2. Lebenszeichen Across America MƤrz 2022

17.3. bis 22.3.

New York, Lancaster, Washington

Wir dachten, wir hätten schon in Chicago eine besondere Stadtführerin gehabt, wurden in New York aber eines Besseren belehrt. Oli tauchte auf, ein Franke, der schon 10 Jahre in New York lebt, bunt, schrill und laut. Er ist studierter Sonderpädagoge, Tauchlehrer, Skilehrer, Urlaubsplaner, Bogenschießlehrer, Reisefotograf, Entertainer und zertifizierter Stadtführer für New York, Washington und Miami. Schaut mal auf seine Homepage: https://www.olidaytours.com/

Mit ihm machten wir eine wirklich besondere Stadtführung. Obwohl das Wetter recht durchwachsen war, konnte er die Gruppe durch seine eigene Art immer wieder überraschen und motivieren. Er zeigte uns Dinge, an denen wir blind vorbei gelaufen wären und bewies durch sein Detailwissen, dass er nicht nur ein Showman ist sondern ein ausgewiesener Experte.

Der ā€œBummelā€œ dauerte gut 6 Stunden, ohne Pause und führte uns vom 9/11 Memorial durch den Finanzdisstrikt, das Grand Central Terminal, nordwƤrts über den Broadway zum Timesquare, mit vielen Stops und ErklƤrungen von Oli. Wir waren nach diesem Trip zwar alle fertig, aber froh, einen solchen Guide gehabt zu haben, der einen ansonsten grauen Tag buchstƤblich bunt gestaltete.

In der Nacht haben wir sehr gut geschlafen. Der nächste Tag war zur freinen Verfügung und den begannen wir ganz piano. Mittags wurde es schön, wir bekamen 20 Grad und begannen unsere von Oli empfohlene Tour: Hudson Yards, Vessel, Highline Park, Little Island.

Highline Park ist eine zum Fußgängerweg umgestaltete Bahntrasse. War sehr interessant und gut besucht. Die 15 km lange Tour begann auf der 32nd Strasse und führte dann südwärts durch Chelsea, über Little Island nach Greenwich und Soho am Hudson River entlang bis Pier 11, von wo wir die Fähre nach New Jersey nehmen konnten. War ein wunderschöner sommerlicher Tag mit interessanten Begegnungen, wie ihr auf den Bildern sehen könnt.

Dann folgte wieder ein Fahrtag nach Lancaster in Pennsylvania zu den Amish. Unterwegs machten wir noch einen Stop in Strasburg, wo das Red Caboose Motel sehenswert war, das aus ausrangierten alten Wagons besteht.

Dann schauten wir uns noch die alte Dampflok am Railroad Museum an.

Lancaster beherbergt eine der größten Amish Gemeiden weltweit. ca. 40000 Menschen leben nach sehr strengen religiösen Wertvorstellungen. Die Amish spalteten sich im 16. Jahrhundert von den Mennoniten ab, die in ihren Augen den Glauben zu großzügig auslegten. Sie stammen ursprünglich aus Deutschland, wo sie im 15. Jahrhundert wegen Verfolgung auswanderten. Wir erhielten in Amish Village, einem Museumsdorf, einen sehr informativen Vortrag zu ihrer Lebensweise.

Weiter ging es über Baltimore auf einen sehr guten Campground in der Nähe von Washington.

Nachmittags kam noch dieses Geschoß an. Die Besitzer, 2 Rentner aus Kansas haben dieses Ensemble selbst designed und bauen lassen. In dem Anhänger befinden sich 2 Golfcarts und Fahrräder. Diese können angehoben werden damit der BMW X7 dort auch noch Platz findet.

Am nächsten Tag stand wieder eine organisierte Stadtrundfahrt auf dem Programm. Unser Stadtführer Kurt war 80 Jahre alt und mit 20 Jahren nach Amerika gekommen. Er ist promovierter Chemiker, der im Pentagon an der Entwicklung von Raketentreibstoffen arbeitete. Um seinen 4 Kindern und seiner Frau eine Universitätsausbildung zu ermöglichen kaufte er nach und nach 11 Schrottimmobilien, sanierte sie selbst und verkaufte sie dann mit Gewinn. Wieder eine sehr bemerkenswerte Persönlichkeit.

Er berichtete, dass rund um Washington zur Zeit eine groƟe Anzahl Trucks kreisen, die versuchen in die Stadt zu gelangen, um gegen das Impfen und die Coronaauflagen zu protestieren, indem sie die Stadt lahmlegen. Ƅhnliches gab es vor einigen Wochen schon in Kanada. Alle Zufahrtsstrassen werden durch die Polizei kontrolliert, bisher haben die Trucks keinen Weg gefunden und kreisen weiter.

Wir besuchten die klassischen Sehenswürdigkeiten, Washington besitzt darübner hinaus eine Unzahl an riesigen Verwaltungs- und Regierungsgebäuden, die alle in unterschiedlichen Baustilen vor einigen Jahrzehnten errichtet wurden. Darüber hinaus befinden sich hier einige hervorragende Museen, die in der Regel nicht von staatlicher Seite entstanden, sondern durch erfolgreiche Geschäftsleute gesponsert wurden.

Abends gab es das erste gemeinsame Lagerfeuer auf dem Campground. Mit dem Wetter haben wir bisher Glück die Temperaturen liegen zum Teil über 20°C.

Der nächste Tag war wieder zur freien Verfügung. Wir ließen ihn wieder langsam angehen und fuhren dann mit Bus und Bahn zur Innenstadt und verbrachten den wieder sommerlichen Tagen an den berühmten Plätzen und erfreuten uns an der Japanischen Kirschbaumblüte.

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1. Lebenszeichen Across America, MƤrz 2022

13.3. bis 17.3.

Frankfurt, Chicago,New York

Abflug von Frankfurt

Nach einem sehr entspannten und schƶnen Flug landeten wir bei gutem Wetter in Chicago. Wir konnten uns nicht beschweren, waren die Temperaturen am Vortag von minus 15 Grad nachts und minus 6 Grad am Tage, auf angenehme 10 Grad gestiegen.

Nach einiger Wartezeit kam dann auch unser Shuttleservice, der uns zum Hotel brachte. Dort warteten schon unsere Reiseleiter Eva und Lukas. Noch einen kleinen Spaziergang gemacht, dann ging es in Bett.

Am nächsten Tag stand die Stadtbesichtigung Chicagos auf dem Programm. Unsere Stadtführerin, Marianna, hatte eine interessante Vita. Sie hatte in der Folkwangschule in Essen pantomine und Theater studiert, war dann durch die Aktion Sühnezeichen als Friedensaktivistin in die USA gekommen um an einer Grundschule Kunst und Musik zu lehren. Hier heiratete sie 2 mal, bekam die Greencard und ist bis heute in Kunst und Tanz, mit eigener Galerie und Tanzschule, auch international, unterwegs.

Eigentlich hatte ich an Chicago keine großen Erwartungen, wurde allerdings eines Besseren belehrt. Die Stadt liegt wunderschön am Michigan See, hat eine unglaublich breite kulturelle Szene, die durch die unterschiedlichen sogenannten Nachbarschaften der Schweden, Deutsche, Italiener, Polen, Iren usw entstand. Herausragend ist aber ihre Architektur. Hier wurde der Wolkenkratzer von Le Baron Jenney auf Stahlskelettkonstruktion erfunden. Es gibt eine Menge alter Wolkenkratzer, die mehr als 100 Jahre alt sind.

Wir unternahmen eine ausführliche Stadtrundfahrt mit einigen Fotostops, machten an der Navy Pier eine Mittagspause und waren um 16 Uhr wieder im Hotel. Abends stand das erste Briefing an und dann folgte das erste gemeinsames Seabridgeessen mit allen Teilnehmern.

Am nƤchsten Tag ging es zur Wohnmobilfabrik in Middleburry. Hier befinden sich viele dieser Fabriken, werden doch 80 % aller USA Wohnmobile in dieser Stadt gefertigt.

