10. Lebenszeichen „Überwintern im Oman“ 2018/2019

19.1. – 28.1.

Wahiba Sandwüste-Wadi Bani Khalid-Sur-Ras AlHadd-Ras Al Jinz-An Najdah-Shannah-Fähra Insel Masirah-Hilf-Fähra Shannah-Filim

Am nächsten Tag stand nur eine Etappe von 90 km auf dem Programm zu einem Stellplatz im Nirgendwo hinter einem Dünenkamm.

Vorher trafen wir uns aber noch im Wadi Bani Khalid, einem der beliebtesten Wadis des Omans zu einer kleinen Wanderung mit Bademöglichkeit. Die Landschaft und der Weg waren wieder sehr eindrucksvoll. An den Pools gab es sogar eine Badeaufsicht und in den Engstellen hingen Ketten bis ins Wasser, an denen man sich im Notfall festhalten konnte, da die Wände links und rechts senkrecht nach oben gingen.

Einer unserer Mitstreiter meinte sich ohne großen Sichtschutz die Badehose anziehen zu müssen, obwohl das Baden in den Pools nur nach islamischen Vorgaben, also mit Hemd und Hose gestattet war. Als er nach seinem Bad die Badehose auszog, sang Kai: „Der Mond ist aufgegangen…..“ 20 Augenpaare suchten den Mond und fanden ihn bei dem mittlerweile blank stehenden Opfer. Das Gelächter war groß und die peinliche Betroffenheit beim „Mond“ hoffentlich auch.

Wadi Bani Khalid
Wanderung im Wadi Bani Khalid
Wanderung im Wadi Bani Khalid
Lifeguard im Wadi Bani Khalid
Wadi Bani Khalid

Den Rest des Tages verbrachten wir dann hinter einer großen Sanddüne.

Stellplatz im Nirgendwo
Training eines Rennkamels
Sonnenuntergang in der Wüste

Es folgte ein Tag an dem wir einiges zu erledigen hatten.

Zunächst trafen wir uns am Al Saleel Naturpark, wo die bereits fast ausgestorbenen Sandgazellen gezüchtet und ausgewildert werden.

Sandgazelle

Nach Entsorgung und Aufnahme von Wasser kauften wir noch im Carrefour fehlende Lebensmittel ein. Dort konnte man auch Duschen. Nach dem Mittagessen ging es dann Richtung Sur. Da wir alle volltanken sollten und wir gut in der Zeit lagen, ließen wir an einer Tankstelle das Wohnmobil 2 Mal waschen. Richtig, 2 Mal, denn nachdem die Wagenwäscher fertig waren, bat ich sie noch, die Solarpaneele auf dem Dach naß abzuwischen. Sie besorgten eine Leiter und sahen dann unser verdrecktes Dach. Das wurde dann komplett super gesäubert, dadurch war der Rest des Wagen wieder dreckig. Also alles von Vorne. Der Wagen sah danach aus wie neu.

Sur ist eine sehr schöne Stadt und wird als Omans Nizza bezeichnet. Wir legten einen Fotostop am Fischereihafen mit den Dhawbooten ein und fuhren anschließend zur einzigen Dahwwerft, die wir besichtigten, wie auch schon vor 20 Jahren auf unserer Oman Rundreise. Dort werden die Dahws für Kunden aus aller Welt gefertigt. Pläne gibt es nicht und der Rumpf enthält kein Metall, alles wird aus geschnitzten Holznägeln zusammen gefügt.

Blick auf Sur
Sur
Fischereihafen
Sur
Sur
Dahwwerft in Sur
Dahwwerft in Sur

Unser Tagesziel war Ras al Hadd. Dort gibt es einen kilometerlangen Sandstrand, an dem wir 2 Tage stehen werden.

Der Empfang dort war allerdings nicht einladend, es herrschte ein starker Wind, so dass das geplante Bad ausfallen mußte.

In der Nacht nahm der Wind weiter zu. Ich machte nach dem Frühstück einen Strandspaziergang und sah, wie die Fischer mit Pickups ihre Boote weiter an Land zogen, da die Flut sehr stark war. Ich konnte einen Krabbenjäger beobachten, wie er ein 1 m tiefes Loch mit den Händen grub um eine kleine Krabbe zu fangen. Auf dem Rückweg bekam ich Gesellschaft eines Hundes, der mich bis zum Womo begleitete.

