren Hygienestandards. Auch der schon eingetretene Ausfall von mittlerweile 5 Mitreisenden, die sich mit Magen/Darm plagten, führte bei mir nicht unbedingt dazu bei, mutig Grillfleisch zu kaufen. Allerdings habe ich es dann doch getan, nachdem alle Anwesenden dort Lammfleisch und Rinderfilet gekauft hatten. Ich hatte dabei noch etwas Glück. Da kein Rinderfilet mehr da war holte der Metzger hinten aus einem Kühlraum ein halbes frisches Rind, löste das Filet aus und so hatte ich das Gefühl, dass die Liegezeit in der Theke auf ein Minimum begrenzt war.
Pünktlich um 16 Uhr waren alle anwesend und hatten ihre „Mitbringsel“ auf einem Tisch als Buffet schön angeordnet. Es gab verschiedenen Salate, frisch gebackene Speckbrötchen (super lecker) und anderes. Unsere 2 Pfannen hatten wir auf einem Gasgrill setzen können, damit es warm blieb. Wir saßen an einer langen Tafel. Dann begann der spannende Moment mein Filet zu grillen. Well done war das Mindeste, was ich mir vornahm, obwohl das bei Filet sonst nicht meine Priorität ist. Lange Rede kurzer Sinn, es war phantastisch., wie das Fleisch der anderen auch. So verlebten wir noch einen sehr schönen Gruppenabend im Freien.
18.11. Tafraoute – Lakhnafif
Heute hatten wir wieder eine landschaftlich einmalige Etappe. Es ging wieder in den Antiatlas auf 1700 m, auf interessanten Strassen mit wenig Verkehr und vielen schönen Ausblicken.
Unterwegs sahen wir auch die kletternden Ziegen, die in die Arganbäume klettern, um dort an die Nüsse zu gelangen, wirkliche Akrobaten.
In der Ferne konnten wir dann Agadir am Atlantik sehen, das wir aber nicht besuchen werden.
Unser heutiger Platz war in einer Orangenplantage, die von einem deutsch/französischen Ehepaar betrieben wurde.
Abends hatten wir ein Gruppenessen im Salon des Haupthauses, ein gemütliches Wohnzimmer mit 3 schön gedeckten Tischen, Klavier und Kamin. Es wurde ein französisches Menue serviert, das uns allen sehr gut schmeckte.
19.11. Lakhnafif – Marrakesch
Heute war ein Hammertag!
Es war eine 260 km lange Strecke geplant nach Marrakesch über den Hohen Atlas. Geplante Fahrzeit ca. 8 Stunden.
Also hieß es früh losfahren, was bei uns nicht so ganz klappte, wir waren die Letzten, die um 8:30 aufbrachen. Nach dem Tanken war die nächste Station eine empfohlene Patisserie nach 10 km, wo wir uns mit leckeren Blättterteigteilchen für den Tag versorgten.
Dann ging es auf eine 70 km lange Anfahrt auf den Tizi’n’Test Pass zu. Wir erreichten den Fuß des Berges und es begann ein 36 km langer Aufstieg auf 2200 m. Die Strasse war einspurig und an den Seiten ausgefranst. Es gab keine Seitenbegrenzung der Strasse, sondern kleine Ausweichbuchten, die bei Gegenverkehr zu benutzen waren. Gott sei Dank war sehr wenig Verkehr auf der Strasse, da von der anderen Seite erst nach 85 km die erste Ortschaft kam und der Gegenverkehr selbst noch auf der Anfahrt war. Die Strecke war mehr als abenteuerlich, ganz nach meinem Geschmack. Bisher war der Trollenstieg in Norwegen mein Highlight aber seit heute ist es der Tizi’n’Test Pass. Ute hat sich tapfer gehalten und fleißig Bilder gemacht.
Auf der Passhöhe von 2200 m trafen wir Bernd und Ute2 (die Frau von Bernd). Ute2 ging es gar nicht gut, da sie Höhenangst hatte und die Strasse als zu gefährlich einstufte. Als sie merkten, dass wir dort oben Pause machen und einen Tee trinken wollten, gesellten sie sich zu uns. Windgeschützt an der Mauer des kleinen Gasthauses und in der strahlenden Sonne konnte man es aushalten. Jetzt kamen die gekauften Blätterteigteilchen zum Einsatz und nach einiger Zeit sah auch für Ute2 die Welt wieder besser aus.
Nach einiger Zeit kam noch ein Pärchen aus Tschechien per Fahrrad oben an und machte dort auch Pause. Da ich weiß, dass nach einer anstrengenden Fahrradtour, ein Stück Kuchen guttut, haben wir dort das letzte Teilchen
gespendet, was sehr gut ankam.
Die Abfahrt, nicht weniger spektakulär als der Anstieg, zog sich über 85 km hin, durch eine sehr einsame Gegend. Jetzt hatten wir auch mehr Gegenverkehr, was das Fahren nicht einfacher machte.
Nach 6 Stunden machten wir noch einmal eine Pause und ich legte mich kurz hin und entspannte ein wenig.
Etwa 7 km vor unserem Ziel steuerten wir noch einen Supermarkt an, um unsere Vorräte aufzufüllen. Hier war sofort zu sehen, dass Marrakesch ganz nah war. Die Frauen sind zum Teil modern, westlich gekleidet, auf den Strassen sieht man neue, teure Autos fahren und das Einkaufscenter könnte auch in Berlin stehen.
Nach gut 8 Stunden, das erste Mal im Dunklen, erreichten wir unseren Campingplatz, der einen sehr guten Eindruck machte und auf dem wir 3 Nächte verbrachten.
20.11. Marrakesch
Am Morgen wurden wir mit einem Bus zu einer geführten Stadtrundfahrt abgeholt. Zunächst ging es zum Wahrzeichen der Stadt, der Kontoubia Moschee, benannt nach den dort früher angesiedelten Buchhändlern. Danach sahen wir das Bab Agnaou, das schönste Tor der Medina von Marrakesch. Es folgte ein ausgiebiger Gang durch den Souk.
Hierbei besuchten wir eine Kräuterapotheke, in der man natürlich Gewürze, Cremes, Tees, Öle und andere zusammengemixte Tinkturen gegen alles mögliche erwerben sollte. Als verkaufsfördernde Maßnahme, ließ der eloquente Chefapotheker, ein Fläschchen mit einem ÖL/Mentholgemisch zum Probieren durch die Reihen gehen. Dazu drückte der Assistent des Chefapothekers jedem ein Nasenloch zu und man sollte durch das offen an der Flasche tief inhalieren. Das führte dazu, dass mein Sitznachbar, der schon einen Schlaganfall hatte, sofort in Ohnmacht fiel und hingelegt werden mußte. Gott sei Dank kam er nach einigen Minuten wieder zu sich. Das dieses Produkt nicht der Umsatzrenner wurde, versteht sich von selbst.
Am frühen Nachmittag, am Djemaa el Fna, dem Platz der Gaukler, angekommen, hatten wir bis zum abend Freizeit. Wir sind noch einmal ausgiebig durch den Souk geschlendert und haben uns das Leben auf dem Platz der Gaukler angesehen.
21.11. Marrakesch
Der heutige Tag stand zur freien Verfügung. Wir sind mit einem Taxi noch einmal zum Einkaufszentrum, 10 km entfernt gefahren, um im dortigen Carrefour, einem französischen Supermarkt, unsere Vorräte aufzufüllen.
Danach war Relaxen angesagt.
22.11. Marrakesch – Essaouira
Der seit 3 Tagen angekündigte Wetterwechsel war eingetreten. Wir hatten die ganze Zeit in Marokko, bis auf 1 Nacht in der Wüste nur schönes Wetter, heute regnete es. Es wird auch die nächsten Tage unbeständig bleiben, so die Vorhersage.
Die Fahrt nach Essaoira war einfach, auf guten Strassen und wenig spektakulär.
Mittags waren wir bereits dort, auf dem schlechtesten Campingplatz der gesamten Reise. Von der Benutzung des Stroms wurden wir gewarnt, da Überspannungen im letzten Jahr schwere Schäden an einigen Wohnmobilen verursacht hatten. Der Platz gleicht einer Müllkippe und wir sind nach dem selbst gemachten Mittagessen sofort in die Stadt gegangen.
Essaouira gehört zum Weltkulturerbe wegen der gut erhaltenen Medina und der vollständig erhaltenen Stadtmauer. Außerdem hat sie einen wunderschönen 6 km langen Strand.
Der Ort war sehr lebendig und gut zu besichtigen, da die Händler, im Gegensatz zu denen, in den Souks, die wir woanders besucht hatten, uns in Ruhe ließen und wir die Waren in Ruhe anschauen konnten.
Auch der Fischereihafen war sehenswert und wir bekamen, trotz des mäßigen Wetters, noch einen schönen Sonnenuntergang geboten.
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Dort hielten wir uns bis zum Eintritt der Dunkelheit auf, um das Elend auf dem Platz, bei unserer Rückkehr, nicht sehen zu müssen.