Pünktlich kamen wir mit dem Bus dort an und sahen schon alle Womos aufgestellt für uns. Alle, nein eins fehlte, natürlich unseres. Es war noch in der Fabrik. Dann sollten ā€œschnellā€œ die VertƤge gemacht werden. Nach 3 VertrƤgen fiel das System aus und es ging nichts Mehr. Unser Womo kam dann auch ohne Nummernschild, das lag im Wagen. Es dauerte 2 Stunden bis man aus der Fabrik einen passenden Maulschlüssel herangeschafft hatte um 4 Schrauben zu lƶsen und das Schild dann zu befestigen. Diese Wartezeit war gar nichts, denn das System war immer noch ausgefallen. Nach 4 Stunden entschied unsere Reiseleitung den Rest der Gruppe ohne Vertrag los zu schicken.

Unser erster Halt war Elyra in Ohio, wo wir in einem Hotel übernachteten, da wir aufgrund möglicher Minusgrade kein Wasser aufnehmen durften. Dann wartete ein Hammerfahrtag auf uns. 420 Meilen fuhren wir auf einem Campground in den Pokomo Mountains in Pennsylvania. Bis nach New York sind dies Transitstrecken, auf denen wir keinen Stop machen, da es nichts zu sehen gibt.

Heute sind wir in New York angekommen und werden nachmittags einen Stadtbummel durch Manhatten mit einem Stadtführer machen.

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8. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

20.9. – 28.9.

Von Hel fuhren wir zurück und machten unseren ersten Stopp in Wejherowo, früher Neustadt in Westpommern. Dort sollte ein original Kaschubenhaus stehen und eine interessante Steilküste zu besichtigen sein.

Das Kaschubenhaus fanden wir dann auch und bei unserem Rundgang um das Haus wurden wir von einem Hund gestellt, der anscheinend sein Territorium verteidigte. Ute war starr vor Schreck und auch ich bewegte mich nicht mehr. Gott sei Dank kam der Besitzer lachend aus dem Haus und rief seinen Hund zu sich. Es entspannte sich ein interessantes Gespräch. Er bot uns an das Haus auch innen zu besichtigen. Das war natürlich sehr interessant. Der Hund hatte zwischenzeitlich auch gecheckt, dass wir harmlos waren und ließ sich sogar ausgiebig streicheln.

Anschließend gingen wir noch 200 Stufen an der Küste nach unten zum wunderschönen Sandstrand.

Unser nƤchstes Ziel war die ā€žPolnische Saharaā€œ bei Leba. Das ist ein 300 ha großes Dünengebiet, das sich mit einer Geschwindigkeit von 10 m/Jahr ausbreitet. Mit einer kleinen Bahn ging es vom Parkplatz zu den Dünen, wo wir Angela und Peter noch einmal trafen, die sich kurzfristig noch für diesen Zwischenstopp entschieden hatten.

In Leba übernachteten wir kostenlos auf einem Campingplatz, da weder am Abend noch am Morgen jemand in der Rezeption anwesend war.

Dann begannen Transferetappen Richtung Berlin. Die erste ging bis Drawsko in Pommern, früher Dramburg. Dort nächtigten wir völlig allein auf einem zu einem 4Sterne Hotel gehörigen Stellplatz mit einer wunderschönen Aussicht auf den See.

Dann besuchten wir den Geburtsort meiner Mutter, Bierzwnik, früher Marienwalde. Das Geburtshaus gibt es nicht mehr, so besuchten wir Orte, an denen meine Mutter gewesen war.

Eigentlich wollten wir kurz nach Küstrin auf der deutschen Seite übernachten. Allerdings fand unser Navi sich nicht mit den neuen Straßen zurecht und so entschieden wir, die restlichen 110 km bis Berlin am selben Tag zu fahren. Das war auch gut so, denn einen Tag spƤter hƤtten wir keinen Stellplatz mehr bekommen. Am Wochenende war Berlin Marathon und der Platz ausgebucht. Nur mit erheblichen Überredungskünsten und der Aussicht auf einen 5 tƤgigen Aufenthalt, ā€žzauberteā€œ der sehr spezielle Platzwart noch einen schƶnen Platz für uns.

Am nƤchsten Tag unternahmen wir ā€žold schoolā€œ eine HopOn HopOff Stadtrundfahrt um einen Überblick über VerƤnderungen komprimiert zu erhalten. Dabei fuhren wir auch an der Eastside Gallery vorbei, die wir anschließend ausgiebig besuchten.

Dann machten wir uns zu Fuß auf Richtung Friedrichstraße und versuchten auf der linken Spreeseite am Ufer zu bleiben. Das gelang nur teilweise. Irgendwann war der offizielle Weg zu Ende und wir sahen nur noch einen Trampelpfad. Das sah spannend aus, also folgten wir ihm. Nach der ersten Kurve trafen wir auf die ersten Dealer, die sich sofort nachdem sie uns gesehen hatten ā€žverkrochenā€œ. Dann gingen wir durch ein kleines von Obdachlosen und Alternativen zusammengezimmertes Dorf mit ca. 20 Unterkünften. Die Leute leben dort unter einfachsten Bedingungen und bauen dort auch Gemüse an. Direkt hinter ihnen wird gerade ein neues großes Wohnsilo hochgezogen, außerdem plant der Bezirk einen durchgƤngigen ƶffentlichen Uferweg. Damit ist das Ende dieser ā€žIdylleā€œ abzusehen.

Es folgte ein Besuch des Checkpoint Charly, den wir auch schon ewig nicht mehr gesehen hatten.

Den Tag schlossen wir mit einem Bummel durch das Nikolaiviertel ab.

Steglitz war am nƤchsten Tag unser Ziel, um auf alten Spuren zu wandeln. Dort war unsere erste gemeinsame Wohnung. War wieder sehr schƶn, wobei die VerƤnderungen nicht immer dem Bezirk zum Vorteil gereichte.

Wir trafen uns mit Utes alter Freundin Sabine, machten einen Bummel durch den Botanischen Garten und schlossen das Treffen mit einem leckeren Steinpilzessen in einer Trattoria in Dahlem ab.

Für den Abend hatten wir uns Karten gekauft für das Mehringhof Theater. Hier sind wir früher gerne gewesen als Kreuzberg noch sehr alternativ und multikulti war.

Dort fand das ā€žSatiretreffen Kreuzbergā€œ statt, was sich allerdings als reine Lesung herausstellte und bei uns nur bedingt Begeisterung auslƶste.

Am Sonntag brachen wir früh auf, um uns den Berlin Marathon anzusehen. ZunƤchst fanden wir eine Stelle, an der die LƤuferinnen und LƤufer nach 7 km vorbei kamen, und anschließend konnten wir 2 PlƤtze direkt am Ziel auf einer Tribüne finden, nachdem wir uns als geimpft registriert hatten. Die Stimmung war gut und man konnte fühlen, dass sowohl die LƤuferinnen und LƤufer als auch die Zuschauer die neu gewonnene NormalitƤt genossen. 

Am Nachmittag stand der Besuch des Tempelhofer Feldes an. Dort hat sich nach unserem letzten Besuch vor 8 Jahren nichts verƤndert. Die FlƤche wird von den Berlinern in unterschiedlichster Weise als FreizeitflƤche genutzt, inklusive dem Anlegen von kleinen NutzgƤrten.

Abends war Fernsehzeit, die erste Prognose der Wahl stand um 18 Uhr an, obwohl in Berlin bis nach 19 Uhr noch gewƤhlt wurde. Es fehlten Wahlzettel, man hatte die individuelle Wahlzeit in der Kabine eines jeden Einzelnen mit 5 Wahlzetteln total unterschƤtzt, und dass am selben Tag der Wahl auch der Berlin Marathon stattfand warf ein Licht auf die LeistungsfƤhigkeit des Berliner Senats.

Die Berliner Unterwelten standen am Montag auf dem Programm. Direkt von unserem Stellplatz konnte man durch eine Stahltür in ein Luftschutzbunkersystem gelangen. Ein Referent erklärte uns die Geschichte dieser Bunker, die bis vor dem 1. Weltkrieg zurückliegt, als die Berliner U-Bahn gebaut wurde und man, vorsorglich für den späteren Ausbau der U-Bahn, Stollen anlegte, die später von den Nazis als Luftschutzbunker genutzt wurden. Das war wieder einmal ein Eintauchen in eine Zeit, von der unsere Generation Gott sei Dank verschont wurde.

