
16.1. bis 21.1. Southorkney Islands, Signey Island, Southshetland Islands, Antarktis
Gestern erfuhren wir, dass wir außerplanmäßig die Orkney Inseln anlaufen werden. Dies steht nicht im Programm, war früher aber eine Station der Reise. Wir haben 2 Wissenschaftler in Süd Georgien an Bord genommen, die ihre Forschungsarbeit in Süd Orkney fortsetzen. Dort setzen wir sie ab. Seitens der Expeditionsleitung versucht man für uns einen Landgang zu organisieren.
Heute ist ein Seetag. Westlich und östlich von uns toben Stürme, aber die Passage dazwischen, unsere Route nach Süd Orkney, ist relativ ruhig – Glück gehabt.
Der Tag ist wieder mit Vorträgen, einer Schnitzeljagd, Reinigung der Bekleidung und Schuhe sowie ein Pfannkuchenessen mit dem Kapitän, gut gefüllt.
Vormittags legte ich wieder eine Radrunde ein, während Ute auf Schnitzeljagd ging und später ihre Sporteinheit absolvierte.
Dann gab es noch ein Highlight – wir durften bei laufenden Betrieb auf die Brücke. Dort erklärte uns ein deutscher Student der Maritime Wissenschaften Grundlegendes. Am Beeindruckensten fand ich folgendes. Wir ankern nie. Trotzdem bleibt das Schiff punktgenau auf der Stelle liegen, wo es soll, bei unseren Anlandungen und Zodiakfahrten. Das regelt ein Steuerungscomputer der mittels Satelitennavigation unter Berücksichtigung von Strömung und Wind, mittels 4 Motore das Schiff ständig hält.
Wir erreichten die ersten kleinen Inseln von Süd Orkney.
Nach dem Frühstück, am nächsten Tag, gab es eine Durchsage, dass vor uns 30 bis 40 Finn- und Buckelwale fressen würden. Aus der Ferne waren sie auch zu beobachten. Um uns herum konnte man den Blas deutlich sehen, aber zum fotografieren waren sie zu weit weg.
Wir steuerten die Forschungsstation auf Signey Island an. Dort werden die beiden Forscher abgesetzt und den Sommer dort verbringen. Wir werden die ersten Touristen sein, die auf der Antarktis nach Corona eine Forschungsstation besuchen dürfen, bisher gab es ein striktes Verbot dafür.
Dort angekommen wurden wir von dem Stationsleiter freundlich empfangen. Es ist eine kleine Britische Station mit dem Namen: Signy Research Station Base H. 4 Forscher leben dort den Sommer über und beobachten das Wetter und die Auswirkungen des Klimawandels. Früher war dort eine Walfangstation.
Abends gab es noch eine erfreuliche Information. Da wir durch den ungeplanten Besuch der Orkney Inseln den eigentlichen Kurs verlassen mußten, würden wir am Eisberg A23a vorbeikommen. Morgens um 4 Uhr sei die geplante Sichtung, und wir würden bei Bedarf geweckt werden. Außerdem würden wir 4 Stunden an dem Eisberg entlang fahren – klang spannend.
A23a hat sich 1986 vom Filchner Ice Shelf gelöst lief dann aber schnell auf Grund. 37 Jahre verharrte er dort bis er sich 2022 löste und die Weddle Sea kreuzte. 2024 wird der Eisberg die antarktische Strömung erreichen und durch den Südlichen Antlantik in der sogenannten „Iceberg Alley“ sich in Richtung Süd Georgien bewegen. Die Ausmaße des größten Eisberges der Welt sind gigantisch: 74 km lang, 59 km breit, durchschnittliche Höhe 300 m, höchste Höhe 430 m.
Um 4 Uhr standen wir, wie viele Mitstreiter an der Reling und sahen – nichts. Es war neblig und so blieb es auch die nächsten Stunden. Sogar ein solcher Koloss versteht sich zu verstecken.
Der Seetag war weiterhin neblig, lediglich 1 Stunde hatten wir etwas klarere Sicht. Vom Außendeck konnten wir wieder Wale und Seevögel beobachten.
Am Nachmittag hatten wir Gelegenheit den Maschinenraum der Fram zu besichtigen. Ich hatte mich gleich in den ersten Tagen dafür angemeldet und die Info erhalten, ich sollte mit der Möglichkeit zur Besichtigung zurückhaltend sein. Sie wollen nicht 170 Leute durch diesen Bereich des Schiffes lotsen.
Die Führung vom 1. Offizier war natürlich für uns sehr interessant, wann hat man schon Gelegenheit dazu und dann noch im laufenden Betrieb. Ein paar Details, die ich behalten habe: 4 Propeller, die sich um 360° drehen lassen und das Schiff ziehen nicht schieben. Antrieb durch 4 Generatore, die durch Dieselaggregate versorgt werden. Verbrauch auf der Reise 340000l Maritimdiesel. 2 3m lange hydraulische Stabilisatore. Meerwasserentsalzungsanlage, die für jeden Passagier kalkulierte 210 l Wasser pro Tag aufbereitet. Die Fram kann bis zu 70 cm Frischeis brechen.
