4. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019

26.11. – 3.12.

Batumi-Tiflis-Sheiki-Baku-Lenkoran

Wegen der späten Ankunft auf dem Stellplatz, hatte Oleg die Stadtführung auf 13 Uhr verlegt. So konnte man gut ausschlafen.

Das Wetter war super, strahlender Sonnenschein und 20 Grad C.

Wir erhielten wieder eine neue SIM Karte, Geld und einen Stadtplan, und wie gewohnt, war auch dieser Bus pünktlich, und Serat, unser lokaler Führer in Georgien, begrüßte uns. Serat hat 2 Jahre in München gelebt, ist Ingenieur und nimmt für diese Reiseleitungen extra Urlaub, weil es ihm Spaß macht den Touristen sein Land vorzustellen.

Batumi hat sich nach der Unabhängigkeit total verändert. Es entstanden jede Menge Kasinos, Hotels und sonstige Urlaubseinrichtungen. Die Gäste kommen in erster Linie aus der Türkei, Russland und den Vereinigten Emiraten. Der Unterschied zwischen arm und reich ist auch hier eklatant. Einer kleinen, unendlich reiche Oberschicht, steht die „normale“ Bevölkerung mit 60 % Arbeitslosigkeit entgegen. Die allgemeine Korruption ist in den letzten Jahre stark bekämpft worden, so wurden auf einem Schlag 40000 Polizisten entlassen und ein neues Polizeiwesen etabliert. Die Elitekorruption wird aber weiterhin vermutet.

moderne Kasinos
Medea-Denkmal

Die besichtigte Altstadt von Batumi war nicht sehr eindrucksvoll, da sie teilweise abgerissen und durch unpassende Gebäude ersetzt wurde. Die wenigen alten Häuser wirken ungepflegt, da das Geld und ein Konzept zur Erhaltung der Altstadt fehlt.

Altstadt

Vor der orthodoxen Kathedrale konnten wir eine Hochzeit beobachten. Die Gesellschaft hatte sich richtig aufgebrezelt.

Eine hübscher als die Andere
griechische Kirche des heiligen Nikolaus

Am Abend fuhren wir in ein schönes georgisches Restaurant, wo wir unser 2. Seabridge Essen hatten. Serat hatte sich alle Mühe gegeben uns ein wenig von der Lebensweise der Georgier nahe zu bringen. So sahen wir eine typische alte Küche mit Utensilien, wir beobachteten wie Chatschapuri, ein Brot mit Käsefüllung gebacken wurde und erlebten wieder die totale Völlerei. Der Tisch bog sich vor Speisen. Immer wieder wurden neue Gerichte gebracht. Dazu gab es weißen und roten Georgischen Wein. Übrigens ist der Wein in Georgien erfunden worden.

Chatschapuri backen
Seabridge Essen
Seabridge Essen

4 georgische Sängerinnen begleiteten den Abend mit traditionellen Gesängen, die völlig ander waren als die in der Ukraine.

gregorjanisches Ensemble

Mit der Dauer des Abends stieg die Stimmung der Truppe und es wurden viele Toasts ausgesprochen für die Freundschaft, für die Frauen, für die Gruppe, für die Reiseleiter.

Oleg hatte wieder einen neuen Trinkspruch drauf: Die Männer trinken im Stehen, die Frauen auf ex.

Das war wieder ein gelungener Abend, wobei ich als alleiniger Antialkoholiker geoutet wurde und Herbert und Bernd sich vornahmen, mich bis zum Ende der Reise umzuerziehen.

Blick vom Stellplatz
Blick vom Stellplatz

Der nächste Tag war wieder ein Fahrtag. Es ging 380 km auf teilweise schlechter und stark befahrener Strasse Richtung Tiflis. Das war schon ganz schön anstrengend, zumal unterwegs unser Navi den Geist aufgab und wir uns mehr recht als schlecht mit dem Handy behelfen mußten. 100 km vor Tiflis machten wir eine Pause und zufällig kam Oleg zum Tanken. Er hatte ein Ersatznavi dabei, so daß wir den Rest der Fahrt wieder gut geleitet wurden.

Der Verkehr in Tiflis war heftig, aber wenn man genauso fährt, wie die Einheimischen, Spurwechsel ohne Blinken, Schneiden,Drängeln, ist es ganz einfach.

Auf dem Stellplatz hoch über der Stadt erhielten wir dann noch von Alex ein traditionelles, im Tonofen gebackenes, süßes Brot, dass er unterwegs gekauft hatte. Die geben sich wirklich Mühe, unsere Reiseleiter.

