Tag 28 bis 34
Am folgendem Tag lagen 260 km bis nach Solitär vor uns. Klingt eigentlich ganz entspannt, aber die Strecke beinhaltete 180 km Piste. 30 km Salzpiste war zu befahren wie eine Teerstrasse, dann folgten 150 km übles Waschbrett. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen nicht mit 30 Stundenkilometer zu fahren, wie die ersten Pisten, sondern 60 bis 70 km/h schnell. Das kostete schon Überwindung aber sonst kommt man nicht voran und das Fahrwerk sowie die weicheren Reifen schlucken die Unebenheiten besser. Trotzdem würde ich mit unserem Wohnmobil keinen km hier fahren.
Zur Vorbereitung dieser Tagesetappe hat der Mechaniker mit einem 2. Mann in den letzten 2 Tagen in Swakopmund alle bekannten Schäden an den Fahrzeugen repariert, einschließlich den Einbau eines neuen Kühlers. Bei uns fiel noch zum Schluß der rechte Blinker aus, der am nächsten Morgen um 6:30 Uhr, kurz vor unserer Abfahrt, noch repariert wurde.
Die Fahrt war ohrenbetäubend laut, weil alles schepperte, selbst die Gardinenröllchen sprangen aus den Schienen, so dass die Gardinen auf halb sieben hingen, aber landschaftlich war es wieder grandios und wunderschön.
Wir fuhren durch den Namib Naukluft Nationalpark in den Kuiseb-Canyon hinein, über den abenteuerlichen Gaub-Pass (827 m) und dann wieder in die Sanddünen der Namib-Wüste.
Schließlich erreichten wir das Camp in Solitär. Die Konzentration hatte mich so angestrengt, dass ich nach Ankunft erst einmal ein paar Stunden geschlafen habe. Es ist eben kein Erholungsurlaub.










Übrigens blieb 60 km vor dem Ziel ein Wohnmobil stehen und ließ sich nicht mehr bewegen. Alle Warnleuchten waren an, Motorsteuerung, Getriebe, ABS usw. Er ließ sich nicht mehr starten, bis Christine, unsere Reiseleiterin, kam (sie war noch 50 km entfernt) mit einem Stein einige Motorteile traktierte und schließlich den elektrischen Fehler erkannte und behob – bei mittlerweile 40 Grad. Die hat echt was drauf.
Abends gab es wieder ein gemütliches Lagerfeuer mit dem Restholz vom letzten, dass wir mitgenommen hatten.
Der nächste Tag begann entspannt. Ausschlafen, beim Bäcker Brötchen holen und draussen gemütlich frühstücken. Ja, richtig, hier in der Wüste gab es einen wirklich guten Bäcker.
Nur 90 km Piste stand uns bevor und diesmal war sie sehr gut zu befahren. Nach 1.1/2 Stunden erreichen wir unser Ziel Sesriem
Der Empfehlung Christine folgend besuchten wir sofort nach Ankunft den Canyon, um eine kleine Wanderung dort zu machen. Nach einem kurzen Abstieg, erreichten wir das Flussbett und konnten dort die pittoreske Felslandschaft, die der Fluß geschaffen hatte, bestaunen. Nur alle paar Jahrzehnte fällt hier Regen.
Es wurde brüllend heiß, über 40 Grad C, und nach dem Bezug unseres Stellplatzes, galt es nur noch Schatten suchen, ein wenig schlafen und abduschen.



Der nächste Tag begann früh. 4:30 Uhr aufstehen, 5:30 Uhr abfahren um den Sonnenaufgang von Düne 45 zu genießen. Die Düne gehört zum Dünenmeer der Namib, das Weltnaturerbestatus hat. Danach sollte es zum Sossusvlei gehen. Wir genehmigten uns für diese beiden Ziele einen Umweg von 120 km.
Vor dem Sonnenaufgang galt es die große Düne 45 zu erklimmen. Das war Schwerstarbeit und schweißnass, sowie kurzatmig, kam ich nach 40 Minuten oben an. Der Sonnenaufgang selbst war eigentlich unspektakulär, schön war das Farbspiel mit den Dünen.




