7. Lebenszeichen „Island und Färöer 2020“

29.7. – 8.8.2020

Grindavik, Pingvellir, Geysir, Hella, Westmänner Inseln, Seljalandfoss, Vik, Svinafell, Höfn

Am Morgen besuchten wir noch Perlan als allerletzte Station in Reykjavik. Perlan ist entstanden aus früheren Heißwassertanks und architektonisch dann aufgepeppt worden. Es beinhaltet ein Planetarium, Ausstellungen und ein Restaurant. Im Planetarium sahen wir eine 360° Multimediashow über die Entstehung Islands, ihren Attraktionen und wieder sehr ausführlich das Nordlicht.

Danach besuchten wir auf unserer Strecke nach Grindavik eine Islandpferde Ranch. Wir durften auf die Koppel und direkt Kontakt aufnehmen mit den Pferden. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus.

Hinter Hafnir sahen wir uns die Brücke zwischen der Eurasischen und der Amerikanischen Kontinentalplatte an. Jedes Jahr driften die Platten 2 cm auseinander.

Dann ging es noch zu den Schlammkratern von Gunnuvehr, bevor wir unseren Platz in Grindavik erreichten.

Der folgende Tag war wieder gut gefüllt mit Attraktionen. Zuerst fuhren wir zum Graenavatn, ein See in einem Vulkankrater.

Dann erreichten wir wieder ein Geothermalgebiet, Seltun.

Mittags besuchten wir das Geothermalwerk Hellisheidi, eines der modernsten der Welt. Parkplätze für 10 Busse und 150 Autos waren angelegt, 3 waren besetzt. Wir besichtigten die Ausstellung mit einem Audioguide. Ganz Reykjavik wird von diesem Werk mit warmen Wasser und Elektizität versorgt. Die Bohrungen gehen bis zu 2200 m tief. Beeindruckend war das CarbFix Projekt dort. Seit 2007 wird Co2 und andere sauren Gase, die bei der Produktion entstehen wieder in den Boden gepumpt, wo sie mit Basalt natürlich reagieren und zu Karbonat versteinern. Seit 2017 gibt es ein Projekt, dass diesen Prozeß auch mit Co2 aus der Luft entwickelt.

Reykjadalur, ein weiteres Thermalgebiet, war unser nächstes Ziel. Eigentlich hatte ich keine große Lust auf Wandern, da es auch schon relativ spät war. Dort fließen warme Flüsse, in denen man baden kann. Ute war nicht zu bremsen und so kamen weitere 9km und 400 Höhenmeter zustande, die wir allerdings nicht alleine gingen, sondern von Millionen kleiner Fliegen begleitet wurden.

Den Abschluß bildete noch einmal ein Kratersee im Kerid Vulkan.

Dann ging es in den Nationalpark Pingvellir, wo wir einen sehr schönen Campingplatz fanden. Unsere kleinen Begleiter warteten schon auf uns.

Keine guten Wetteraussichten für die nächsten Tage. Es heißt wieder improvisieren und anpassen. Zunächst blieben wir auf dem Campingplatz, da es schüttete. Nachmittags hörte der Regen auf, und wir fuhren zum Besucherzentrum Pingvellir. Leider war die Ausstellung bis zum 13.8. geschlossen.

Kaum waren wir wieder draußen, erhielten wir die nächste Dusche.

In Pingvelir wurde vor gut 1000 Jahre so was wie ein erstes Parlament gewählt. Es trafen sich die Ältesten aus ganz Island um grundlegende Entscheidungen einvernehmlich zu treffen und Recht zu sprechen. Außerdem kann man dort sehr deutlich die 2 Kontinentalplatten Eurasien und Amerika sehen, die jährlich 2 cm auseinander driften. Da wir vor 35 Jahren schon einmal hier waren, ist der Abstand der beiden Platten also um 70 cm gewachsen.

Da es immer mal wieder regnete, beschlossen wir, auf dem Campingplatz zu bleiben.

Unsere nächstes Ziele am nächsten Tag waren Geisyr und Gullfoss. Im Daurregen erreichten wir zuerst Geisyr. Der eigentliche, alte Geysir ist vor einigen Jahren erloschen, dafür ist der Strokkur eingesprungen, der alle paar Minuten mehr oder weniger hohe Fontänen ausstößt. Wahrscheinlich hat der Strokkur Humor, denn immer dann, wenn besonders viele Touristen, die mit Kameras und Handys bewaffnet, den großen Ausbruch erwarten, lange gewartet hatten, spendiert er eine enttäuschend kleine Fontäne. Man musste schon Geduld haben.

