9.2. – 19.2.2019
Salalah-Deem-Mughsay-Muqshin-Nizwa-Adam-Wadi Muaydinl-Misfal Al Abriyeen-Tanuf-Al Hamra-Bahla-Al Ayn-Ibri
Von Salalah führte uns die nächste Etappe 90 km weiter südwärts nach Shaat.
Vorher hieß es aber noch, das Wohnmobil waschen zu lassen, um den Salzbelag, den wir uns in den letzten Wochen eingefangen hatten, zu entfernen. Wir fanden einen geeigneten Car Wash noch in Salalah. Der Bangladeshi gab sich alle Mühe und kletterte sogar aufs Dach, um auch dieses abzukärchern. Danach sah unser Wohnmobil wieder aus wie neu – für die nächste Stunde. Der nächste Staub und Sand folgte natürlich sofort.
Die zu fahrende Strecke war wieder wunderschön und andpruchsvoll mit starken Steigungen, Haarnadelkurven und Abfahrten. Man staunt immer wieder, wie man in diesen Bergen eine Strasse planen und dann bauen kann.



Wir ließen uns Zeit und machten eine Mittagspause mit Blick auf den Eftalquot Strand, der unberührt 150 m tiefer lag und auf dem man noch eine Schildkrötenspur von der letzten Nacht erkennen konnte.

Wir mußten einige Umleitungen fahren, da letztes Jahr erstmalig in der Geschichte des Omans 2 Zyklone das Land getroffen und schwere Schäden angerichtet hatten. Statistisch gesehen trifft ein Zyklon alle 8 Jahre das Land. Der Klimawandel läßt auch hier grüßen.
Unser Stellplatz lag direkt an einer 1000 m hohen Felsklippe, von der man wieder einen grandiosen Blick auf den Indischen Ozean hatte.


Nach einer sehr ruhigen und kühlen Nacht beschlossen wir, zur normalen Tagesetappe über 40 km nach Mughsayl, zusätzlich 160 km bis zur jemenitischen Grenze nach Deem zu fahren. Der Grund war die Strasse, die wild durch das Jabal Al Qamar Gebirge gebaut wurde. Für diese 200 km benötigten wir 5,5 Stunden ohne Pause und überwanden einige tausend Höhenmeter, unzählige Haarnadelkurven und verbrauchten wahrscheinlich 50% unserer Bremsbeläge. So steile Strassen waren wir noch nicht gefahren. Unterwegs sahen wir noch Restschäden an der Strasse, die vom letzten Zyklon stammten.






Nach diesen spannenden Stunden erreichten wir am Nachmittag unseren Stellplatz am Strand von Mughsayl.

Die nächsten 2 Tage verbrachten wir am Strand von Mughsayl, weil dies die letzten Strandtage im Oman waren. Bei Flut konnten wir die Fontäen aus den Blow Holes beobachten,die in einer schön angelegten Felsenparkanlage eingebunden waren. Dort sahen wir auch in einer kleinen Bucht eine Meeresschildkröte im Wasser schwimmen.

In den nächsten 3 Tagen galt es die ca. 1000 km bis Nizwa zu fahren. Es gab mehrere Vorschläge mit Stellplatzkoordinaten.
Wir verließen Mughsayl in leichtem Nieselregen. Dies reichte aus, unser vor 2 Tagen gewaschenes Wohnmobil total zu verdrecken. Wir fuhren 420 km, auf einer guten Strasse, nach Verlassen des Dhofar Gebirges allerdings eine langweilige Geröllwüstenlandschaft nach Muqshin. Unterwegs besuchten wir noch eine Weihrauchbaumplantage.



200 m vor dem anvisierten Stellplatz (nach 420 gefahrenen Kilometern) war die Strasse komplett weggespült, und wir mußten durch das trockene Flußbett auf die andere Seite zu unserem Übernachtungsplatz fahren. 4 weitere Mitreisende trafen später auch noch ein.



Nach einer ruhigen Nacht starteten wir zur nächsten Etappe. Wir hatten uns vorgenommen, bis Nizwa durch zu fahren, da auf der Strecke nichts zu erkunden war. Dann begann die bisher heftigste Etappe der Reise. Nach ca. 50 km kamen wir in einen Sandsturm, der uns 400 km begleitete. Es war kalt, kaum 20 Grad, was 10 Grad weniger war als üblich. Der Wind kam von schräg vorne und ich kam nicht über 85 km/h. Dabei verbrauchte ich knapp 20 l/100 km. Das schlimmste waren aber die Sichtverhältnisse und der starke LKW Gegenverkehr. Beim Passieren der entgegenkommenden LKWs versetzte unser Womo jedes Mal heftig. Die Fahrerei war dadurch sehr anstrengend. Der Sandsturm kam aus der Rub Al Khali Wüste, die wir im Osten durchfuhren. Diese Wüste ist die größte Sandwüste der Erde und reicht von den Emiraten, Oman, Jemen, Saudi Arabien bis nach Jordanien. Die Übersetzung lautet „Das leere Viertel“, da sich kaum Zivilisation in ihr befindet. 100 km vor unserem Ziel hörte der Sturm auf und die Temperatur stieg wieder auf 30 Grad.


In Adam, der ersten Oase nach der Wüste, heute eine kleine Stadt, versuchten wir einen Car Wash zu finden. Wir erhielten einen Tipp und fanden eine Möglichkeit, allerdings nur für PKWs auf einer schrägen Rampe und außerdem anscheinend geschlossen. Ute befragte einen nebenan befindlichen Restaurantbesitzer und dieser telefonierte dann mit dem Betreiber. Es öffnete sich ein Fenster oberhalb der Garage und ein Inder kam zum Vorschein. Der Unterhaltug konnten wir nicht folgen, sahen aber zum Schluß, wie der Inder mit einem Kopfschütteln das Fenster schloß. Das war ein gutes Zeichen, denn in Indien schüttelt man bei Zustimmung den Kopf. Er tauchte auf und Ute wollte wissen, ob wir ihn beim Essen stören würden. Er verneinte, nicht beim Essen, sondern beim Schlafen. Trotzdem war er bereit unser Mobil zu waschen. Erst mußte ich rückwärts auf die Rampe, was wieder Erinnerungen an die ungeliebten Fährauffahrten hochkommen ließ, danach wenden und vorwärts. So schaffte er es mit seinen begrenzten Schlauchlängen unser Mobil blitzbank zu putzen, für umgerechnet gut 7 €.

Nach einem kurzen Einkauf in Nizwa kamen wir nach 570 km an unserem Stellplatz im Wadi Muaydin an, den wir aber wieder unentspannt über eine 2 km lange Anfahrt durch das trockene steinige Wadi-Flußbett erreichten.
Der nächste Tag war frei, da wir ja 1 Tag Vorsprung zum Plan hatten und wir begannen, nach einem entspannten Frühstück und Besuch von einer Ziegenherde, mit einer Wanderung ins Wadi hinein. War sehr schön, sich nach dem gestrigen Tag etwas zu bewegen, außerdem war die Landschaft wieder sehenswert.
Nach ca. 5 km kamen wir in ein Dorf am Ende des Wadis und waren überrascht, was dort für Häuser standen.





Im Laufe des Tages kamen dann alle anderen Womos an, und wir sahen abends, beim Open Air Kino, wieder einige informative Beiträge zum Oman.

Am nächsten Tag stand ein ganztägiger Ausflug mit Geländewagen auf dem Programm. Zunächst besuchten wir den Freitagsmarkt in Nizwa, wo neben den üblichen Marktangeboten wieder Vieh verkauft wurde. Die Tiere werden in einem Kreis an den Interessenten vorbeigeführt, und der Verkäufer ruft lautstark seinen Preis. In dem für uns völligen Durcheinander werden dann die Geschäfte abgeschlossen.





Nebenan wurden die bekannten omanischen Krummdolche und andere Waffen angeboten, für die sich vorwiegend alte Männer interessierten.


Danach ging es zum Jebel Shams auf 2000 m, wo wir eine einstündige Wanderung dem Grand Canyon Arabiens entlang unternahmen. Es folgte ein Seabridge Essen in einem schönen Resort, bevor wir zum 2. 2000er, dem Jebel Al Akhdar aufbrachen. Neben wunderschönen Ausblicken auf ein Terassendorf und Terassenfelder im Wadi Bani Habib, fanden wir fossile Abdrücke von Muscheln und Korallen, denn wir befanden uns auf 2000 m Höhe auf früheren Meeresboden.







Die Distanzen waren enorm, wir wurden an diesem Tag über 300 km gefahren, allerdings komfortabel in 6 bzw. 8 Zylinder Landcruiser von Toyota. Um 19 Uhr wurden wir wieder an unserem Stellplatz „abgeliefert“.
Am frühen Morgen trafen wir uns alle in Nizwa, um uns den Gewürz- und den Handwerks- Souq anzuschauen und erhielten eine Führung im Nizwa Fort, wo wir von Schwerttänzern empfangen wurden.



Die Tagesetappe führte uns über 70 km nach Misfat Al Abriyeen. Auf der Strecke machten wir noch einen Fotostop in Tanuf an den alten, verlassenen Lehmruinen.

Nachmittags trafen wir uns zu einer sehr schönen Wanderung durch das Terassendorf und die Palmenoase.







Die nächste Tagesetappe war mit 10 km die kürzeste der Reise. Also hieß es piano den Tag beginnen. Ich machte vormittags mit einigen Gleichgesinnten noch einmal eine Wanderung durch die beeindruckende Terassenoase. Anschließend hielten wir bei einem Inder in Al Hamra und aßen zu Mittag. Danach war es nur noch ein Katzensprung zu unserem Stellplatz auf einer Anhöhe in Al Hamra. Auch hier unternahmen wir eine Wanderung durch die Oase und die verlassene Altstadt. Danach genossen wir noch den schönen Ausblick, den wir vom Stellplatz aus hatten.




Es folgte am nächsten Tag eine Fahrt mit der einzigen Eisenbahn im Oman. Sie dauerte nur 2 Minuten und führte in die Al Hoota Cave, eine Höhle, 5 km lang aber nur 580m waren freigegeben für die Öffentlichkeit. Sie ist nicht immer geöffnet, da sie nach Regenfällen voll laufen kann. Unten befand sich ein See mit kleinen weißen, blinden Fischen. Da Fotographieren verboten war gibt es nur ein halblegales Foto.

Danach gab es noch einen Fotostop am Bahla Fort bevor wir früh das Tagesziel Schloß Jabrin erreichten.

Am nächsten Morgen besichtigten wir das Jabrin Schloß, dass für uns genauso aussieht wie ein Fort.



Danach fuhren wir Richtung Al Ayn um 5500 Jahre alte Bienenkorbgräber zu besichtigen. Viel weiß man nicht über die Hintergründe und obwohl man keine Knochen fand geht man von einer Grabstätte aus.


Da wir keine Information für einen neuen Stellplatz bekamen, der geplante war nicht zumutbar, entschlossen wir uns alleine Richtung Ibri zu fahren. Hier übernachten wir auf dem Lulu (Supermarkt kette im Oman) Parkplatz.
Da wir morgen den Oman verlassen werden hier noch ein kurzes Fazit von Ute zu unserem Aufenthalt hier.
Fazit Oman:
Zunächst mal wieder ein kleiner Witz:
Sagt die Frau zu ihrem Mann: das Auto fährt nicht. Darauf er: Schatz, wenn ich nicht dabei bin, musst Du links sitzen.
Bevor wir den Oman verlassen, müssen wir noch auf einen Mitreisenden zu sprechen kommen, von dem bisher noch gar nicht die Rede war: Bruno-Valentin. Er ist 13 Jahre alt und fährt im Wohnmobil von Kai und Iris mit. Bruno reist mit eigenem Reisepass, der auch an der Grenze stets vorgezeigt wird, was zu ganz unterschiedlichen Reaktionen führt, und mit 2 Koffern, womit er mehr Garderobe dabei hat als Kai. Hier eine kleine, aber feine Auswahl seiner Outfits:
Was haben wir nicht alles im Oman erlebt!
Wir haben überwintert bei allerbestem Wetter. In 8 Wochen sind wir 5.000 Kilometer gefahren von Nord nach Ost, von Süd nach West, so gut wie immer auf Straßen, die top in Schuss sind. Als Sultan Qaboos 1970 seinen Vater entmachtete und das Sultanat übernahm, gab es 6 km asphaltierte Straßen (in der jetzigen Hauptstadt Muscat), heute sind es 60.000 km. Wir waren in der Exklave Musandam, sind die Küstenlinien des Indischen Ozeans abgefahren, durch Geröll-, Kies- und Sandwüsten gefahren, in die Gebirge bis auf 2.200 m, in Terassendörfer, durch Wadis, tief eingeschnittene Canyons, Oasen und grosse Städte wie Muscat, Salalah und Nizwa. Wir sind die legendäre Weihrauchstrasse bis zur jemenitischen Grenze gefahren und haben im Süden, in der Dhofar Region den einzigen Teil der arabischen Halbinsel bereist, der vom Monsun heimgesucht und von Arabern aus nah und fern von Juli – Oktober bevölkert wird, weil sie es lieben, im Nieselregen zu sitzen, statt bei sich zu Hause bei 50 Grad. Wir sind an der Strasse von Hormuz, am Golf von Oman, am Arabischen Meer/Indischen Ozean vorbeigekommen, haben Dhowfahrten unternommen, sind im Golf geschwommen, geschnorchelt, haben in Lagunen das Peeling der Knabberfische genossen, sind gewandert in Wadis, Dolinen sowie am Strand und haben beim Dünenbashing mit unseren Guides im 4 x 4 Geländefahrzeug 200 m hohe Dünen vorwärts und bei voller Rückwärtsfahrt von oben nach unten überlebt.
Wir haben das einzigartige Bewässerungssystem Falaj, das von angesehenen Wasserwächtern kontrolliert wird, kennengelernt, waren in UNESCO Welterbestätten, im Kupferland der Sumerer, in verschiedensten Museen, in Souqs mit Goldschmuck overload, in schlichten und pompösen Moscheen, auf Fischauktionen und auf traditionellen Kamel-/Ziegenmärkten. Wir haben das angeblich teuerste Parfüm der Welt (von Amouage) geschnuppert und Weihrauch ein- und ausgeatmet.
Wir haben die schönsten Sonnenauf- und -untergänge erleben dürfen, einen fantastischen Sternenhimmel mit vorbei flitzenden Satelliten und Sternschnuppen sowie nicht gezählten Lagerfeuern. Wir haben im Open Air Kino bei Popcorn gesessen und interessante Beiträge über den Oman gehört und gesehen.
Wir haben mehr Kamele gesehen als in Afrika, Ziegenherden, die bis ans Wohnmobil gekommen sind, die grüne Meeresschildkröte nachts bei der Eiablage, Delfine, kleine Haie und einen unblutigen Stierkampf.
Wir haben gelernt, das die Omanis nicht ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gehen. Die Männer tragen bestickte, runde Kappen (Kummas) oder ein Kaschmirtuch (masar) als Turban, dazu das lange weisse Gewand (dishdash) mit einer Quaste, die mit Parfüm benetzt werden kann, so dass der Mann gut riecht. Die Frauen tragen Kopftuch (lahaf), bestickte Hosen, darüber schöne bunte Kleider und einen langen Mantel. Die Berberinnen tragen Gesichtsmasken.
Wir haben die Omanis als sehr, sehr gastfreundliche Menschen kennengelernt, stets wird man zu Tee und Datteln eingeladen.
Oman – ein wundervolles, neutrales und friedliches Land zwischen Tradition und Moderne, umringt von starken Nachbarn.
Was noch war:
- eine Drohne, die gegen eine Palme geflogen ist, und statt Filme nur noch Bilder macht,
- 2 Mäuse in Wohnmobilen, die eine wurde gefasst, die andere wohnt noch, isst Schokolade und knabbert die Isolierung an
- Fliegengittertür-Faden gerissen
- ein streikender Anlasser
- eine defekte Starterbatterie
- zwei abgerissene Abwasserrohre
- ein defekter Abwasserauslass
- ein Kühlschrank, der immer wieder ausfällt (bei 30 Grad)
- zwei geklebte Reifen
- einseitig abgefahrene Reifen
- verzogene Spur
- zwei defekte Luftfederungen
- eine defekte Hinterachse
- ein in Beton eingebrochenes Fahrzeug
- Ad Blue Probleme – Fahrzeug bleibt stehen
- Verschmutzter Tank – Fahrzeug bleibt stehen
- Blockierter 4 x 4 Drive
- eine am Dach abgefahrene Fahrzeugecke
- eine abgerissene Dachluke
- ein verbeulter Abschlepphaken, steckt im Fahrzeug fest und lässt sich nicht mehr lösen
- partout nicht zu öffnende Wohnmobiltüren, temporärer Eintritt über Dachluke
- verbeulte Anhängerkupplung
- dauerhaft ausgefallene Klimaanlage
- „spinnendes“ Automatikgetriebe, schaltet hin und her
- verunreinigte Dieselpartikelfilter
- Rauchwolken aus einigen Fahrzeugen
- 9 Werkstattbesuche
Übrigens, wir wissen noch nicht wie es weitergeht. Die Visa für Saudi Arabien haben wir noch nicht und es scheint wahrscheinlich, das wir sie auch nicht bekommen. Seabridge arbeitet schon am Plan B, das heißt Rückreise durch den Iran und die Türkei. Wir sind gespannt.







Sooooooo viele Erlebnisse. Das ist echt der Wahnsinn. Wir erleben gerade Frühling mit Sonne und Wärme und das im Februar. Es kann gerne so bleiben. Schauen wir mal. Ich wünsche euch das es doch klappt mit den Visa und ihr die geplante Route fahren könnt. Ihr müsst pücklich wieder zu Hause sein, schließlich müsst ihr auf eine Hochzeit .
Ganz lieben Gruß von Renate und Uwe