Bisher, muß man sagen, war das Glück aus unserer Seite: wir erlebten keinen Schnee in Polen – er kam eine Woche später, die Grenze in der Ukraine wurde 1 Tag nach uns von Demonstranten blockiert, nach unserer Ankunft in Batumi, tobte auf dem Schwarzen Meer ein Sturm und jetzt, nachdem wir das Land verlassen haben, ist in Teilen der Ukraine aufgrund des Zwischenfalls im Asowsche Meer der Kriegszustand ausgerufen worden. Drückt uns die Daumen, dass es so bleibt.

Am nächsten Morgen stand die Stadtbesichtigung von Tiflis an. Um 9 Uhr sollte es losgehen, doch Bernd und Brigitte kamen nicht mehr in ihr Wohnmobil. Alle steuerten Ideen bei, wie das Womo zu knacken sei, doch alle Versuche blieben erfolglos.

So starteten wir zunächst ohne sie. Mit 2 nagelneuen Minibussen und Nadja, einer netten lokalen Stadtführerin ging es los.

Unterwegs gab sie Einblicke in die Geschichte Georgiens, dem es genauso ging wie den anderen Ländern drumrum. Immer wieder wurden sie von anderen besetzt, seien es die Perser, Araber, Türken, Mongolen, wieder die Türken und schließlich die Russen.

Seit 1991 ist Georgien unabhängig. Trotzdem gab es seit dem 2 weitere Kriege, 1993 in Abchasien und 2008 durch das Bombardement der Russen auf Tiflis. Weiterhin gibt es von den Russen annektierte Gebiete, Abchasien und Südossetien.

Auch hier herrscht die latente Angst vor dem großen Bruder und man möchte so schnell es geht in die Nato. Ich bin sicher, das wird Russland zu verhindern wissen.

Heute war Präsidentschaftswahl. Eventuell wird eine Frau gewählt.

Georgien hat einige Superlative zu bieten, so wurde hier, wie erwähnt, der kultivierte Weinanbau und die Weinherstellung entwickelt und Georgien soll die älteste Schrift weltweit haben, was gerade in Amerika verifiziert wird.

Wir fuhren zunächst nach Mtskheta, der früheren Hauptstadt Georgiens und besichtigten die Kathedrale. Diese Kathedrale ist für die Orthodoxen wichtig, da hier angeblich Wunder geschahen, und viele Kranke und Bedürftige kommen in der Hoffnung, dass ihnen geholfen wird.

Kathedrale von Mtskheta
Kathedrale von Mtskheta

Bei bestem Wetter gings anschließend zurück nach Tiflis, wo wir in der Altstadt erst einmal 2 Stunden Freizeit hatten. Durch die Anzahl der Restaurants konnten wir uns vorstellen, was hier zur Hauptreisezeit los ist.

Nach einer kleinen Stärkung in einem urigen gregorgischen Restaurant, trafen wir uns wieder und fuhren mit der Seilbahn zur Festung Nariqala, von der man einen atemberaubenden Ausblick auf Tiflis hatte. Zu Fuß ging es zurück, und wir sahen die Friedensbrücke, Kartlis Deta, die Mutter Georgiens, die Metechi Kirche, die Sioni Kathedrahle, das Abanotubani, das Bäderviertel der Stadt, wo es heiße Schwefelquellen gibt, die den Namen Tiflis begründeten, da Tbili in georgisch warm heißt und Tiflis georgisch Tbilisi heißt.

Georgisches Restaurant
Tiflis
Metechi Kirche
Abanotubani, das Bäderviertel
Kartlis Deta, die Mutter Georgiens
alter Uhrenturm

Ach ja, plötzlich tauchten Brigitte und Bernd auf. Sie hatten mit Hilfe von Olek und Ararat das Womo durch die Dachluke öffnen können. Bernd ist dann von oben eingestiegen und konnte die Tür öffnen. Dann bauten sie das Schloß aus und stellten fest, dass ein Bolzen gebrochen war. Also wurde tel. bei Seabridge ein Ersatzschloß bestellt, dass unser neuer Reiseleiter ab Dubai aus Deutschland mitbringen wird – Problem wieder gelöst.

Abends ging es wieder zurück zum Stellplatz. Wo nach einer kurzen Pause zur Weinprobe gebeten wurde, die ich mir schenkte. Ute hatte teilgenommen und fand es sehr interresant.

Dann folgte wieder ein Fahrtag. 340 km lagen vor uns, die Ausreise aus Georgien und die Einreise nach Aserbaidschan.

Mittags trafen wir uns kurz vor der Grenze und fuhren die letzten 1000 m im Konvoi. Wir erfuhren noch, dass Salome Surabischwili die Wahl gewonnen hatte und nunmehr erstmalig eine Frau die Geschicke des Landes führt.