Vorab mal ein paar Worte zu unserer Gruppe. Wir sind jetzt schon 10 Tage gemeinsam unterwegs und dann kann man sich schon ein Bild machen. Unsere Reiseleitung ist ein Ehepaar, sie aus Potsdam und er aus dem Schwarzwald stammend, die seit 3 Jahren in Ihrem Wohnmobil leben und diese Reise schon 6 Mal geführt haben. Sie ist sehr strukturiert und dizipliniert und die eigentliche Leitung, er hat sich als ihr Fahrer vorgestellt. Die Briefings und die Unterlagen, die wir bekommen sind super.
Zur Gruppe gehören 3 schweizer Ehepaare, 1 österreichisches Ehepaar, 1 alleinreisende 76 jährige, 2 Freunde und 4 deutsche Ehepaare. Alle befinden sich in unserem Alter und sind bis auf ein Ehepaar nicht mehr berufstätig. Ein Mann hat erst vor Kurzen einen Schlaganfall bekommen und leidet noch unter Sprachstörungen und ein anderer Mann hat eine Krebsdiagnose erhalten mit einer Lebenserwartung von noch 6 Monaten. Bemerkenswert, dass sie sich diese Reise zutrauen. Hochachtung habe ich auch vor der älteren Dame, die alles alleine machen muß und das trotz ihres Alters noch super schafft.
Die Gruppe harmoniert , wir haben eine gute Stimmung und alle sind fitte Wohnmobilfahrer. Die Fahrzeuge reichen vom VW Bus mit Hubdach bis zum 10 t Expeditionsmobil.
4.11. Fes -Midelt
Ich habe mir vorgenommen kein marokkanisches Wasser in unseren Frischwassertank einzufüllen, sondern nur abgepacktes Wasser aus Flaschen. Also sind wir zum Marjane Supermarkt gefahren und haben 8 5 l Kanister gekauft, die ich gleich in den Tank eigefüllt habe. Ute wollte sie entsorgen, indem sie sie klein trat. Das sahen einige Marokkaner, die uns dann die leeren Kanister abnahmen, um darin Olivenöl zu kaufen – auch eine Art von Recycling.
Von Fes, das 450m hoch liegt, ging es nach Immouzer auf 1350m. Unterwegs gab es viele Mineralienverkäufer und Polizeikontrollen. Diese haben wir bisher in ganz Marokko häufig angetroffen, wir wurden aber immer durchgewunken. Der nächste Ort war Ifrane auf 1600 m, sehr gepflegt, mit einer Universität. Dann bogen wir nach Mecknes ab, um auf dem Balkon d‘ Ito auf 2100 m einen schönen Blick auf den mittleren Atlas zu werfen.
Auf den hohen Gipfeln auf 3000 m lag schon wieder Schnee. Die Fahrt war landschaftlich und fahrtechnisch ein Genuß und sehr abwechslungsreich, mit Abschnitten durch alte Zedernwälder, wo Wegelagerer in Form von Makaken am Strassenrand lauerten und auf Essbarem hofften. Am Kratersee „Sidi Ali“, ebenfalls auf 2100 m machten wir einen kleinen Spaziergang. Die Gegend ist menschenleer. Plötzlich sah ich einen Hund, der sich uns langsam näherte. Er kam bis auf 20 m an uns heran und man sah, dass er sehr ängstlich und vorsichtig war. Trotzdem folgte er uns noch eine halbe Stunde, bis wir wieder am Wohnmobil waren. Ute schnitt dann von meiner Rindssalami Scheiben ab, die ich ihm hinwarf. Erst auf 2 m Entfernung – er traute sich nicht, dann auf 10m, mit eingeklemmten Schwanz kroch er zur Scheibe und fraß sie. Sie mußte ihm anscheinend sehr gut gemundet haben, denn jetzt begann der Kampf zwischen Angst und Gier. Da lag ja noch auf 2 m eine weitere Scheibe. Ohne mich aus den Augen zu lassen, überwand er sich dann doch und bekam zur Belohnung noch einige Scheiben. War ein lustiges Erlebnis.
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Auf dem Reststück unserer Route befuhren wir die Strasse der wilden Hunde. Hunderte von Hunden liegen am Strassenrand und leben anscheinend von dem, was die Autofahrer aus dem Fenster werfen. Unglaublich, dass sie überleben können.
5.11. Midelt – Er Rachidia
Wir wollten Geld tauschen. Also hielten wir in Midelt an der Credit Agricole Bank. Drinnen saß eine junge Muslima am Schalter, sowie ein Mädchen und ein Mann, die beide mit den Handys spielten und von der Kleidung her nicht hinter einem Bankschalter pasten. Ute erklärte der Dame in Französich, dass wir 200 € tauschen wollten. 15 Minuten später, nachdem die Bankangestellte Formulare ausgefüllt hatte, Ute Reisepaß abschrieb, dann noch weitere Informationen in ein EDV System eingab und noch telefonierte, eröffnete sie uns, dass sie kein Geld habe und wir bitte noch 10 Minuten warten sollten. Da tickte Ute aus und verpaßte ihr einen Anpfiff. Nach 10 Minuten betrat ein Marokkaner die Bank und gab der Kassiererin aus seiner privaten Brieftasche das Geld, das wir dann auch erhielten. Da wir in Deutschland etwas Festgeld bei der Credit Agricole angelegt haben, mache ich mir Gedanken, ob das die richtige Bank für uns ist.
Nach diesem Erlebnis ging es wieder auf 200m in die Ausläufer des Hohen Atlas Gebirges. Die Landschaft veränderte sich wieder, es wurde karger und gerölliger. Wir schlängelten uns am Fluß Ziz entlang in die spektakuläre Schlucht „Gorge da Ziz“. Die ersten Dattelpalmen Oasen tauchten auf.
Unser Campingplatz in Er Rachida lag mitten in einer solchen Oase. Insgesamt wieder eine wunderschöne Tagesetappe.
Stefan, der Fahrer unserer Reiseleiterin Imke, seines Zeichens ein Rammsteinfan, hatte angeboten, bei Interesse, für den Abend, eine überregional bekannte Band zu verpflichten. Jedes Pärchen drückte 15 € ab und so fand ein tolles Konzert auf dem Campingplatz, exklusiv für uns , romantisch, an einem großen Lagerfeuer mit afrikanischen Musik statt. Es dauerte nicht lange, und die gesamte Gruppe tanzte ausgelassen zu der Musik. War ein echtes Highlight.
6.11. Er Rachid – Erg Chebbi
Morgens brachen wir, mit einem einheimischen Führer, zu einer kleinen Wanderung, durch die Oase, zu einem verlassenen Lehmdorf auf. Von oben hatten wir einen schönen Blick auf die Oase Tafilalet, der größten zusammenhängenden Dattelpalmenoase Marokkos.
Nach 2,5 Stunden waren wir zurück und starteten unsere heutige Tagesetappe, die uns in die Wüste, nah an die algerische Grenze bringen sollte.
In Erfoud aßen wir Mittag und ich erhielt die beste Tajine, die ich bisher gegessen hatte. Tajine ist ein sehr verbreitetes Essen hier in Marokko. Es wird in einem Tongefäß mit Deckel zubereitet und sehr heiß serviert. Es besteht aus Gemüse, Kartoffeln, Eier, entweder mit Fleisch oder auch ohne und alles gut gewürzt.
Weiter ging es nach Rissani, wo wir den großen Wochenmarkt besuchen wollten. Von der Strasse aus war er nicht zu finden und so beschlossen wir am Strassenrand zu parken und zu Fuß zu suchen. Kaum waren wir draußen, hatten wir schon den nach eigenen Angaben besten Soukführer Rissanis an den Hacken. Er nervte und durch Nichtbeachtung und Ignorieren wurden wir ihn schließlich los. Irgendwann sahen wir dann ein Wohnmobil unserer Gruppe parken und dort trafen wir tatsächlich Michael und Gloria, die gerade von ihrer Besichtigung zurückkamen und uns ihren Führer Mohammed wärmstens ans Herz legten, da man ohne Führer den Markt und den Souk nicht betreten sollte. Mohammet verlangte für seine Dienste 10 Dirham, das sind 1 €. Er war nett, sprach gut Englisch und zeigte und den Esel-,Schaf-,Rind- und Ziegenmarkt, sowie die uns mittlerweile bekannten Obst- und Gemüse- Gewürz- Fisch- und Fleischmärkte. Interessant war der Stand der Berberapotheke, die nur mit Kräutern und alten Heilmethoden Krankheiten behandelt.
Die letzten 45 km führten uns rein in die Wüste, auf einer aspaltierten Strasse. Wir sahen die schwarzen Lavafelder und im Hintergrund schon die größen Dünen Marokkos. Das war ein toller Kontrast.
Der letzte Kilometer ging von der Strasse ab auf eine unbefestigte Piste zum Treffpunkt an einem Hotel.
Die meisten Mitfahrer waren bereits da und hatten eine Wagenburg gebaut in der wir uns einreihten.
Abends saß ich noch auf dem Stuhl hinter dem Wohnmobil, da es schon den ganzen Tag sehr windig war. Plötzlich brach innerhalb von Sekunden ein Sandsturm los, dass ich kaum um das Wohnmobil herumkam. Den Stuhl in die Garage zu bugsieren war aussichtslos und so nahm ich ihn mit ins Mobil, das ich kaum öffnen konnte. Dann tobte 1 Stunde der Sandsturm, dass wir dachten das Wohnmobil kippt um und dann begann es zu regnen. Der erste Regen in Marokko und dann in der Wüste.