Für den Abend hatten wir uns Karten für das Tipi am Kanzleramt für ā€žSuper wir hatten doch die Wahl…. Mit Marco Seiffertā€œ gekauft. Dort diskutierten die Journalistinnen und Jornalisten Hajo Schumacher, Cerstin Gammelin, Robin Alexander, Bettina Gaus und Albrecht von Lucke das Wahlergebnis. Zwischenzeitlich gab noch der Kabaretist Florian Schroeder seinen ā€žSenfā€œ dazu.

War ein sehr unterhaltsamer Abend. 

Dann hieß es Abschied nehmen von Berlin, Potsdam war unser nächstes Ziel. Dort besuchten wir das Schloß Sanssouci und den großen Park mit den weiteren zum Ensemble gehörigen Bauwerke ausführlich.

Dann hieß es wieder: abwettern. Bis 14 Uhr, am nächsten Tag goß es. Danach machten wir uns auf uns die Highlights von Potsdam anzusehen.

Dies ist unser letztes Lebenszeichen, da wir morgen über eine Station in Braunschweig nach Hause aufbrechen. Wir freuen uns Euch bald wieder persönlich zu treffen.

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7. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

13.9. – 19.9.

Wir verließen Masuren Richtung Westen und machten in Ketrzyn, früher Rastenburg, einen Zwischenstopp. Die Wolfsschanze schenkten wir uns, da wir sie bereits vor 7 Jahren besichtigt hatten.

Wir machten einen kurzen Rundgang und schauten uns dann die Wehrkirche St. Georg an, dessen Turm wir auch bestiegen. Außerdem hat Ketrzyn einige schöne Häuser zu bieten.

Swieta Lipka war unser nƤchstes Ziel, mit Besichtigung einer Kirche. ā€žNoch eine Kircheā€œ dachte ich. Die Basilika, mit Kloster zu Ehren Marias, hat mich dann doch umgehauen. Sie ist einer der wichtigsten Wallfahrtsorte Polens und darauf deutete dann auch die Infrastruktur mit großen ParkplƤtzen und Souveniershops. Wir mußten eine Weile warten, da gerade ein Gottesdienst stattfand, wƤhrend dessen Besichtigungen nicht erlaubt waren. Ich kann mich nicht erinnern, solch eine schƶne Kirche schon mal gesehen zu haben, außer vielleicht in Rom.

Swieta Lipka heißt übrigens übersetzt Heilige Linde. Seit dem 13. Jahrhundert sollen unter der Linde Wunder geschehen sein. Das zog Pilger an, und im 16. Jahrhundert entstand die Kirche. Sie hat die sogenannte Heiligelindeorgel mit fast 5000 Pfeifen. Während des Spiels bewegen sich verschiedenen Figuren und Engel auf der Orgel.

Dann hielten wir in Orneta, was sich als Niete herausstellte. Nichts Sehenswertes, eine gesichtslose kleine Stadt.

Wir erreichten schließlich unser Tagesziel Elblag am späten Nachmittag. Ich war ganz schön groggy, denn die 180 km fanden auf teilweise sehr schlechter, enger Strasse statt, allerdings durch wunderschöne Alleen und Landschaften.

Die Altstadt von Elblag war im 2. Weltkrieg vƶllig zerstƶrt worden. 1987 begann man, nach alten PlƤnen, mƶglichst detailgetreu, die gesamte Altstadt neu aufzubauen. Das ist gut gelungen, kein Haus gleicht dem anderen, und selbst moderne Hausfassaden passen sich gut in den ā€žLookā€œ der neuen Altstadt ein.

Dann ging es zum Frischen Haff nach Piaski, dem letzten Ort vor der russischen Grenze.

Unser nƤchstes Ziel war Danzig, wo wir 2 NƤchte blieben. Das Wetter war wieder umgeschlagen, es wurde regnerisch und kalt. Trotzdem hat uns Danzig wieder sehr gut gefallen, eine tolle Stadt. Wir fanden einen freien Stellplatz 500 m von der Altstadt entfernt und sehr sicher, da vor der Polizeiwache.

Wir unternahmen eine Bootsfahrt durch den Danziger Hafen zur Westerplatte, wo 1939 der 2. Weltkrieg begann. Dies ist für die Polen ein besonderer Ort, da dort nur wenige polnische Soldaten der deutschen Übermacht 7 Tage Widerstand leisteten, bevor sie dann aufgeben mußten.

Danach folgte ein Spaziergang zum Solidarnosc Gelände. Dort wurde 1980 gleichnamige Gewerkschaft gegründet und eine Freiheitsbewegung ausgelöst, die ganz Osteuropa erfaßte und schließlich auch zum Mauerfall beitrug. Auch dies ist ein ganz wichtiger Geschichtsort für die Polen.

Von Danzig machten wir uns auf nach Hel, die nƤchste Halbinsel in der Danziger Bucht. Auf dem Weg hatten wir noch einige Zwischstopps geplant. ZunƤchst fuhren wir eine Ƥtzende Strasse von Danzig nach Sopot und Gdynia, die uns geschƤtzte 500 rote Ampeln bescherte. Dabei gerieten wir ungewollt auf eine mautpflichtige Autobahn. Da wir in Polen mautfrei fahren wollten, hatte ich mich weder registrieren lassen, noch eine Art Go Box geliehen, mit der die Maut elektronisch abgerechnet wird. Da hat mein Navi, trotz richtiger Einstellung, versagt, und wir werden sicherlich noch Post mit einer Strafe bekommen.

Wir erreichten dann schließlich das kaschubische Jerusalem beim Kalvarienberg in Wejherowska, dem früheren Neustadt an der Reda. Vor 500 Jahren entstanden hier 26 kleine Kapellen, die früher von kaschubischen Pilgern besucht wurden. Heute pilgern jährlich viele tausend Polen hierher.

Nach einer ausgiebigen Wanderung am Kalvarienberg fuhren wir nach Puck. Dort befand sich früher ein wichtiger Fischereihafen der Kaschuben und noch früher durfte unter Duldung des Königs, eine 20 Boote starke Freibeuterflotte von Puck aus die Danziger Bucht bewachen. Heute ist der Sport Thema in Puck. Segler, Surfer und Kiter bestimmen heute das Bild in Puck in modern angelegten Häfen.

Dann, am spƤten Nachmittag, erreichten wir unseren Campingplatz in Hel, direkt an der Spitze der schmalen Landzunge. Diese entstand vor langer Zeit aus mehreren Inseln, die sich aufgrund der Ƅnderung von Strƶmungen bildete. Heute ist sie wieder gefƤhrdet, da sie teilweise nur 200 m breit ist und bei Sturm schon überflutet wurde.

Hier haben wir mit Peter und Angela auch unser Abschlußessen genossen. Sie werden Richtung Lübeck aufbrechen, wir bleiben noch einige Tage an der Küste und werden dann Richtung Berlin ā€žabbiegenā€œ.

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6. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

6.9. bis 12.9.

Von Vilnius ging es direkt nach Kaunas. Von unserem Campingplatz konnten wir mit dem Fahrrad die Altstadt erreichen, allerdings nur mit einigen Mühen, so war der Radweg teilweise noch Baustelle und die Brücke über die Nemunas war so eng, das bei Gegenverkehr oder Fußgänger abgestiegen werden mußte. Allerdings fanden wir auf unserer ersten Tour einen schönen freien Stellplatz direkt am Fluß, auf dem wir dann die 2. Nacht verbrachten.

Leider sind wir 1 Jahr zu früh nach Kaunas gereist, überall befinden sich große Baustellen. Nächstes Jahr hat die Stadt bestimmt einen anderen Look.

Die Altstadt mit der Burg von Kaunas, die Vilniaus gatve, eine der längsten Fußgängerzonen Europas und die imposante St. Franziskus Xaver Kirche waren trotzdem lohnende Ziele.

Am zweiten Tag besuchten wir noch das Teufelmuseum, in dem Teufelsmasken- und figuren aus aller Welt gezeigt werden. Wir erfuhren, dass eine Teufelsmaske ein gängiges Gastgeschenk in früheren Zeiten in der Gegend um Kaunas war.

Dann ging es südwärts Richtung polnischer Grenze. Übrigens hat uns seit einigen Tagen der Sommer wieder erreicht mit Temperaturen über 20 Grad.

Der Grenzübertritt nach Polen war problemlos, auch brauchten wir uns für die Einreise nicht registrieren lassen.

Sawalki war unser Ziel. Wir fanden einen super Stellplatz, tip top sauber mit großen Parzellen für 10€. Nachmittags machten wir uns auf den Weg zur Innenstadt. Diese fanden wir erst nach 6 km umherirren, und diese war dann auch noch sehr enttƤuschend. Eine trostlose 300m lange FußgƤngerzone lud nicht gerade zum Verweilen ein. Also ging es zurück zum Stellplatz um dort noch Sonne zu tanken.

Die nächste Etappe sollte uns nach Nikolaiken bringen. Unterwegs machten wir einen Stop bei Elk, hier wurde Siegfried Lenz geboren. Sie ist die größte Stadt Masurens. Wir unternahmen einen Bummel auf der Uferpromenade, wo große Holzfiguren die Herrscher und Herrscherinnen vergangener Jahrhunderte dargestellten.

Nikolaiken ist sicherlich das touristische Zentrum Masurens. Wir fanden einen Stellplatz direkt an der Altstadt. Uns hat das Treiben so gut gefallen, daß wir beschlossen noch 2 weitere Nächte dort zu verbringen und den schönen Spätsommer zu genießen.

Wir liehen uns ein Motorboot aus und schipperten bis zum Sniardym See, dem größten See Polens, hat uns Riesenspaß gemacht.

Abends fand dann mal wieder gemeinsames Grillen statt.

Am nƤchsten Tag ging es dann weiter. Wir planten nur eine kurze Etappe bis Lƶtzen, Angela und Peter wollten weiter nach Elblag und dort auf uns warten.

In Lötzen fanden wir einen so schönen Stellplatz an einem kleinen Hafen direkt am Kanal, dass wir die beiden überredeten, auch nach Lötzen zu kommen, was sie auch machten.

Lötzen gefiel uns sehr. Allerdings befinden wir uns in der Nachsaison, wenn ich sehe was hier für eine touristische Infrastruktur aufgebaut wurde, möchte ich nicht im Juli oder August hier sein. Obwohl es Sonntag war, hielt sich der Besucherstrom in Grenzen, und wir genossen den Spaziergang an der Hafenpromenade.

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5.Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

26.8. bis 5.9.

Seit etlichen Tagen schauen wir ungläubig in die Wetter Apps. Ein Tiefdruckgebiet aus Skandinavien jagt das nächste. Die Temperaturen sind in den Keller gegangen, am Tag nicht über 14 Grad, nachts teilweise einstellen. Wir haben schon 2 Nächte durchgeheizt. So müssen wir flexibel unsere Routen und Stopps den Wetterbedingungen anpassen und finden in der Regel für Besichtigungen auch trockene Abschnitte. Baden oder lange Wanderungen sind aber zur Zeit nicht möglich.

Unser nächstes Ziel war Tartu, die zweitgrößte Stadt Estlands und fanden einen Übernachtungsplatz auf dem Parkplatz am BMX Park.

Wir unternahmen einen Rundgang durch die Universitätsstadt, durch Parks und den Domberg mit der Ruine des alten Doms. Leider war das Wetter gegen uns, so daß wir zügig zum Wohnmobil zurückkehrten.

Von Tartu fuhren wir ostwärts bis nach Räpina und dann südlich bis zur russischen Grenze nach Massuri. Dabei fuhren wir durch das Land der Setu. Die Setus sind ein sehr alter Volksstamm mit einer eigenen Sprache. Die Häuser sind alt aber auch teilweise sehr schön im alten Stil restauriert.

Weiter ging es etwas kreuz und quer der Piusa entlang. Wir besuchten die Sandsteinhöhlen von Piusa. Dort wurde Quarzsand unter schwierigsten Bedingungen im vorigen Jahrhundert abgebaut zur Herstellung von durchsichtigem Glas. Mittlerweile ist das Betreten des gesamten Höhlesystems aus Sicherheitsgründen verboten. Außerdem hat sich eine dort Fledermauskolonie angesiedelt, die durch Biologen beobachtet wird.

Unterwegs machten wir noch an den Ruinen der Ordensburg von Vastsellina halt. Diese Ruinen findet man im gesamten Osten des Baltikums.

In Haanja fanden wir einen idyllischen Stellplatz am See. 

Weiter südwärts erreichten wir Aluksne. Dort fuhren wir mit der historischen, russischen Schmalspurbahn nach Gulbene und wieder zurück.

Da wir keinen geeigneten Stellplatz fanden, fragten wir eine nette Servicemitarbeiterin, ob wir auf der Tankstelle übernachten kƶnnten, was sie uns genehmigte. 

Da wir die letzten Tage wieder Pistenkilometer bei Regen fahren mußten, sah unser Womo entsprechend aus. Neben der Tankstelle befand sich eine geeignete Waschanlage, wo wir unser Womo vom Dreck befreiten konnten.

In Balvi besuchten wir einen Skulpturengarten von künstlerisch verfremdeten Fahrräder.

In Ludza gab es wieder alte Steine einer Ordensburg zu sehen, sowie eine katholische Kirche, die sehr schƶn für eine anstehende Hochzeit geschmückt war. 

In Rezekne war unsere nƤchste Übernachtung auf dem Parkplatz des Kreativzentrums ā€žZeimulsā€œ an der Touristeninformation geplant. Es gab Verbotsschilder und recht enge Parkboxen. Nach Genehmigung durch die Mitarbeiterin der Information fanden wir am Rand des Parkplatzes 2 PlƤtze. In der Nacht wurden wir durch Jugendliche abwechselnd durch laute Technomusik mit tiefen BƤsse oder rƶhrende Motore unterhalten.

Übrigens gab es auch hier eine Ordensburg.

Dann ging es durch ein landschaftlich schönes Seengebiet über Dagda, nach Aglona. Aglona ist für die Katholiken ein Wallfahrtsort und hat eine sehr schöne weiße Basilika. 1980 zum 200jährigen Weihetag besuchte sogar der Papst Aglona und hielt vor 300000 Gläubigen eine Messe ab.

Unser Übernachtung war in Kraslava geplant. Dort sollte ein von einem Deutschen geführter Campingplatz existieren, den wir nach 3 km schlechter Piste erreichten. Wir wurden von Sebastian, einem 38jƤhrigen, alternativ gekleideten Mann herzlich begrüßt. Er ist vor 7 Jahren hierhin ausgewandert, hat Hühner Ziegen, Kaninchen, Wellenseittiche, 2 Hunde, Katzen, und eine schwangere Freundin, die tƤglich leckeres Brot backt und einen kleinen Hofladen betreibt. Sie leben als Selbstversorger, bauen allerlei Gemüse an und bieten 5 WomoplƤtze an und 2 Appartmements. Sie planen Konzerte auf ihrem GelƤnde nach Corona zu veranstalten, haben einen Chillout Weg angelegt und sitzen abends gerne mit ihren GƤste am Lagerfeuer. 

Da es dort so urig war, blieben wir noch einen weiteren Tag. Nachmittags beschlossen wir Pilze sammeln zu gehen. Weder Angela und Peter noch ich hatten je Pilze gesucht, trotzdem kamen wir mit einer erklecklichen Menge Pfifferlinge zurück. Daraus entstand eine leckere Pilzpfanne, die wir abends zu uns nahmen. Aufmerksam beobachteten wir uns gegenseitig ob eventuell aufretender Ausfallerscheinungen, falls doch ein unverträglicher Pilz den Weg in die Pfanne gefunden hätte. War nicht der Fall, und so genossen wir das Essen.

Am nächsten Tag fuhren wir eine kurze Strecke nach Daugapils, der zweitgrößten Stadt Lettlands.

Unterwegs besuchten wir noch das empfehlenswerte Dorf Slutiski. Es ist bewohnt, steht allerdings unter Denkmalschutz.   

In Daugavpils sollte die Festung und ein besonderes Museum des Malers Mark Rothko, dem Begründer der Farbfeldmalerei und Sohn der Stadt, sehenswert sein.

Als erstes war die Einfahrt zur Festung auf eine Höhe von 3,10 m begrenzt. Die Information gab es aber erst direkt an der Mauer nach 200 m schmaler Anfahrt. Also wieder rückwärts zurück bis in einen befahrenen Kreisverkehr. Dann waren wir gespannt auf das Museum. Dies entpuppte sich, aus unserer Sicht als Witz. Es wurden Bilder ausgestellt, mit denen wir aber auch gar nichts anfangen konnten. Der Gipfel war ein Bild mit einer komplett weißen Oberfläche und einen an der Seite bemalter Rahmen. Von Mark Rothko waren nur 3 Bilder dort, die uns auch nicht ansprachen.

Der Fairness halber muß ich aber zugestehen, dass wir kein Maßstab sind und uns für solche ā€žKunstā€œ noch nie begeistern konnten.

Wir verließen Lettland und erreichten Litauen auf einer Piste über die grüne Grenze ohne jegliche Kontrolle und erreichten bei Stelmuze unseren Übernachtungsplatz an einer der ältesten Holzkirchen des Baltikums. Diese besichtigten wir am nächsten Tag. Dort steht auch eine auf zwischen 1000 und 1500 Jahre alte Eiche, sehr eindrucksvoll.

 Weiter ging es durch eine Seenlandschaft gen Süden. Die Fahrt durch alte Dƶrfer war wieder einmal sehr schƶn, zumal seit Wochen wieder einmal die Sonne schien.

Im Nationalpark Aukstaitjos machten wir am Nachmittag noch eine schƶne Wanderung am Lusial See.

Dann erreichten wir den Campingplatz in Moletai am Siesartis See, auf dem wir wieder die einzigen GƤste sind. Dort befindet sich auch ein 30 m hoher Aussichtsturm von dem man eine grandiose Aussicht über den See und dem Nationalpark hat. 

Dann machten wir uns auf das geographische Zentrum Europas zu besuchen., das 26 km nƶrdlich von Vilnius liegt. Es wurde 1989 vom Franzƶsischen Geographischen Institut mit komplizierten Berechnungen bestimmt.

Dann erreichten wir Vilnius, wo wir die nächsten 4 Tage blieben. In Vilnius fand ein großes Kulturfestival statt mit Märkten, Konzerten, Sportveranstaltungen u.s.w. So hatten wir genügend Zeit wieder einmal Großstadt zu genießen.

Am Sonntag besuchten wir das alte jüdische Viertel mit dem Ghetto. Und der letzten noch verbliebenden Synagoge. Früher war die Jüdische Gemeinde in Vilnius eine der größten der Welt. Heute gibt es dort viele Restaurants und Bars.

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4. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

17.8. – 25.8.

Von Lümanda ging es, nach einer stürmischen Nacht, dann nordwärts, die Küstenlinie entlang zum ersten Etappenziel, den Klippen von Panga. Dort unternahmen wir eine kleine Wanderung, den Klippen entlang mit sehr schönen Aussichten.

Dann folgten, als nächste Station, die Mühlen von Angla. Dort sind 7 Bockwindmühlen zu besichtigen, die letzten der Insel. Früher soll es bis zu 800 Mühlen auf Saaremaa gegeben haben.

Hier fand ich auch mein neues Reisemobil, exklusiv lackiert.

Mein Neues

Wir verließen Saaremaa und erreichten mit der FƤhre die dritte Insel, Hiumaa. Da es schon spƤt war, steuerten wir den kleinen Hafen Haldi Sadam an. Dort steht noch eine verlassenen Fischfabrik, die man gut alsā€œ lost placeā€œ bezeichnen kann. Wir übernachteten am neuen Hafen ganz alleine und sehr ruhig.

Der folgende Tag stand unter dem Motto: Leuchttürme besichtigen. Als erster folgte der Leuchtturm von Köpu, der bereits im 15. Jahrhundert errichtet wurde, mit sehr eindrucksvoller Bauweise und kilometerweit im Inland stehend.

Dann folgte Ristna Tuletorn, ein Turm ganz in rot und an der Küste stehend.

Schließlich landeten wir bei Tahkuna, ganz in weiß, ebenfalls wie der rote im 18. Jahrhundert errichtet. Dort befindet sich auch eine freistehende Glocke, die bei Wind selbstständig läutet. Dies ist das Denkmal an den Untergang der Estonia im Jahre 1994.

Weiter ging’s nach KƤrdla, wo wir 2 5l Kanister mit Wasser aus dem dort befindlichen artesischen Brunnen füllten. 

Damit beendeten wir die Inselbesichtigung von Hiumaa, nahmen in Heltermann die Fähre nach Rohhküla auf dem Festland und fuhren zum Campingplatz nach Haapsalu.

Haapsalu hat ein beeindruckendes Eisenbahnmuseum und einen gut restaurierten Bahnhof. Außerdem gibt es dort eine alte Bischofsburg. 

Die nƤchsten 3 NƤchte verbrachten wir in Tallin. Wir fanden einen Stellplatz direkt an der alten Stadtmauer, nicht gerade leise aber super gelegen. 

In Tallin fuhren wir wieder mit dem bewährten Hop On Hop Off Bus, um einen Überblick zu erlangen und Details zur Geschichte Tallins zu erfahren. Wir unternahmen mehrer Spaziergänge durch die gut erhaltene Altstadt mit Kathedrale und besuchten mit dem Bus das Segelolypiazentrum in Pireta.

Am Freitag feierte Tallin ihren Unabhängigkeitstag. Nachmittags konnten wir von außen ein Konzert mitverfolgen, und abends gab es eine feierliche Kranzniederlegung am Kreuz der Freiheit.

Dann verließen wir Tallin und arbeiteten uns auf kleinen Straßen ostwƤrts an der Küste entlang von Loksa, Vinistu, KƤsmu, Vƶsu, Vainupea bis zum sehr schƶnen Campingplatz Mereoja in Purtse. 

Abends wurde wieder einmal gegrillt und am nƤchsten Tag WƤsche gewaschen und abends ein am Strand liegendes, sehr schƶnes, estnisches Lokal besucht.

Unser nächstes Ziel war die Grenzstadt Narva. Vorher passierten wir noch Sillamäe, eine geheime Stadt, die es nach dem 2. Weltkrieg auf keiner Karte gab. Die estnische Bevölkerung wurde von den Russen vertrieben und konnte erst in den 90er Jahren zurückkehren. Darum sind die Russen in der Bevölkerung dominierend. In Narva wurde Uran angereichert für das sowjetische Atombombenprogramm. Noch heute sollen die Auswirkungen unsachgemäßer Behandlung der atomaren Abfälle vorhanden sein. In der Stadt muß in den letzten Jahren, nicht zuletzt durch EU Gelder, viel gebaut, verändert und saniert worden sein. Wir fanden dort eine nagelneue Uferpromenade, begrünte Zonen und einige schon sehr schön renovierte Häuser vor.

Dann erreichten wir die geteilte Stadt die auf estnischer Seite Narva und auf russischer Seite Ivangorod heißt. Sehenswert war auf jeden Fall die ebenfalls geteilte Festung, Hermanni Linus in Estland, Festung Ivangorod in Russland. Außerdem besuchten wir das vom Lübecker Architekten Teufel erbauten Rathaus.

Unseren Übernachtungsplatz hatten wir dann vor dem Nonnenkloster von Kuremäe, das wir vorher besichtigten und dass uns sehr beeindruckte.

Der viertgrößte See Europas, der Peipsi See war unser nächstes Ziel. Er ist 40 km breit. In der Mitte läuft die Grenze zu Russland.

Auf der Strecke fuhren wir auf kleinen Straßen durch alte, von altglƤubigen Russen bewohne Dƶrfer. 

In Kallaste gab es noch rote Klippen zu sehen.

Auf unserem malerischen Campingplatz in der NƤhe waren wir die einzigen GƤste.

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3. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

6.8.-16.8.

Nach 3 Tagen Großstadt hatten wir wieder Verlangen nach Natur. Da bot sich der Gauja Nationalpark als größter und einer der meist besuchten Nationalparks Lettlands an. In Abänderung unserer geplanten Route entschieden wir uns zu diesem Abstecher ins Inland.

