8. Lebenszeichen Across America März 2022


6.5. bis 14.5.

San Francisco, Fresno, Kings Canyon, Sequoia National Park, Tehachapi, Joshua National Park, Kingsman, Williams

Der erste Tag allein unterwegs begann früh. Wir wollten zeitliche Reserve haben, falls wir keinen geeigneten Stellplatz finden. Dies war sowieso nur eine Transitstrecke in den Südwesten, wo die Nationalparks liegen. Mit etwas Stau schafften wir es aus San Francisco heraus und wechselten dann 10 Mal den Highway bis wir Richtung Fresno unterwegs waren. In Fresno gab es keinen Stellplatz aber ich hatte heraus gefunden, dass man in Sander beim Walmart übernachten kann. Wir waren Mittags dort und fanden ein schattiges Plätzchen, es war wieder sehr heiß geworden. Dort konnten wir tatsächlich ungestört schlafen.

Die nächste Etappe war auch wieder spannend. Auch für diesen Tag hatten wir noch keinen Stellplatz buchen können, alles ausgebucht. Unser Ziel war der Kings Canyon National Park. Dort gibt es nur einen Platz nach dem Prinzip: first come, first serve. Um 9:30 Uhr erreichten wir den Parkeingang und erfuhren, dass der Platz schon belegt war. Trotzdem fuhren wir dorthin und wurden freundlich mit einem Schild: „Full“ begrüßt. Einen Plan B hatten wir nicht, also fuhren wir trotzdem hinein und fanden tatsächlich einen leeren Platz. Der Zettel am Platz sagte aus, dass nur bis zum 7.5. gebucht war, also war der Gast schon abgereist. Schnell füllten wir ein Anmeldeformular aus, legten 22 Dollar in den Umschlag, steckten den Umschlag in den Briefkasten und befestigten den Zettel mit dem Abreisedatum 8.5. an unserem Platz. Da hatten wir Glück gehabt, denn es war der einzige freie Platz im Campground. Der war sowieso nur zu 1/3 nutzbar, der Rest war gesperrt, warum wissen wir nicht.

Dann begann eine tolle Fahrt Richtung Canyon durch den Nationalpark. Unser Platz lag auf 2000m Höhe und die fuhren wir runter zum Kings River. Die Ausblicke in die Sierra Nevada, wo noch teilweise Schnee lag, war atemberaubend.

Am Kings River erfuhren wir, dass die Strasse zum Canyon gesperrt sei, wegen massiver Erdrutsche. Also nichts mit Canyon. Dafür besuchten wir eine Höhle, die uns allerdings nach der Besichtigung der Carlsbad Cavern Höhle nicht besonders beeindruckte. Allerdings mußte man teilweise etwas klettern und war sehr nahe an den Tropfsteinen.

Danach machten wir auf der Rückfahrt noch einen Stop am malerisch gelegenen Hume See und verweilten dort eine Zeit. 

Dann gab es einen weiteren Höhepunkt, die Sequoia Bäume. Wir fuhren zum General Grand, dem drittgrößten Baum der Welt, was das Volumen angeht. Höhe 82 m, größter Umfang 33 m, Volumen 1320 qm, Gewicht 1325 t, Alter 1700 Jahre – unglaublich beeindruckend.

 Zurück zum Stellplatz, ließen wir den Tag mit einem Lagerfeuer ausklingen.

Nachts um 3 Uhr wachte ich auf, denn es waren nur noch 8 Grad C im Womo. Wofür hat man schließlich eine Heizung an Bord, und nach kurzer Zeit war es wieder angenehm. Wir schliefen beide 12 Stunden, anscheinend hatten wir die nötig.

Dann brachen wir auf zum Sequoia National Park. Durch den Park führt nur eine für uns befahrbare Strasse mit 10000 Kurven und einigen 1000m Höhenmeter. Die Aussichten und die Fahrt war wieder wunderschön. Vor allem die Sequoia Bäume strahlen eine unheimliche Ruhe aus. Wir besuchten General Sherman,den größten Sequoia der Welt und danach den Sentinel, der auf 2200 Jahre geschätzt wird. Angeblich hat man schon Bäume gefunden, die auf 3300 Jahre geschätzt werden.

