11.12. – 20.12.
Yadz-Pasargadae-Persepolis-Shiraz-Salif-Bandar Abbas-Fähre Persischer Golf-Sharjah
Die Nacht im Hotelbett war ok, aber es gefällt uns im Womo mittlerweile besser. Es gab auch ein landestypisches Frühstück und dann ging es zur Stadtbesichtigung von Yadz.
Yazd ist eine der ältesten und trockensten Städte im Iran. Die Altstadt wurde zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Es regnet praktisch überhaupt nicht, und das Wasser wurde früher durch teilweise 100 km lange Wasserkanäle, sogenannte Qanats, aus dem Gebirge geleitet. Die Häuser wurden und werden durch Windtürme belüftet und gekühlt.
In Yazd wurde Zarathustra geboren, der iranische Priester, der nach 10-jähriger Meditation die erste monotheistische Religion, den Zoroastrismus begründete. Dies geschah etwa 1700 Jahre vor Christi und damit weit vor der Einführung des Islams. Noch heute gibt es hier und in Mumbai zoroastrische Gemeinden, die in ihren Feuertempeln beten und ihren Ritualen nachkommen.
Zunächst besuchten wir den Feuertempel von Yazd, der zwar noch nicht alt ist, aber dessen Feuer angeblich schon über 1000 Jahre brennt. Wir sahen auch den Feuermeister, von Kopf bis Fuss in weiss gekleidet, der das Feuer pflegt.



Danach besuchten wir die Freitagsmoschee.

Nach einer Stärkung in der Altstadt fuhren wir zu den Türmen des Schweigens. Hier wurden noch bis in die 60er Jahre die Toten zu den Türmen hinaufgeschleppt, dort abgelegt, den Geiern buchstäblich zum Fressen überlassen, danach wurden die Knochen mit Säure gereinigt und den Angehörigen übergeben, die sie dann in kleinen Felshöhlen bestatteten.





Die letzte Station in Yadz war der Besuch des Dolatabad Gartens, ebenfalls ein UNESCO Weltkulturerbe und des Badgir, dem höchsten Windturm der Welt.

Nach einer weiteren Hotelnacht starteten wir unsere heutige Etappe über 390 km nach Persepolis.
Über eine super Autobahn ging es durch Geröllwüsten, über Pässe des Zagrosgebirges auf 2500 m hoch, zunächst bis nach Pasargadae. Auch heute hatten wir wieder eine besondere Begegnung. Diesmal mit der Polizei. Ich war zu schnell und wurde rausgewunken. Der Polizist kam an Utes Fenster und fragte uns: How are you? Das war auch der einzige Satz, den er wohl in Englisch konnte. Er hatte schon Formulare in der Hand, die wohl als Strafzettel Verwendung finden. Er rang nach Worten und fragte dann: Farsi? Nein, Farsi sprechen wir nicht. Unglücklich stieg er von einem Bein auf das andere. Dann meinten wir verstanden zu haben, dass er wissen wollte, woher wir kämen. Als wir Germany sagten, lächelte er und wir durften weiter fahren.



Ach ja, Utes netter LKW Fahrer von vorgestern meldete sich telefonisch bei Ute und wollte nur wissen, ob es ihr, mir und dem Auto gut geht.
Zunächst war Mittagspause angesagt, und auf dem Pausen-Parkplatz halfen wir zunächst Einheimischen, ihr Auto anzuschieben. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei den Leuten um die dortigen Laden- und Teestubenbesitzer, so tranken wir bei ihnen und in ihrem sehr netten Lokal in PasargadaeTee und warteten, bis alle eingetroffen waren.
Pasargadae war 550 vor Christus eine altpersische Residenzstadt. Sie wurde von Kyros II gegründet. Kyros II war ein Utopist. Er befreite die Juden in Babylon. Anders als üblich erlaubte er neben seiner zarathustrischen Religion auch die Ausübung anderer Religionen und verbot die Diskriminierung Anderer aufgrund Herkunft, Hautfarbe, Religion, man könnte sagen, er führte als einer der Ersten die Menschenrechte ein. Sein Reich erstreckte sich zur Blütezeit von Indien über Pakistan bis Ägypten. Er wurde bei einem Feldzug gegen Nomaden tödlich verletzt. In Pasargadae stehen die Reste seiner Stadt und sein Grab ist noch in einem guten Zustand und zu besichtigen.