Die Abfertigung verlief nach den bisher gemachten Erfahrungen relativ problemlos. Nach 2 Stunden waren wir in Aserbaidschan.

Auf zunächst perfekten Strassen ging es Richtung Kaukasus, deren schneebedeckte Gipfel wir schon von weitem sehen konnten. Das Thermometer stieg auf rekordverdächtige 21 Grad C.

Leider waren die letzten 80 km sehr mühsam, da die Strasse in einem erbärmlichen Zustand war.

Aus der Strasse sahen wir freilaufend alle Tiere, die bei uns üblicherweise in Ställen oder eingezäunten Wiesen stehen: Pferde, Kühe, Schafe, Ziegen, Schweine, Gänse und natürlich jede Menge Hunde.

unterwegs in Aserbaidschan

Als Erste erreichten wir den Zielort Sheiki, wo wir im Stadion unseren Stellplatz fanden.

Abends gab es noch ein kurzes Briefing, wir erhielten wieder neue SIM Karten und Begrüßungsgeld. Zur Wasserversorgung hatte Oleg einen Tankwagen bestellt, der auch kam, und dem dann mit lautem Knall der Kühler platzte. Es wird nie langweilig auf der Reise.

unsere Wasserversorgung

Leider schlug in der Nacht das Wetter um. Der erste Regen auf unserer gesamten Reise erreichte uns. Dazu war es empfindlich kalt geworden, so dass Olek den Beginn des Besichtigungsprogramms um 2 Stunden verschob.

Wetterumschwung

Sheikife, unsere aserbaidschanische Stadtführerin, zeigte uns zunächst den Khan Palast mit seinen prachtvollen, bemalten Räumen und den kunstvoll gestalteten Mosaikfenstern. Fotografieren war verboten. Auch hier erfuhren wir viel über die Vergangenheit des Landes, dass wie die anderen auch immer neue Herrschaften bekamen. Auch hier ist das Verhältnis zu Russland sehr gespannt und es gibt den Konflikt mit Armenien um das Gebiet Bergkarabach. Mit 8,5 Mio. Einwohner ist Aserbaidschan ein kleines Land, beherbergt aber 1 Mio. Flüchtlinge. 25 Mio. Aserbaidschaner leben im Norden des Iran.

Sheiki liegt an der Seidenstrasse und somit haben wir den Orient erreicht. Dies wurde auch deutlich durch den Gesang des Muezzin am Morgen. Etwa 50 % der Bevölkerung ist muslimisch, allerdings leben hier die Schiiten und die Sunniten friedlich nebeneinander.

Als nächstens besichtigten wir die alte Karawanderei aus dem 18. Jahrhundert. Eine sehr schön erhaltene Anlage, die heute als Hotel dient.

Khan Palast
Mosaikfenster aus Holz und venezianischem Glas
Karawanserei
Karawanserei
Karawanserei
Karavanserei

Abends gab es unser 3. Seabridgeessen in einem exklusive Restaurant. Es wurden aserbaidchanische Speisen gereicht, wie gewohnt, in mehr als ausreichender Menge. 2 kleine Tänzerinnen und eine Gruppe aus Musikern und Sängern unterhielten uns während des Essens.

unser Restaurant

Pfanne mit Hühnchen,Kartoffeln, Blätterteig, Bohnen, Auberginen und Zwiebeln
Plow, Blätterteigreiskuchen mit Fleisch, Rosinen, Nüssen und Kräutern
und das war Utes vegetarisches Gericht
Tänzerin
Tänzerin
Kamantschespieler

Danach ging es mit den Taxis wieder zurück zum Stellplatz.

Am nächsten Tag standen 310 km bis Baku an und wir vor der Entscheidung eine Route entlang des großen Kaukasus zu wählen oder eine um 60 km längere Route im Flachland. Es war morgens 0 Grad und total nebeligund regnerisch, so dass die Gefahr bestand in der Höhe in Schnee zu geraten. Wir warteten mit dem Aufbruch solange es ging und fuhren als Vorletzte los. Wir hatten uns für die Kaukasusstrecke entschieden.

Gleich in Sheiki fuhr ich erst einmal falsch in eine Einbahnstrasse. Die mir Entgegenkommende machten dem Geisterfahrer brav Platz, als ich dann allerdings ein Polizeifahrzeug auf mich zukam, war mit klar, das gibt Ärger. Nichts dergleichen geschah, ich erntete nur interessierte Blicke und konnte anschließend die Einbahnstrasse verlassen.

Die ersten 50 km war es sehr nebelig, das gab sich etwas, als wir in höhere Bereiche kamen. Die Temperaturen stiegen bis auf 10 Grad und wir kamen auf guter Strasse schnell voran.

In Baku erwartete uns ein Verkehrschaos, aber, wie gesagt, man muß genauso fahren, dann gehts.