Danach fuhren wir das kurze Stück zum Gullfoss. Ein sehr schöner Wasserfall allerdings ohne Regenbogen, da es in Strömen regnete.

Wir entschieden uns auf dem Campingplatz am Geisyr zu übernachten und abends, noch mal einen Versuch zu starten das Gebiet des Geisyr ohne Regen zu erleben. Das klappte auch, und wir konnten noch eine kleine Wanderung unternehmen.

Der nächste Tag war wenigstens trocken. Wir besuchten das Geysir Gebiet und den Gullfoss noch einmal, diesmal bei besserer Witterung.

Unterwegs machten wir noch Station am Faxa Wasserfall, sehr schön gelegen mit einer großen Lachstreppe.

Danach folgte Reykholt, wo wir beim Erzeuger superleckere Erdbeeren, Brombeeren und Tomaten kauften. Die dort feil gebotene Tomatensuppe war ebenfalls vorzüglich.

Auf der Strecke lag noch Skalholt, der erste Bischofssitz und das christliche Machtzentrum des Landes. War kein „must see“.

Unsere Tagesziel war Hella.

Da wir noch einige Aktivitäten geplant haben, beobachteten wir die Wetterlage ganz genau um die besten Tage auszusuchen. Dies galt auch für Landmannalauga. Wir hatten den Montag als einzigen trockenen Tag der Woche dafür gefunden und schon in der letzten Woche die notwendigen Buskarten gekauft. Landmannalauga kann man nur mit 4×4 erreichen.

Der Sonntagabend versprach schon einmal gutes Wetter, es wurde sogar sonnig und warm.

Der Montag morgen war bewölkt. Pünktlich warteten wir an der Bushaltestelle, um vom aus Reykjavik gestarteten Bus mitgenommen zu werden. Wir waren schon überrascht, wieviele Gleichgesinnte dort schon warteten, mehr als ein Bus mitnehmen kann. Es wurden dann sogar 3 Busse, die komplett voll wurden. Die Fahrt dauerte über 3 Stunden, vorwiegend auf Piste. 3 Stunden Maskentragen war eine neue Erfahrung.

Das Wetter wurde wieder schlechter, es begann zu regnen und es wurde zunehmend neblig. Beste Voraussetzungen um eine schöne Landschaft zu betrachten und Wandern zu gehen. Je weiter wir ins Hochland kamen um so weniger sahen wir.

Unglaublich, aber als wir am Basecamp in Landmannalauga ankamen, wurde es hell, und der Nebel zog sich zurück. Dort herrschte ein großer Trubel, da hier der Laugavelur startet ein 55 km langer Trail durch das Hochland, den man in 3 – 5 Tagen läuft. Außerdem gab es dort die teuerste Toilette unseres Lebens. Fast 5€ zahlte ich fürs kleine Geschäft. In der Natur ist es untersagt, aber bei den Kursen wundert es mich nicht, dass die Ranger genau das Gegenteil erreichen.

Wir begannen eine wunderschöne Wanderung durch Lavafelder, Obsidianfelder, grünen Hochebenen, an dampfenden Schlammtöpfen vorbei, durch einen Canyon und zurück an einem Fluß entlang. Das Ganze garniert mit einzigartigen Landschaftsbildern, die bei immer besser werdenden Sichtverhältnissen auch die unterschiedlichen Farben der Gesteine zum Ausdruck brachten.

Nach 3 Stunden fanden wir uns wieder beim Bus ein und rumpelten dann 3 Stunden wieder auf den Pisten zurück nach Hella.

Das war ein toller Ausflug, und so hatten wir Landmannalauga sowohl aus der Luft als auch vom Boden aus erlebt.

Wanderung in Landmannalauga

Wir entschlossen uns am nächsten Tag die Westmänner Inseln zu besuchen und eventuell eine Bootefahrt durch die Inseln zu machen.

Pünktlich kamen wir am Fährhafen Landeyjahöfn an und buchten eine Überfahrt. Die Passage dauert 40 Minuten. Von den 14 Inseln ist nur Heimaey besiedelt. Etwa 4000 Menschen wohnen dort.

In Heimaey angekommen orientierten wir uns erst mal nach den Möglichkeiten und fanden heraus, dass nur noch die große 2 stündige RIB Boot Tour stattfinden würde, in genau 15 Minuten. Wir buchten, und wurden professionell eingekleidet. Da ich natürlich Fotos schießen wollte, verpackte ich die Kamera in einen Plastikbeutel.