7.11. Erg Chebbi
Heute stand ein Tagesausflug mit Allradfahrzeugen in die Wüste auf dem Programm.
Wir fuhren in hochwertigen Fahrzeugen, wir, z.B, in einem Toyota Pajero. Unser 23 jähriger Fahrer beherrschte das Auto sehr gut und hatte Spaß daran, möglichst als erster an den jeweiligen Treffpunkten anzukommen. Das führte dazu, dass er bis zu 110 km schnell fuhr. Vorher mußten wir unsere bereits angelegten Gurte wieder ablegen. In der Wüste fährt man ohne und Allah wird es schon richten. Der Ausflug war sehr abwechslungsreif. Die Wüste änderte sich ständig, von Lavegestein über Geröll, Sand bis zu Oasen mit Dattelpalmen. Wir besuchten archaische Bergwerke, wo Kajal abgebaut wird. Wir sahen Fossilien, besuchten eine Beduinenfamilie und fuhren bis dicht an die algerische Grenze. Je nach Sonnenstand veränderten sich die Farben der Dünen von gelb auf rot.
Abends sahen wir in der Ferne eine neue Wetterfront auf uns zukommen. Spektakulär war das Gewitter, dass wir diesmal in sicherer Entfernung betrachten konnten. Die Ausläufer erreichten uns dann doch noch, allerdings bei weitem nicht so stark, wie am Vortag. Leider hatten wir durch die Bewölkung dann nicht die Gelegenheit, den Sternenhimmel am Abend zu sehen.
Ute und ich sind dann noch einmal um 1 Uhr nacht raus und haben partiell den Himmel sehen können. Unglaublich, wie tief man ins All schauen kann und interessant, wie der große Wagen senkrecht auf der Deichsel steht.
Wir haben berechtigte Hoffnung, morgen klares Wetter zu bekommen und dies noch einmal zu genießen.
8.11. Erg Chebbi
Der heutige Tag steht zur freien Verfügung, erst um 16 Uhr geht es noch mal auf die Dünen zum Sonnenuntergang.
Wer wollte, konnte sich für den 45 minütigen Spaziergang auf die Düne ein Kamel mieten. 4 aus der Gruppe taten das auch. Wir sind dann gemeinsam, mit den Kamelen aufgebrochen. Nach einiger Zeit parkten die Kamele und alle mussten den sehr steilen Rest bis zum Kamm der Düne selbst bewältigen. Oben gab es dann das Schauspiel „Farbwechsel der Dünen bei Sonnenuntergang“. War wieder sehr schön. Leider fiel einer unserer Mitreisenden beim Rückweg vom Kamel. Hatte ich gar nicht wahrgenommen, Ute erzählte es mir. Er hat sich wohl nur leicht verletzt.
Kaum war die Sonne untergegangen wurde es sofort kalt. Wir befinden uns immer zwischen 700 und 1000 m Höhe und in der Nacht geht das Thermometer schon runter auf 6 Grad C.
Ab 18 Uhr ist es hier stockdunkel und so konnte ich am Abend doch noch den prächtigen Sternenhimmel bei klarer Sicht betrachten.
9.11. Erg Chebbi – Nekob
Der erste Teil unserer heutigen Fahrt ging zurück nach Rissani. Zufällig sahen wir den Eingang des Souks und beschlossen noch Wasser, etwas Obst und eine Waschmaschine einzukaufen.
Wir fanden direkt am Tor einen Parkplatz. Bevor ich aussteigen konnte, warteten bereits 4 Stadtführer und ein Parkwächter auf uns. Gott sei Dank kam uns Mohammed, unser sympathischer Führer unseres ersten Besuchs entgegen. Ich begrüßte ihn herzlich und damit waren wenigstens schon mal die 4 anderen Stadtführer Schachmatt gesetzt. Den Parkwächter beauftragte ich für 5 Dirham (50 cent) auf unser Wohnmobil aufzupassen.
Dann erklärten wir Mohammed unsere Wünsche und schon ging es zu den Obstständen, wo wir schnell fündig wurden.
Nun zur Waschmaschine. Die Wohnmobilwaschmaschine besteht aus einem großen Plastikfass mit großer Öffnung und Deckel mit Dichtung. Dort hinein gibt man die Wäsche und füllt dass Fass ¾ mit Wasser. Man gebe Waschpulver dazu, fahre eine Tagesetappe in Marokko, spüle die Wäsche dann aus trockne sie und man ist unabhängig von Waschmaschinen auf Campingplätzen, die sehr rar gesät sind. Durch die Schaukelei des Wohnmobils, wird die Wäsche im Behälter ausreichend gereinigt. Dies war ein Tip unserer Reiseleiter.
Mohammed fand dann einen entsprechenden Händler und für 45 Dirham (4,5€) erstanden wir solch einen Behälter und freuen uns auf unsere erste Wäsche.
Ute erstand dann noch eine Fatima Hand und ein Berberkleid mit Kopftuch.
Weiter ging es Richtung Alnif, durch Steinwüstengebiet.
Auf unserer heutigen Route wurden wir auf einen Vulkanberg hingewiesen, mit schöner Aussicht, der allerdings abseits der Strasse über 4 km Piste zu erreichen ist und für allradtaugliche Fahrzeuge empfohlen wurde.
Als wir den Abzweig erreichten, reizte mich dieser abenteuerliche Abstecher so sehr, dass ich abbog und Piste fuhr. Allerdings im 1. Gang mit 6-10 Stundenkilometer. Natürlich wollte ich unser Fahrzeug nicht beschädigen und eine Reifenpanne mitten im Nirgendwo ist auch nicht die erste Wahl, was Erlebnisse angeht aber es war schon sehr spannend und aufregend.
Irgendwann kamen wir nach ausgiebiger Schaukelei an dem Berg an. Der Vulkanberg war vor 1000 Jahren bis zum 17. Jahrhundert die Karawanserei Sijilmassa, die den Handel zwischen Timbuktu und dem Mittelmeer kontrollierte. Damals lebten dort 100000 Menschen. Wahrscheinlich wurde sie dann geplündert und der Wüstenwind hat alles zerstört oder begraben. Man sieht nur noch einige wenige Mauerreste. Wir waren die einzigen dort und erstiegen die Vulkankante, von der wir wirklich einen phantastischen Ausblick bis auf die schneebedeckten Berge des Hohen Atlas hatten.
Die Rückfahrt war gar nicht so einfach, da man im Gegensatz zur Hinfahrt, wo der Berg die Richtung angibt, keine Orientierungspunkte hatte. Die zu erreichende Strasse sieht man in der Ebene nicht. Erstaunlicherweise kennt unser Navie teilweise auch Wüstenpisten und so haben wir uns darauf verlassen und sind nach Navie gefahren. Schließlich fanden wir die Strasse wieder.
Es ging weiter durch die Geröllwüste, Lehmdörfer, kleine Oasen auf einer guten Strasse mit sehr wenig Verkehr.
Unser Tagesziel war ein Camp in Nekop mit einer sehr engen Einfahrt. Das war noch zu meistern aber dann habe ich mir doch an der Alkovenseite eine Schramme eingehandelt durch einen Olivenbaum, da blöderweise Bauarbeiten stattfanden und Baumaterial umfahren werden mußte, dass voll im Weg lag, obwohl man wußte, dass die Gruppe Wohnmobile kommen würde. Ärgerlich aber hab ich mal unter Andenken abgehakt.
10.11. Nekop – Zagora
Wir fuhren ins Draa Tal, eins der landschaftlich schönsten Gegenden Marokkos, sagt man. Nach dieser Ankündigung fuhren wir unsere Erwartungen natürlich hoch. Also, wir haben schon schönere Strecken in Marokko befahren. Außerdem fiel die Strasse den Unwettern 2014 zum Opfer und wird erneuert. Das hieß, eine Baustelle jagte die andere.
Zagora hat uns dann doch überrascht, da sie sehr großzügig angelegt ist, mit 4 spurigen Strassen, sehr sauber und überall urbanes Leben. Unser Campingplatz war auch sehr schön und wir haben dann am Nachmittag und Abend einige Spaziergänge duch die Stadt unternommen.
11.11. Zagora – Agdz
Ich hatte gehört, dass man an den Tankstellen gut das Wohnmobil waschen lassen kann. Also sind wir zur ersten Tankstelle gefahren und haben danach gefragt. In der Waschhalle stand zwar ein PKW, der gewaschen wurde, als wir jedoch auftauchten, wurden die Prioritäten sofort geändert. Der PKW wurde halbfertig rausgefahren und ich konnte reinfahren. 1 Außenwäsche des gesamten Wohnmobils sollte 40 Dirham (4€) kosten und 1 Stunde dauern. Wir waren dann noch etwas spazieren und als wir wieder an die Tankstelle kamen, stand dort einer unserer Schweizer Mitreisenden. Er hatte unterwegs angehalten, um etwas am Fahrzeug zu kontrollieren und wurde heftig von einem Scheibenwischergummiverkäufer, solche Berufe gibt es hier, bedrängt. Als er ihn barsch abwies und wieder nach vorne kam sah er, dass der Typ ihm einen Scheibenwischer verbogen hatte. Natürlich war er über alle Berge. Also stand Reto (sein Name) jetzt an der Tankstelle und ihm wurde bereits geholfen. Mittels Telefon orderte der Tankwart das notwendige Gummi, ein PKW kam kurze Zeit später und der Fahrer montierte das neue Gummi.