Strand bei Ras al Hadd
Krabbenjäger
mein Begleiter

Am nächsten Tag hatten wir nur eine kurze Etappe von 25 km zum Turtle Reserve Ras al Jinz zu fahren. Darum blieben wir noch bis zum Nachmittag am Strand von Ras al Hadd, wo wir die Fischer mit ihren Wurfnetzen beobachten konnten. Sie hatten es auf kleine Fische abgesehen, die durch jagende Tunfische in Strandnähe gedrückt wurden. Die Schwärme konnte man als dunkelblaue Wolke im Wasser gut ausmachen. Die gelten bei den Einheimischen als Delikatesse und werden nach 2tägigen Trocknen in der Sonne gegessen.

Wir erreichten Ras al Jinz abends und warteten auf ein Signal der Ranger, ob Schildkröten zu beobachten seien. Diese kam dann auch und um 20 Uhr machten wir uns auf den Weg zum abgesperrten Strand.

Wir konnten 2 grüne Schildkröten beobachten, die ihre Eier bereits abgelegt hatten und die 2. Grube aushoben, die sich direkt neben der mit den Eiern befindet und von der sie dann wieder ins Meer gelangen. Diese 2. Grube dient nur als Tarnung zum Schutz der ersten, da die Spuren im Sand nur zur leeren Grube führt. Pfiffig, was die Tiere an Strategien entwickeln. Trotzdem überleben nur 3 von 1000 geschlüpften Schildkröten.

Dies war ein weiteres Highlight unserer bisherigen Reise.

Es folgte wieder ein Fahrtag über 230 km entlang der südlichen Wahiba Wüste nach An Najdah. Unterwegs machten wir einige Fotostopps an einem Salzsee und an sogenannten Aeoliten, das sind Fossiliensandformationen.

Kaum waren wir auf unserem Stellplatz, wieder im Nirgendwo, angekommen, erhielten wir die Nachricht, entgegen der Planung, schon um 17 Uhr nach Shannah, dem Fährhafen zur Insel Masirah zu kommen. Sie hatten für uns noch eine Abendfähre organisiert.

Dort trafen wir pünktlich ein und entdeckten 2 Fähren. Eine war neu und groß, die andere war uralt und klein. Natürlich war die uralte unsere. Es war Ebbe und die Auffahrt ging steil bergab und auf der Fähre wieder bergauf. Als wir sahen wie schwierig und risikoreich unsere Mitstreiter rückwärts auf die Fähre fuhren, lehnten wir diese Überfahrt ab, da wir unser Womo nicht unnötig beschädigen wollten.

Wir übernachteten im Fährhafen und wollten am nächsten Tag ein Ticket für die große Fähre buchen.

Dies gelang am nächsten Tag auch und frohgemut fuhren wir zum Anleger. Alles sah gut aus. Es war Flut und die Auffahrt erschien mir machbar.

Als vorletztes Fahrzeug wurden wir eingewiesen. Rückwärts sollte es die Auffahrt hoch gehen, da es nur eine Einfahrt gab und auf der anderen Seite vorwärts entladen wurde.

Dann machte sich eine Schwachstelle unseres Womos bemerkbar, die sehr eingeschränkte Bodenfreiheit und der große Hecküberhang. Sofort setzte ich auf, und die Crew versuchte mit dicken Matten eine Weiterfahrt zu ermöglichen. Auch sie stießen an ihre Grenzen und so wurde ich aufgefordert vorwärt einzufahren. Dies gelang dann auch, wieder mit Hilfe von Matten und Balken.

Erleichtert war ich allerdings nicht, denn auf der anderen Seite mußte ich jetzt rückwärts die Fähre verlassen.

Um kurz nach 9 Uhr ging es los. Ich sah, wie ein Poller langsam am Fenster vorbei zog, doch kurze Zeit später fuhren wir wieder zurück. Einer von 4 Motoren war ausgefallen. Nach 90 Minuten Reparaturzeit ging es dann endlich auf die 60 minütige Überfahrt los.

Ich hoffte, dass die Verspätung ihr Gutes hat und die Ebbe einsetzte und das Verlassen des Schiffes begünstigte. Leider war genau das Gegenteil der Fall.