Danach ging es, wie geplant zum Sossuvlei, einer Salz-Tonpfanne mit abgestorbenen Bäumen darin. Wir hatten das schon während unseres Rundfluges von oben betrachten können. Nach Bezahlen des Eintritts wird man ca. 4,5 km mit einem 4WD zur Tonpfanne gebracht. Zu den roten Dünen, bietet die weiße Pfanne mit den toten Bäumen einen unwirklichen Kontrast.



Es wurde wieder heiß, und wir machten uns auf den 60 km Rückweg zum Camp.
Jetzt begann die eigentliche Tagesetappe über 180 km Piste nach Duwisib.
Es begann alles ganz harmlos. Die Strasse war akzeptabel und die Landschaft wunderschön. Wir näherten uns den Namib Bergen und fuhren über den 1630 m hohen Tsarishoogte Pass. Ich mag solche Strassen und als dann noch kleine Wasserlöcher zu durchfahren waren, hatte ich richtig Spass. Leider wurden die Wasserlöcher von Mal zu Mal länger und ich hatte Mühe den Wagen da durch zu manövrieren. Das Wasser spritzte bis zum Alkoven. Als ich Ute gerade sagte: so jetzt habe ich genug Spass gehabt, kam sie. Die Mutter aller Wasserlöcher, ca. 150 m lang. Im Wasserloch steckte bereits Willy fest. Davor versammelten sich 8 Wohnmobile. Bernd watete mutig durch das Wasser, es reichte bis zum Oberschenkel und suchte die beste Stelle um einen Durchfahrtsversuch zu wagen. Auf der anderen Seite gab er dann Pierre Signal für den Versuch. Er schaffte es, und nach und nach durchfuhren dann alle Mobile diese Passage. Willy wurde angeschoben und schaffte es schließlich auch. Er ist übrigens der augenblickliche Pechvogel, denn er hatte gestern schon eine kapitale Reifenpanne und nach dem heutigen Desaster, ereilte ihn das gleiche Schicksal 3km vor unserem Camp noch einmal.
Abends gab es ein Seabridgeessen beim deutschstämmigen Farmer, dem das Camp und die Farm gehört.




Gestrandet
Das war der bisher härteste Tag unserer Wohnmobilkarriere.
Er startete völlig entspannt mit Ausschlafen und einem gemütlichen Frühstück. Ich versprach Ute anläßlich des Valintintages einen besonderen Tag. Der sollte es dann auch werden, nur anders als gedacht. Sam, unser Mechaniker, reparierte unsere gebrochenen Schranktürscharniere. Als Vorletzte fuhren wir dann los. Wir hatten gehört, dass sich bereits wieder 2 festgefahren haben sollten, und nach 10 km, sahen wir alle wieder.
Die Strecke war unpassierbar. Etwa 300 m Piste mit tiefem Sand, der durch die letzten Regenfälle angespült worden war, versperrten die Weiterfahrt. Christine und der Farmer hatten bereits reagiert als wir ankamen.
Man baute eine Strasse für uns.
Ich konnte es nicht glauben. Ein riesiges Baufahrzeug war dabei den Sand aus der Fahrbahn zu schieben und gleichzeitig zu glätten. Manche unserer Mitstreiter, die zeitig gestartet waren, harrten bereits einige Stunden aus. Wir mußten ungefähr 1 Stunde warten, dann gab es das Signal. Einer nach dem anderen fuhr mit Vollgas in die Piste, die sofort wieder nachgab. Alle schafften es trotzden, sich durch den Sand auf die andere Seite zu wühlen.