Ich glaube, wenn man ein Problem am Auto hat, ist man in Marokko besser aufgehoben als in Deutschland, solange man sich in oder in der Nähe einer Stadt passiert.
Gestern hat Stefan sich verstärkte Federn für sein 4 Rad Mobil bestellt. Die kamen zum Platz, haben die alten Blattfedern ausgebaut und eine weitere Blattfeder angeschweißt. Dabei stellten sie fest, dass beide Stoßdämpfer bereits kaputt waren. Auch die haben sie besorgt und montiert. Abends war das Fahrzeug wieder fahrbereit.
Bei Sepp aus der Schweiz fiel der Fernseher aus, Satempfang war ok. Es kam ein anderer Experte mit seinem PKW zum Platz, baute das Fernsehen aus um es zu testen. Er kam dann wieder und berichtete, dass es defekt sei. Für kleines Geld ließ sich Sepp dann einen neuen Fernseher einbauen und ist wieder zufrieden.
Unser Wohnmobil wurde uns übrigens so sauber übergeben, wie wir es neu, von unserem Händler, beim Kauf, übernommen hatten. Sagenhaft und das zu dem Preis. Als wie als Letzte heute den Campingplatz in Agdz erreichten, waren auch unsere Mitfahrer vom Ergebnis der Reinigung beeindruckt. Ich wette, morgen sehe ich sie alle an den Tankstellen in der Waschhalle stehen.
12.11. Agdz – Quarzazate
Heute fuhren wir relativ schnell auf die traumhafte Passstrasse von Tizi n’Tinififft. Wir hielten an vielen Aussichtspunkten und hatten eine grandiose Sicht in den Hohen Atlas mit seinen schneebedeckten Gipfel. Obwohl wir allein unterwegs Waren und keine Menschenseele auf der Strasse zu sehen war, erschienen bei unseren Stopps wie aus dem Nichts Dattelverkäufer. Die müssen den ganzen Tag über hinter irgend einen Felsen lauern.
Nach Überschreitung des Gipfels auf 1660 m, entschieden wir uns etwas später in Tarnigt zu dem Abzweig zur Kasbah Tavurit, die wir besichtigten. Dort fand auch eine Ausstellung der landwirtschaftlichen Kooperativen statt. Obwohl die angebotenen Datteln sehr gut schmeckten, war uns das Mindesrgebinde von 2 kg dann doch zuviel.
Weiter ging es zu den Atlas Filmstudios, die wir mit Führer besichtigten. Es existiert hier eine sehr erfolgreiche Filmindustrie. Lawrence von Arabien, die Päpstin, der Medicus, der Gladiator, Cleopatra, sämtliche Folgen von „die Bibel“, letzte Versuchung Christi sowie Asterix und Obelix sind einige Filme, die hier gedreht wurden und deren Kulissen wir betrachten konnten.
Der letzte Besichtigungspunkt unserer Fahrt war der Besuch der Kasbah Ait Ben Haddon, seit 1987 zum Weltkulturerbe zählend und sehr sehenswert. Dort konnten wir uns frei in den engen Gassen und Gängen bewegen.
13.11. Quarzazate – Tata
Heute stand eine lange Etappe auf dem Plan von 280 km. Die Nacht war kalt, morgens hatten wir 4 Grad C, wir befanden uns eben auf 1200 m. Das Wetter hat es bis jetzt gut gemeint. Am Tage steigen die Temperaturen regelmäßig auf 24 Grad.
Die Fahrt begann schön, den Hohen Atlas voraus ging es wieder durch schöne Wüstenlandschaften. Alles war gut. Doch dann kam der Abzweig auf die R108. Wir hatten abends im Briefing erfahren, dass ca. 30 km schlechte Strasse zu bewältigen sei. Das war gelogen. Es gab nämlich gar keine Strasse. 2014 gab es in Marokko heftige Unwetter mit schlimmen Überschwemmungen. Die gesamte Strasse war damals mit Brücken weggerissen worden. Die 30 km waren eine einzige Baustelle. Uns wurde Sand, Schotter, ausgetrocknete Flussbetten, Steine angeboten, garniert mit gefühlt 1,5 Mio. Schlaglöcher. Ich traute meinen Augen nicht und konnte nur im 1. Gang bei schnellem Schritttempo und ständigem Ausweichen der Schlaglöcher mich langsam voran bewegen. Blöd war auch, dass wir ausgerechnet heute die ersten waren, die gestartet waren und wir uns an niemanden orientieren konnten.
Stunden später, kamen uns zwei österreichische MAN Expeditionsfahrzeuge entgegen. Der Fahrer des ersten Wagens winkte mir zu anzuhalten. „Ich glaube nicht, dass ihr hier durchkommt mit eurem Überhang. Ihr werdet euch alles aufreissen“ warnte er grinsend aus seinem 350000€ Fahrzeug. Das ist dann genau die Motivation, die man braucht, wenn man schon so „die Schnauze voll hat“ . Ich ließ mir nichts anmerken und meinte nur: Wir versuchen es.
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Kurze Zeit später tauchte Günter hinter uns aus, der mit dem selbstgebauten Allradfahrzeug aus unserer Gruppe. Ich ließ ihn überholen und 3 km später stoppte er vor einer Flußdurchfahrt, wo früher mal eine Brücke stand. Er sucht den besten Weg durch das Wasser. Ich war heilfroh, dass ich nicht der Erste an dieser Stelle war. Vorsichtig sind wir dann erst runter in den Fluß, dann über Kieselsteine und danach steil wieder nach oben zur Fahrbahn. Hab ich tatsächlich ohne Aufsetzen hinbekommen. Nach weiteren 2 km hatte diese Qual ein Ende und wir wechselten dann auf eine gut erhaltene Strasse.
Der Rest der Tour ging in den Anti Atlas, wo wir dann auch unser Quartier bezogen.
Nach dem Frühstück, reihten wir uns zu einem Konvoi auf, um gemeinsam nach Algeciras zu fahren und die Fähre nach Tanger Med zu erreichen. Dort kamen wir 2 Stunden vor dem Ablegen an. Dann ging es auf die Fähre. Die Überfahrt dauert 1,5 Stunden. Während der Überfahrt muß man zur Paßkontrolle und sich die notwendigen Einreisestempel mit der wichtigen Einreisenummer abzuholen. Also reihten wir uns nach 30 Minuten in die Schlange ein. Und dann begann das Desaster, dass bis zum Abend dauern sollte. Man konnte auch sagen: Willkommen in Afrika.
Für alle Pasagiere hatten sie einen Grenzer für die Passformalitäten eingesetzt. Das hatte zur Folge, dass wir längst in Tanger Med angelegt hatten und immer noch Hundert Leute auf die Abfertigung warteten. Das hatte wiederum zur Folge, dass kein Auto die Fähre verlassen konnte, da die Ausfahrten von Fahrzeugen der nicht abgefertigten Passagieren blockiert waren. Nachdem wir mehr als 2 Stunden gewartet hatten, vergrößerte man die Abfertigungsmannschaft um 2 auf 3. Sie teilten sich aber den einzigen Stempel und konnten die Eingabe in den Computer nur mit 2 Fingern und langem Suchen der Buchstaben bewerkstelligen. Dazu kam, dass die Bediensteten der Fähre noch einen Nebenjob hatten, das geschmierte Vordrängeln. Wer Geld bot, wurde an der Schlange vorbei ganz nach vorne geführt. Dies wiederum führte zu tumultartigen Szenen, da die geduldig in der Schlange Wartenden versuchten, das Vordrängeln zu verhindern.
Irgendwann waren wir durch und hatten jetzt als nächste Herausforderung, den Zoll, mit dem Einführen der Wohnmobile vor uns. Wir füllten Formulare aus und folgten jedem Winken der Polizei. Nachdem ich meine Papiere abgegeben hatte und auf die Zollabnahme wartete, wurde der ganzen Gruppe mitgeteilt, dass sie zurück zu einem bestimmten Punkt mußte, da sie sich bei der Polizei nicht gemeldet haben sollte. Also wieder mit 11 Wohnmobilen gewendet und zurück. Dort passierte nichts. Man ließ uns warten. Unsere Reiseleitung versuchte Beamte zu motivieren, uns abzufertigen aber es dauerte wieder mindestens 2 Stunden bis wir dann doch einreisen durften.
