Noch einmal volltanken, dann begannen wir unsere Tour auf dem Vildmarksvägen. Da die Wetterprognose für die beiden nächsten Tage nicht optimal für diese schöne Tour war, beschlossen wir, eine kurze Etappe bis Gubhögen einzulegen und den Regen abzuwetter. Wir standen mit einigen anderen Wohnmobile frei an einem schönen See.
Abends bemerkte ich einen Sprung in unserer Frontscheibe. Auf der Strecke hatte uns ein entgegenkommender LKW einen Stein entgegen geschleudert. Es knallte sehr laut. Ich konnte aber vor Ort nichts erkennen und hoffte, der Stein hätte nur die Motorhaube getroffen. Dies war anscheinend nicht der Fall. Den Sprung hatten wir dann mit Klebeband überklebt, in der Hoffnung, dass er nicht weiter wächst. Dann um 21:30Uhr die Kravag Versicherung angerufen und sofort eine Schadennummer erhalten, mit dem Hinweis, dass wir am nächsten Tag per Telefon noch die Reparaturfreigaben erhalten würden..
Dies passierte auch. Um 8:30Uhr rief die Kravag an und gab uns die Freigabe. Wir werden den Schaden beobachten und versuchen, erst in Deutschland die Frontscheibe austauschen zu lassen.
Wir begannen bei trockenem Wetter mit der Anfahrt zum Hällingsäfallet. Dies ist ein hier bekannter Wasserfall, mit dem angeschlossenem größten Canyon Nordeuropas,.den wir vor 8 Jahren schon einmal besucht hatten. Leider mußten wir 45 km Piste mit Schlaglöchern fahren, was immer wieder mit einem besorgten Blick auf den Sprung in der Frontscheibe begleitet wurde. Wir glauben, er hat sich um ein paar Millimeter vergrößert. Am Wasserfall unternahmen wir eine kleine Wanderung, die uns nach den letzten bewegungsarmen Tagen sehr gut tat. Unterwegs entdeckten wir auf unserem Wanderweg immer wieder uns unbekannte Tierlosung. Ich googlete nach Bärenkot und stellte erleichtert fest, dass der anders aussieht. Wir befinden uns schließlich in der bärenreichsten Gegend weltweit.


Über Gäddede wollten wir unseren heutigen Stellplatz auf einem Wanderparkplatz erreichen. 4 km vor unserem Ziel stand einsam und verlassen eine rote Ampel. Als gesetzestreuer Bürger hielt ich an. Hinter mir sammelten sich langsam weitere Autos und Wohnmobile. Als nach 15 Minuten nichts passierte, reichte es mir ich beschloß, die augenscheinlich defekte Ampel zu ignorieren und fuhr los. Mir folgte niemand. Nach 2,5 km auf der leeren Strasse, kam mir ein blinkendes Baufahrzeug entgegen, mit einigen Autos im Gefolge. Ich fuhr noch 1 km weiter und traf auf eine große Baustelle. Hier hielt ich und wartete das Baufahrzeug ab, dass im Gegenzug, die an der roten Ampel warteten Autos durch die Baustelle führte. Alles sehr kompliziert und umständlich.
„Noch 200 m“, sagte unser Navi, und ein Stellplatz mit Blick auf den Stor Bläsjon und den Bergen im Hintergrund.wartete auf uns – dachten wir. Dieser Platz diente als Baustellenlager mit Bergen von Kies und Sand und allen möglichen großen Maschinen um Strassen zu bauen. Einen Plan B hatten wir nicht, also fuhren wir weiter und hielten Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz, den wir dann doch in Smävattnen, mit Seeblick, fanden.

Gestern war der bisher kälteste Tag mit 8 Grad C, nachts waren es nicht mehr als 4 Grad und bei 10 Grad C im Wohnmobil wachten wir auf. Das änderte sich dann schnell, bei stahlblauem Himmel kletterten die Temperaturen im Laufe des Tages auf 20 Grad.
Wir starteten mit einem Abstecher nach Ankarede. Dies ist ein uralter Versammlungsplatz der Sami. Sie trafen sich dort mit Siedlern und Abgesandten der Regierung. Heute besteht es aus Ferienhäuser und einer alten Kirche und wird vorwiegend während Midsommer genutzt. War nicht sehr doll.

Wir fuhren weiter nach Bjurälven. Dies ist ein Naturreservat und Schwedens größte Karstlandschaft. Dort unternahmen wir eine 4 stündige, anstrengende Wanderung durch die einzigartige Landschaft. Wir trafen während der gesamten Tour nur 6 weitere Wanderer. Angeregt unterhielten wir uns, um den Bären genügend Zeit zu geben, sich zurück zu ziehen. Dies hatte wohl auch geklappt, den wir sahen keine (Gott sei Dank).





Nach unserer Rückkehr beschlossen wir nicht weiter zu fahren, sondern in dieser schönen Landschaft zu übernachten. Vorher sahen wir den kommenden Weltmeister Frankreich, der Argentinien nach Hause schickte.
Am nächsten Tag stand mein persönliches Highlight auf dem Programm: Stekenjokk. Stekenjokk liegt auf einer Hocheben auf knapp 1000 m und ist nur an 2 Monaten im Jahr befahrbar. Es ist eine baumlose Fjäll Landschaft und entspricht optisch unserer Hochgebirgslandschaft auf 2500 m.
Wir fanden unseren „alten“ Übernachtungsplatz, den wir schon auf unserer ersten Schwedenreise nutzten. Das Wetter war mittlerweile bilderbuchmäßig, wolkenlos und warm. Wir begannen mit einer schönen Wanderung ins Fjäll. Den Rest des Tages genossen wir die Aussichten in die einzigartige Landschaft.









Den nächsten Tag begannen wir auf den Spuren der Geissens. „Ist der Heli schon da?“, fragte ich Ute, da wir heute einen Rundflug über das Fjäll planten. In Klimpfläll gabt es einen Helicopter Flugplatz mit 3 Helicoptern. Die Maschinen werden benötigt, um jetzt im Juli die Rentiere zusammen zu treiben. Die Jungtiere bekommen einen Markierungsschnitt ins Ohr und so wissen die Sami, zu welcher Familie jedes Tier gehört und es gibt das Angebot für Touristen, das Fjäll aus einer anderen Perspektive zu erleben.. Im Winter werden die Stromleitungen aus der Luft auf Schäden überprüft,
Da noch ein Einsatz anstand, mußten wir 40 Minuten warten. Dann ging es los. Wir hatten bestes Flugwetter, wolkenlos und windstill. Der Flug führte uns Richtung norwegische Grenze mit den hohen Bergen. Überall konnten wir kleine Seen entdecken, die noch vom Schmelzwasser stammten. Es war ein sehr schönes Erlebnis.






Ute hatte im Womo Reiseführer gelesen, dass das ansässige Hotel mittags sogenanntes dagens rätt anbot. Wir beschlossen, den Tag weiter edel zu gestalten und im Hotel zu essen. Es gab ein Salatbufee, Köttbullar als ganzen Braten mit Soße und kleinen Kartoffeln. Getränke waren inkludiert genauso wie Kaffee Obst und einige Süßigkeiten. Für schwedische Verhältnisse war der Preis von 9,50€ sehr günstig.
Nachdem wir uns gestärkt hatten steuerten wir Fatmomakke an, ein uraltes samisches Kirchendorf. Dort übernachteten wir auch. Fatmomakke ist ein uralter Versammlungsort der Samen. 1904 gründeten hier die Samen ihre Vereinigung, um besser gegenüber den Siedlern und den Herrschenden ihre Interessen durchzusetzen. Es ist bis heute bewohnt und besteht aus einer Kirche, einigen alten Häusern und sogenannten Koten, zeltähnliche Konstruktionen aus Holz.



Bei weiterhin gutem Wetter starteten wir am nächsten Tag die letzte Etappe auf dem Vildmarksvägen nach Vilhelmina. Unterwegs besuchten wir Trappstegsforsen, dem nach dem Reiseführer schönsten Wasserfall Schwedens. Es ist weniger ein Wasserfall als eine Ansammlung von treppenartigen Stromschnellen, sehr schön anzusehen.


Der geplante Campingplatz in Vilhelmina konnten wir nicht nutzen, da nur Capingcard Besitzer berechtigt waren diesen zu nutzen, wir eine solche Karte aber nicht besitzen. Dafür fanden wir mitten in Vilhelmina einen freien Übernachtungsplatz und sparten uns die 30€, die der Campingplatz kosten sollte. Nach den letzten Tagen in der reinen Natur war ein wenig Urbanität hier in Vilhelmina ganz angenehm.
