1. Lebenszeichen Kanada und Alaska Mai 2023

30.4.23 bis 7.5.23

Frankfurt, Vancouver, Vancouver Island (Victoria, Ucluelet, Pacific Rim National Park), Vancouver

Endlich ging es wieder los.

Wie üblich reisten wir einen Tag vor Abflug an und checkten unser Gepäck nachmittags ein. Die üblichen Fragen nach Waffen, brennbaren Flüssigkeiten und Feuerzeugen im Gepäck beantwortete ich wie immer mit nein. 3 Stunden später fiel mir ein, dass Ute mir ein Feuerzeug gab, mit dem ich erst einmal nichts anzufangen wußte. Ich war mir dann nicht mehr sicher, ob ich es eingepackt hatte. Wir wollten sicher gehen, unser Gepäck in Vancouver auch zu erhalten, also gingen wir noch einmal zum Lufthansa Schalter und schilderten unsere Bedenken. Die Dame konnte uns beruhigen, wenn etwas durch den Scanner gefunden wird, wird der Koffer geöffnet, das Teil entfernt, ein Zettel mit entsprechenden Hinweisen in den Koffer gelegt, und das Gepäck weitertransportiert. Das war schon mal eine gute Nachricht.

Am nächsten Morgen gingen wir zur Sicherheitskontrolle. Diese war überraschender Weise total leer, so dass wir sofort rankamen. Nach Durchschreiten der Schleuse, bat mich ein grobschlächtiger, miesgrämig aussehender Kontrolleur zu sich. Bewußt provozierend zog er sich die Gummihandschuhe an. Um etwas Freude in sein anscheinend schweres Leben zu bringen, fragte ich ihn mit Blick auf die gummierten Hände: das wird doch wohl keine medizinische Untersuchung? Ohne Kommentar erhielt ich die Leibesvisitation meines Lebens, indem er keinen Quadratzentimeter meines Körpers ausließ, inklusive Schuhe ausziehen usw.

Danach begaben wir uns in die Lufthansalounge, um erst einmal zu frühstücken. Später kamen dann auch unsere Bekannten Anke und Jürgen dazu, die wir auch schon mehr als ein Jahr nicht gesehen hatten.

Der Flug nach Vancouver war super, wenn der Service nicht gewesen wäre. Eigentlich sind wir nicht empfindlich, aber die Schlechtleistung der 3 Herren im Service hat tatsächlich dazu geführt, dass ich einen Kommentar an die Lufthansa geschrieben habe.

Neufundland und die Rocky Mountains

In Vancouver wurden wir von Simone und Jan, unserer Reiseleitung empfangen, und nach Vollzähligkeit der Gruppe ging es dann ins Holiday Inn nach Downtown. Den Rest des Tages verbrachten wir dann mit einem Spaziergang zur Waterfront, Pizzaessen und den Versuch, so lange wach zu bleiben wie möglich – bis 22 Uhr gelang uns das auch.

Nach dem Frühstück begannen wir dann mit unserer Stadtrundfahrt, die von einem lokalen Guide, Dieter, durchgeführt wurde. Das Wetter war super, es war bestimmt 10 Grad wärmer geworden als am Vortag.

Es war Red Dress Day, ein Gedenktag an die Tausenden Kinder der Poeple of First Nation, die ihnen weggenommen wurden, um sie in die weiße Gesellschaft umzuerziehen. Wir besuchten unter anderem die Waterfront, die Vancouver Public Library, eine der größten Bibliotheken der Welt mit 6 Stockwerken, den Stanley Park, die Dampfuhr, das Elendsviertel Hastings, wo die Drogenkonsumenten mehr tot als lebend auf der Strasse liegen und schließlich Granville Island, von wo man einen schönen Blick hat auf die Skyline, und wo es einen schönen Markt und viele Restaurants gibt. Außerdem konnten wir eine sanfte Form von Tauben- und Mövenbekämpfung beobachten. Dort läuft ein Security Mann mit einem Falken durch die Gegend, der ab und zu auch durch die Gegend fliegt und so alle Vögel vertreibt, ohne sie zu jagen.