Es war mittlerweile 18:30 Uhr abends und die erste Tagesetappe in Marokko lag ja noch vor uns. Geplant war die Einreise für 13:30 Uhr und unser nachmittägliches Briefing um 17:30 Uhr auf dem Campingplatz. Unmittelbar nach der Grenze tauschten wir noch Geld und ich kaufte noch für 20 € eine marokkanische SIM Karte, mit der ich, alle telefonischen und internetmäßigen Ausgaben für die nächsten 30 Tage beglichen haben sollte. Für Interessierte, meine marokkanische Tel.-Nr. lautet: 00212 633230958. Utes Tel.-Nr. ist geblieben.
Wir sind dann individuell gestartet und ich war froh, als ich merkte, dass wir der eingestellten Route, dank des Navis und Utes Anweisungen aus dem Roadbook, gut folgen konnten. Allerdings hatten wir gleich am Anfang darartigen Nebel in den Bergen, dass ich nur im 2. Gang langsam fahren konnte um überhaupt auf der Strasse zu bleiben.
Auf der Küstenstrasse war dann wieder alles ok und wir haben den Campingplatz, wie auch alle anderen Mitfahrer, gefunden.
30.10. Martil – Quezzane
Die Nacht war ok, nach den gestrigen Strapazen hatten wir gut geschlafen. Gut war auch, dass wir von gestern auf heute 2 Stunden gewonnen hatten durch die Zeitverschiebung, eine von Spanien nach Marokko und eine weitere in der Nacht zum 30.10. So konnten wir trotz ausgiebigem Ausschlafen schon um 9 Uhr starten. Die heutige Etappe betrug 170 km, natürlich ohne Autobahn.
Vorher ging es aber noch in den Marjane Supermarkt zum Einkaufen. Die Marjane Supermarktketten gehören Kataris, sind sehr gut sortiert, allerdings ohne Alkohol, was uns ja nicht stört.
Danach erleben wir eine traumhaft schöne Fahrt durch das Rif Gebirge, mit schönen Blicken auf den Atlantik oder in die Felsformationen. Fahrerisch war die Strasse ein Traum, ich liebe Serpentinen und steile An-bzw. Abstiege.
In Chefchaouen konnten wir am dortigen Campingplatz unser Wohnmobil parken und zu Fuß über Treppen in die Medina gelangen. Die Gebäude der Medina sind in hellblau und weiß gehalten. Sie war sehr interessant zu besichtigen. Dort haben wir zu Mittag gegessen und sind dann mit dem Taxi wieder zurück zum Wohnmobil gefahren.
Jetzt lagen noch 75 km vor uns. Wieder ging es in die Berge. An einem Fotostop, sprach uns plötzlich ein Deutscher an. Er war bei Siemens beschäftigt und baut in der Nähe eine Fabrik zur Herstellung von Windkraftanlagen, die zu 80 % exportiert werden sollen. Das Projekt soll 4 Jahre dauern. Er hatte frei, da Sonntag war und zeigte seinem Vater und seinem Onkel, die bei ihm zu Besuch waren, die schöne Umgebung.
Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf 30 Grad C. Um 16:30 Uhr erreichten wir unseren Campingplatz in Quezzane und hatten noch Zeit, bis zum allabendlichen Briefing, zu duschen.
Abends gab es das erste marokkanische Gruppenessen, Suppe, Couscous und Obst.
31.10. Quezzane – Fes
Gott sei dank hatte es sich in der Nacht schön abgekühlt und wir konnten sehr gut schlafen.
Wir sind die ersten bei der Abfahrt um 8:30 Uhr. Die heutige Etappe betrug 150 km. Und wird für die nächsten 4 Tage die letzte Fahretappe sein. Wir werden von Fes aus verschiedene, organisierte Ausflüge und Besichtigungen machen.
An den marokkanischen Verkehr habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Er erfordert schon mehr Aufmerksamkeit als der deutsche. Es kommen einem Fahrradfahrer auf der eigenen Spur entgegen, Fußgänger benutzen die Fahrbahn, allerlei Tiere, wie Esel, Schafe, Hunde oder Ziegen können plötzlich auftauchen.
Die heutige Fahrt war nicht so spektakulär, wie die gestrige aber viel entspannter. An einem weiteren Marjane Supermarkt haben wir in einem angeschlossenen Restaurant sehr lecker zu Mittag gegessen und kamen schon am frühen Nachmittag in Fes an. Der Nachmittag diente dann der Entspannung.
1.11. Fes
Heute ist der erste von 3 Tagen, an denen wir selbst nicht fahren.
In gemieteten Bussen und einem deutschsprachigen Reiseleiter fuhren wir zunächst nach Mecknes, der ersten Königsstadt, die wir besuchen. Sie besitzt 3 Stadtmauern. Die äußere hat eine Länge von 23 km. Die zweite schützte die priviligierte Bevölkerung, wie Beamte oder die Königsgarde. Die innere schützte den Königspalast.
Interessant war, dass wir einen Blick in den inneren Bereich werfen konntenund waren erstaunt, dass sich der König dort einen Golfplatz leistet.
Die Medina ist für europäische Augen immer wieder spannend zu besuchen.
Nach dem Mittagsessen ging es nach Volubilis, die am besten erhaltene Ausgrabungsstätte aus dem römischen Reich in diesem Teil Nordafrikas, mit vielen kunstvollen Mosaiken. Es gehört seit 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe.
Den Abschluß des Tages bildete der Besuch von Moulay Idris, der wichtigsten Pilgerstätte Marokkos für Moslems. Sie besuchen das Mausoleum von Idris I, dem Gründer der Stadt. Da sich viele Marokkaner den im Islam erwünschten Besuch von Mekka nicht leisten können, und früher eine Reise nach Mekka 3 Jahre dauerte, ist ein 7facher Besuch von Moulay Idris gleichrangig, wie der Besuch von Mekka. Bis vor einigen Jahre galt die Stadt als verboten für Nichtgläubige, dies wurde dann aber liberalisiert. Weiterhin war der Besuch des Mausoleum jedoch für uns verboten.
2.11 Fes
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Medina von Fes.
Nach der Anfahrt durch das moderne Fes, wo der wohlhabendere Teil der Bevölkerung lebt, hielten wir als erstes am Tor des Königspalastes. Danach ging es zu einem Aussichtspunkt mit einem schönen Blick auf die gesamte Medina. Es gab interessante Informationen, wie z.B., warum die Stadt in Hanglage gebaut wurde, weil so die Abwässer automatisch abflossen. Die Hauptstrassen wurden gen Norden gebaut, weil so die Sonne genau 1 Stunde jede Strasse beschien und die Hinterlassenschaften der Esel, Muhlis, Kamele und Hunde dann getrocknet waren und keine unangenehmen Gerüche hinterliessen. In Fes wurde die erste Universität der Welt gegründet und unter anderem unser Alphabet erfunden.
Danach begann ein sehr ausführlicher Besuch der Medina mit Besuchen verschiedener Handwerksbetrieben wie Weberei, Töpferei, Bronzebearbeitung und Gerberei, natürlich jedes mal mit der Gelegenheit die Produkte günstig zu erwerben.
Alles in allem war es ein interessanter aber auch sehr anstrengender Tag.
3.11. Fes
Der heutige Tag stand uns zur freien Verfügung.
Ich hatte nur einen Termin am Nachmittag. Gestern wurde gefragt, wer Lust hätte, einen Hammam zu besuchen. Da ich grundsätzlich neugierig bin, Neues auszuprobieren, hatte ich mich gemeldet. Mit mir waren noch 4 Frauen mit von der Partie. Da Frauen und Männer getrennt „behandelt“ werden, und Frauen nur von Frauen und Männer nur von Männern, mußte für mich extra noch einer besorgt werden.
Ich verkürze das Erlebnis jetzt mal auf – das brauche ich kein zweites Mal. Wer darauf steht von älteren Arabern wie ein Baby gewaschen, eingeseift, abgespült, eingeölt, massiert, abgeseift, shampooniert und noch mal abgespült zu werden ist hier richtig – für mich war es weniger Wellness, eher Stress. Ich hake das mal unter Erlebnis ab.
heute gibt es die letzten Lebenszeichen aus Europa.
23.10. Lissabon – Evora
Nach einer gemütlichen Fahrt, erreichten wir Evora und unseren Stellplatz, direkt an der Altstadt.
Evoras Altstadt gehört zum Unsesco Weltkulturerbe. Ihre Geschichte geht bis auf das 1. Jahrhundert n.C. zurück. Die Altstadt ist hervorragend erhalten und gut zu besichtigen. Schön war auch, dass an diesem Sonntag ein mittelalterlicher Markt stattfand, der gut besucht wurde.
Das Kurioseste in der Stadt ist jedoch die Chapel of Bones. Diese Kapelle wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut und mit den Knochen der Einwohner ausgeschmückt. Man wird am Eingang der Kapelle mit den Worten : Hier sind unsere Knochen, wir warten auf eure (Übersetzt) begrüßt.
24.10 Evora – Moncarapacho (Manta Rota)
Eine wunderschöne Fahrt durch das Gebiet des Alentejo. Es wechselten sich Olivenplantagen mit Korkeichen, und Weinreben ab.
