26.8. bis 5.9.

Seit etlichen Tagen schauen wir ungläubig in die Wetter Apps. Ein Tiefdruckgebiet aus Skandinavien jagt das nächste. Die Temperaturen sind in den Keller gegangen, am Tag nicht über 14 Grad, nachts teilweise einstellen. Wir haben schon 2 Nächte durchgeheizt. So müssen wir flexibel unsere Routen und Stopps den Wetterbedingungen anpassen und finden in der Regel für Besichtigungen auch trockene Abschnitte. Baden oder lange Wanderungen sind aber zur Zeit nicht möglich.
Unser nächstes Ziel war Tartu, die zweitgrößte Stadt Estlands und fanden einen Übernachtungsplatz auf dem Parkplatz am BMX Park.
Wir unternahmen einen Rundgang durch die Universitätsstadt, durch Parks und den Domberg mit der Ruine des alten Doms. Leider war das Wetter gegen uns, so daß wir zügig zum Wohnmobil zurückkehrten.
Von Tartu fuhren wir ostwärts bis nach Räpina und dann südlich bis zur russischen Grenze nach Massuri. Dabei fuhren wir durch das Land der Setu. Die Setus sind ein sehr alter Volksstamm mit einer eigenen Sprache. Die Häuser sind alt aber auch teilweise sehr schön im alten Stil restauriert.
Weiter ging es etwas kreuz und quer der Piusa entlang. Wir besuchten die Sandsteinhöhlen von Piusa. Dort wurde Quarzsand unter schwierigsten Bedingungen im vorigen Jahrhundert abgebaut zur Herstellung von durchsichtigem Glas. Mittlerweile ist das Betreten des gesamten Höhlesystems aus Sicherheitsgründen verboten. Außerdem hat sich eine dort Fledermauskolonie angesiedelt, die durch Biologen beobachtet wird.
Unterwegs machten wir noch an den Ruinen der Ordensburg von Vastsellina halt. Diese Ruinen findet man im gesamten Osten des Baltikums.
In Haanja fanden wir einen idyllischen Stellplatz am See.
Weiter südwärts erreichten wir Aluksne. Dort fuhren wir mit der historischen, russischen Schmalspurbahn nach Gulbene und wieder zurück.
Da wir keinen geeigneten Stellplatz fanden, fragten wir eine nette Servicemitarbeiterin, ob wir auf der Tankstelle übernachten könnten, was sie uns genehmigte.
Da wir die letzten Tage wieder Pistenkilometer bei Regen fahren mußten, sah unser Womo entsprechend aus. Neben der Tankstelle befand sich eine geeignete Waschanlage, wo wir unser Womo vom Dreck befreiten konnten.
In Balvi besuchten wir einen Skulpturengarten von künstlerisch verfremdeten Fahrräder.
In Ludza gab es wieder alte Steine einer Ordensburg zu sehen, sowie eine katholische Kirche, die sehr schön für eine anstehende Hochzeit geschmückt war.
In Rezekne war unsere nächste Übernachtung auf dem Parkplatz des Kreativzentrums „Zeimuls“ an der Touristeninformation geplant. Es gab Verbotsschilder und recht enge Parkboxen. Nach Genehmigung durch die Mitarbeiterin der Information fanden wir am Rand des Parkplatzes 2 Plätze. In der Nacht wurden wir durch Jugendliche abwechselnd durch laute Technomusik mit tiefen Bässe oder röhrende Motore unterhalten.
Übrigens gab es auch hier eine Ordensburg.
Dann ging es durch ein landschaftlich schönes Seengebiet über Dagda, nach Aglona. Aglona ist für die Katholiken ein Wallfahrtsort und hat eine sehr schöne weiße Basilika. 1980 zum 200jährigen Weihetag besuchte sogar der Papst Aglona und hielt vor 300000 Gläubigen eine Messe ab.
Unser Übernachtung war in Kraslava geplant. Dort sollte ein von einem Deutschen geführter Campingplatz existieren, den wir nach 3 km schlechter Piste erreichten. Wir wurden von Sebastian, einem 38jährigen, alternativ gekleideten Mann herzlich begrüßt. Er ist vor 7 Jahren hierhin ausgewandert, hat Hühner Ziegen, Kaninchen, Wellenseittiche, 2 Hunde, Katzen, und eine schwangere Freundin, die täglich leckeres Brot backt und einen kleinen Hofladen betreibt. Sie leben als Selbstversorger, bauen allerlei Gemüse an und bieten 5 Womoplätze an und 2 Appartmements. Sie planen Konzerte auf ihrem Gelände nach Corona zu veranstalten, haben einen Chillout Weg angelegt und sitzen abends gerne mit ihren Gäste am Lagerfeuer.