Wir kamen auch durch große von Waldbränden zerstörte Wälder. Nur die Sequoia überleben in der Regel diese Brände. Sie haben eine bis zu 60 cm dicke Rinde die die Bäume feuerfester macht. Außerdem enthalten sie Tannin das gegen  Schädlingen schützt.

Witzigerweise trafen wir unterwegs Jörg und Sybille, die mit ihrem Bimobil auch verlängert haben und bis September Amerika bereisen wollen.

Unseren Campground fanden wir, allerdings nicht unseren Stellplatz Nr.31. Auch hier gab es keinen Menschen an der Rezeption. Es hing ein Zettel aus, der die Namen und Stellplätze auswies, die reserviert waren. Weder unser Name noch die Nr. 31 waren darauf zu lesen, obwohl Ute die Bestätigung per email erhalten hatte. Auch auf dem ausgehängten Stellplatzplan gab es die Nr. 30 und 32. Netzempfang gibt es in den Nationalparks natürlich auch nicht. Ich kriegte fast zuviel. Ute machte sich auf die Reise durch den unübersichtlichen Campground und fand tatsächlich Nr. 31 mit unserem Bestätigungszettel. Irgendjemand will uns ärgern. Dafür erhielten wir auf unserem Platz dann gleich Besuch von 2 Rehen und einem Grauhörnchen.

Die Plätze in den Nationalparks sind sehr spartanisch, ohne Strom, Wasser und Entsorgung, sie liegen allerdings phantastisch. Abends gönnten wir uns bei angenehmen Temperaturen wieder ein Lagerfeuer. Es ist kaum zu verstehen, dass trotz der vielen Feuer in den Nationalparks Lagerfeuer ausdrücklich erlaubt sind.

Dann ging es weiter südwärts. Die Strecke zum Joshua TreeNationalpark war uns an einem Stück zu lang, deshalb übernachteten wir auf halber Strecke in Tehachapi. Die Fahrt war abwechslungsreich, zuerst fuhren wir an Zitrusplantagen vorbei, dann durchfuhren wir große Ölfelder. In Tehachapi war es zwar sonnig aber bei starkem Wind sehr kalt.

Dann folgte der Rest des Weges zum Joshua Tree National Park. Diesmal ging es durch die Mojave Wüste auf gut 1000 m. Kilometerlange schnurgerade Strassen klingen zwar eintönig, waren trotzdem sehenswert.

Im Yucca Valley fanden wir einen schönen Stellplatz.

Nach einem gemütlichen Frühstück fuhren wir dann die 6 Meilen zum Eingang in den Joshua Tree National Park. Durch unsere am Anfang der Reise für 80 Dollar erworbene Jahreskarte für alle Nationalparks Amerikas, brauchen wir keinen Eintritt bezahlen, die Karte hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht.

Joshua Tree liegt in der Mojave Wüste auf ca. 1000 m. Hier wachsen die Joshua Trees, die eigentlich keine Bäume sind, sondern eine Yucca Palmenart.

Wir fuhren einige Strassen ab und wanderten auf verschiedenen sehr gut angelegten Trails. Die Landschaft wird durch riesige sogenannte Boulder geprägt, das sind Granitsteine, die aus Bergen herausgewaschen wurden. In Verbindung mit der Pflanzenwelt ergab dies eine wunderschöne Mischung.

Für die nächsten 2 Nächte hatte Ute einen Platz auf dem Campground innerhalb des Parks gebucht. Den fanden wir auch und waren begeistert. Toller Blick in die Felsen, Feuerstelle, Grill und Sitzbank, was will man mehr.

Abends gab es dann kein Lagerfeuer, es war zu kalt.

Den ganzen nächsten Tag waren wir im Nationalpark unterwegs. Wir liefen einige loops ab und fuhren am Nachmittag Richtung südlicher Ausgang. Während der ca. 20 Meilen veränderte sich die Landschaft enorm. Die Joshua Trees verschwanden und es tauchten die Cholla Kakteen auf.  Weitere 200 Höhenmeter tiefer sah man auch diese nicht mehr sondern die  Ocotillos.Die Mojave Wüste veränderte sich zum Colorado Desert.

Der Tag hatte wieder Spaß gemacht, bewegten wir uns doch in Landschaften , die wir zuvor noch nicht erlebt hatten.