Dann kam der erste Hammer. Es galt Maskenpflicht auf dem RIB Boot. Da fährt man mit 50 – 60 km/h über den sehr windigen Nordatlantik und Covid hat noch Zeit in einem Aerosoltröpfchen den Weg zum Nächsten zu finden, sehr befremdlich.

Der zweite folgte danach. Unser Mitfahrer bestanden fast nur aus 14 jährigen Einheimischen, die natürlich Action erwarteten. Die bekamen sie und damit wir dann auch. Das Boot war ausgestattet mit einer enormen Stereoanlage, und der Musik nach zu urteilen, hatten die Bengels eigene Musik mitgebracht, so etwas, was man schon mal aus den Autos der coolen Jungs zu hören bekommt, nur viel lauter. Immer wenn die Musik angestellt wurde, mußten wir stehen, uns festhalten und mit den Beinen die Schläge des Bootes abfedern. Unser Skipper beschleunigte das mit 800 PS ausgestattete Boot auf Höchstgeschwindigkeit. Ab da wusste ich, es gibt kein einziges Foto. Ich hatte alle Hände voll zu tun, um auf den Beinen zu bleiben, wobei alle Hände falsch sind, ich hatte nur eine, in der anderen musste ich 2 Stunden die Kamera festhalten.

Nachdem wir uns an die Umstände gewöhnten, hatten wir richtig Spaß. Unglaublich die Beschleunigung des Bootes, die Fahrkunst des Skippers und natürlich die Schönheit der Inseln, mit vielen Höhlen, in die er trotz hoher Wellen hineinfuhr und den vielen Vogelfelsen mit Puffins. Das erste Mal sahen wir auch Bastölpel, mit einer eindrucksvollen Spannweite von fast 2 m. Wir konnten auch das die jüngste Insel der Welt sehen, Surtsey, die 1967 durch einen Vulkanausbruch entstand.

Nach diesem tollen Actionerlebnis hängten wir noch eine 2 stündige Inselrundfahrt per Bus dran, mit Erärungen zur Geschichte, zu dem Leben mit Vulkanen und zu dem Leben in der Abgeschottenheit.

Erstaunlich hoch ist der Lebensstandard dort, der der höchste in ganz Island sein soll. Man sah das auch an den Häusern, Autos und einem der schönsten Golfplätze de Welt.

Zum Abschluß der Fahrt, führte uns der Fahrer noch zu einer Puffins Auffangstation, wo verletzt oder verölte Puffins gepflegt und dann ausgewildert werden. Außerden hatten sie dort 2 Belugawale, die aus einem Zirkus aus Russland stammten und die in ein Freigehege ihren Lebensabend verbringen sollten. Der Umzug stand unmittelbar bevor.

Am späten Nachmittag ging es dann wieder zurück und wir übernachteten in Seljalandfoss.

Es wurde stürmisch in der Nacht mit Starkregen und um 3:30Uhr setzte ich das Womo um, da ich Sorge hatte abzusaufen.

Nachdem der Wind mittags nachgelassen hatte, machten wir uns auf nach Vik. Unterwegs gab es einiges zu sehen: Den Seljalandfoss, ein Wasserfall hinter dem man durchgehen kann. Den Skogafoss (Wasserfall), dem Solheimajökull (Gletscher), den schwarzen Strand von Dyrholaey, sowie einen weiteren schwarzen Strand mit Basaltsäulen und Felsnadeln im Meer.

Am Skogafoss hatte Ute ihren großen Auftritt. Wir hatten uns gerade den Wasserfall von oben angesehen und waren auf dem Rückweg zum Womo. Vor uns 3 Damen, davon 1 ältere in einem blauen Regenmantel von Hurtigruten. So einen hat Ute auch und ohne dass ich Eingreifen konnte, schoss sie los, überholte die Damen und begann einem Veitstanz vor ihnen aufzuführen und wies immer wieder auf ihren Regenmantel, den sie ja identisch vermutete mit dem der älteren Dame. Nur, heute hatte sie ausnahmsweise ihren weißen Regenmantel an. Die irritierenden Blicke der Frauen ließen vermuten, dass sie sich nicht sicher waren zu entscheiden, braucht die Dame Hilfe und Vorsicht, ist die Dame vielleicht gefährlich. „Sie können vor uns ruhig weiter tanzen“, sagte dann eine von Ihnen. Dann bemerkte Ute ihren Irrtum. Ich stand mit offenem Mund da und wusste nicht, ob ich die Dame kennen muss. Nachdem Ute aufgeklärt hatte, war das Gelächter natürlich groß. Die Drei gehörten zu einer Reisegruppe. Als ihr Bus bei uns vorbei fuhr tanzte Ute noch einmal zum Abschied mit ihrer blauen Jacke schwenkend. Ich glaube der ganze Bus dachte, das was die Frau genommen hat will ich auch.

Dann erreichten wir unseren Übernachtungsplatz in Vik.

Der nächste Tag hielt wieder einige Besichtigungspunkte für uns bereit.

Zunächst besuchten wir eine Steinmännchenkolonie, die heute von Touristen und früher von Reisenden gebaut wurden für eine sichere Reise. Die Tradition geht Hunderte von Jahren zurück.

Dann folgte ein grün bewachsenes Lavafeld.

In Fjadrargljufur konnten wir eine kleine Wanderung an einem Canyon entlang unternehmen.

In Kirkjugolf sahen wir durch Gletscher blankgeschliffene sechseckige Basaltsteine, die einem Kirchenboden ähnelten.

Weitere Basaltformationen konnten wir in Dverghamrar bewundern.

Kurz vor Skaftafell sahen wir noch die Reste einer Stahlbrücke, die durch den letzten Vulkanaubruch unter dem Gletscher und der daraus folgenden Sturzflut zerstört wurde.

Der Höhepunkt des Tages folgte dann am Svinafellsjölkull, einem Gletscher, dem man zu Fuß bis auf 200 m erreichen konnte.

Nach dem Höhepunkt, kam die Überraschung des Tages. Bei der Anfahrt zum Campingplatz in Skaftafell wurden wir durch einen quer zur Fahrbahn stehenden SUV angehalten und man erklärte uns, dass der Platz voll sei. Unglaublich, die haben 2000 Plätze auf dem Platz und nur 100 Plätze wegen Corona freigegeben. Ausßerden sind alle buchbaren Aktivitäten, wie Rundflüge, Gletscherwanderungen usw. nicht verfügbar. In der ganzen letzten Wochen haben wir teilweise dicht an dicht gestanden und hier machten sie so einen Zirkus. Also wichen wir aus auf einen kleinen Campingplatz in Svinafell.

Die Nacht über stürmte es wieder heftig. Nachdem wir dem Campingplatz in Skatafell und dem Info Center einen weiteren Besuch abgestattet hatten und keine Änderung zum Vortag feststellten, beschlossen wir weiter zu fahren.

Der erste Halt war Fjallsarlon, wo der Öräfa Gletscher die Lagune erreicht. Wir buchten eine Zodiaktour, die uns an einigen kleineren Eisbergen vorbei und an der Gletscherkante entlang führte. War ganz nett.

Wir hätten noch etwas warten sollen, denn in Jökulsarlon gab es das gleiche nur viel imposanter. Viel größere Eisberge und eine größere Gletscherkante. Dort kann man auch mit Amphibienfahrzeugen in die Lagune.

Gegenüber von Jökulsarlon lagen Eisbrocken auf einem pechschwarzen Strand. Sie stammen vom Breidaner Gletscher und werden durch den kürzesten Fluß Islands (500m) bis ins Meer befördert, wo sie nach Wasserstand und Wind auch mal auf dem Strand liegen bleiben.

Uns gefiel dieser Platz sehr gut und wir beschlossen morgen noch einmal dorthin zu fahren und auf dem nächstdelegenen Campingplatz zu übernachten. Es gab keinen. 86 km mussten wir bis nach Höfn fahren. Ob wir morgen die Tour wieder zurück machen, glaube ich eher nicht.

In Höfn konnte ich das Womo noch einmal an einer Tankstelle waschen.

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Eine Antwort auf „7. Lebenszeichen „Island und Färöer 2020““

  1. Ihr Lieben,
    Wow, wow, wow, mir fehlen die Worte, soooo tolle Landschaften. Während ich mit Uwe deinen Bericht lese schwanken wir zwischen lachen und staunen. Ute muss ihren Tanz dann bitte auch für uns nochmals aufführen.

    Wir befinden uns im Moment im Münsterland, Sassenberg bei Sonne und über 30 Grad.

    Ganz liebe Grüße von Renate und Uwe

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