Da es dort so urig war, blieben wir noch einen weiteren Tag. Nachmittags beschlossen wir Pilze sammeln zu gehen. Weder Angela und Peter noch ich hatten je Pilze gesucht, trotzdem kamen wir mit einer erklecklichen Menge Pfifferlinge zurück. Daraus entstand eine leckere Pilzpfanne, die wir abends zu uns nahmen. Aufmerksam beobachteten wir uns gegenseitig ob eventuell aufretender Ausfallerscheinungen, falls doch ein unverträglicher Pilz den Weg in die Pfanne gefunden hätte. War nicht der Fall, und so genossen wir das Essen.
Am nächsten Tag fuhren wir eine kurze Strecke nach Daugapils, der zweitgrößten Stadt Lettlands.
Unterwegs besuchten wir noch das empfehlenswerte Dorf Slutiski. Es ist bewohnt, steht allerdings unter Denkmalschutz.
In Daugavpils sollte die Festung und ein besonderes Museum des Malers Mark Rothko, dem Begründer der Farbfeldmalerei und Sohn der Stadt, sehenswert sein.
Als erstes war die Einfahrt zur Festung auf eine Höhe von 3,10 m begrenzt. Die Information gab es aber erst direkt an der Mauer nach 200 m schmaler Anfahrt. Also wieder rückwärts zurück bis in einen befahrenen Kreisverkehr. Dann waren wir gespannt auf das Museum. Dies entpuppte sich, aus unserer Sicht als Witz. Es wurden Bilder ausgestellt, mit denen wir aber auch gar nichts anfangen konnten. Der Gipfel war ein Bild mit einer komplett weißen Oberfläche und einen an der Seite bemalter Rahmen. Von Mark Rothko waren nur 3 Bilder dort, die uns auch nicht ansprachen.
Der Fairness halber muß ich aber zugestehen, dass wir kein Maßstab sind und uns für solche „Kunst“ noch nie begeistern konnten.
Wir verließen Lettland und erreichten Litauen auf einer Piste über die grüne Grenze ohne jegliche Kontrolle und erreichten bei Stelmuze unseren Übernachtungsplatz an einer der ältesten Holzkirchen des Baltikums. Diese besichtigten wir am nächsten Tag. Dort steht auch eine auf zwischen 1000 und 1500 Jahre alte Eiche, sehr eindrucksvoll.
Weiter ging es durch eine Seenlandschaft gen Süden. Die Fahrt durch alte Dörfer war wieder einmal sehr schön, zumal seit Wochen wieder einmal die Sonne schien.
Im Nationalpark Aukstaitjos machten wir am Nachmittag noch eine schöne Wanderung am Lusial See.
Dann erreichten wir den Campingplatz in Moletai am Siesartis See, auf dem wir wieder die einzigen Gäste sind. Dort befindet sich auch ein 30 m hoher Aussichtsturm von dem man eine grandiose Aussicht über den See und dem Nationalpark hat.
Dann machten wir uns auf das geographische Zentrum Europas zu besuchen., das 26 km nördlich von Vilnius liegt. Es wurde 1989 vom Französischen Geographischen Institut mit komplizierten Berechnungen bestimmt.
Dann erreichten wir Vilnius, wo wir die nächsten 4 Tage blieben. In Vilnius fand ein großes Kulturfestival statt mit Märkten, Konzerten, Sportveranstaltungen u.s.w. So hatten wir genügend Zeit wieder einmal Großstadt zu genießen.
Am Sonntag besuchten wir das alte jüdische Viertel mit dem Ghetto. Und der letzten noch verbliebenden Synagoge. Früher war die Jüdische Gemeinde in Vilnius eine der größten der Welt. Heute gibt es dort viele Restaurants und Bars.



























































































