15. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“

20.3. – 1.4.

Maku-Erzurum-Sivas-Hattusas-Göreme-Silifke-Bergama-Antalya-Pamukkale-Ephesos-Pergamon

Die Nacht war kurz, denn, wie erwähnt mußten wir um 7 Uhr an der Grenze sein, die 25 km entfernt war. Dann begann wieder das Warten. Nach einigen Stunden konnten wir aus dem Iran ausreisen und nach weiteren Stunden in die Türkei einreisen. Vorher mußten wir für den asiatischen Teil der Türkei noch eine Haftpflichtversicherung abschließen. Danach gab es kurzen Stop um den Ararat zu fotografieren.

morgens, auf dem Weg zur Grenze
Ararat
der kleine und der große Ararat

Dann ging es 350 km Richtung Erzurum.

Diese und die nächste Etappe führt uns durch Ostanatolien, das wegen der dort lebenden Kurden sensibel ist. Überall finden Militärkontrollen statt. Auf dieser Etappe deren 10, wobei 3 nicht besetzt waren. Die Militärs sind schwer bewaffnet, die Unterstände mit Sandsäcken geschützt, und wenn das Fahrzeug kontrolliert wird, muß es in eine bunkerähnliche Betonhalle, wo, wenn es explodiert, der Schaden begrenzt wäre. Hört sich alles schlimm an, war es aber für uns nicht, da wir  jedes Mal freundlich durchgewunken wurden. Allerdings wurden wir angehalten nicht die Route zu verlassen und zügig durchzufahren.

Das Wetter war freundlich aber kalt, die Landschaft sehr schön. Wir durchfuhren einige Pässe und hatten jedes Mal tolle Aussichten.

unterwegs nach Erzurum
unterwegs nach Erzurum
unterwegs nach Erzurum
unterwegs nach Erzurum
unterwegs nach Erzurum

Erzurum ist das wintersportliche Zentrum der Türkei. Hier gibt es Skipisten, Sprungschanzen und eine Eishockeyhalle. Wir waren auf 2100 m und konnten direkt an einem Restaurant am Skigebiet übernachten. Dort aßen wir auch zu Abend, türkische Pizza. Da ich Gas auftanken konnte, war die Nacht trotz -9 Grand angenehm warm im Womo.

Erzurum
Stellplatz in Ersurum
Eishockeystadion

Als Letzte, nach einem gemütlichen Frühstück,  verließen wir am nächsten Tag Erzurum. Es galt 470 km zu fahren bis hinter Sivas. Bei Kaiserwetter und einer super Autobahn, sowie kaum Verkehr ließen wir es tempomatunterstützt angehen. Es war wiederum eine sehr schöne Etappe. Wir bewegten uns permanent zwischen 1400m und 2200 m und sammelten im Laufe des Tages einige 1000 Höhenmeter.

Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas, Polizeiatrappe
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas
Unterwegs nach Sivas

In einem kleinen Ort sahen wir ein Schild PTT, das ist die hiesige Post, wo es Mautvignetten für die in den nächsten Tagen mautpflichtigen Autobahnen geben sollte. Ich hielt an, und Ute verschwand im Laden. Wir hielten genau vor dem Dorfzentrum, wo viele männliche Dorfbewohner vor den Läden saßen und Tee tranken. Ich verließ das Womo, um frische Luft zu schnappen und schon wurde ein Stuhl freigemacht, und ich von einem deutschsprechenden Kurden oder Türken zum Tee eingeladen. Als ich saß, kamen alle anderen zu dem Tisch und beobachteten mich. Mein Gastgeben hatte 20 Jahre in Bern gearbeitet und war dann wieder in sein Geburtsdorf zurück gekehrt. Wir unterhielten uns in Deutsch und es machte richtig Spaß zu sehen, wie interessiert auch diese Menschen an Fremden sind, die in diese Gegend nicht häufig kommen. Dann kam Ute zurück, leider unverrichteter Dinge, weil keine Vignetten vorrätig waren und sofort stand ein weiterer Mann auf und auch Ute bekam ihren Tee. Dies war eine nette Pause mit schönen Kontakten, die wir dann noch mit einem Foto abschlossen.

Netter Kontakt

Der Rest der Fahrt war problemlos und schön, unterwegs aßen wir noch in einem kleinen Restaurant, vor dem viele LKWs standen. In diesen Restaurants ißt man gut, günstig und es geht schnell.