Bester Laune näherten wir uns unserem Tagesziel Moncarapacho. Ute hatte im ADAC Stellplatzführer 2 Stellplätze gefunden, die sehr gut beurteilt wurden. Dann brachen wir unseren persönlichen Rekord. Noch 120 m bis zum Stellplatz. Das Navi schickte mich in eine letzte 90 Grad Kurve und schon stand ich auf der Bremse. Die Strasse viel zu eng und zu niedrig für den Alkoven. Also Warnblinkanlage an, vorsichtig zurücksetzten und auf dem Seitenstreifen anhalten. Ute ist dann, bei strömenden Regen, die 120 m abgegangen – kein Stellplatz vorhanden.
Also Stellplatz Nr. 2 eingegeben, ca. 3 km entfernt. Wir wurden dann in die Berge geführt auf Strassen, die sich immer mehr der Breite unseres Wohnmobils annäherten. Als wir von Teer auf Schotter wechselten, nutzte ich das Gott sei Dank offene Tor einer Finca um vorsichtig zu wenden. Mein Humor war jetzt auch aufgebraucht.
Ein Klick auf unsere PromobilApp im Navi zeigte neben die beiden nicht mehr vorhandenen Stellplätze, noch einen dritten, in der Nähe an. Also auf ein Neues. Dann standen wir mit der Zieladresse in einer Gärtnerei. Nichts zu sehen von Wohnmobilstellplätze. Langsam begannen unsere Nerven blankzuliegen.
Zum Glück fand Ute dann in der PromobilApp einen Stellplatz in 40 km Entfernung, in Manta Rota, an den sie sich erinnerte, da wir im Frühjahr dort waren. Ich hatte mir damals einen Hexenschuss zugezogen und ihn 3 Tage auf dem Platz auskuriert. Ich hätte mich aber an den Namen nicht erinnert. Dort sind wir dann auch hingefahren und haben ihn auch tatsächlich gefunden. Wahrscheinlich müssen wir unsere 3 Jahre alte Stellplatzführer mal aktualisieren.
25.10. Manta Rota – Sevilla
Ute hatte in Unterlagen gelesen, dass sich 40 km von Sevilla entfernt, der Ort mit der schönsten Altstadt Andalusiens befinden soll. Carmona ist sein Name, ich hatte nie etwas von ihm gehört. Nach kurzer Überlegung, ob es uns die 80 km Umweg wert sind, entschieden wir, es zu tun.
Carmora war den Umweg wert. Die gesamte Altstadt befindet sich noch in gut erhaltenen Stadtmauern aus der Römerzeit und hat ihren eigenen Stil mit gelb abgesetzten Fenstern. Es war schön, durch die Gassen zu wandern, leider zur falschen Zeit, denn es war Siesta, alles, auch die vielen eindrucksvollen Kirchen waren geschlossen. Wir hatten auf der Fahrt nach Carmora 1 Stunde verloren, da Portugal 1 Stunde Zeitverschiebung hat.
Anschließend fuhren wir zu dem uns bekannen Stellplatz in Sevilla und trafen dort sowohl den anscheinend immer übel gelaunten Platzwart, als auch seinen betagten Hund.
26.10. Sevilla – El Palmar
Heute gab es nur die Pflichtaufgabe, an der letzten Möglichkeit in Chiclana de la Frontera noch einmal Gas aufzutanken und auch den Dieseltank füllten wir auf, damit wir Samstag gut vorbereitet nach Marokko einreisen können.
In El Palmar fanden wir einen freien Stellplatz, direkt am Strand. Die Temperatur betrug heute 27 Grad, nach 24 Grad gestern. So kann es bleiben.
27.10. El Palmar – Tarifa
Übernacht war es stürmisch geworden, ohne abzukühlen. Es waren nur 60 km bis zum Campingplatz in Tarifa aber ich hatte alle Hände voll zu tun, das Wohnmobil auf der Strasse zu halten, so stürmisch war es.
Auf dem Campingplatz wurden wir sogleich von Imke aus Potsdam begrüßt, unsere Reiseleiterin für Marokko. Macht auf den ersten Blick einen ganz patenten Eindruck. Wir sind wohl die ersten der Gruppe, die mit der Reiseleitung 11 Wohnmobile stark sein wird.
Als wir unseren Platz bezogen hatten, besuchte uns noch Stefan, der Fahrer von Wiebke und wahrscheinlich auch ihr Ehemann.
Heute war noch einmal große Wäsche angesagt, die bei den Temperaturen und dem Wind gut trocknete.
28.10. Tarifa
Es herrscht Sturm bei strahlendem Sonnenschein. Ich habe mich nicht an den Strand getraut, da ich mich in den Boen kaum auf den Beinen halten konnte. Selbst den Kitern war der Wind wohl zuviel, ich habe den ganzen Tag keinen einzigen Schirm gesehen. Einem unserer Mitreisenden ist die Dachluke durch den Wind abgerissen worden, hat man mit Holzlatten notdürftig repariert.
Heute abend war unser erstes Briefing, das in den nächsten 4 Wochen täglich stattfinden wird. Dabei wird die nächste Tagesetappe erläutert und auf mögliche Sehenswürdigkeiten hingewiesen.
Wir erhielten ein Roadbook für alle folgenden Etappen mit ausführlichen Streckenerklärungen und GPS Daten und einen Reiseführer mit Karte. Macht insgesamt einen professionellen Eindruck.
Morgen steht erst mal die Ausreise, die Fährüberfahrt und die Einreise an.
Diesmal hatten wir eine ruhige Nacht. Wir befinden uns immer noch in einem Tiefdruckgebiet, wo es bis Mittag trocken und schön ist, dann im Laufe des Nachmittags bis zum nächsten Morgen regnet. Die Wetterapps versprechen allerdings ab morgen wieder gutes Wetter.
Heute hatten wir uns Fatima als Ziel gesetzt. Mir war Fatima nur als größtes Heiligtum in Portugal bekannt. Jeder Portugiese muß angeblich einmal im Leben nach Fatima gepilgert sein.
Die Reise begann komisch. Unser Navie führte uns immer tiefer in ein Naturschutzgebiet, wobei die Strasse von Teer auf Piste und dann auf Schlaglochpiste wechselte. Da die Löcher voll Wasser waren und teilweise über die ganze Piste reichten, war nicht zu erkennen, wie tief sie waren. Das war eine Eierei im ersten Gang. Nach 2 km hatte ich die Nase voll und habe gewendet, einen kleinen Umweg in Kauf genommen und Mensch, Nerven und Material geschont.
In Fatima konnte man direkt am Santuario, dem Heiligtum, auf dem großen Parkplatz kostenlos übernachten.
Am 13.5.1917 hatten die drei Hirtenkinder Lucia, Francisco und Jacinta auf dem Feld eine Erscheinung, eine Dame im strahlendem Licht mit einem Rosenkranz. Sie ermahnte die Kinder zu beten und lud sie jeweils am 13. Zur selben Stunde zum selben Ort ein. Bei der letzten Erscheinung am 13.10.1917 waren bereits 70000 Personen anwesend, die das Wunder auch sahen. Die Sonne verwandelte sich in eine Silberscheibe und drehte sich um sich selbst, wie ein Feuerrad und es schien, als würde sie zur Erde herabstürzen. Dies ist nur eine sehr grobe Beschreibung des Wunders, alles im Detail liefert Wikipedia.
Die Anlage in Fatima ist gigantisch. Alles super gepflegt und hervorragend präsentiert. Der Platz vor der Kirche ist größer als der vor dem Petersdom. Jährlich pilgern zwischen 4 und 6 Millionen Menschen nach Fatima. Es ist wirklich ein eindrucksvoller Ort und sehr ergreifend zu beobachten, mit welcher Inbrunst die Gläubigen dort beten oder wie sie auf ihren Knien nach vielen Kilometern, die Kirche erreichen.
Mit einer kleinen Touristenbahn sind wir dann die Plätze abgefahren, die mit den 3 Hirtenkindern und der Erscheinung in Verbindung stehen.
18.10. Fatima – Peniche
Der Sommer hat uns wieder erreicht. Im Laufe des Tages stiegen die Temperaturen auf 24 Grad C.
Auf dem sehr guten Stellplatz tauchte ein alter MAN aus Berlin auf. Die beiden Insassen sahen sehr alternativ aus, in Flatterkleid und Pumphose. Nach verschiedenen Manövern auf dem Platz stellte er sich dann neben uns. Ich kam ins Gespräch mit Uwe aus Berlin, 62 Jahre alt, Vater von 6 Kindern und seit 3 Jahren in dem 40 Jahre alten Bus lebend. Kinder sind erwachsen, 200 qm Wohnung im Prenzlauer Berg wurde aufgegeben und seitdem sind sie in der Welt unterwegs. Der Bus iar ein alter Theaterbus aus Neuss, den er vor vielen Jahren ausgebaut hatte. Er war ein großer Surffan und berichtete, das ab heute, die ganze Woche über, ein Surfworldcup hier stattfindet, zu dem die ganze Weltelite angereist ist.
Das haben wir dann zum Anlaß genommen, dort einmal vorbei zu schauen. Super Atmosphäre, super Sandstrand, kein Wind, sommerliche Temperatur und gute Welle. War sehr kurzweilig, obwohl es heute noch keinen Wettkampf gab, sondern nur Training.
19.10. Peniche
Der gestrige Strandtag hatte uns so gut gefallen, dass wir noch einen Tag in Peniche dranhängten.