Zunächst galt es aber, aus Riga herauszukommen. Wir waren froh, als wir nach 40 Minuten wieder auf schwach befahrene Straßen gelangten und schließlich den Nationalpark erreichten. Den Namen verdankt der Nationalpark dem Fluß Gauja, der über 1000en von Jahren einen tiefen Einschnitt in den Sandstein geschliffen hat.

Unseren ersten Stop machten wir an der Gondelbahn, die über das Gaujastal von Sigulda nach Krimulda führt. Wir nutzten sie jedoch nicht, sondern machten uns auf den Weg zu den Gutmanas Höhlen. Weg ist eigentlich der falsche Begriff, es ging über 430 Stufen steil bergab. Dort findet man Sandsteinhöhlen mit alten und neuen Inschriften. Wir fanden Inschriften bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Oben konnte man noch die Überreste des Schlosses von Krimulda sehen.

Dann fuhren wir zur Burg von Turaida, die sich in einem großen parkähnlichen Garten befindet. Sehenswert war auch der Folk Song Hill, die alte Kirche und der Skulpturenpark von Indulis Ranka. Die auf unsere Augen verstörend wirkenden Skulpturen sollen das Leid und die Unterdrückung der Letten aus der Vergangenheit darstellen.

Unser Stellplatz in Sigulda an einem kleinen See war superschƶn.

Die nƤchste Wanderung auf dem Nature Trail in Ligatne, in einem Wildgehege mit BƤren, Luchse und Elche hƤtten wir uns sparen kƶnnen, da wir keine Tiere zu Gesicht bekommen hatten.

Dann ging es nach Cesis, dem Zentrum des Gauja Nationalparks. Dort unternahmen wir einen kleinen Stadtbummel mit Besuch der Ordensburg.

Nach einer ruhigen Nacht an der Gauja begannen wir den neuen Tag mit einer Wanderung auf dem Naturpark von Cirulisu. Dort findet man eine Quelle und weitere Hƶhlen im roten Sandstein. Nach 1000 m erreichten wir ein kleines Skigebiet mit Liften. Dort gerieten wir in ein Mountainbike Rennen, das wir uns einige Zeit ansahen.

Dann ging es weiter nach Kumrags. Nach 5 km Schotter erreichten wir wieder das Meer. Die Küste hat hier interessante Sandsteinformationen, und es liegen große Granitsteine am Strand als Überbleibsel der letzten Eiszeit.

Die letzte Station des Tages war Salacgriva mit der Fischbrücke über die Salaca. Dort werden Neunaugen gefanden, wenn sie aus dem Meer den Fluß hinauf ziehen zum Laichen

Jetzt verließen wir Lettland, denn nach 10 km passierten wir ohne Kontrolle die Grenze nach Estland. Es ging nach Pärnu. Dort blieben wir 2 Tage. Pärnu liegt an der Ostsee und der Mündung des gleichnamigen Flusses. Es ist ein sehr gepflegter Badeort, mit großen Parkanlagen, großzügigen Radwegen und einem breiten kilometerlangen Sandstrand.

In Pärnu machten wir auch unsere ersten Erfahrungen mit E-Scootern. Ute zeigte Interesse und schnell war die App heruntergeladen und die Registrierung erfolgt. Wir fanden dann 2 Roller und wollten nur zum Campingplatz, der etwa 3 km entfernt war. Die Technik war einfach und im Anfängermodus (Höchstgeschwindigkeit 15km/h) ging es dann zügig voran. Wir stellten die Roller vor unserm Campingplatz ab und erfuhren beim Abmelden, dass wir uns außerhalb der Servicezone befanden und uns eine Strafe drohte. Von der Servicezone war in den Instruktionen keine Rede gewesen, also fuhren wir Stück für Stück zurück und erfuhren immer das gleiche: außerhalb der Servicezone. Erst in der Innenstadt wurden wir die Scooter wieder los. Das hatte wieder einmal ganz toll geklappt. Wir durften dann die 2 km wieder zu Fuß zum Camping laufen und wurden noch mit einem Regenschauer belohnt.

Der nächste Tag drohte mit Regen, daher hatten wir ihn als Fahrtag geplant. Es ging auf einer sehr schönen Nebenstraße die Küste hinauf Richtung Virtsu. Unterwegs fuhren wir noch einen Stellplatz in Kulli an, den wir von unserer Reise 2014 kannten, und den wir in guter Erinnerung hatten. Er war noch schöner geworden. Sie hatten Stellflächen geschaffen und den Platz ganz toll möbliert.

In Virtsu startet die Fähre nach Muhu. Ohne große Wartezeit konnten wir auf die Fähre und erreichten bei schönem Sommerwetter Muhu. (Von wegen Regen)

Ich hatte in einer App einen Stellplatz zum Freistehen gefunden, in Lalli an einem winzigen Fischerhafen. Den fuhren wir an und nach einigem Rock and Roll erreichten wir ihn auch. Idyllischer geht es nicht. Kleine Fischerboote lagen dort, und wir parkten inmitten einer Schafsherde, die sich durch unsere Anwesenheit nicht gestƶrt fühlte. Ich fragte noch einen zurückkehrenden Fischer, ob wir hier für einen Tag stehen dürften, wir durften. Dann kamen auch Peter und Angela und am spƤten Vormittag noch ein weiteres Mobil. Damit war der kleine Hafen besetzt. Abend war dann richtig Betrieb. Jeder Bootsbesitzer kam um 20 Uhr und fuhr entweder zum Fischen raus oder sah nur nach seinem Boot. Eine Ƥltere Dame begrüßte uns mit ā€žGuten Abendā€œ und fuhr dann fort: Ich weis nicht was soll es bedeuten…..

Ansonsten war die Nacht ruhig und am nƤchsten Tag erkundeten wir Muhu. Wir fanden einen riesigen alten Friedhof mit 190 Jahre alten GrƤbern.

Wir besuchten die Klippen von Üügu, die sich als Malerwinkel von Muhu herausstellten, da dort mindestens 10 Malerinnen und Maler ihre Staffelei aufgestellt hatten und malten. Es war aber auch eine schöne Szenerie dort.

In der Hauptstadt Liva sollte es an einer Backstube frisches Brot geben. 3 Mal versuchten wir es, jedes Mal hieß es: noch 25 Minuten. Wir gaben auf, trafen später noch Peter, der für uns dann 1 Brot mitkaufte.

Wir fuhren dann noch etwas über die Insel, um schließlich in Koguva unseren verabredeten Übernachtungsplatz vor dem Museum zu erreichen. Das Freilichtmuseum kam uns bekannt vor, wir waren 2014 schon einmal dort.

In der Nacht machte Peter noch einige schƶne Aufnahmen von unserem Stellplatz

Die zweite Insel Saaremaa erreichten wir am nƤchsten Tag über den Damm. Nach kurzer Fahrt gelangten wir zum Besichtigungsort des Tages, der Festung von Maasi. Die Festung stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehƶrte dem Deutschen Orden. 

Von oben sind die Ausgrabungen recht unscheinbar, geht man in den Keller sind die beleuchteten RƤume jedoch eindrucksvoll.

Bei einer netten älteren Dame erstanden wir vor Ort noch 2 Bierkrüge aus Wacholderholz, von einem Künstler aus Saarema angefertigt.

Dann war wieder Bewegung angesagt. Wir gingen den Wanderweg vom Koigi Moorsee. Der war sehr interessant und abwechslungsreich angelegt, zunächst auf Torfboden durch den Wald, dann auf Holzplanken durch eine Heidelandschaft und schließlich über verrostete Sandbleche übers Moor.

Der touristischste Hƶhepunkt in Saaremaa ist der Meteoritenkrater von Kaali, wenn man den Einheimischen Glauben schenken darf. Vor etwa 10000 Jahren riss ein Meteorit ein im Durschmesser 120 m großen und 22 m tiefen Krater in den Boden. Mich hatte diese Sehenswürdigkeit schon vor 7 Jahren nicht sonderlich beeindruckt, aber sie lag auf dem Weg und Angela und Peter kannten sie noch nicht. 

Meteoritenkrater von Kaali

Unser Tagesziel Kuressaare erreichten wir am späten Vormittag. Der Ort bietet Wohnmobilfahrern sehr vorbildlich kostenlose Stellplätze mit Strom, V/E und bestem Ausblick. Dominiert wird Kuressaare durch die Burg, die früher Arensburg hieß und dem Deutschen Orden gehörte.