Wieder folgte eine Strecke von 260 km nach Hattusas, durch das landschaftlich eindrucksvolle Anatolien. Die Etappen der letzten Tagen waren zwar teilweise anstrengend, aber durch die abwechslungsreiche Landschaft waren sie sehr angenehm.

Um 14 Uhr trafen wir uns an einem Campingplatz, von wo wir mit Fahrzeugen in das Hattusas Gebiet gebracht wurden. Hattusas war die Hauptstadt des Hethiter Reiches. Die ältesten Siedlungsspuren stammen von 3000 v. Chr., die Blütezeit der Hethiter war um 1300 v. Chr. Es lebten hier bis zu 50000 Menschen.

Was zunächst nur nach alten Steinen aussah, entpuppte sich dann doch als  interessanter Ausflug, zumal die Anlage weitläufig ist und man von interessanter Fundstelle zu Fundstelle gefahren wird und somit die ganze Ausdehnung der Stadt begreift. Nach 3 Stunden, kehrten wir zu unseren Womos zurück.

Hattusas
Hattusas, Felszeichnungen
Hattusas, Felszeichnungen
Hattusas, Felszeichnungen
Hattusas, alte Weinamphoren
Hattusas, Löwentor
Hattusas, Tempelfundamente
Hattusas, Hieroglyphenkammer

Auch in dieser Gegend ist der Tourismus völlig eingebrochen. Noch vor 4 Jahren kam allein Rotel Tours 20 bis 30 Mal im Jahr mit Gruppen. In den letzten 3 Jahren kam keine einzige Gruppe und für dieses Jahr ist 1 angekündigt.

Nach einer ruhigen Nacht führte uns die nächste Etappe nach Göreme in Kapadokien. Wie zuvor war dies wieder eine schöne Tour. Wir sahen zum ersten Mal blühende Bäume, also hatten wir den Winter hinter uns gelassen und der Frühling scheint uns zu begrüßen.

Blühender Aprikosenbaum
Blühendes Mandelbäumchen

Auch hier stehen wir auf einem Campingplatz mit voller Infrastruktur mit Aussicht auf Kapadokien. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Ausspannen und Blogschreiben.

Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr auf, um die Ballon aufsteigen zu sehen, die jeweils zum Sonnenaufgang ihre Fahrt beginnen. 150 lizensierte Ballons sind hier zugelassen, und die Unternehmen gehören mittlerweile einem türkischen General. Leider fielen die Fahrten aus, wegen zu starkem Wind.

Wir besuchten dann die Felsformationen in Göreme. Entstanden sind die Formationen vor 20 Millionen Jahre, als Vulkane Unmengen Tufasche freisetzten, die sich dann ablagerten. Die Schichten waren unterschiedlich hart und durch Witterungseinflüsse wurde und wird das weiche Material ausgespült und das härtere bleibt stehen. So entstehen die Feenkamine in unterschiedlichsten Formen und Farben. Vor 5000 v. Chr. siedelten die Hethiter hier in unterirdischen Städten und Höhlen. Ab 100 n Chr. suchten Christen hier Schutz vor Verfolgung. Als Kapadokien dann in das Osmanische Reich eingegliedert wurde, siedelten hier vermehrt Moslems an. Die letzten Christen verließen die Gegend 1923 durch den Bevölkerungsaustausch mit Griechenland

Göreme, Felsenstadt
Göreme, Höhlenwohnungen
Göreme, Feenkamine
Göreme, Feenkamine
Göreme, Höhlenwohnungen
Göreme, alte Kirche
Göreme, Felsmalerei in der Kirche
Göreme, Feenkamine
Göreme, Feenkamine
Göreme, Feenkamine
Göreme, Feenkamine
Göreme, Baum geschmückt mit Augen der Fatima
Göreme, Feenkamine

Mittags gab es Testi Kabap, ein Eintopf aus einem Tontopf, der erst am Tisch geöffnet wird, indem man mit einem Beil die Spitze des Tontopfes abschlägt.

Testi Kabap
Testi Kabap

Nachmittags ging es noch zu einer Töpferei. Dazu hatte ich eigentlich keine Lust, da ich das übliche Touriprogramm erwartete. Vorort war ich überrascht. Anscheinend hatten wir es mit echten Künstlern zu tun, die uns durch ihre tollen Arbeiten so begeisterten, dass wir uns einen künstlerisch gestalteten Derwisch als Andenken kauften.

Töpfermeister
Exponate
Maler
Exponate

Abends erfuhren wir, dass die geplante Ballonfahrt am nächsten Tag wegen starkem Wind abgesagt wurde.