Mittags ging es zum Surf Worlcup. Leider fand wieder kein Wettbewerb statt, wegen der nicht ausreichenden Wellen. Trotzdem haben wir die Profis beim Training wieder gut beobachten können. Ein Photo in dem neuen Ordner der Dropbox zeigt uns bei der Siegerehrung des Paarsurfens, bei dem wir den 3. Platz belegten, leider geschlagen von John John Florence und Gabriel Medina. Auf dem anderen Foto seht ihr mich beim Einzel, allerdings chancenlos.
20.10. Peniche – Lissabon
Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns doch Lissabon in unseren Reiseplan aufzunehmen. Wir waren unschlüssig, da wir bereits im Frühjahr hier waren aber wir lagen gut im Zeitplan und Lissabon war nicht weit entfernt.
Nach 2,5 Std. kamen wir in Lissabon an und sahen – nichts. Totaler Seenebel war aufgezogen. Trotzdem fanden wir den letzten Stellplatz auf einem Parkplatz in Belem.
Sodann starteten wir unsere Excursionen, Zuerst zu Fuß am Tejo entlang und als sich der Nebel dann doch auflöste mit einem Hop On Hop Off Bus.
Abends fuhren wir dann mit einem Taxi in die Alfama, der Altstadt von Lissabon. Abendessen mit Fado mußte sein.
21.10. Lissabon
Nach einer unruhigen Nacht, der Platz befindet sich an einer Bahnlinie, an einer viel befahrenen Strasse, an einer Fährstation, in der Einflugschneise und in unmittelbaren Nähe zu einem Kiosk, der bis in den frühen Morgen laut Musik spielte, begann Teil 2 des Besichtigungsprogramms.
Unser gestern erworbenes Busticket galt für 2 Tage und berechtigte auf einer weiteren Besichtigungsroute den Bus zu benutzen. Diesmal lag der Schwerpunkt im Osten der Stadt, wo noch viele Gebäude stehen, die anläßlich der Weltausstellung errichtet wurden.
In meiner Liste der Berufe, die ich nie machen möchte, ist heute: Busfahrer im Hop On Hop Off Touristenbus in Lissabon, ganz nach oben gerutscht. Der Fahrer mußte sich fast 2 Stunden durch den Verkehr quälen, mit gefühlten 100000 anderen Bussen, alle Haltestellen waren blockiert und dazu kamen noch viele Großbaustellen.
Anschließen haben wir uns dann noch einige Schwerpunkte zu Fuß genauer angesehen. Abends trübte es sich ein und da wir den ganzen Tag unterwegs waren, ging es per Taxi wieder zurück zum Wohnmobil.
22.10. Lissabon
Ja, überraschend haben wir noch einen Tag hier eingelegt.
Nachdem wir auf unserer geplanten Tour Richtung Evora noch bei dem uns bekannten Declathon am Campingplatz von Lissabon vorbei fuhren und noch ein paar Schnäppchen machten, meinte Ute: eigentlich habe ich keine Lust mehr zur Weiterfahrt heute. Das heißt übersetzt: fahr bitte noch die 500 m zum Campingplatz, wir machen es uns heute gemütlich im Wohnmobil.
Morgens mußte ich erst einmal den Bäcker vor unserem Wohnmobil verscheuchen, der dort mit seinem Lieferwagen parkte, seinen Stand aufbaute und begann, frische Baguettes zu verkaufen. Er machte dann auch nur so viel Platz wie gerade nötig.
Bilbao war unser heutiges Ziel. Biarritz und San Sebastian hatten wir schon im Frühjahr besucht, und so ließen wir sie „links liegen“.
Die Fahrt war wieder problemlos, allerdings teuer, da wir mautpflichtige Autobahnen befuhren und laufend zur Kasse gebeten wurden. Kurz vor Bilbao die letzte Station. Ich erwartete wieder zwischen 10 und 20 Euro, die nette Dame im Kassenhäuschen sagte etwas auf Spanisch, was ich natürlich nicht verstand und deutete dann auf die Anzeigentafel. Da stand was von ….24 Ich dachte: Mann ist das teuer, dann sah ich 0,24€. Meinen ungläubigen Blick quittierte sie mit Kopfnicken, und ich weiß bis jetzt nicht, wie dieser Betrag zustande kam.
So erreichten wir bei gutem Wetter unseren Stellplatz. Der war wirklich klasse. In Bilbao möchte man nicht mit dem Wohnmobil hineinfahren, geschweige denn einen Stellplatz suchen, und so haben die Stadtoberen außerhalb von Bilbao, auf einem Berg, einen vorbildlichen Stellplatz erreichtet, wo man vom Wohnmobil aus den 1 Millionen Dollarblick auf ganz Bilbao hat. Fußläufig 300 m war die Busstation erreicht und in knapp 30 Minuten war man dann in der Altstadt.
Das haben wir dann auch gemacht. Zuerst haben wir uns im Mercato mit superleckeren Bocadillos gestärkt.
Dann folgte ein entspannter Rundgang durch die sehr sehenswerte Altstadt. Der obligatorische cafe con leche rundete den Nachmittag ab, und wir fuhren abends wieder zurück zum Stellplatz.
Bei Dunkelheit hatten wir dann einen spektakulären Blick auf das beleuchtete Bilbao.
9.10. Bilbao – Gijon
Heute sollte es tiefer ins Baskenland gehen. Wir entschlossen uns, Landstrassen zu befahren, die in der Karte rot/grün markiert waren, ein Zeichen für landschaftlich reizvolle Strassen. Allerdings hatte ich mich beim Routen schon gewundert, warum wir für 280 km an die 7 Stunden brauchen sollten. Die Erklärung folgte recht schnell. Wir brauchten über eine Stunde um aus Bilbao herauszukommen, obwohl wir gar nicht drin waren. Die Orte im Baskenland lieben Ampeln. Jede der gefühlten 200 Ampeln, die wir passieren mußten, stand erst einmal auf rot.
Als wir dann endlich die Stadt verlassen hatten, warteten wir ungeduldig auf die landschaftlich schöne Strecke. Wir fuhren jeden Hügel rauf und runter, durch viele kleine Orte, die nicht unbedingt sehenswert waren, aber natürlich Ampeln besaßen, die, wenn sie uns kommen sahen, das Bedüfnis hatten, uns näher kennenzulernen und auf rot zu schalten.
Nach 1,5 Stunden hatten wir die Nase voll und stellten das Navi auf Autobahn. Und dann begann die von uns erhoffte schöne Tour. Besonders reizvoll war die Strecke Islares über Orinon nach Laredo. Durch einige Nationalparks, Gebirgsketten und mit Blick auf den Atlantik ging es weiter nach Asturien.
Der Stellplatz in Gijon befindet sich direkt am Strand der Biskaya und ist kostenlos. Gijon ist eine Industriestadt, die ansonsten für uns touristisch nicht viel zu bieten hatte. Zudem war es Sonntag und die Geschäfte waren geschlossen. Nach einer leckeren Stärkung mit Tortillas am Strand, hielten wir uns den Rest des Tages dort und in der Nähe des Wohnmobils auf.
10.10. Gijon – A Coruna
Heute lagen wieder 260 km vor uns. Wir entschieden, wieder die Autobahn zu benutzen, da die A8 größtenteils an der Küste verläuft und schöne Ausblicke versprach. Und so war es auch. Die Fahrt durch Asturien war landschaftlich ein Genuß. Leider gab es auf der gesamten Strecke keinen einzigen Parkplatz, so dass Fotostopps ausfielen. Aber wir haben die Bilder ja im Kopf. Galizien schloss sich an mit der zu erwartenden üppigen Vegetation, steilen, hohen Bergen und schroffen Küsten. Mit dem Wetter hatten wir wieder Glück, da dies die regen- und nebelreichste Gegend Spanien ist.
Kurz nach Mittag war A Coruna erreicht. Noch 500 m. Ihr wisst was kommt – richtig, wir wurden von einem freundlichen Polizisten gestoppt. Vor uns lag ein kurzer Bereich, der als Fussgängerzone ausgewiesen war und nur von Bussen und Taxen befahren werden durfte. Wir zeigten dem Polizisten unsere Stellplatzadresse. Er wusste, wo das war und kurz hatte ich den Eindruck, er würde uns für die paar hundert Meter fahren lassen. Dem war aber nicht so. Ich mußte wenden, da hinter mir bereits ein Stau entstand. Er erklärte mir dann ausführlich und sehr lang, wie ich die Innenstadt zu umfahren hätte, um dann wieder in Sichtweite dieses Punktes, nach der Zone, unser Ziel zu erreichen – leider in Spanisch. Ich hatte nichts verstanden, und wir machten uns dann daran, durch die Innenstadt einen möglichen Weg zu finden. Nach 40 Minuten hatten wir es dann tatsächlich geschafft. Der Stellplatz scheint neu und unbekannt zu sein. Es stand nur 1 Wohnmobil dort. Die Lage ist phantastisch, man befindet sich direkt in der neuen Marina, ist in 2 Minuten in der Altstadt und in 10 Minuten im Stadtzentrum. Strom, Wasser, Duschen, Waschmaschine und Entsorgung sind auch vorhanden. Wir sind dann wohl doch für unsere Mühen belohnt worden.