Am Nachmittag grillten wir auf dem von einem Mitreisenden geschenkten Webergrill. Es gab für mich ein ausgezeichnetes Ripeyesteack, für Ute Gemüseschiffchen.

Dann kamen erst 2 chaotische Mädels, die 3 Stunden versuchten ein neu gekauftes Zelt aufzustellen. Später 2 Typen in Pickups, die auch unorganisiert versuchten Einmannzelte aufzustellen. Spät am Abend schafften sie es nicht ein Lagerfeuer anzuzünden und den Grill in Betrieb zu setzten. Dafür hörte ich Wortfetzen wie Whisky, Eis, Bier,  und es roch verdächtig nach  Marihuana. 

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der historischen Route 66. Ute hatte 2 Stunden benötigt die ausgewählte Route ins Navi zu kriegen. Das lag daran, dass es keine durchgängige Bezeichnung der Route 66 mehr gibt. Es gibt Teilabschnitte und Strassen die völlig anders benannt werden. Außerdem hat sie auch größeren Bauvorhaben weichen müssen und diese Unwägbarkeiten  mochte unser Navi nicht. Also war die analoge Karte wieder gefragt.

Die Tour war großartig. Tolle Landschaften, kilometerlange Züge, und einen Pass, der es in sich hatte. Das war für unser Womo schon grenzwertig aber hat Spaß gemacht. Unterwegs machten wir an einigen interessanten Stellen Halt, und trafen ein besonderes Pärchen, die den sogenannten“Suicide Awareness Bus“ aus einem 30 Jahren alten Collegebus umgebaut hatten. Der Bus war über und über mit Einträgen versehen, von Leuten, die einen Angehörigen durch Selbstmord verloren hatten. Der Besitzer hatte seinen Sohn auch so verloren. Alles in allen sehr skuril aber interessant. Er war mitten in der Wüste gestrandet mangels Benzin. Während er mir seine Mission erklärte (die ich nur teilweise verstand), mir seinen „lieben“Kampfhund vorstellte, rekelte sich seine Partnerin auf der Dachterasse des Busses im Bikini. Beide waren ausgesprochen freundlich, und wir gaben ihnen 20 Dollar Benzingeld.

In Kingsman besuchten wir noch die Touristeninfo und erhielten ausführlichen Infos über Arizona und der Route66.

Unseren Stellplatz hatte Ute vor Wochen buchen können, es war ein KOA Stellplatz, die in der Regel super ausgestattet sind, war auch dieser.

Ich entdeckte einen schönen Pool und schon war das Erfrischungsbad sicher. Wir haben hier wieder 35 GradC.

Jetzt ist es mir auch passiert. Wir wollten vom Stellplatz auf die Route 66 und kamen an eine Baustelle, deren Umleitungszeichen mir nicht ganz klar war. Ich bog links auf die Strasse und wunderte mich, dass gleich der erste hupte. Dies passiert in Amerika praktisch nie. Ich überlegte, ob alle Klappen am Womo geschlossen waren oder ob sonst irgend etwas am Wagen sein könnte. Dann hupten mich weitere Fahrzeuge an und blinkten mit Fernlicht. Dann ging mir ein Licht auf – ich war ein Geisterfahrer, der auf dem 2 spurigen Highway auf der Überholspur fuhr. Gott sei dank kam nach einigen 100 m eine Möglichkeit die Strasse zu verlassen. Ich konnte mir früher nie vorstellen, wie man falsch auf eine Autobahn fahren könnte, jetzt weis ich es. Damit bekommt der Song: „Get your kicks on route 66“ eine besondere Bedeutung für mich.

Die Fahrt auf der 66 war wieder einmalig. Wir fuhren fast allein auf der Strasse, da ansonsten der fast parallel laufendende Highway genommen wurde. Es gab wieder sehr skurile Siedlungen, meistens mit verrosteten Autos dekoriert. In Seligman machten wir halt. Dort wird der Mythos Route 66 überall sichtbar, sehr interessant und fotogen.

Dann erreichten wir auf 2000m Höhe unseren KOA Campground in Williams. Am Tage läuft jetzt die Klimaanlage, nachts, die Heizung. Es ist unglaublich wie unbrauchbar das Internet hier ist, nicht mal telefonieren konnten wir.  Empfangen wurden wir übrigens mit einem Feuerwehreinsatz.

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