Am späten Nachmittag konnten wir auf unserem Weg noch die Königsgräber von Naqsch-e Rostam anschauen. 4 achämenidische Großkönige sind dort begraben – unter anderem Darius I. – der das erste Felsengrab ca. 500 vor Christus meißeln liess. Es sind auch noch Reliefs zu erkennen mit Kampfszenen und von Mitgliedern des jeweiligen Hofstaates.






Danach waren es nur noch 10 km zu unserem auf dem Parkplatz von Persepolis gelegenen Stellplatz.


Um 9 Uhr begann unsere Besichtigung von Persepolis. Wir erfuhren, dass Persepolis ca. 500 vor Christus von Darius I. gegründet wurde und eine der Hauptstädte des achämenidischen Reichs war. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Stadt der Perser“. 330 vor Christus wurde die Stadt von Alexander dem Großen brutal zerstört, alle Palastschätze von ihm geraubt und mit tausenden Kamelen abtransportiert.
In Persepolis wurden Meisterwerke der Baukunst geleistet. Das wird einem erst richtig bewußt, wenn man sich eine dort auszuleihende 3 D Brille aufsetzt. Man kann dann den Originalzustand der Stadt und der Paläste in der damaligen ganzen Pracht erleben. Einfach sagenhaft, was die damals in der Lage waren zu bauen.







Die Besichtigung dauerte 3 Stunden, und dann brachen wir auf nach Shiraz, dem heutigen Tagesziel. Vorher galt es wieder Diesel aufzunehmen, den Oleg in der Zwischenzeit organisiert hatte.
Unser Stellplatz war erneut auf einem Hotelgelände und wieder durften wir Hotelzimmer beziehen. Die waren diesmal noch besser als vorgestern. Es waren Appartements im Maisonette-Stil, unten ein großzügiger Wohn- und Küchenbereich mit Riesen-Fernseher, einem modernen Bad mit Wellness-Dusche , oben in der 1. Etage ein großzügiges Schlafzimmer mit 3 Betten.
Shiraz ist die Hauptstadt von der Provinz Fars, liegt auf 1550 m, gewann mit Eröffnung des Suez-Kanals Bedeutung und hat heute 1,9 Mio. Einwohner. Sie gilt als eine der grünsten Städte Irans.
Zunächst besichtigten wir die Khan Zitadelle. Khan war der Herrscher Persiens im 18. Jahrhundert, bescheiden und beliebt. Die Zitadelle diente ihm als Regierungssitz und privater Palast.



Danach fuhren wir zum Mausoleum von Hafis. Hafis ist der bedeutendste Dichter und Mystiker Irans. Sein Werk „Diwan“ kennt jeder Iraner und selbst Goethe war von ihm sehr beeindruckt. In Weimar gibt es ein Hafis- Goethe- Denkmal.



Danach galt es noch einzukaufen und die Wäsche abzuholen, die wir beim Hotel abgegeben hatten.
Anschließend fuhren wir Gas tanken an einer, wie Oleg sagte, halblegalen Gastankstelle. Ich kam nicht nahe genuug an die Zapfpistole und mußte über eine Betonplatte fahren, die über einem Wassergraben lag und genauso breit war, wie meine Spur. Da kamen Gedanken hoch an Christoph und seinem Erlebnis. Alle Adapter passten nicht. Das Gas floß und zischte aus allen Verbindungen. Der Tankwart bastelte weiter, und schließlich hielt die Verbindung. Mann, war ich froh, als wir da wieder raus waren.
Der nächste Tag stand unter dem Motto „Winter ade“. Wir fuhren vom Hochplateau runter an den Persischen Golf. 25 Grad C wurden versprochen, und so machten wir uns auf die 350 km lange Reise. Die Fahrt war landschaftlich wieder ein Genuß.
Unterwegs besuchten wir noch den Ardashi Palast. König Ardashir war der Begründer der Sassaniden (224 v. Chr. – 642 n. Chr.). Sein Reich war das 2. persische Großreich.



Wir durchfuhren wieder Geröllwüsten und mußten noch einige Pässe passieren, bis wir in Salif einen Stellplatz direkt am Meer erreichten.




Da hieß es sofort, die Badehose anziehen und hinein ins Meer. Es war wunderbar, Meer und Luft 25 GradC. So wird es jetzt bleiben, und vor allem werden die Nächte ab jetzt milder.






Unterwegs trafen schweizer Mitreisende noch ein fahrradfahrendes Pärchen, die sich dann zu uns gesellten. Sie waren in Hamburg gestartet und seit Juli unterwegs. Ihre nächsten Ziele sind Oman, Indien, Nepal und Thailand. Zu Hause haben sie alles aufgelöst und fahren open end.

Wir erhielten eine Nachricht von Oleg, dass Sirius in Salif Freunde getroffen hatte, die ihm Fisch für die Gruppe geschenkt hatten. Jeder erhielt eine Portion Barakuda und Makrele. Damit war der erste gemeinsame Grillabend gesichert, für den wir eine lange Tischreihe aufbauten und natürlich auch die Radler einluden.
Die nächsten Tage dienten dazu, sich dem Grenzhafen Badar Abbas anzunähern. Über wieder einer sehr schönen Küstenstrasse erreichten wir nach 300 km Bandar Lengeh, wo wir 2 Nächte verbrachten. Vorher ließen wir noch das Wohnmobil für 5 € waschen. Oleg und Sirius fuhren 1 Tag vor uns zur Grenze, um die Ausreise vorzubereiten.




Wir folgten am nächsten Tag. Um 11 Uhr waren wir am Hafen von Bandar Abbas. Die Fähre über den Persischen Golf, sollte um 18 Uhr gehen. Um die Wartezeit zu verkürzen besorgte Sirius einen Kleinbus und wir fuhren noch etwas essen. (Lammhals)


Dann begann die Warterei. Es wurde 18, 19, und 20 Uhr. Endlich durften wir auf die Fähre fahren. Die Auffahrt war dermaßen steil, dass ich rückwärts schräg einfahren mußte. 2 Mann lagen auf dem Bauch und leuchteten unter das Wohnmobil, um mich vor Aufsetzern zu warnen. Alles ging schließlich gut.

Es wurde 21, 22 und schließlich 23 Uhr, ehe die Fähre ablegte. Dann warteten wir noch mal 1 Stunde, ehe wir zu unseren Mobilen durften, um dort zu schlafen. Da es keine Kabinen gab, blieben alle anderen Gäste im Tagesraum.
Die See war ruhig und am nächsten Tag kamen wir um 11 Uhr in Sharjah an und konnten von Bord. Um 20 Uhr abends waren dann endlich alle notwendigen Formalitäten erledigt, und wir fuhren auf einen Parkplatz an der Lagune von Sharjah, wo ich mich gleich mal im Sand festfuhr.


Nach diesen Grenzerlebnissen, weiss man, was man an der Freizügigkeit in Europa hat.


Hallo ihr Lieben, schön das Ihr jetzt den Sommer wieder habt. Genießt es weiterhin. Wir wünschen Euch schöne Weihnachtsfeiertage. Liebe grüße aus dem etwas kühleren Wetter an der Ruhr von Uwe und Renate