Die nächsten Tage brachten uns wieder ans Meer und schließlich nach Bergama, unserer letzten Station der organisierten Reise.

Zunächst gab es eine Etappe ohne Programm über 360 km nach Silifke. Danach ging es nach Anamur und anschließend nach Antalya. Die Strecken waren anstrengend, da die Türken die Rote Welle perfektioniert hatten. Hunderte Ampeln standen immer auf rot. Man beschleunigt die Womos aufwendig auf 100 km, um sie dann wieder auf 0 abzubremsen.

wieder am Meer in Anamur
Stellplatz Anamur
Festung Anamur
Festung Anamur

In Antalya mußte erst einmal der Parkplatz von tief hängenden Ästen befreit werden, bevor wir unsere Womos parken konnten. Dort besuchten wir das archäologische Museum und hatten dann eine kurze Stadtführung. Die freie Zeit verbrachten wir in der sehr schönen Altstadt und am Hafen.

Baumschneideaktion in Antalya
das bekannteste Exponat des Museums, der Apollo
Hadrianstor Antalya
Hafen Antalya
3 Widder

Die nächste Station war nach 240 km Pamukkale.

Kurz vor der Stadt tankten wir an einer Shell Tankstelle in den Bergen. Der Tankwart erkundigte sich erst einmal, woher wir kommen und nach meinem Namen. Mustafa, stellte er sich vor, sein Kompagnon hieß Erdogan. Ob wir Tee möchten fragte er. Ich verneinte höflich und schon kam die Kassiererin mit einem Tablett, auf dem 4 Tees und frische Sesamkringel lagen. Während er tankte, konnten wir uns angenehm stärken. Solch einen Tankstellenservice hatten wir noch nicht erlebt. Wir schenkten ihm eine Deutschlandfahne als Schal, den er stolz der Kassiererin präsentierte. Wieder ein nettes Erlebnis.

Tanken mit Fullservice

In Pamukkale waren wir schon 2 Mal, waren aber positiv überrascht, dass sich die Kalkterassen wieder erholt hatten, da das Betreten mittlerweile verboten ist. Nebenan liegt die Ausgrabung von Hierapolis, die wir auch besichtigten.

Blick vom Stellplatz Pamukkale
jetzt haben wir den Frühling endgültig erreicht
Pamukkale
Pamukkale

Ephesos erreichten wir nach 240 km am nächsten Tag.

Wir hatten einen Studiosus Reiseleiter, der zu jedem Stein detaillierte Ausführungen machte. Nach ermüdenden 4 Stunden kehrten wir auf unserem schön am Meer gelegenen Stellplatz zurück und konnten uns von so viel Geschichte etwas erholen.

Ephesos
Ephesos
Ephesos

Als letzte Kulturstation in der Türkei stand noch Pergamon auf dem Programm. Nach 200 km erreichten wir unseren Campingplatz und fuhren per Bus nach Pergamon. Die eigentliche Bergstadt erreicht man per Seilbahn. Wir hatten wieder starken Wind, und ich hätte nicht gedacht, dass die Seilbahn fährt. Tat sie aber und wir schaukelten dann heftig nach oben. Es gab wieder viele Erklärungen und viele alte Steine zu besichtigen.

Pergamon
Pergamon
Pergamon
Pergamon

Abends hatten wir dann unser Abschiedsessen. Ab morgen sind alle individuell unterwegs, und wir werden schauen, je nach Wetterlage und Lust, wie wir nach Hause fahren.

 

 

 

 

 

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2 Antworten auf „15. Lebenszeichen „Überwintern im Oman““

  1. Traumhaft Eure Erlebnisse…. nie zu wissen, was gleich passiert…. stetig neues, unbekanntes entdecken…. und erfahren….
    wir wünschen Euch eine angenehme Rückreise
    und kommt gut und gesund zurück
    Herzlichst
    Monika und Burkhard

  2. Hallo ihr Lieben,

    und wieder ein toller Blog mit super schönen Bilder. Aber am besten gefällt mir der letzte Satz mit dem Wort nach HAUSE. Hier in Wetter ist es auch wunderschön. Die Stadt bietet wunderschöne Wanderungen an und die Demag hat 200 jährige Jubiläum mit netten Programm. Wir freuen uns schon sehr auf euch. Fahrt weiterhin vorsichtig.
    Ganz liebe Grüße von Renate und Uwe

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