Waterfront

Vancouver Public Library

Totempfähle im Stanley Park

Blick vom Stanley Park auf die Skyline

Dampfuhr

Granville Island

Abends gab es das erste Briefing und ein sehr leckeres Seabridge Fischessen in dem drehbaren Restaurant „Top of Vancouver“ auf einem Wolkenkratzer.

Am nächsten Tag hieß es wieder früh aufstehen, um 7:30 Uhr ging es zu Frayserway, unserem Wohnmobilvermieter. Dort herrschte Hochbetrieb, insgesamt 40 Mobile wurden am Vomittag vermietet, somit dauerte die Prozedur für uns einige Stunden. Wir erhielten wieder nagelneue Mobile mit einer sehr guten Ausstattung und dem ersten Augenschein nach auch in einer besseren Verarbeitungsqualität als die von unserer letzten Amerikareise.

Dann ging es zur Fähre Richtung Vancouver Island. Obwohl kleiner als Vancouver, ist Victoria auf Vancouver Island, die Hauptstadt von Britisch Columbia. Die Fähre kann man nicht vorbuchen, es gilt: first come first serve. Leider waren überraschen viele Fahrzeug in den Warteschlangen und so mußten wir 3 Stunden warten. Diese Zeit nutzten wir um unsere Koffer auszupacken und uns im Wohnmobil einzurichten. Die Passage nach Victoria dauert 1,5 Stunden und führt durch eine sehr schöne Insellandschaft.

Dann ging es zum Einkaufen, kostenlose Strassenkarten beim AAC abholen und zum Campground, wo wir abends unser erstes Wohnmobil Briefing hatten.

Obwohl schlechtes Wetter angekündigt war, hatten wir wieder einen schönen sonnigen Tag. Der Tag stand zur freien Verfügung zum Besuch von Victoria. Mit dem öffentlichen Bus ging es in die Stadt. Zu Fuß erkundeten wir dann die wirklich schöne Stadt. Gerade als wir ankamen, konnten wir die Ankunft einiger Kanus mit Inuits miterleben, die am heutigen Tag ein großes Treffen in der Stadt hatten. Anschließend warfen wir einen Blick in das Fermont Empress Hotel.

Dann besichtigten wir das Parlament und konnten sogar live eine Parlamentssitzung verfolgen, wo die Opposition die aktuelle Finanzministerin „grillte“. Es ging um Co2 Certifikate, die nächstes Jahr erhoben werden sollen und um die Frage, wer das Sagen hat, die Finanzministerin oder der Umweltminister – kam uns irgendwie bekannt vor.

Anschließend begann ein schöner Spaziergang zur Fisherman‘s Warf mit einem Fish and Chips Imbiss.

Weiter ging‘s bis zum Punkt 0 des Trans Kanada Highways, der in Victoria beginnt, der 3. längsten Strasse der Welt, die wir in den nächsten Wochen noch befahren werden.

Dann ging es weiter Richtung Downtown und Chinatown und anschließend, nach einem leckeren Kaffee mit dem Bus zurück zum Campingplatz

Heute stimmte der Wetterbericht leider. Schon nachts hatte es angefangen zu regnen und so blieb es den ganzen Tag. Vancouver Island ist eine riesige Insel, und so hatten wir eine Distanz von 290 km zu fahren mit einigen empfohlenen Besichtigungspunkten.

Zunächst fuhren wir Duncan an, das für seine Totempfähle bekannt ist. Dort füllten wir auch noch einmal unsere Vorräte auf, da es in den nächsten Tagen keine guten Einkaufsmöglichkeiten geben wird.

Danach hielten wir in Chemainus und bummelten an den Häusern entlang, die von Künstlern wirklich prächtig bemalt sind. Beim deutschen Bäcker gab es auch ein noch warmes Graubrot zu kaufen.

Den nächsten Stop legten wir im MacMillan Prov. Park ein, wo wir den sogenannten Big Tree Trail abliefen. Hier existiert ein Regenwald aus Roten Zedern, wie er vor der Besiedlung durch die Engländer überall auf Vancouver Island vorhanden war. Die Zedern werden bis zu 1000 Jahre alt und erreichen eine Höhe bis zu knapp 100 m.