Als wir in Hilf, auf Masirah ankamen, wurde mir fast schlecht. Die Flut hatte ihren Höhepunkt erreicht und die Fährausfahrt war so steil, dass selbst die Pickups ganz langsam über den Knick unten fuhren. Mir war klar, das geht für uns überhaupt nicht. Auch die Crew blickte besorgt zu uns. Der worst case war, wir verlassen die Fähre bis zur nächsten Ebbe nicht. Dies war allerdings auch nicht so einfach, da wir 3 LKWs blockierten, die sicherlich nach der Verzögerung der Abfahrt gerne noch 4 Stunden Wartezeit durch uns akzeptiert hätten. Die Crew diskutierte und wir wurden gebeten es zu versuchen. Wir forderten sie auf mehr als die vorhandenen 4 Matten zu besorgen. Daraufhin wurden alle im Hafen befindliche Fähren geplündert und ich wagte den Versuch. Es waren bestimmt 10 Crewmitglieder involviert, die permanent Matten vor die Hinterreifen legten, und nach dem Überfahren, diese wieder auf bereits vorgelegte Matten platzierten. So erreichten sie permanent einen Abstand unseres Hecks vom Boden. Das Ganze geschah Zentimeter für Zentimeter und dauerte bestimmt 20 Minuten. Endlich war es geschafft, ohne Schaden zu nehmen. Alle freuten sich und auch die mittlerweile 20 bis 30 Schaulustigen hatten etwas Unterhaltung geboten bekommen.

Fähre nach Masihra

Nach einem kurzen Einkauf fuhren wir 70 km zur Südspitze der Insel, wo wir die Anderen an einer super malerischen Bucht mit weißem Sandstrand und schwarzen Lavafelsen trafen.

Als erstes zog ich mir die Badehose an und ging schwimmen um die strapazierten Nerven zu beruhigen. Das gelang ganz gut und wir begannen den Spot zu genießen.

Abends gab es wieder einen Grillabend. Es gab Barsch und Scampis, das Ganze garniert an einer menschenleeren Bucht, war super. Gekrönt wurde der Tag allerdings durch einen Nachthimmel, den wir so noch nicht erlebt hatten. Ohne jegliches Fremdlicht, waren die Sterne zum Greifen nah. Wieder erlebten wir ein wunderschönes Naturerlebnis.

Wir beschlossen die nächsten Tage an diesem Stellplatz zu bleiben und die Natur zu genießen.

Am nächsten Morgen kam ein Fischer, der sein Boot zu Wasser bringen wollte. Er hatte anscheinend Zeit und Interesse mit uns zu sprechen und uns verschieden Fischfangtechniken zu erklären. Den Kingfisch fängt er mit der Leine, Barsche mit dem Netz, Lobster mit Reusen und die kleinen Fische mit dem Wurfnetz. War wieder sehr interessant.

Wurfnetz Fischer

Ich unternahm eine Schnorchelpartie und konnte an den Lavafelsen schöne Fische und Korallen sehen.

Insgesamt blieben wir 4 Nächte an diesem schönen Ort. Einige Mitreisende waren schon weiter gefahren.Wir waren zu Fünft und beschlossen in der letzten Nacht zu versuchen, Schildkröten zu beobachten. Der Mond ging um 00:15 Uhr auf, die Flut erreichte den Höhepunkt um 00:30 Uhr, also verabredeten wir uns zu 1 Uhr.

Tatsächlich konnten wir 2 Schildkröten beim Ausheben der Gruben für die Eiablage beobachten. Leider kam es nicht zur Eiablage, da sie immer wieder auf Korallenstücke und Steine stießen, die die Eier später beschädigen könnten. 3 Gruben hob eine Schildkröte aus und gab dann auf und zog sich zurück ins Meer. Da wir keine Lampen benutzen wollten, um die Tiere nicht zu stören, gibt es für dieses großartige Erlebnis leider keine Fotos.

Am nächsten Tag reisten wir ab, nicht ohne die Insel komplett zu umrunden. Wir kauften noch ein und nahmen Wasser auf. Dann ging es zur Fähre. Da Flut war, konnten wir relativ einfach, nur 3 Personen lagen auf dem Boden und achteten auf Bodenfreiheit, die Fähre befahren und später auch verlassen.

auf dem Weg nach Filim

Wir fuhren noch 70 km bis Filim, wo wir übernachteten.

   Sende Artikel als PDF   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert