
8.7. – 13.7.2020
Myvatn, Akureyri, Blönduos
Am nächsten Tag haben unsere Füße mehr km gemacht, als das Wohnmobil. Wir haben 4 Wanderungen unternommen.
Zuerst fuhren wir zum Hverfjall, ein großer Explosionskrater. Man kann ihn besteigen und auf dem Kraterrand umrunden. Es war sehr eindrucksvoll und die Aussicht auf den Myvatn war grandions. 2 Stunden waren wir unterwegs.
Dann ging es nach Dimmuborgir, eine skurrile Lavalandschaft, die man auf markierten Routen durchwandern kann. Nach einer Stunden kamen wir zurück und machten erst einmal eine Mittagspause.
Höfdi war unser nächstes Ziel. Dort fanden wir einen wunderschönen Wanderweg am Seeufer des Myvatn mit Blick auf die Pseudokrater und kleinen Inseln. Wieder ging eine Stunde um, wie im Flug.
Das letzte Ziel des Tages waren die Pseudokrater und der sogenannte Bird Trail. Die Pseudokrater entstanden, als heiße Lava auf Wasser oder sumpfigen Untergrund traf. Sie explodierten und bildeten dann die Krater aus.
Auf dem Bird Trail waren wir völlig alleine und konnten unterwegs viele Vögel beobachten, die meisten mit Jungen. Damit hatten wir weitere 60 Minuten auf der Wanderuhr.
Auf dem Rückweg zum Womo mußte ich noch die Attacken einer aggressiven Seeschwalbe abwehren. Dann fuhren wir noch die Seerunde zu Ende.
Morgen wird es spannend.
Wir hatten gestern etwas über Askja gelesen und dass dorthin Touren angeboten werden. Ute recherchierte im Netz, fand aber erst Touren für das Wochenende, was zu spät gewesen wäre. Auf unserer Fahrt nach Hverfjall kamen wir zufällig bei Askja Tours vorbei. Ich hielt an und wir erfuhren, dass wir am nächsten Tag noch mitfahren konnten. Das buchten wir sofort.
Askja liegt etwa 100 km im Hochland nördlich vom Vatnajökull und ist ein sehr aktives Geothermalgebiet.
Pünktlich um 8 Uhr starteten wir mit Axel, unserem Fahrer, unserer Tourenführerin, deren Name ich nicht verstand und einem 30 sitzigen 4×4 Bus zu der gebuchten 11 stündigen Fahrt ins Hochland. Von der 1 ging es runter auf die F88, auf der wir 100 km blieben.
Ob wir isländische Massage mögen, fragte uns die Führerin, aber anstatt selbst Hand anzulegen, erledigte dies Axel auf der F Straße, wir wurden die ganzen Stunden durchgeschüttelt. F Straßen sind für normale Autos verboten, es dürfen nur 4×4 fahren.
Es ging durch die unterschiedlichsten Lavalandschaften, alte, bereits bewachsene, mittelalte, nur mit Flechten und Moos bewachsene und junge, noch jungfräulich schwarz. 4 Wasserdurchfahrten machten die Fahrt noch spannender. Unterwegs machten wir einige Pausen unter anderem in Lunar Landscape, wo 1967 die Astronauten für die erste Mondlandung trainiert haben.
Unterwegs erhielten wir Infos über Island. Interessant fand ich, dass Island zu 40% aus Wüste besteht und der Eispanzer des Vatnajökulls im Mittel 400 m hoch ist, würde man die Eismassen über ganz Island gleichmäßig verteilen, ergäbe es noch eine Stärke von 48m. Trotzdem gibt es Analysen, dass durch die Klimaerwärmung in 200 Jahren die Gletscher abgeschmolzen sind. Das würde dann wieder zu verstärkten Erdbeben und Vulkanausbrüchen führen, da das fehlende Gewicht des Eises, das Auseinanderdriften der Kontinentalplatten beschleunigt.
Wir erreichten unser Ziel Askja nach 5 Stunden. Es befindet sich auf ca. 1400 m Höhe, und dort gibt es den mit 220 m tiefsten See Islands, den Öskjuvatn. Außerdem kann man in einem aktiven Vulkansee im Explosionskrater Viti baden. Um dort hin zu gelangen war wieder eine 1 stündige Wanderung durch lose Lavaasche und Schneefelder fällig. Der Abstieg zum Kratersee war sehr steil, glitschig und schlammig. Ute verzichtete und ich machte mich auf allen Vieren daran, in einer Rinne wenigstens etwas Halt zu bekommen und versaute mich völlig. Außerdem leistete ich mir den Luxus neben dem kleinen „Baderucksack“ auch noch den großen Rucksack mit zu schleppen, mit Kaffekanne, Becher, Tupperdosen usw. Das stellte ich aber erst mitten im Abhang fest, wo es kein Zurück mehr gab.
Das Bad im See war natürlich ein Erlebnis. Die Wassertemperatur betrug ca. 24°C, und wenn die Füße im knöcheltiefen Schlamm steckten, war es dort bestimmt noch mal um 10°C wärmer, Fußbodenheizung eben.
Als ich aus dem Wasser kam, sah ich, wie eine Italienerin begann meine Wäsche zu sortieren. Sie wollte ihrem Freund, der ebenfalls aus dem Wasser kam, schnell was zum Überziehen geben. Nachdem sie ihren Irrtum bemerkte, bekam sie einen minutenlangen Lachkrampf.
Das Anziehen bei 6°C und starken Wind war kein Genuss, genauso wenig wie der Aufstieg.
Dann ging es wieder 1 Stunde zu Fuß zurück und nach einer kurzen Fahrt zum Drekagil Canyon, wo wir auch Mittagspause machten. Man musste sich selbst versorgen, nur unsere Flaschen füllten wir unterwegs mit Gletscherwasser.
Dann ging es wieder 100 km zurück mit der bekannten Isländischen Massage, die aber dazu führte, dass jetzt jeder Wirbel weis wo er hingehört.
Den nächsten Tag gingen wir ganz piano an. Erst gegen Mittag fuhren wir nach Krafla, ein weiteres sehr aktives Geothermalgebiet. Dort konnten wir auf markierten Wegen durch die Lavafelder wandern und die kochenden Schlammtümpel und dampfenden Schlote betrachten, eine unwirkliche Welt.
Dann machten wir noch einen kurzen Abstecher zu einem weiteren Kratersee eines Explosionsvulkans ganz in der Nähe auf.

Damit war das Programm des Tages erfüllt und Relaxen war angesagt.
Nach 4 Nächten verließen wir das Myvatn Gebiet und machten uns auf Richtung Akuryri.
Unterwegs hielten wir am Godafoss und erwarteten wieder Horden von Touristen. Unlaublich, wir waren teilweise ganz alleine am Wasserfall, was für ein schönes Erlebnis.
Weiter ging es auf einer wunderschönen Etappe zm Torfgehöft Laufas. Dort gibt es ein Freilichtmuseum eines alten Torfgehöfts, sehr liebevoll gepflegt und gestaltet.
Angeschlossen gab es ein nettes Cafe, die uns, als wir nach dem kulinarischen Angebot fragten, unter anderem den „Happy Marriage Cake“ anboten. Das passte, da wir unseren 17. Hochzeitstag hatten. Als wir davon berichteten, bekamen wir umgehend 50% Rabatt. Mit Blick auf den Eyjafjord genossen wir einen sehr leckeren Apfelkuchen mit Sahne.
Dann war es nur noch ein kurzes Stück nach Akureyri. Nach dem Einchecken auf den stadtnahen Campingplatz, machten wir einen Stadtbummel. Das war nach 8 Tagen Natur wieder ein völlig anderes Island, mit Urbanität, Touristen, Stadtgeräuschen usw.
Zurück an unserem Platz fanden wir einen neuen Nachbarn vor, mit einer jungen Labrodorhündin, die mit einer langen Leine angebunden war. Als wir uns näherten, interessierte sie sich intensiv für Ute und rannte hin und her. Das machte den Besitzer aufmerksam, der aus seinem Wohnwagen ausstieg um nach den rechten zu sehen. Es war ein Isländer, der im Gegensatz zu den Isländern im allgemeinen Ausländern gegenüber recht interessiert und aufgeschlossen war. Er berichtete deutsche Freunde zu haben und lud uns für den Abend ein. Das taten wir dann auch und mit Toffifee als Gastgeschenk bewaffnet, betraten wir seinen luxuriösen Wohnwagen. Er stellte seine Frau Gudrun vor und achtete darauf, dass die Hündin auf ihrem Platz blieb. Es war ein sehr kurzweiliger Abend bei Tee und Gebäck bei dem wir viele Insiderinformationen über schöne Spots in Island erhielten und zum Schlussnoch eine Einladung für einen Besuch bei ihnen in Reykjavik, dem Wohnort der beiden.
Wir blieben noch einen Tag in Akureyri und besuchten den wunderschönen, öffentlichen Botanischen Garten, der durch einen Verein seit 100 Jahren gepflegt wird. Unglaublich welche Blumenpracht dort herrschte, obwohl die Pflanzen ja nur kurze Zeit haben zu wachsen und blühen.
Dann ging es zum Einkaufszentrum weil:
Ihr werdet mir zu teuer!!
Nachdem ich in den letzten Tage Aldi Talk durch permanenten Datenvolumennachkauf (Wlan auf den Plätzen könnt ihr vergessen) reich gemacht hatte und keine crowdfunding Aktion zum Erhalt des Blogs ausschreiben wollte, entschloss ich mich zum Kauf einer isländischen SIM Karte mit ausreichend Datenvolumen.
Abends gab es dann den ersten großen Waschtag.
Nachts begann es zu regnen. Wir starteten zu einer langen Etappe von 270 km mit 3 Zwischenzielen nach Blönduos. Eigentlich ist das eine traumhafte Küstenstrecke, die wir leider nur im Nebel und bei Regen erlebten. Somit können wir davon keine „Postkarten“ zeigen. Trotzdem hatte die Fahrt auch was Mystisches, wenn die Nebelschwaden Blicke auf die Fjorde oder Steilküsten zuließen.
Unser erstes Zwischenziel war das Heringmuseum in Siglufjördur. Dieses Fischerdorf war im 20. Jahrhundert bis 1969 zu Reichtum gekommen durch den Herigsfang und der Produktion von Fischöl. 1967 betrug der Anteil des Heringfangs in Siglufjördur über 30% des BIP, 2 Jahre später nur noch 3%. Die Heringe verschwanden wahrscheinlich wegen Überfischung. Im Museum war die Verarbeitung der Fische und das Leben der Arbeiterinnen und Arbeiter anschaulich dargestellt.
Es ging weiter zur Domkirche Holar. Dies war ab dem 11. Jahrhundert das christliche Zentrum von Island mit einem Bischof an der Spitze. Von den alten Kirchen war nichts mehr zu sehen, es steht ein Kirchturm aus den 50er Jahren und eine kleine Kirche. Allerdings ist Holar immer noch Bischofssitz.
Diese Gegend ist auch bekannt für die Islandpferde, die es hier zuhauf gibt und deren Künste sogar in einer Schau gezeigt werden, die allerdings geschlossen war.
Glaubaer war unser nächstes Ziel. Dort kann man Grassodengebäude aus dem 18. Jahrhundert besuchen. Jeden Augenblick rechnete ich mit Hobbits, die aus den Türen kamen.
Dann waren es noch 60 km bis. Blönduos, das wir bei 16°C und teilweise Sonnenschein erreichten. Das ist eben das Wetter Island.
Blönduos hat nicht sehr viel zu bieten, so beließen wir es beim Besuch der futuristischen Kirche, die allerdings geschlossen war und einem Spaziergang am Blandafluß entlang, der der lachsreichste Fluß Islands sein soll.










































































































