Sogleich unternahmen wir einen Spaziergang in die Altstadt und aßen in einem kleinen Restaurant zu Mittag. Anschließen ging es ins Stadtzentrum, das direkt am Hafen liegt und sehr sehenswert war.
11.10. A Coruna
Analog zur Wettervorhersage war über Nacht Bewölkung aufgezogen. Im Laufe des Tages sollte es auch regnen.
Morgens habe ich mir den Einlauf der „Independence Of The Sea“, ein riesiges Kreuzfahrschiff mit 3680 Passagieren und 1360 Besatzungsmitgliedern, angesehen. Die Dimension des Schiffes im Verhältnis zur Größe der Häuser von A Coruna war schon befremdlich.
Anschließend ging es zu Fuß und regenfest zum Herkules Leuchtturm, dem Wahrzeichen von A Coruna. Er gehört zum Weltkulturerbe, stammt aus dem 1. Jahrhundert und ist der älteste, aktive römische Leuchtturm. Unterwegs kam dann auch der galizische Regen, allerdings bei milden Temperaturen. Als wir den Leuchtturm verließen, kamen auch schon die Busse des Kreuzfahrtschiffs.
Unser nächstes Ziel war der Besuch des Aquariums. Nach der mittäglichen Stärkung mit Tapas in der museumseigenen Bar wurden dann die Exponate ausgiebig studiert. Sie waren sehr schön präsentiert, in Aquarien und Becken, die den Lebensraum der Fische sehr gut nachbilden.
Nach der Rückkehr zum Wohnmobil hieß es Beine hochlegen und Fußball gucken.
12.10. A Coruna – Fisterra
Die ganze Nacht über hatte es gegossen. Die Stimmung paßte zu unserem heutigen Ziel, nämlich, das Ende der Welt. So heißt das wirkliche Ende des Jakobsweges am Cabo Fisterra. Hier haben früher die Pilger ihre Schuhe stehen gelassen und ihre Kleider verbrannt, als weitere rituelle Reinigung.
Die Fahrt auf einer nagelneuen Autobahn durch eine abwechslungsreiche Landschaft war sehr kurzweilig. Das Wetter wurde überraschender Weise auch wieder gut.
In Fisterra fanden wir einen schönen Stellplatz mit Blick auf das Meer. Vorher sind wir aber noch zum Kap gefahren und haben uns das Treiben der Pilger dort vor Ort angesehen. Schilder wiesen überall darauf hin, dass offenes Feuer verboten ist, aber man sah einige Stellen, wo noch Reste von Kleidung zu erkennen waren. Schuhe und andere Pilgerutensilien waren überall verstreut. Das Wetter wurde richtig mystisch mit abwechselndem Sonnenschein und Nebelschwaden. Typisch galizisch eben.
Fisterra ist voll auf die Pilger des Jakobwegs eingestellt. Überall gab es günstige Hostels und kleine Herbergen. Am Hafen konnte man nett sitzen und gut essen.
Am Ende des Hafens gab es ein altes Castell. Dort erschien ein alter Mann, der eine Familie vor uns ansprach und nach deren Nationalität fragte. Es waren Deutsche, und die Tochter konnte Spanisch. Auch wir wurden von ihm angesprochen und dann bat er uns in ein kleines Fischereimuseum. Die Tochter wurde von ihm zum Übersetzten eingeteilt. Dann begann er einen sehr interessanten Vortrag über die Geschichte der galizischen Fischerei, die Klugheit der Oktopusse, und wie der Mensch diese dann doch überlistete, über die Sardinenfischerei, wie früher Netze hergestellt und bearbeitet wurden und wozu das Steinlot gut war. Bei Nebel stellten sich die Frauen der Fischer an der Küste auf und antworteten – auf die durch große Muscheln getätigten Hornlaute der Männer – ihnen durch lautes Rufen, damit diese den Abstand zur Küste einschätzen konnten. Er war unglaublich motiviert, uns alles gut zu erklären, obwohl er es wahrscheinlich schon hunderte Male gemacht hatte. Er war früher Fischer gewesen, hat dann 14 Jahre lang als Apnoetaucher Messermuscheln gefangen, und im Ruhestand wurde er zum Dichter, der es als eingeladener Teilnehmer schon auf internationale Veranstaltungen gebracht hat. Es gibt schon interessante Menschen.
Abends wurden wir dann noch, da es zwischen leichtem Niesel und Sonne wechselte, mit einem kompletten Regenbogen über der Bucht verwöhnt.
13.10. Fisterra – Porto
Auch diese Nacht hatte es geschüttet, und es sah nicht danach aus, dass es am Tage aufhören würde. Also habe ich die nächsten Tagesziele mal wetterbezogen gegoogelt und erst in Porto wieder gutes Wetter gefunden. Dort wollten wir erst in 3 Tagen hin, aber die Vorhersage für Fisterre und angrenzende Gebiete sagten für die nächsten 3 Tage Regen voraus. Also stand heute dann eine größere Tour auf dem Plan.
Wir ließen es uns trotzdem nicht nehmen, eine schöne Küstentour bis nach Noia zu unternehmen und erst dann wieder die Autobahn zu benutzen.
Bei Tui ging es über die Grenze nach Portugal und siehe da, das Wetter beruhigte sich und wurde langsam besser. Aufgrund der gewonnenen Stunde durch die Zeitverschiebung in Portugal, kamen wir recht früh am Nachmittag in Porto an. Der running gag holte uns auch dieses Mal wieder ein. 600 m vor dem Stellplatz zierte die einzige Strasse, die zum Stellplatz führte, ein Schild, Durchfahrt verboten. Gott sei Dank entzifferte Ute noch die Message, die unter dem Schild angebracht war, nämlich, gilt ab 15.10. Also alles wieder gut.
Wir haben dann gleich, bei Sonnenschein und über 20 Grad, einen ausführlichen Stadtrundgang gemacht. Porto ist zwar touristisch ziemlich belastet, trotzdem hat es seinen Charme durch die topographische Lage, die gut erhaltenen Häuser und den Fluß Douro nicht verloren.
14.10. Porto
Heute hatten wir erst einmal eine ausführliche Stadtrundfahrt unternommen. Porto ist auch abseits der Altstadt sehr schön. Man könnte hier bestimmt eine Woche verbringen, um alle Sehenswürdigkeiten ausführlich zu besuchen. Unter anderem eine mehr als 100 Jahre alte Bibliothek, in der auch Harry Potter Firme gedreht wurden.
Nach der Stadtrundfahrt habe ich dann erst einmal eine kleine Französin vernascht. Nein, nicht wie ihr denkt, die kleine Französin ist die Übersetzung eines der alten Nationalgerichte. 2 Toasts werden mit Schinken und Fleischwurst belegt, dann kommt noch ein kleines Rinder-Steak dazu, dann noch eine spezielle einheimische Wurst (Linguica), darauf ein Ei, das Ganze mit Käse überbacken und mit einer dickflüssigen, heißen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf serviert. Die Kleine lag mir dann aber wie eine Große im Magen.
15.10. Porto – Praia da Vagueira
Nach 2 Tagen Stadt stand uns der Sinn wieder nach Natur und Ruhe. In 90 km Entfernung fanden wir einen schönen Stellplatz an einem km langen feinsandigen Strand. Es gab hier nur eine kleine Surfschule und eine geschlossene Ferienanlage. Das versprach Ruhe, zumal uns in Porto ein Wohnmobil mit 4 Franzosen nachts mit lauter Musik genervt hatten. Das Wetter war durchwachsen, bedeckt mit sonnigen Abschnitten.
Abends kreuzte ein Pkw auf, der sich an einer geschlossenen Hütte ganz in unserer Nähe zu schaffen machte und Dinge dort hereinschaffte. Mit zunehmendem Unbehagen beobachteten wir dann, wie bis 20 Uhr etwa 25 PKWs heranfuhren und dort parkten. Und dann ging die Party los, mit voll aufgedrehter Anlage und Technosound. Als Ute sich dann die Sache von Nahem ansah, wurde sie freundlich angesprochen und eingeladen. Wie sich herausstellte feierte ein Portugiese mit seinen Freunden Geburtstag und hatte sich die Hütte gemietet. Aufgrund des doch vorhandenen Altersunterschiedes von 40 Jahren lehnte Ute höflich ab. Bis 6 Uhr morgens wurde durchgefeiert, und ich hatte Zeit genug, mir die Frage zu beantworten, ob mir die anscheinend zur Zeit angesagte Technomusik gefällt. Sie gefällt mir nicht.
Nachdem wir dann noch einige Stunden bis zum späten Vormittag geschlafen haben, und ich mit dem Platzwart geklärt hatte, dass heute Abend keine weitere Feier ansteht, haben wir für eine Nacht verlängert.
Anschließend folgte ein ausgiebiger Spaziergang am menschenleeren Strand. Auf dem Rückweg erhielten wir dann den ultimativen Vollwaschgang. Es goss, und pitschnass erreichten wir dann unser Wohnmobil, das wir auch nicht mehr verlassen haben.