Man stand vor allem ruhig – bis es weiß um uns herum wurde. 16 große Wohnmobile aus Italien besetzten die noch offenen 7 PlƤtze. Sie fahren nur im Konvoi, waren alle Ü75 und liebten die Geselligkeit. In 24 Tagen durchs Baltikum hatten sie sich auf die Fahne geschrieben. Am nƤchsten Morgen waren sie aber um 8 Uhr schon wieder weg.

Der Tag stand zur freien Verfügung, ohne Programm. Ich nutzte die Zeit zu einer Radtour. Als ich zurück in den Ort kam, baute man gerade eine Bühne auf. Ich unterrichtete kurz meine Mitstreiter und so konnten wir estnische Folklore genießen. Mit dem Genuß war es so ein Ding, die Musik war lahm und nach 30 Minuten hatte ich genug Kultur konsumiert.

Es ging zurück zum Wohnmobil, wo ich duschen wollte. Ich hatte mich gerade von Kopf bis Fuß dick eingeseift, da gab die Wasserpumpe ihren Geist auf – der Klassiker, war nichts mit abduschen. Das ging nur, indem ich mir zwei 5l Mineralwasserkanister über den Kopf goß. Dann wurde die Pumpe getauscht und jetzt ist das Womo wieder voll funktionstüchtig.

Es wurde Sturm vorausgesagt, und den erlebten wir am Leuchtturm von SƤare. Die Küstenlinie nordwƤrts ging es dann zu unserem Tagesziel, dem Gasthaus Lümanda Sƶƶgimaja, wo wir abends estnisch essen und abwettern wollen. 

 

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2. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

27.7. bis 5.8.2021

Fast eine Woche hatten wir auf der Kurischen Nehrung verbracht, jetzt ging es wieder aufs Festland. Mit der Fähre ging es ohne Wartezeit nach Klaipeda über Palange zum Pape Nationalpark. Leider verließen wir uns zu sehr auf unser Navi und gönnten uns 20 km extra übelste Schotterpiste bis zu den regulären 7 km Schotter bis Pape. Allerdings sahen wir dadurch ursprüngliche Dörfer und viele Storchennester mit Jungen.

Unseren geplanten Stellplatz in Pape gab es nicht mehr, also ging es zum Campingplatz, der sich als sehr schƶne Alternative herausstellte. Es waren nur 25 m bis zum kilometerlangen Sandstrand. Mit Baden, StrandspaziergƤngen und kleinen Wanderungen verbrachten wir die nƤchsten 2 Tage.

Dann ging es weiter Richtung Norden. Zuerst besuchten wir eine WWF Station, die sich um die vor 25 Jahren rückgezüchteten Tarpanpferde und Heckrinder kümmert. Sie leben dort auf 200 ha völlig unbehelligt. Eine Rangerin führte uns zu den Tieren.

Unsere Vorräte füllten wir in Liepeja auf und blieben dort ein paar Stunden. Den ersten Regen unserer Reise wetterten wir mit Kaffee und Kuchen ab.

Schließlich erreichten wir Labrags und fanden wieder einen Campingplatz mit wunderschönen Stellplätzen an der Steilküste.

Das Wetter änderte sich, es wurde stürmisch und regnerisch, und wir beschlossen, den nächsten Tag Urlaubszeit im Wohnmobil zu verbringen.

Dann ging es nach Ventspils. Unterwegs machten wir einen kurzen Stop beim ā€žMemory of Sailsā€œ, ein Denkmal zum Gedenken an die ertrunkenen Letten, die zwischen 1943 und 1945 vor den Russen flüchteten und auf der Ostsee auch noch von den Deutschen angegriffen wurden.

Memory of Sails

Ventspils ist eine gepflegte Hafenstadt mit einer schƶnen Hafenpromenade.

Dort stehen auch einige übriggebliebene Exponate der Aktion ā€žCow Paradeā€œ aus 2012.

Abends fanden wir noch ein kleines Restaurant, wo wir gut essen konnten. 

Das war es aber für den Tag noch nicht. Die Konzerthalle von Ventspils hatte Jubiläum und darum spendierten die Stadtväter abends um 23 Uhr eine spektakuläre Laser- und Musikshow. Sie dauerte 15 Minuten und wurde bis 1 Uhr nachts wiederholt.

Für den nächsten Tag hatten wir uns einiges vorgenommen. Zunächst sollte es zur Steilküste gehen, dann zum Busnieki See, wo wir wandern wollten, dann zu einer von den Russen aufgegebenen Radarstation, und schließlich zum Stellplatz im Nationalpark Sliterne.

Motiviert starteten wir und wurden durch 2 gesperrte Straßen in unserem Tatendrang sehr schnell gestoppt. Die Umleitungen führten uns so weit von unserem ersten Ziel, dass wir darauf verzichteten.

Also auf zum See. 

Kurz vor Erreichen des Parkplatzes war die Strasse durch Polizei komplett gesperrt. Man erklƤrte uns, dass ein Radrennen stattfƤnde. Die Polizist war sehr nett und versuchte für uns eine Parkplatz zu finden, da der See fußlƤufig zu erreichen gewesen wƤre. Er fand auch einen, wurde jedoch von seiner resoluten Chefin zurückgepfiffen. Also: heute kein See und keine Wanderung. 

Ich bog rechts ab und bemerkte nach einigen 100 m, daß alle paar 100 m  auf der Mitte der Fahrbahn Pylonen aufgestellt waren. Mir schwante nichts Gutes. Wir befanden uns tatsƤchlich auf der für das Radrennen abgesperrten Rennstrecke. Jeden Augenblick erwartete ich das Fahrerfeld und das dann folgende Theater. Wenden konnte ich auch nicht mehr. Nach angespannten 10 km stießen wir wieder auf eine Polizeisperre. Man ƶffnete uns bereitwillig das Gitter zur Ausfahrt und statt des erwarteten Donnerwetters begrüßte uns wieder der freundliche Polizist von der ersten Sperre und fragte, ob bei uns alles in Ordnung sei. Ich weiss bis jetzt nicht, wie er vor uns, ohne uns zu überholen, dort sein konnte. Zwillingsbruder? 

Zur Belohnung dieser Aufregungen erhielten wir dann noch einmal 6,5 km übelste Wellblechpiste bis zur Radioteleskopstation von Irben. Dort erfuhren wir, dass ein Besuch 3 Tage vorher beantragt werden muß. Damit war auch unser letzter Programmpunkt obsolet.

Bevor wir unseren Übernachtungsort erreichten, machten wir vorher noch einmal Halt und begingen den Wanderpfad zum Peter See. Das war ein wunderschöner Weg durch den Nationalpark Sliterne.

Wir erreichten unseren Stellplatz im Nationalpark und konnten dort auch noch einmal einen schön angelegten Holzbohlenpfad durch das Moor begehen, bis zu der Stelle, wo ein riesiger Baum den Weg versperrte und wir wieder umdrehen mußten.

Abends waren wir dann alleine auf dem Parkplatz und ließen den Tag bei einem gemütlichen Bierchen ausklingen.

Unsere nƤchste geplante Etappe, stolze 40 km lang, hatte Kap Kolka als Ziel.

Vorher steuerten wir jedoch noch die Hƶrnersammlung des Edgars Hausmanis an. Wir wurden von seinem Sohn freundlich, sowie von seinem Hund unfreundlich empfangen. Edgar Hausmanis war in 2. Generation Fƶrster im Nationalpark und sammelte zeitlebens alle Hƶrner und Geweihe, die er im Wald fand, an die 600 soll die Sammlung umfassen, die sehr liebevoll im Wohnhaus prƤsentiert wird. Er war vor 4 Jahren mit 92 verstorben und sein Sohn, der Deutsch sprach, erklƤrte uns alles. Obwohl wir ihm 10 € für die Führung geben wollten, lehnte er bescheiden ab und behielt nur 5 €.

Dann hatten wir nur noch 10 km bis zu unserem Übernachtungsplatz auf dem Parkplatz am Kap Kolka. Tagsüber herrschte reges Treiben, aber zum Abend hin wurde es sehr ruhig. Wir unternahmen noch einige kleine Wanderungen am Strand und ließen uns eine leckere Soljanka schmecken.  