Schließlich sahen wir uns noch die Petroglyphen am Sproat Lake an, bevor wir die letzten 90 km auf einer schönen Scenic Route nach Ucluelet in Angriff nahmen.

Unterwegs sahen wir tatsächlich unseren ersten Bären, einen Schwarzbär, der neben der Strasse einen Müllbeutel auseinander nahm. Da wir keine Chance hatten zu fotografieren, müssen uns die Bilder in unseren Köpfen genügen. 

Abends gab es in Ucluelet anläßlich eines Geburtstages ein erstes Lagerfeuer bei allerdings noch frostigen Temperaturen.

Tags drauf gings zum whale watching. In Tofino starteten wir und fuhren 18 Meilen aufs Meer durch eine sehr schöne Inselwelt. Wir sahen Grauwale, allerdings lassen die Kanadier viel Platz zu den Tieren aus Tierschutzgründen. Fotografieren ist dann Glückssache. Außerdem konnten wir viele Seeotter beobachten, sowie eine Seelöwenkoloinie. Insgesamt war das eine sehr schöne Tour, die ich ohne Seekrankheit genießen konnte.

Danach bummelten wir durch Tofino, eine touristische, leicht alternativ angehauchte Ortschaft, in der gerade ein Skateboardfestival stattfand. 

Danach standen einige Strände des Pacific Rim National Parks auf dem Programm, wie Wickaninnish Beach und Long Beach. Das sind superbreite sehr lange Strände, die vor allem bei Surfern beliebt sind. Auffällig sind an allen Stränden und Ufern die Mengen an Baumstämmen, die dort angeschwemmt werden. Teilweise werden sie durch Flüsse nach Unwettern ins Meer gespült oder sie haben sich aus Flößen gelöst, die es hier noch häufig gibt.

Am Abend fuhren wir noch nach Ucluelet zum Leuchtturm und unternahmen dort noch eine kleine Wanderung auf dem Wild Pacific Trail durch einen wunderschönen Regenwald mit tollen Aussichten auf den Pacific.

Wie schon gestern, hat sich das gute Wetter wieder zurück gemeldet. Heute ging es wieder aufs Festland, zurück nach Vancouver. Dafür mußten wir ca. 165 km bis zur Ablege-Fähre in Nanaimo zurück legen, allerdings vorwiegend auf einer scenic route. Nach 1 Stunde Wartezeit konnten wir um 12 Uhr auf die Fähre. Nach 100 Minuten kamen wir in Horseshoe Bay an und fuhren wieder auf einer grandiosen Strasse am Meer entlang nach Squamish, wo wir zuerst die Shannon Falls Wasserfälle besuchten.

Gleich daneben gibt es die Sea to Sky Gondola auf 880 m Höhe, die wir auch nahmen, da wir eine gute Fernsicht hatten. Oben angekommen, sahen wir noch Schneereste, vor 14 Tagen lag noch reichlich Schnee. Man hat eine grandiose Aussicht auf den Fjord und das Küstengebirge. Dort gibt es eine Hängebrücke, die ich sofort benutzte. Außerdem konnten wir verschiedene Trails begehen, durch schöne Wälder mit verschiedenen Outlooks.

Dann hatten wir noch 50 km zu unserem Campingplatz in Vancouver Nord. „Und immer grüßt das Murmeltier“, es waren wieder die letzten 200 m, die noch einmal zur Nerverei wurden. Wir sahen schon den Platz, dann bog ich einmal zu früh ab und landete auf dem Highway, der über die  Lionsgatebridge direkt nach Downtown Vancouver führte, natürlich ohne eine einzige Möglichkeit abzubiegen und bei sehr lebhaftem Sonntagabendverkehr. Erst als wir in der Nähe unseres Hotels vom ersten Tag, direkt in der Innenstadt waren, konnte ich wenden. Beim abendlichen Briefing erfuhren wir, dass wir nicht die Einzigen waren, die Vancouver noch einmal mit dem Wohnmobil besucht hatten.

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