Es gab ein paar Irritationen wegen unseres Stellplatzes, keiner wußte Bescheid, wir waren die Ersten und nach einigen Telefonaten mit Oleg wurde alles geklärt.

Das Wetter blieb schlecht.

Am nächsten Tag besichtigten wir Baku bei Regen.

Sheikife ist eine Stadtführerin, die Studiosusgruppen führt. Studiosus beschäftigt nur studierte Reiseleiter, die ein ganz tiefes Wissen über Geschichte und Kultur des Landes besitzen. Das Klientel verlangt danach. Genauso war Sheikife, wir erhielten bis ins kleinste Detail Informationen mit Jahreszahlen, Namen der Herrscher, Zusammenhänge der Volksgruppen usw. Mir war das etwas zu heftig, Ute gefiel es gut.

Wir besuchten die historische Altstadt mit dem Palast der Schirwanschahs mit dem Murad-Tor, den Jungfrauenturm und den Nargonipark mit dem ewige Feuer. Auch der moderne Teil Bakus ist beeindruckend. Die Dreiflammentürme, das Kulturzentrum und die 2012 geschaffene 12 km lange Uferpromenade boten beeindruckende Architektur.

Kulturzentrum
Wassermuseum
Palast der Schirwanschahs
Altstadt
Jungfrauenturm

Die letzte Station, das Teppichmuseum, brach ich ab und ging lieber die 3 km zum Wohnmobil an der Promenade entlang. Fast zeitgleich mit dem Bus traf ich dort ein.

Abends gab es noch spektakuläre Blicke auf die beleuchtete Skyline von Baku.

Skyline
Skyline
Skyline

Danach ging es südwärts an der Westküste des Kaspischen Meeres entlang bis zu unserer letzten Station in Aserbaidschan, Lenkoran.

Vorher hieß es noch Diesel und Gas aufnehmen., was sich als problematisch herausstellte, da die ersten 2 LPG Tankstellen keinen passenden Adapter hatten. Die Gruppe scheint aber zu funktionieren, denn Michael, der vorgefahren war, war es ebenso ergangen und schickte die Koordinaten einer passenden Tankstelle in die Whatsup Gruppe.

Nach 60 km hatten wir noch einen gemeinsamen Besichtigungstermin in Qobustan. Dort sind 10000 Jahre alte Felszeichnungen zu sehen. Sheikify war wieder in ihrem Element und deutet jede Zeichnung. Interessant war, dass dort Tiere abgebildet waren, die es schon lange nicht mehr in dieser Gegend gibt. So hat sich tektonisch und klimatisch die Welt in einem solchen Zeitraum verändert.

Qobustan
Qobustan

Ich war vorgegangen und saß im Führerhaus, als mich eine junge Aserbaidschanerin ansprach und in feinstem Englisch um eine Besichtigung bat. Ich kam ihrer Bitte nach und sie war begeistert und erzählte mir, dass sie solche Gefährte nur aus amerikanischen Spielfilmen kenne. Völlig happy bedankte sie sich und fuhr mit ihrem Freund davon.

Der Rest der Fahrt war entspannend auf einer super ausgebauten, neuen Autobahn.

Der Stellplatz an einem Hotel war etwas eng aber schließlich fanden alle ihren Platz.

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3 Antworten auf „4. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019“

  1. Hallo Ihr Beiden Nomaden!
    Ich habe nun eure Reiseberichte bei Kaffee und Weihnachtsplätzchen in sicherer Umgebung aufgearbeitet. Die Berichte sind nicht nur sehr gut, sondern teilweise auch richtig spannend. Ein
    Training zur Selbstverteidigung gegen übermütige „Wodkawüstlinge“, wäre für die Zukunft vielleicht auch garnicht schlecht. Das ist ja Abendteuer und Kultur in einem Paket. Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß und Freude bei dem Kulturmarathon.
    Passt auf Euch auf und lasst’s Euch gut gehen.

    Weihnachtliche Grüße aus D-Land
    Hartmut

  2. Eure Reiseerlebnisse, negative wie positive, sind ja nicht mehr zu toppen. Ich bin gespannt, was noch so Alles passiert. Weiterhin eine gute Fahrt und ein interessantes und entspanntes Weihnachtsfest und einen guten Anfang 2019. Bis bald. Liebe Grüße.

  3. Hallo Ute und Manfred,
    tolle Reise. Wir warten schon immer auf ein neues Lebenszeichen von Euch. Was Ihr schreibt ist mega interessant. Wir drücken Euch beide (x2) Daumen, dass es ohne Probleme und Hindernisse so weitergeht.
    Viele Grüße aus good old Germany
    Angela und Peter

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