Weiter ging es am nächsten Tag zum Engures See. Dort befindet sich ein großes Sumpfgebiet, gut geeignet zur Vogelbeobachtung. Desweiteren lebt dort auch eine Herde Tarpanpferde und Heckrinder. Leider waren weder Pferde noch Rinder in Sichtweite. Trotzdem sind die kleinen Wanderungen in der Natur immer wieder schön.

Das zweite Ziel des Tages war der Moorpfad im Kemeri Nationalpark. Das war der bisher schƶnste Weg, den wir gegangen sind, weil die Moorlandschaft und der angelegte Bohlenweg einzigartig waren.

Da es nur noch 40 km bis Riga waren, entschlossen wir uns, dort zu übernachten und nicht, wie geplant im Nationalpark. Dort trafen wir wieder auf Angela und Peter, die geplant dort übernachteten.

Der Riga Stadtplatz, den wir von einer früheren Reise kannten, ist zwischenzeitlich halbiert worden. Wir trafen auf eine große Baustelle direkt neben dem verbliebenen Stellplatz, ergatterten jedoch noch einen Platz auf der Zeltwiese, der ruhiger war.

Den Beginn des nƤchsten Tages kann man unter die Überschrift: ā€žUtes Erlebnisse im Waschsalonā€œ versehen.

Es war klar, wir wollten auf jeden Fall waschen. Dafür hatten wir am Vorabend alles vorbereitet um am nächsten Tag um 8 Uhr die ersten an der einzigen Waschmaschine zu sein.

Wir platzierten uns um 7:45 Uhr vor unser Wohnmobil, die Tür der Rezeption im Auge. Ute wurde als Wachposten eingeteilt, übersah jedoch die Ɩffnung der Tür und sprintete, nach meinem Hinweis, dorthin. Der Rezeptionist war leicht genervt, da er sofort durch GƤste in Beschlag genommen wurde. Ute begann dann an einer Maschine zu fummeln, bis von hinten der Hinweis kam, das sei der Trockner. Schließlich schaffte sie es, die daneben stehende Waschmaschine in Gang zu setzen.

Wir frühstückten vor dem Mobil und sahen nach einiger Zeit den Rezeptionisten quer über den Platz laufen. ā€žDie WƤsche sei fertigā€œ bemerkte er pikiert. Auf Ute’s Uhr war es allerdings noch nicht soweit. Sie lief schnell zur Maschine, wo bereits ein Wohnmobilist auf die Maschine wartete. Sie füllte die WƤsche in den Trockner und betƤtigte den Startknopf – keine Funktion. Dann noch einmal – keine Funktion. Dann rief sie ihren ā€žRezeptionsfreundā€œ zur Hilfe, der einmal drückte und schon funktionierte es. Sie bezahlte dann bar die 7,50 € mit einem 20 € Schein. Er konnte nicht wechseln und sie kramte dann ausreichend Kleingeld zusammen. Als sie den 20 € Schein wieder einstecken wollte, fiel er, physikalisch eigentlich unmƶglich, senkrecht in eine millimeterbreite Ritze am Tresen – und verschwand. Mit viel Mühe, unter dem Tresen verschwindend, versuchte der Rezeptionist an den Schein zu gelangen, was ihm nach einiger Zeit gelang. ā€žDa kann ich mich nicht mehr sehen lassenā€œ waren Utes Worte bei ihrer Rückkehr. Ich werde die WƤsche dann wohl abholen. (Ich habe ausdrücklich Utes Genehmigung für diesen Bericht).

Den Rest des Tages und den darauffolgenden verbrachten wir mit Sightseeing. Riga hat wirklich Einiges zu bieten und wird nicht umsonst als das ā€žParis des Nordens bezeichnetā€œ. Hervorzuheben ist das Jugendstilviertel um die Elisabethstrasse.

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1. Lebenszeichen 2021 Litauen, Lettland, Estland, Polen

21.7.2021 –

Pünktlich am Nachmittag trafen Angela und Peter ein. Gemeinsam registrierten wir uns im Internet zur Einreise nach Litauen und fuhren dann zur Fähre. Das Einchecken war problemlos und das Einfahren und parken in der Fähre gewohnt stressig und eng.

Die Fähre hat uns gut gefallen, sie war sauber, gepflegt und die Kajüten waren ausreichend gross.

Wir hatten super FƤhrwetter, sonnig und windstill. Die Ostsee total ruhig, so dass wir gut schlafen konnten.

Der folgenden Seetag war ebenfalls schƶn, bei gutem Wetter und keinem Wind.

Abends legten wir in Kleipedia an, nachdem wir 30 Minuten vor einer verschlossenen Tür im Treppenhaus warten mußten. Sie hatten vergessen, diese zu öffnen und schließlich durften wir auf unser Deck und uns zwischen den zu eng gestellten LKWs durchschlängeln um zu unserem Wohnmobil zu kommen. Das hieß es rückwärts rausfahren.

Wir hatten beschlossen, gleich auf die Fähre zur Kurischen Nehrung zu fahren und dort in Smiltyne am Yachthafen zu übernachten. Das klappte super, ohne Wartezeit konnten wir auf die Fähre und im Yachthafen fanden wir 2 Stellplätze direkt am Wasser.

Den Tag ließen wir mit einem leckeren Abendessen im Hafenrestaurant ausklingen, wobei ich noch bemerken möchte, noch nie so gute Miesmuscheln gegessen zu haben wir dort.

Am nächsten Tag stand eine längere Fahrradtour auf dem Programm. Die Nehrung hat einen durchgehenden Fahrradweg hinter den Dünen. Man fährt, meist im Schatten, durch Birken- und Kiefernwälder, und hat Zwischenschritt immer wieder Zugang zu dem unglaublichen, fast leeren, kilometerlangen Sandstrand, mit Sand, wie aus der Eieruhr. Nach 22 Kilometer kamen wir in Juodkrante, der ersten größeren Siedlung an. Dort pausierten wir und dann ging es denselben Weg zurück. Leider verabschiedete sich der 3. Gang von Utes Fahrrad. Trotzdem schaffte sie die Tour bravourös.

Zurück am Wohnmobil, trafen wir Angela und Peter wieder, die zu Fuß am Strand unterwegs waren und mit der Fußgängerfähre noch das Hafenfest in Klaipeda besucht hatten.

Wir beschlossen zu viert dort noch einmal hinzufahren und trafen dort auf tausende Leuten. 4 davon trugen Masken, das waren wir. Von Corona war hier weit und breit nichts zu spüren. 

Nach 3 Stunden hatten wir genug von den vielen Menschen und fuhren zurück. Um Mitternacht gab es noch ein Feuerwerk.

Nach einem schönen Frühstück draussen bezahlten wir und wollten das Gelände verlassen. Der gesamte Zufahrtsbereich war völlig mit PKWs zugestellt, so dass wir keine Chance dazu hatten.

Nach energischer Intervention von Ute und Peter wurde uns ein anderes Tor aufgeschlossen und wir konnten doch noch vom HafengelƤnde. 

Es ging Richtung Nida, unserem heutigen Tagesziel. Vorher hielten wir noch einmal in Juodkrante an um den Hexenweg zu gehen, ein Rundweg, an dem an die 80 Holzskulpturen Hexen, Teufel und andere finstere Gesellen dargestellt sind. War ein schƶner Spaziergang.

Danach liefen wir noch zur Kormorankolonie. Die zahlreichen Vögel haben bereits eine große Waldfläche heimgesucht und durch ihren ätzenden Kot die Bäume absterben lassen. Da sie ca. 400 Gramm Fisch pro Tag vertilgen sind sie bei den Fischern nicht gerne gesehen, stehen aber unter Naturschutz.

Ich hatte zuvor mit dem Campingplatz in Nida telefoniert und erfahren, dass es keinen freien Platz für uns geben sollte. Auf der Kurischen Nehrung gibt es nur 2 Campingmöglichkeiten, den in Smiltyne und den in Nida. Da hatten wir ein Problem. Wir beschlossen trotzdem nach Nida zu fahren und, oh Wunder, wir erhielten 2 superschnell Plätze.

Den Rest des Tages verbrachten wir dort.

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