Die Fahrt ging dann für uns erst einmal normal weiter, bis die gelbe Motorwarnleuchte sich zu den uns schon länger begleiteten Warnleuchten, „kein ABS“, „kein ASR“,“kein Hillholder“,gesellte. „Check Engine“ gab uns die Anzeige noch mit auf den Weg aber wo checkt man die Engine mitten in der Wüste. Also weiterfahren. Dies akzeptierte der Motor auch noch 20 km, dann schaltete er in den Schonmodus. Nach weiteren 20 km ging gar nichts mehr.
Wir warteten auf Christine, die kurze Zeit später zu uns stieß, mit der bitteren Nachricht, dass Sam nicht auf der Piste war, sondern ein Getriebeschaden an seinem Fahrzeug hatte und noch auf dem Campingplatz versuchte zu reparieren. Also fiel seine Hilfe schon mal aus. Ein Abschleppseil hatte Christine nicht, da die Fahrzeuge nur abgeschleppt werden können aber selbst, mangels einer Abschleppöse vorne, nicht abschleppen können.
Ihr kennt ja Christines Kreativität mittlerweile. „Dann müssen wir euch eben die letzten 29 km bis zum nächsten Ort schieben“ war ihre Lösungsvorschlag.
Ute besorgte einen am Strassenrand liegenden Reifenmantel. Mittels unserer Wäscheleine banden wir den Reifen vorne an den Kühler von Christines Wagen. Dann ging es los.
Für Ramiro, Christines Assistenten, war dies wieder ein Fest. Er liebt diese Herausforderungen. Vorsichtig schob er sich an unser Fahrzeug und begann es anzuschieben. Es funktionierte wunderbar. Mit 50 km/h schob er uns über die Piste und den folgenden Hügeln bis nach Helmeringhausen. Er sah hinten gar nichts, mußte nur den eingeklemmten Reifen zwischen unseren Fahrzeugen im Auge behalten und ich durfte keine großen Lenkbewegungen ausführen und nicht bremsen.


In Helmeringhausen gab es von Sam die Anweisung, die Batterie abzuklemmen. Wir gingen dann im örtlichen, sehr schönen Hotel, Leberkäs essen. Gab es hier wirklich. Nach dem Essen machte ich einen neuen Versuch unser Womo zu starten, nachdem ich die Batterie wieder angeklemmt hatte, ohne Erfolg. Sam war mit seiner Reparatur auch noch nicht fertig und damit sah der Plan wie folgt aus: Christine verläßt uns und holt die Gruppe ein. Sam stößt, so Gott will und er wieder fahrtüchtig wird, zu uns und versucht uns flott zu kriegen. Wir übernachten hier und fahren morgen 2 Etappen.

Um 19 Uhr erreichte Sam uns. Er schloß das Diagnosegerät an unser Fahrzeug und versuchte den Fehler zu lokalisieren, ohne Erfolg. Ein Batterietausch brachte auch nichts. Wir übernachteten an Strassenrand in Helmeringhausen.
Am ächsten Tag, um 6:30 Uhr, überraschte Sam uns mit der Lösung, die Fahrzeuge zu wechseln. Wir sollten mit seinem weiterfahren, er würde auf den Transporter mit dem Ersatzfahrzeug warten, dass dann unser havariertes Womo zurück nach Windhoek bringen sollte, ein Fahrstrecke 7 Stunden.
Ich war froh, dass es für uns eine Lösung gab und rechnete mir aus, um 8:30Uhr auf der Piste zu sein – nicht so in Afrika.
Erst einmal wurde sein Fahrzeug auf den eigentlich geschlossenen Campingplatz gebracht. Dann begann er den Werkstattwagen, denn als solcher wurde das Womo mißbraucht, ausgeladen. Dann besorgte er einen Housekeeper vom Hotel, der versuchte aus der Junggesellenhöhle wieder ein halbwegs sauberes Womo zu machen. Dann schleppter er uns auf den Campingplatz. Dann wurden die Wohnraumbatterien getauscht, dann wurden die Gasherde getauscht, dann wurden die Reservereifen getauscht, alles unter dem Aspekt, unsere waren besser als seine. Dann mußten wir mit allen unseren Sachen umziehen. Dazwischen führte er 65 Telefonate. Lange Rede kurzer Sinn um 12:30 Uhr konnten wir endlich starten.


Vor uns lagen die restlichen 110 km Piste von gestern und weitere 120 km bis nach Lüderitz.
Die Fahrt war ok, ich gewöhnte mich schnell an das Automatikgetriebe, und der fehlende Alkoven half uns bei dem stürmischen Winden vor Lüderitz. In der letzen halben Stunde unserer Fahrt sank das Thermometer von 35 GradC auf 23 Grad C.
Es stürmte so stark, dass wir 3 Mal den Stellplatz wechselten, bis wir eine Position gefunden hatten, bei der das Womo nicht wie eine Schiffschaukel wackelte.
Wir haben übrigens den Pechvogel jetzt von Willy übernommen.






































































































































































































































































































