Am nächsten Tag erreichten wir die Antarktis zumindes nach der Antarctic Treaty Organisation, die alles oberhalb des 60. Breitengrades als Antarktis definiert und als Schutzgebiet erklärt hat.
Tatsächlich erreichten wir die Südshetlandsinseln. Es schneite und die Sicht war schlecht. In Half Moon Bay gab es die nächsten Anlandung und dort waren die Zügelpinguine zu bewundern. Es ist schon erstaunlich welch lustigeGesichtsausdrücke die Natur schafft – natürlich nur aus unserer Sicht.
Nachmittags fuhren durch Neptune‘s Bellows, eine Meerenge, die auch für die „kleine“ Fram tricky ist.
Dann erreichten wir unser Tagesziel Whaler’ Bay auf Deception Island. Dies ist ein aktiver Vulkan, der überwacht wird und zur Zeit mit „grün“ bewertet wird. Unsere Anlandung führte uns zum verlassenen Hafen Port Foster. Dort befindet sich eine verlassenen Walstation, die 1936 verlassen wurde. Anschließend wurde sie von den Engländern als Forschungsstation genutzt und 1967, nach dem Vulkanausbruch, beschädigt aufgegeben. Hier befand sich seit den 20er Jahren sogar eine Landebahn und ein Hangar für Flugzeuge mit deren Hilfe man bessere Landkarten anfertigte.
Dann, während unseres Briefings für morgen, gab es plötzlich Tumulte. Orcas wurden gesichtet, der Käptn stoppte die Maschinen, und wir konnten etliche, leider wieder in der Ferne, gut beobachten.
Finally we did it – heute betraten wir erstmals die Antarktis in Orne Harbour. Wir landeten neben einem mächtigen Gletscher an und mußten dann 100 Höhenmeter durch ein sehr steiles Schneefeld klettern. Oben erwartet uns erst einmal ein phantstischer Ausblick sowie eine Zügelpinguinkolonie. Die brüten dort oben und haben Junge. Jedes Mal müssen sie den Weg zum Meer und zurück machen, um Futter zu holen. Der Aufstieg war nicht ohne und ich hätte nicht gedacht, dass sich Ute das traut – hat sie aber – Chapeau!
Am Nachmittag erreichten wir Cuverville Island. Die ganze Strecke dorthin begleiteten uns Inseln und mächtige Gletscher, die eine Abrisskante von bestimmt 50 m hatten. So stellt man sich die Antarktis vor, obwohl es wieder wärmer geworden war, 4°C.
Wir landeten dort an und waren natürlich nicht alleine. Eselspinguine waren diesmal die Landbesitzer, die uns ignorierten und ihrer Wege gingen. Es ist immer noch sehr schön sie zu beobachten obwohl wir schon so viele gesehen haben. Die Szenerie vom Aussichtspunkt war spektakulär mit den Eisbergen und Abbrucheis in der Bucht.
Abends gab es noch einmal um 23:30 Uhr ein paar stimmungsvolle Fotomotive.
Am nächsten Tag halfen wir den Forschern bei ihren Probenentnahmen. Mit dem Science Boot ging es raus, und mit verschiedenen Geräten und Sonden wurden Wasserproben entnommen, gefiltert und die Proben gesichert. Dabei ging es um Salzgehalt, Phytoplankton, ph-Wert, Temperatur, Tiefenmessung wo Phytoplankton vorhanden ist usw. Die Ergebnisse werden an die Forschungsleitung in San Diego übermittelt.
Dann gab es eine Anlandung in Neko Harbour, mit Besuch von Eselspinguinkolonien und schönen Gletschern. Hier hatten sich die Pinguine Highways angelegt um einfacher zum Wasser zu kommen. Sie hatten immer Vorfahrt vor uns.
Nach dem Mittagessen wurden wir nach draußen gerufen. Eine Gruppe Buckelwale waren ganz nah am Fressen. So nah hatte ich sie noch nie gesehen. Völlig überrascht war ich von den Lauten, die die Wale ausstießen, fast wie Elefanten. Selbst unsere mitreisenden Meeresbiologen hörten diese Laute zum ersten Mal und waren völlig verblüfft.
Anschließend durchfuhren wir den Neumeier Channel und erreichten Damoy Point, wo eine weitere Anlandung anstand.
Heute hatten wir viel Verspätung, so fuhren wir erst um 23:30 Uhr durch den Lemaire Channel. Der war aber wieder spektakulär, sehr eng mit senkrecht aufragenden Felsen.












































































































































































































